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EOR THE BEOPTLE FOR EDVCATION
FOR SCIENCE
LIBRARY
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THE AMERICAN MUSEUM
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NATURAL HISTORY
von N ke I cn *
Jahrgang 1848. Heft T— AM.
Mit 11 Tafeln),
Leipzig, bey Br» ha.
1848.
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Einige naturbiftorifche, befonders ornithologiſche Bemerkungen auf ber Reife nah Köthen, und über die erfie Verfammlung ber deutfchen Ornithologen daſelbſt zu Ende des Geptembers 1845.
Es ift bereits in dem 1. Hefte der HI tr) einer Zeitfchrift für die gefammte Ornithologie, von Dr. Fr. U. &. Thiene— mann öffentlib befannt gemacht worden, daß unter dem Schutze unfers Naumanns befonders auf Anregung des Hrn. Collab, Baldamus in Köthen eine Verſammlung der deutſchen Ornithologen auf den 27. September des Sahres 1845. feft gefest war, an diefem Tage auch) eröffnet wurde und bis zum 29. September dauerte. Es war etwas hoͤchſt Erfreuliches, die ausgezeichnetften Ornithologen unferes Baterlandes, von denen Mehre ſich noch nicht perſoͤnlich kannten, einander begrüßen und im f&hönften Einverftändniffe mit einander verkehren zu fehen,
Ueber die Reife bemerkt der Unterzeichnete nur Einiges. Hier in Menthendorf wimmelten die mit reifen. Beeren bededten Hollanderbüfche von ſchwarzkoͤpfigen Grasmüden und Rothkehl— hen, unter denen fich noch einzelne Gartengrasmüden, Haus- rothſchwänze und Fichtenlaubfänger (Phyllopneuste rufa) be- fanden. Die Scafiteljen waren faft alle ſchon fortgezogen, fo daß der Verfaffer diefer unterweges nur noch einzelne auf der Wanderung antraf. Auch die Schwalben hatten größten Theile unfer Vaterland ſchon verlaffen und nur einzelne wurden auf dem Zuge bemerkt. Die Feldlerchen waren ſchon in Flügen vereinigt, wanderten aber noch nicht. Einzelne Thurmfalken fah man bier und da über die Felder fliegen oder ritteind Über denfelben ftehen. Die MWürger waren, Lanius excubitor aus: genommen, von welchem nur wenige während der ganzen Neife auf den Spisen der Bäume bemerft wurden, ſaͤmmtlich ver- fhwunden. Bis nach Leipzig reichten die Rabenkraͤhen, jenfeits diefer Stadt zeigten fih die Nebelkraͤhen, welche immer häufiger und nebft den Saatkrähen bey Köthen allein. gefehen. wurden.
In Leipzig befah ich bey Herrn Richter mehrere lebende Thiere, nehmlih. Dammbirfhe, Gänfe und andere. Eine Brandente, Anas tadorna Linn. machte ſich ſehr ſchoͤn, und ich) wunderte mid), daß fie beim Gehen viel von dem Schienbeine fehen ließ, alfo wie ein Auser obscurus, den ich lange lebend. hatte, ſehr hochbeinig ging.
‚Sanz befonders merkwürdig war mit. ein Drang: Utang (Si- mia Satyrus), weichen Herr Sieber in Leipzig zeigte, Es war der erfte, welchen ich lebend fah und wohl der erfte, mel- her in Deutfchland gezeigt worden if. Er mar noch nicht ganz ausgewachſen, etwa 4 Fuß hoch, ‚wenn er ftand. Aller⸗ dings hatte er in feinem ganzen Geſichte etwas Thierifches, weil fein Gefihtswinfel ganz anders ift, als felbft bey dem am Menigften ausgebildeten , menſchlichen Gefichte, auch die Behaarung des Gefichtes ift thieriſch. Allein zu leugnen ift doch nicht, daB er im Leben mehr Menſchliches hat als. fich Iſis 1848. Heft 1.
an ausgeftopften wahrnehmen läßt. Seine Mienen find mie fein Bli denen des Menfchen ähnlicher als bey irgend einem andern Thiere. Er hat in feinem Blicke nicht das Liſtige und Boshafte der andern Affen, fondern vielmehr etwas Gutmuͤ— thiges, Zutrauen und Theilnahme Erwedendes. - Er war krank und befand fi) in einem geheizten Saale. Er lag auf einem weichen Lager und deckte fich mit einem Node zu. Die Art, tie er diefes that, die Meife auf welche er unter dem Mode hervorblidte und in.feinen Mienen feinen Schmerz ausdrüdte, fih hinter den Ohren kratzte, eine Zaffe mit Milch in die Hand nahm und aus ihre trank — Alles diefes hat etwas Menſchliches und machte auf mich und meine Frau einen tiefen Eindrud.. Er lag lange ruhig da und erfüllte unfern Wunſch, berumzugehen, lange Zeit nicht. Sein Herr wollte ihn, eben weil ee franE war und 4000 Mark gekoftet hatte, nicht ans firengen und zum Gehen veranlaffen, fo ſehr wir es aud wuͤnſchten. Endlich aber ftand er auf und ging auf den Hin- terfüßen nach dem heißen Dfen zu. Da trat ihm fein Herr entgegen, weil er fürchtete, daß ihm die Hitze des Ofens ſchäd— lich ſeyn koͤnnte. Sogleich breitete der Drang=Utang feine Arme aus, umfclang feinen Heren, wie ein Kind, das getra- gen ſeyn will, feine Wärterinn mit den Vorder- und Hinter: fügen und ließ fi) von ihm auf das Lager zuruͤcktragen. Diefes hatte etwas wahrhaft Nührendes. Man merkte deutlih, daß der Affe die Kiebe feined Heren nicht nur Fannte, fondern auch zu ſchaͤtzen wußte, feine Worte vollfommen verftand, und ihm feinen traurigen Zuftand auf alle Art bemerklic machen wollte. Auch darinn lag ſehr viel Menfchlihes. Beim Gehen bemerf- ten wir, daß es ebenfo gut auf den beiden Hinterfüßen als auf allen 4 Füßen gefchah.
Allein fein Gang auf den beiden Hinterfüßen weicht fehr vom menfhlihen Gange ab. Nicht nur, daß derdes Drang-Utangs weniger aufgerichtet und ficher ausgeführt wird — der Drang» Utang geht mit etwas gefenftem Leibe und Kopfe und madelig — fondern er zieht auch — menigftens that dieß der von ung beim Geben, was er in unferer Gegenwart mehrmals. unter: nahm, beobachtete, ftet8 — die Zehen ein, weil er durchaus £ein richtiger. Sohlenfüßler ift und, geht mit auf ihrer Dber- fläche. Sch ſprach mit. Herrn Sieber darüber und er fagte mir, daß er. ftets fo gienge, offenbar. aus Eeinem andern Grunde, als weil er vom Schöpfer weit mehr zum Klettern, als zum Gehen auf ebener, Erde beftimmt ift. Die Sehnen feiner Hinterzehen dehnen fich nicht fo weit aus, daß er diefe gerade ausſtrecken Eönnte,. bilden alfo mehr oder weniger einen hohlen Fuß, was ihm beim Gehen hinderlich ift, beim Klettern. aber,
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da diefe Sehnen ſtark find, und bie Zehen wie bie Finger ,
einer menfchlihen Hand zufammenziehen, dem Drang = Utang fehr gute Dienfte leiften.
Mir vermeilten 2 Stunden bey diefem merkwürdigen Ge— fhöpfe, — die beiden andern Affen, welche noch da waren, erregten unfere Aufmerkfamkeit wenig, — und £ehrten höchfk zu= frieden zuruͤck. Später Eaufte ihn Here Richter, verlor ihn aber bald, weil feine Krankheit nicht zu heilen war.
In Halle befuchte ich zuerft den Heren Profeffor Dr. Bur— meifter und wurde von ihm, feiner liebenswuͤrdigen Frau Gemahlinn und verehrungsmwiürdigen Frau Mutter mit großer Güte aufgenommen. Der Herr Profeffor zeigte mir zuerft ſei— nen Garten, in dem befonders die laͤngſt einer Mauer ftehenden Meinftöde, mit Trauben, wie ich fie nur am Rheine gefehen hatte, meine ganze Aufmerkfamfeit auf fich zogen. Von feinem fhönen Haufe dus — es ſteht auf der fogenannten Prome— nade — hat man eine herrliche Ausſicht über ganz Halle und die Umgegend und es dürfte fich in diefer Beziehung, wie an Schönheit und Bequemlichkeit kaum ein anderes Haus in Halle mit dem feinigen meffen £önnen. Dann befah ic feine aus: gezeichnete Kaͤferſammlung. Diefe ift zu berühmt, als daß es nöthig wäre, ein Wort über fie zu fagen. Nur das bemerfe id), daß auch viele neue aus Dftindien — unter ihnen einige von der Größe unferes Flußkrebſes — meine Aufmerkfamkeit ganz befonders in Anfpruch nahmen, Die jest fehr bedeutende Snfectenfammlung des Mufeums der Univerfität verdankt ihm ihre Entftehung faft ganz.
Die Vogelſammlung der Univerfität war mir fehon bekannt; id) hatte fie im Jahre 1832. gefehen — und werde fpäter auf fie zuruͤckkommen.
Den 26. September Abends Fam id) in Köthen an und fand fchon viele Drnithologen anmefend. |
Den 27. wurde zur Wahl der Vorfteher gefchritten und für diefen Zag zum Vorfigenden der Herr Dr. Naumann, für den folgenden der Verfaffer diefes und für den letzten wieder ber Hr. Dr. Naumann erwählt. Herr Baldamus wurde ber Gefchäftsführer und der Here Dr. Thienemann über: nahm die Führung des Protocolls. Auf den allgemeinen Wunſch eröffnete der Verfaſſer diefes die Werfammlung mit einer Mede, hieß alle Freunde der edeln Drnithologie herzlich willkommen, zeigte die Wichtigkeit und den Werth folcher Vereinigungen und ſprach die Hoffnung aus, daß auch unfer Verein für die Wiſſen— ſchaft feine Früchte tragen würde. Dann las der Hr. Dr. Thienemann ein in der Rhea abgedrudtes Gedicht und die Verhandlungen begannen. Der Schreiber diefes trug zuerft aus dem Stägereife vor: „Die möglibe Vorausbe: fimmung ber Witterung durch Beobachtung ber Zhiere, befonders der Vögel.” Er hat diefe Abhand— lung fpäter niedergefchrieben und in der Allg, Nat. Zeit. , welche in Dresden erfcheint, abdruden laſſen.
Die Verhandlungen find in der Rhea mitgetheilt und des— wegen braucht hier nur Wenig über fie gefagt zu werden. Unter den fchönen Vogelbälgen, welche der Herr Confervator Schra: der aus Lappland eingefandt hatte, erregten beſonders Soma- teria spectabilis und dispar — daß diefe eine Eidergans iff, zeigt der erfte Blick — unfere Aufmerkfamkeit. Die Weibchen der legten haben — ben Schnabel ausgenommen — fo viele Aehnlichkeit mit denen der Som. mollissima et spectabilis, daß Jedermann auf den erften Blick fagen muß, es fey eine Eidergans. Merkwuͤrdig ift e8, daß Somateria spectabilis,
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welche bekanntlich in Norwegen zu den großen Seltenheiten ge— hört, in Lappland weniger ſelten vorkommt. Sie hat alfo eine nicht blos weftlihe, fondern auch eine öftliche Verbreitung, und geht wahrfcheinlih um den ganzen Pol herum. Das Neft von Fringilla montifringilla hat wie die Ener dieſes Vogels große Aehnlichkeit mit dem der Fringilla coelebs, was ſchon Boje bemerkt. Da auch Eyer von Larus glaucus vorgezeigt wurden: fo ift dieß, vorausgefegt, daß fie richtig find, ein meuer Bez weis, daß auch diefe Möve nicht bloß eine nordweftliche, fondern auc eine nordöftliche Verbreitung. hat. Der Here Profeffor Dr. Naumann hatte die Güte, dem Referenten einen Gold: ammer und eine Zurteltaube, beide aus Lappland, zu fchenfen; von ihnen fol an einem andern Drte in diefen Blättern die Rede feyn.
Der Here Mpothefer Giebelhaufen aus Zerbft legte 2 Adler vor. Den einen erkannte der Neferent auf den erften Blick für feine Aquila fusca, welche waͤhrſcheinlich die Aquila clanga des Pallas ift — weiter unten wird daruͤber mehr gez fagt werden — und der andere ift der alte Vogel der Aquila chrysaetos, welhe auh Naumann, fpäter in feinen Nach— traͤgen gut befchrieben und fehr ſchoͤn abgebildet hat. Merk: würdig ift e8, daß 2 Aquila fusca, welche dort in der Nähe sefhoffen waren — bie eine ift die des Herrn Giebelhau- fen — vorgelegt wurden, Es waren ein Paar Vögel im er ften Herbſtkleide, welches bey den Raubvoͤgeln bekanntlich das SugendEleid ift, und offenbar ein Paar Gefhwifter.
Nachmittags wurde die herzogl. Vogelfammlung, bie früher Heren Naumann gehörte, in Begleitung der Brüder Nau-
mann befehen und es zeigte fich auch hier, wie wichtig Die |
Sammlung eines Mannes ift, der fie als Grundlage feiner Schriften benugt hat. ine folhe Sammlung hat ftets claffi- fhen Werth, In Naumanng Anser minutus erkannte ic) Anser brevirostris Heckel, und da diefer den Vogel früher als Naumann benannt hat, fo gebührt feiner Benennung ber Vorzug. Ueber die Gänfe werde ich fpäter eine befondere Ab⸗ handlung geben. Wie freute ich mid), Turdus auroreus, Seyffertitzii (wahrſcheinlich T. pallidus Pall.), Naumanni et minor, den Pterocles arenarius und viele andere in Deutfch- land erlegte feltene Vögel zu fehen. Die beiden Herren Nau- mann hatten die Güte, überall ihre belehrenden Erläuterungen zu geben.
Der Sonntag wurde Vormittags zur Beſichtigung der teich- haltigen Eyerfammlungen der Herren Baldamus und Paͤß— ler benugt. Der Erftere hatte die. Güte, den Verfaſſer diefes mit dem Gefchenfe mehrerer Eyer, unter denen ſich ein Ey der Fringilla montifringilla befindet, zu erfreuen. In dem Ver: fammlungsfaale, in der Reftauration der Eifenbahn wurden mehre feltene Vögel, welche die Herren Goͤtz und Plohr aus Dresden mitgebracht hatten, befehen, unter denen fich Sylvia calliope, Linaria (Fringilla) borealis und 2 Adler aus Gtie- chenland und eine Gans befonders auszeichneten. Weber diefe Adler herrfchte aber Feine Ungewißheit, wie man aus dem ©.4. der Rhea Gefagten vermuthen Eonnte, fondern Herr Plohr zeigte fie mir als junge Vögel der Aquila imperialis und ich erkannte fie, da fie mit Naumann Abbildung des jungen Königsadlers die größte Aehnlichkeit haben, fogleich als ſolche an. Die Eleine Gans, welche Herr Goͤtz mitgebracht, hat mit meinem Anser eineracius große Aehnlichkeit, auch von ihr wird im einer befondern Abhandlung über die Gänfe bie Rede ſeyn. —
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Die Linaria (Fringilla) borealis zeichnet ſich von den Ver: "wandten aus 1) durch den gänzlihen Mangel des Nothen an der Bruft und 2) den rein weißen Bürzel. Her Naumann behauptete, ſchon ähnliche Vögel bey ZiebigE angetroffen zu ha= ben, und ber Referent erhielt im December 1845. einige unferer Reinzeifige, welche dieſer grönländifchen Linaria borealis fehr nahe fommen. Naumann zeigte eine bey Magdeburg ge: ſchoſſene Sterna fuliginosa vor.
Die Emberiza rusfiee, welche Herr Rammelsberg vor: Tegte, ift am 2. April 1844. nicht vom Heren Oberländer, fondern vom Heren Goͤhring bey Schoͤnheide geſchoſſen. Hr. Oberlaͤnder hatte fie für Emberiza schoeniclus L. ges
alten.
a demfelben Tage geruhte Se. Hoheit, der Herjog von Anhalt: Köthen durch Se. Ercellenz den Herrn Oberfthofmeifter von Sternegk die Gefellfhaft begrüßen zu laffen, und der Berfaffer, der diefen Tag Präfident war, hatte die Ehre den Dank des Vereins auszufprehen. Nachmittags wurde der ‚Herr Profeffor Dr. Naumann, welder die Glieder der Ge— ſellſchaft zu ſich eingeladen hatte, befuht: allein von diefem herrlichen Aufenthalte auf Ziebigk handle ich weiter unten aus: führlich, da er für mich das MWichtigfte von Allem war.
Am 29. September wurde als nächfter DVerfammlungsort Dresden beftimmt und Herr Thienemann und Herr Goͤtz übernahmen die Gefchäfts» und Protocollführung.
Der Herr von Homeher legte unter mehreren feltenen Vögeln feiner reihen Summlung ein fchones auf Nügen ge: fangenes Männchen des Turdus sibirieus Pall. vor.
Der Verfaſſer diefes zeigte einen neuen Scilffänger nebft Met und Eyern vor, nehmlich feine Calamoherpe pinetorum, und erlaubt fich hier Einiges Über dieſen interejfanten Vogel zu fagen. Früher fchrieb ihm der Herr Prediger Zander aus Luͤbs in Medtenburg — er ift jeßt Prediger in Barkow, und war zu unferer Aller rende mit feinem Schwager gegenwärtig — daß es bey ihm einen Nohrfänger gebe, welcher im Fichten- didichte finge. Diefes war mir fo merkwürdig, daß ich ihn dringend bat, mir möglicy bald einen folchen Vogel zu enden. Diefes gefhah und ich erhielt einen Nohrfänger, welcher in der Schnabelgeftalt und Farbe zivifchen Calamoherpe arundina- cea et ‚palustris mitten inne ſteht. Us ih Herrn Nau— mann in Köthen ein Exemplar überreichte, war derſelbe ges neigt, es für Calamoherpe palustris zu halten. Diefe ift es aber nicht, wie wir bald fehen werden. Sch gab mir nun ‘wieder mit den Nohrfängern die größte Mühe, unterfuchte mei: nen bebeutenden Vorrath diefer Vögel und fand ein im Auguft bier erlegtes Gefchwilterpaar, welches ich Früher zu meiner ‚Calamoherpe salicaria gerechnet hatte. Von Neuem forderte ich meinen Freund Zander auf, diefem Rohrfänger große Auf: merffamfeit zu widmen. Er that es und fchrieb mir, daß diefer Vogel aus den Fichtendidichten in die Rohrteiche fliege und in ihnen nifte. Allein er lebe auch in den Gärten, baue fein niedfiches Neft oft auf Baͤume, zumeilen fogar 9 bis 10 Fuß über den Boden, und fey fehr flüchtig. - Herr Tobias, Gonfervator in Görlig, hatte mir einen Rohrſaͤnger gefchickt mit der Bemerfung auf dem Zettel: „weit vom Waſſer in einem Seldftrauche geſchoſſen,“ und zu meiner Freude ‚erkannte ich in ihm die Calamoherpe pinetorum, wie in einem andern, den mir der Hear von Homeyer zw. überfchiden die Güte hatte. So wußte ih nun, daß dieſer niedliche Vogel in einem großen Theile von Norddeutfchland lebt. Allein auch hier hatte ich
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ihn unterdeffen wieder angetroffen. Am 11. Anguft 1842. be merkte ich in den biefigen Zeichen einen Rohrſänger, welcher ſich durch fein flüchtiges nnd ſcheues Mefen anszeichnete. Er blieb nicht im Rohre, fondern flog in dag angrenzende Gebüfch und fogar auf die naheftehenben Baͤnme, und dann wieder in die Teiche zuruͤck. Diefes Betragen und das ſcheue Weſen fiel mir fo ſehr auf, baß ich meine Bemuͤhungen verdoppelte, um feiner habhaft zu werden. Nach einer halbftündigen Jagd er: legte ich ihm und fah auf den erften Blick, daß ich Calamo- herpe pinetorum vor mir hatte.
Unterdeffen erhielt idy von meinem Freunde, dem Herrn Apotheker Bädecker in Weſtphalen die Nachricht, daß er auf einer Neife in feinem WBaterlande diefen Wogel in einem Ge— müfegarten angetroffen, wo er in fehr dicht ſtehenden Bohnen ſich herumtrieb. Er ſchoß ihn endlich, aber zerſchoß ihn fo fehr, daß er zum Ausftopfen nicht zu brauchen war; allein die mir gegebene Befchreibung läßt Eeinen Zweifel übrig, daß je- ner Vogel unfer Fichtenſchilfſaͤnger geweſen ift.
Am 17. May 1845. traf mein Sohn Reinhold ein Maͤnn— chen dieſes Vogels in den hieſigen Teichen an und erlegte es; acht Tage ſpaͤter ſchoß er ein Weibchen an derſelben Stelle.
Mein ganzes Streben war nnn darauf gerichtet, dieſen ine tereffanten Vogel wo möglich an feinem Brutorte zu beobachten und fein Neft mit den Eyern aufzufinden. Das gelang mir in demfelben Sabre. Sc hörte 14 Stunde von bier einen Schilfſaͤnger, deffen Gefang mir auffiel, begab mih an den Teich in welchem er fang und fand fein Neft, in welchem 4 Eyer lagen, fehr bald auch eins, in welchem die Eyer wahr: ſcheinlich zu Grunde gegangen waren. Diefes legtere ftand in einem fehr dichten, auf dem Zeichdamme befindlichen Bufche zwifchen Fliederzweigen in einer Gabel, war fehr geſchickt angebracht und ſchwer zu entdeden. Das andere fand zwiſchen 4 Nohrften- gen von Arundo phragmitis nicht weit vom Ufer und war leicht aufzufinden. Sch nahm es fammt den Eyern mit, Vier Wochen fpäter begab ich mich mit dem Gewehre und meinem Sohne Reinhold an denfelben Ort und mir entdediten bald das 3. in diefem Jahre gebaute Neft unferes Vogels mit 3 eben ansge— krochenen Sungen, welche wir ungeftört liegen ließen. Es ſtand auch im Nohre nahe am Ufer, war aber etwas mehr verborgen als das früher mit Eyern aufgefundene. Sept wurden die an: dern in der Nähe liegenden Teiche — alle diefe find im Roda— thale und haben außer dem Rohre, das in ihnen und an ihren Ufern wächſt, viel Erlengebüfh an den letzteren und neben ben- ſelben — unterfücht. Zu unferer Freude fanden wir noch 2 Familien unferes Schilfſängers und erlegten 2 Alte. und meh— tere unge Mir bemerkten bey der Beobachtung dirfer 3 Paare die fhon früher bey diefen Vögeln mahrgenommenen Eigenfhaften. Sie alle blieben nicht in den Nohrteichen, ſon— dern verliefen fie, wenn fie verfolgt wurden, tetteten fich in diefes Erlengebuͤſch und flogen fogar mit ihren völlig flugbaren Jungen in einen andern Teich, fo daß fie ſehr fchwer zu ſchie— fen waren und leicht aus den Augen des Verfolgers Eamen. Die, welche die Eleinen Jungen hatten, waren ſehr deeift. Sie blieben faft immer in dev Nähe des Meftes, ſtraͤubten die Kopf: federn, fehrieen laut, um ihre Feinde womöglich zu verſcheu— chen, und feßten ſich dabey der augenfcheinlichten Lebensgefahr aus, da fie oft 4 bis 6 Schritte von ung ſaßen. Diefe un= gewöhnliche Anhänglichkeit der Alten an ihre Jungen und ihre augenfcheinliche Verachtung aller Todesgefahr hatte etwas Ruͤh— vendes. Bey diefer Gelegenheit bemerkten wir, was wir aud)
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bey den beiden andern Paaren beobachteten, daß dieſe Vögel in ihren Lodtönen fehr von den Verwandten abweichen. Sie fchrenen bey den Jungen nicht nur terr, terr, tier, tier, fon= dern auch Ei, Eli, Eli, ein Ton, den ich noch nie von einem Schilffänger gehört habe.
Neun Tage fpäter giengen wir wieder an denfelben Ort, um wo möglich die Alten bey dem Nefte zu fangen, Das Neft ftand an fo ſchwachen Nohrftengeln, daß es ſich gefenft und ein Sunges verloren hatte, welches todt im Waffer lag. Ich nahm es mit und jtopfte es mit Mühe aus. Um die Alten unbefhmust zu erhalten, ftellten wir neben das Neft Schlin= gen, jede von einem einzigen Pferdehaare, mit welchen ich ſchon als Student ein Paar Calamoberpe arbustorum bey den Sungen gefangen hatte. Die Alten kamen, waren aber fo ge fit, daß fie die Schlingen vermieden und auf die Seite fhoben, chne fi zu fangen. Wir legten nun fo viele Schlin- gen, dad das Vermeiden oder Verſchieben derfelben nicht mög: lich war. Sest gieng aber dag Männchen nicht mehr zu dem Neſte und wir fiengen erft nad) einiger Zeit das Meibchen. Da das Männchen nicht mehr zum Nefte fam, wollten wir es ſchießen; allein. auch dieß gelang nicht. Es war fo fheu geworden, daß es nicht zu erlegen war, fo viele Mühe wir auh auf feine Habhaftwerdung verwendeten. Wir nahmen nun das Meibchen mit den beiden Jungen mit nad) Haufe und ftedten Alle in einen langen Käfig. Bey genauer Beſich— tigung diefes MWeibcheng bemerkte ich zu meiner Verwunderung, daß es am 2. September, zu einer Zeit, zu welcher feine Ber: wandten unfer Vaterland ſchon längft verlaffen hatten, noch) ganz unvermaufert war. Sein Gefieder war auch nod recht fhon, Dieß ift ein neuer und deutlicher Beweis, daß die Maufer mit der Fortpflanzung in Verbindung fteht. So lange diefe dauert, bleibt jene ausgefest. Diefes Weibchen hatte zu der Zeit, in melcher der Wechſel der Eleinen Federn bey den Robrfängern ſchon vollendet war — die Schwung: und Steuer: federn vermaufern diefe Vögel im Winter, zu melcher Zeit die Hauptmaufer eintritt — noch alle alten Federn fo ſchoͤn mie die andern zu Anfang des Julius. Es war durch den Unter- gang zweyer Bruten zur 3. veranlaßt worden und fo war bie ganze DOrganifation in Hinſicht des Federwechfels fo anders ges worden, daß es die Sommermaufer ganz überfprungen haben würde.
Meine Hoffnung, diefe Nohrfängergefellfchaft am Leben zu erhalten, gieng nicht in Erfüllung. Ich gab dem Weibchen lebende und zerfchnittene Mehlwürmer, Fliegen, Käferhen und andere Inſecten, allein e8 nahm nicht nur fein Futter an, fondern reichte auch den Jungen Nichts, fo hungrig diefe aud) waren. Da ich nun weder Zeit noch Luft hatte, allen dieſen Voͤgeln Futter einzufteden, fo ftarben fie fehr bald.
Sm vorigen Fahre war dieſer Teich von den Scilffängern verlaffen; in diefem aber (1847) ift er wieder von einem Paare bevölkert und ich werde nächfteng eine Jagd auf fie machen. Der Gefang unferes Schilffängers ähnelt allerdings dem der Calamoberpe arundinacea; allein er ift angenehmer, hat an: dere Strophen und unterfcheidet fi) ganz befonders dadurch von dem feines Verwandten, daß der Ton Eli, Eli öfters in ihm vorfommt. Er ertönt, da unfer Vogel ein fehr ‚eifriger Sänger ift, zur Brutzeit fat ununterbrochen fort und ich habe ihm oft lange mit Vergnügen zugehört. Es ift ſehr merfwür- dig, daß er erft feit wenigen Sahren bey ung eingemandert ift. Sn demfelben Teiche, in welchem ich das eine Paar antraf,
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brütete früher meine Calamoherpe alnorum, fpäter meine |
Calamoherpe hydrophilos und jest alfo Calamoherpe pine- |'
torum. Etwas Aehnliches bemerkte ic) bey den Kernbeißern,
Staaren, Haubenlerchen und andern Vögeln, worüber Fünftig |
mehr gefagt werden foll, |
Fa Schluſſe gebe ich noch eine kurze Beſchreibung biefes | ogels.
Artkennzeichen.
In der Geſtalt des Schnabels, der Farbe des Koͤrpers und der des Buͤrzels ſteht er zwiſchen der Calamoherpe arundi- nacea et palustris mitten inne.*
Befhreibung.
Der Fichtenfchilffänger ift 4 11" bis 5” 2" Tang, wovon auf den Schwanz 1” 10 bis 11 kommen und 7 bis 7” 3" breit, wovon die Schwingenfpige vom Buge an 2 4 einnimmt. Der Schnabel mißt von der Stirn bis zur Spiße in gerader Linie 9", der Hals 10°, der Kumpf 1’ 3, der Schenkel 6"', das Schienbein 1" 1’ und die Fußwurzel 10“.
Das Hochzeitkleid.
Der Schnabel ift auf dem Dberkiefer dunkel hornfarben, der untere hornweißgelblic, der Machen dunfelorangengelb, der Aus‘ genftern erzfarben, der Fuß bieyfarben, ins Grüngelbe ziehend, an den Sohlen gelblih, an den Nägeln dunfelhornfarben; der ganze Oberkörper ift ölgrau, etwas ins Grüngraue ziehend, auf dem Buͤrzel matt ölfarben, an den Zügeln, bis über das Auge ein ſchmutzigweißer, wenig in die Augen fallender Streif; ein fhmusigweißer Ning umgiebt das Auge. Die Farbe des Ober— Eörpers fteht zwifchen der der Calamoherpe arundinacea et palustris mitten inne; dieß bemerft man auch an dem Bürzel; denn diefer ift nicht grün, wie bey der letztern, aber audy nicht bellölfarben, wie bey der erftern. Ebenfo zieht der ganze Ober— koͤrper weniger in das Delfarbige als bey der Calam. arundi- nacea und allen ihren aͤhnlich gezeichneten Verwandten (der Calamorherpe arbustorum, alnorum, canneti, salicaria, stagnatilis et hydrophilos), aber aud viel weniger in das Grünliche, alg bey Calam. palustris. Die Schwung- und Steuerfedern find tiefgrau mit ölgrauen Federfäumen an der äußeren Fahne und an der Spike, die meiften der erfteren auch mit weißlichen Kanten auf der innern Fahne. Der Unterflügel tiefgrau, weißlich Überflogen, an den Unterflügeldecifedern graus lichgelblichweiß. Der Unterkörper iſt weißlich, an der Bruſt und den Seiten roftgelbgrau Überflogen, wovon man audh an den Unterſchwanzdeckfedern eine Spur bemerkt, Der Unterkoͤr— per fteht ebenfalls in Hinficht der Zeichnung zwiſchen Calam. arundinacea et palustris mitten inne; denn er ift weniger mit Delgrau überflogen, als bey der erftern, aber weniger weiß als bey der legtern.
Er ändert in der Größe und Farbe wenig ab; denn dag Meibchen ift kaum Eleiner als das Männchen und die Farb des Dberförpers zieht bey einigen: mehr, bey andern weniger in das Grünlichgraue. |
Sm Sommer ſchießt die Farbe etwas ab; im Julius be ginnt die Maufer, erftreckt fi aber, wie. ſchon bemerkt wurde,
* Dieß fieht man daraus, daß ihn Freund Zander mir als Cal. arundinacea ſchickte, und Freund Naumann für Sylvia palustris hielt, —
nur auf bie Eleinen Federn und wird felten in unferm Vaterlande vollendet. Iſt fie dieß, dann fieht unfer Schilfſaͤnger alt
im Herbſtkleide
dem Vogel im Hochzeitkleide fehr ähnlich; nur find die Schwung- und Steuerfedern abgetragen und verſchoſſen, die übrigen aber, weil fie friſch find, gemöhnlih etwas Iebhafter als. im Frühe jahre.
Erftes Herbft£leid.
Der Schnabel ähnelt dem der. alten Vögel, ift aber am Un: terkiefer hornweißlich. Der Rachen und die Zunge find. bla, gelb, der Augenjtern ift dumfelerzfarben, der Fuß blenfarben, an der Fußwurzel etwas an den Zehen ſtark ins Grünliche ziehend. Bemerkenswerth ift e8, daß diefer Nohrfänger, wie Calam. arbustorum, alnorum, canneti, salicaria, stagna- titis et hydrophilos und alle Subspecies der Sylvia (Cala- moherpe) phragmitis auet. im Jugend= und erſten Herbſt— Eleide 2 [hwärzlihe Fleckchen auf der Wurzel der Zunge. hat. Diefe Fledchen fehlen den gleihalten Vögeln der Calamoherpe palustris, musica et philomela und deswegen braucht man diefen Vögeln im Sommer nur den Schnabel zu öffnen, um ben den noch nicht einjährigen fogleich zu fehen, ob fie zu den erftern, oder. zu den letztern gehören, und wenn Jenes der Fall ift, ob fie alt oder jung find. Sch hoffe, daß die Mit: theilung -diefes ſehr fihern Kennzeihens Manhem angenehm ſeyn werde. Im Uebrigen ift diefes erfte Herbftkleid dem 2. fehr ähnlich, allein die Schwung» und Steuerfedern find frifch und. haben deutliche helle Kanten.
Das JugenbdEleid
‚ähnelt dem der Cal. arundinacea fehr; allein e3 zieht auf dem Oberkoͤrper weniger in das Delfarbige und ift auf dem Unter: koͤrper heller, hat auch einen kleinern Schnabel.
Zergliederung.
Sein innerer Bau ift dem der Verwandten fehr ähnlich, der
innere Schnabel iſt etwas rinnenartig, an der fcharfen Schneide nicht eingezogen, mit kaum bemerkbarer Mittelleifte. Der Rachen ift weit, der Gaumen breit mit langem, ſchma⸗ lem. Rise, deſſen nicht erhöhte Ränder. faum merklich gezaͤh— nelt und deffen Nebenteiften kaum bemerkbar find. Der Körs per ift wie, bey den Verwandten geftaltet; 2 Rippen liegen unter der Bruſt; die Lufröhre mittelweit, mit: ziemlich. har⸗ ten, aber fehr zarten Ningen, .deutlichem Muskelapparate und £urzen Aeſten. Die Speiferöhre, der Vor- und eigent- liche Magen wie bey den Verwandten; der Darm oben wie ein Raben-, unten mie ein Krähenfiel, 5 lang mit 2 engen, 3 langen, 6’ vom After entfernten Blinddärmen. Da fein innwendig röthlichbrauner, lederartiger Magen: mit Marken, Muskeln verfehen. ift, fo. alaube ich, daß weniger weiche ‚als harte Infecten, namentlih Kaͤferchen, feine Hauptnahrung ‚ausmachen. . Die in ihm gefundenen Inſecten waren fo zerries ben ‚daß. ihre Arten nicht zu erkennen waren. Er nimmt diefe ‚Kerbthiere nicht nur von den Nohrblättern und Rohrſtengeln, ‚Sondern füngt fie auch aus der Luft weg und lieſt fie von den Blättern, befonders denen der Erlen ab.
Fortpflanzung. „Ueber fie. ift ſchon Einiges oben bemerkt. Die 4 Nefter diefes Vogels, welche. vor. mir, liegen, ähneln einander fehr. is 1847. Heft 1.
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Man fieht auf ben erſten Blick, daß «8 Schilffängernefter fi denn fie haben die Geftalt und Bauart der Nefter ———— arundinacea; allein fie weichen in folgenden Stuͤcken ab. 1) Sind ſie lockerer gebaut; die Neſtſtoffe ſind nicht fo feſt in einander vers flochten, und. deswegen fehen fie auch auswendig nicht fo glatt aus. 2) Sind die Stoffe andere. Bey denen der Cal. arun- dinacea find es hauptfächlich fchmale Pflanzenblätter und Baſt⸗ freifen, welche das Neft bilden; bey den Neftern unferes Vo— gels fommen außer diefen noch weichere Stoffe hinzu, nament: lich Wergkluͤmpchen, Pflanzenwolle u. dgl. Inwendig find fie mit Grashaͤlmchen und zarten Blaͤttchen, aber weniger glatt und ſchoͤn ausgelegt, als bey Cal. arundinacea, Mir fanden bisjegt in den Neftern, welche zwifchen denen von Cal. arund. et palustris in der Mitte ftehen, 3 bis 4 Eyer, bey denen dieß, die Größe ausgenommen, derfelbe Fall iſt. Sie find ges wohnlic, doch nicht immer £leiner, als die der Cal. arundina- cea, ſtets fleiner als die der Cal. palustris, 7 lang und 54° breit, länglich oder etwas kurz eyrund, mit glatter, glaͤn⸗ zender Schale, weißlich, mehr oder weniger mattgruͤn uͤberflo⸗ gen, mehr oder weniger dicht mit olivenfarkigen, olivengrün= grauen und einzelnen braunen Fledchen und Flecken befegt. Diefe ftehen einzelner als bey Cal. arund., aber dichter als bey €. palustris. Inwendig find fie weißlich.
Ueber die von mir der Verfammlung vorgelegten Vögel be: merke ic Folgendes. Der Herr Dr. Thienemann fagt ©. 5. der Rhea, meine Crueirostra bifasciata et leucoptera hätten ſich ald eine. Species erwiefen, auch ſey man geneigt gemwefen, die Crucirostra pityopsittacus, weil ich eine zwifchen ihr und meiner Crucirostra pinetorum mitten inne ftehende Gattung vorlegte, wieder einzuziehen. Hier ift er aber in großem Irr— thum, indem er feine Meynung als die der ganzen Verfamm- lung darftellt. Bey der folgenden Verfammlung in Dresden Auferte Herr Thienemann, er fey überzeugt, daß alle Kreuz: ſchnäbel der Erde nur einer Art angehörten; der Berfaffer und Her Schulz widerfprachen, und obgleich die Andern ſchwie⸗ gen, fo waren fie doch nicht Herrn Thienemanns Meynung, was ic ganz bejtimmt weiß. Es mürde zu weit führen, die Kreuzfchnäbel, fo weit ich fie Eenne, hier zu befchreiben; ich behalte mir für die Zufunft eine Zufammenftellung und Scil- derung diefer merfwürdigen Vögel vor.
Was die Thurmfalfen, Cerchneis Boje, anlangt, be merke ich, daß ich eine Reihenfolge: vorzeigte, die allerdings Staunen erregte. Der Herzog Paul Wilhelm von Mürt- temberg, Königl. Hoheit, diefer berühmte und große Ornitholog geruhte mir. unter andern ‚merfwürdigen Vögeln auc)- feine Cerchneis rupieolaeformis zuzufenden. Sie ift der unfrigen auf dem. Oberkörper ähnlich, aber auf dem röthlichgefärbten Un: ter£örper der Cerchneis rupicola glei, von ihr aber durch den wenig gebänderten Schwanz unterfehieden. Dieſe Färbung zeige fi aber nur beim ausgefärbten Männchen. Zweh hier gefchoffene, gepaarte Paare ähneln. diefen egyptiſchen ſehr. Auch legte ich einen Thurmfalfen vor, deffen altes Männchen einen fajt oder ganz ungefledten Rüden und wenig gefledten Mantel hat, wodurch es ſich der Cerchneis cenchris nähert: Sch nenne ihn Cerchneis intereedens. Ein anderer Ihurmfalke nähert ſich diefem kleinen, der C. eenchris durch ‚die geringe Körpergröße; ich nenne ihn deswegen Cerchneis minor.
Noch ein Thurmfalke, welcher in Ungarn und Griechenland lebt — fein Männchen: zeichnet ſich durch den dunfelgebänderten Schwanz und fein Weibchen durch. die hochrothe Farbe aus —
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Suſemihl hat das Ießtere in feinem Werke abgebildet — fommt zuweilen auch hier vor; ich befiße ein vor vielen Fahren bier gefchoffenes gepaartes Paar mit den Jungen — die letztern unterfcheiden ſich auch durch die helle Farbe — und habe ihn auch fpäter bemerft. Sch nenne ihn Cerchneis taeniura,
Der merkwürdigfte von allen meinen Thurmfalken aber, deffen Schwanz beim alten Männchen wie bey Rupicola ge: bandert ift, aber eine andere Grundfarbe hat, und deffen Schwungfedern in beiden Gefchlechtern viel mehr, als bey den Verwandten gebändert find, ift bier aͤußerſt felten — ich erhielt ein altes Männchen im Winter — und bildet, wie mehrere der vorhergehenden gewiß eine eigne Species, welche ich Cerch- neis fasciata nenne. Auc über die Thurmfalken, von denen ih 70 bis 80 Stud beſitze, hoffe ic) in diefen Blättern eine genaue DBefchreibung zu geben.
Ueber die Schafftelzen habe ich ſchon eine lange Abhand— lung in diefen Blättern mitgetheilt; allein da ich durch die Ge: wogenheit Sr. Koͤnigl. Hoheit, des Herzogs Paul Wilhelm von Württemberg aus Egypten den Budytes calcaratus er— halten und aud) bier angetroffen, eine merkwürdige Schafftelze aus Südfrankreich und 4 aͤchte Budytes melanocephalus aus Griechenland befommen habe: fo hoffe ich wieder manches Neue über dieſe intereffanten Vögel zu fagen und behalte mir vor, über fie und die weißen Bachfteljen eine befondere Abhandlung zu geben.
Ebenfo werde ich auch hoffentlich unwiderleglich darthun, daß Certhia familiaris et brachydaetyla zwey gut unterfihiedene und leicht zu erfennende Arten find.
Am 23. September 1845, ſah ih, wie ich fchon oben be— merft babe, zum erften Mal in meinem Leben das berühmte und freundliche ZiebigE, jenen Drt, der nicht blos in der alten, fon- dern auch in der neuen Welt befannt ift, und in der Geſchichte der Naturmwiffenfchaften ſtets einen guten Klang haben wird. Unferm Naumann, auf welchen Deutfchland ftolz zu fern die gegruͤndetſte Urfache hat, und einigen Wenigen zu Liebe hatte ich die Reife unternommen und ich fage es denen, welche ihn nicht perfönlic Eennen, daß er allein mich für die Be: ſchwerden und Koften der Neife entfchädigt haben würde, Er iſt, wie alle Freunde der Ornithologie wiffen, ein Sechziger von mittlerer Größe, Fräftigem, unterfeßtem Körper, dunkeln Haaren und großen, fchönen braunen Augen, vollem Gefichte mit einnehmenden Zügen und ruhiger edler Haltung, fo daß man in ihm den lieben Mann und großen Forſcher fogleich er: Eennt. Seine Perfönlichkeit macht einen ungemein angenehmen Eindrud, der durch längeres Zufammenfeyn mit ihm nur ver: mehrt und befeftigt wird. Er fam mir mit einer Liebe, Güte und Freundlichkeit entgegen, welche ich nie vergeffen werde. Ehe ih von dem Eintritte in fein gaftlihes Haus, von den Lieben in demfelben und von den fchönen Umgebungen deſſelben fpreche, balte ich es für gut, Etwas über jene Gegend überhaupt zu fagen. Diefe ift in Bezug auf den Feld: und Gartenbau die feuchtbarfte, welche ich je fah. Sie hat einen herrlichen Ge: treideboden, der ſchwarz wie Kohle, eine Ziefe von 6 Ellen und eine außerordentliche ZriebEraft hat. Er eignet fich ganz befonders zum Bau des Luzernklees. Wenn dieſer gefäet ift, wird er jeden Herbft etwas mit Dünger bededt, deſſen übrig gebliebenes Stroh im Frlhjahre mit dem Rechen wieder entfernt wird. Durch diefen Dünger und die Frucht: barkeit des Bodens befommt er eine folche Kraft, daß er in guten Jahren in einem Sommer 6 Mal, in fchlechten 4
Mat abgemäht werden kann. Er ift dann jedes Mal 3 bie 4 Fuß hoch und fo herrlich, dag er getrodnet das Heu faft überflüffig macht. Ex dauert in jener fruchtbaren Gegend 20, 24 bis 26 Jahre aus und giebt grün und gebörrt ein vortreff: liches Viehfutter. Endlich wird der mit ihm bewachfene Ader toieder zum Getreidebau benugt. Allein ihn dahin zu bringen, ift Eeine leichte Aufgabe. Die Pflugfchaar und die gewöhnliche Hade vermögen auf einem folhen Ader nichts. Nur die ſtarke Nodehade richtet Etwas aus, um die armsdiden Wurzeln des zwanzigjaͤhrigen Klees zu entfernen. Iſt dieß geſchehen, dann wird der Acker gehörig zurecht gemacht und im nädıiten Früh: jabre mit Nuntelrüben, welche 3 Fuß von einander entfernt geftecft werden, aber auch -oft ein Gewicht von 16 Pfd. erreis chen, bepflanzt. Das 2. Jahr trägt diefer Ader Kartoffen und zwar. auch fehr veichlih. Im dritten Fahre wird er mit Roggen, im 4. mit Gerfte oder Hülfenfrächten, und oft nod) im 5. mit Hafer befüet, ohne daß er in diefen 5 Jahren ein einziges Mal Dünger erhält. Wo anderwärts kann das der Landwirth verfuhen? Deswegen fieht man auch in jener Ger gend die größten Kohl» und Krauthäupter, die- fchönften Bäume, hohes herrliches Gras und im den Zeichen eine Vege— tation, welhe Bewunderung erregt.
Diefe auferordentliche Wegetation bemerkt man auch in Nau= manns Waäldchen. Sch betrat auch diefes, wie ich hernach fhildern werde, mit ganz eignen Gefühlen. In ibm ftehen die höchften Eichen, Afpen, Eichen, Buchen, Ulmen, Linden, Pape peln und Silberpappeln, welche man nur fehen fann. Der Herr Profeffer Dr. Naumann fagte mir, daß er vor einiger Zeit nach einer auf einem folhen Baume fisenden Ningeltaube gefchoffen hätte, ohne diefelbe zu erhalten, und munderte fich daruͤber. Allein ich verfiherte ihn, daß ich mich fehr wundern würde, wenn er fie von einer folchen Höhe herabgefchoffen hätte. Eine Silberpappel zog nach einer andern, weiche. unter allen, die ich je gefehen, bey Meitem die größte war, meine Auf— merkfamfeit ganz befonders an. Als ich fie bewunderte, fagte mie Herr Naumann „diefer fchöne Baum lag vor einigen 40 Sahren als ein Neis quer über den Weg. Da äußerte mein feliger Vater: „„Es ift doch um diefes Reis fchade, wenn e8 zu Grunde gehen follte.”" Er fchlug alfo neben ihm einen Pfahl ein und band es an. Diele Silberpappel hatte in diefer Zeit einen Durchmeffer von mwenigftens SO Zoll erhalten, war alfo in jedem Sabre mwenigfteng 8" im Durchmeffer gewachfen. Andreas Naumann hat diefes Laubholz größten Theils oder ganz angepflanzt und hatte zur Belohnung für feine Mühe nicht nur die berelihen Bäume, fondern auch noch eine andere Freude. Es fiedelte ſich nehmlich in demfelben bald eine große Schaar von Saatkraͤhen an, welche heute noch daffelbe bewohnt. Sie gab unterm großen Forfcher nicht nur Gelegenheit zu herrlichen Beobachtungen, fondern leiftete ihm und den andern Landiwirthen noch einen fehr wefentlichen Dienft. Vorher Eonnte Niemand in jener reichen Gegend Delfrüchte bauen, weil eine Art von Eleinen Käfern die zarten Pflanzen ganz wegfraß. Seitdem aber die Krähenfchaar in dem Laubwäldchen wohnt, gedeihen Raps und Nübfen vortrefflich, weil die Krahen jene SInfecten faft ganz ausgerottet haben. Es ift dieß ein neuer Beweis, welhen großen Nusen diefe fehr verfchrieenen Vögel im Haushalte der Natur leiften. . Nach diefer Abfchweifung fomme ich auf meinen Eintritt in Naumanns Haus zurüd, Der Hof ift ſchoͤn und geräumig, das hochliegende Haus eben: falls; aber dag Herrlichfte von Allem find die Bewohner,
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Freund Naumann empfing uns nebft feiner biedern lieben Gattin, feinen 3 liebenswürdigen Töchtern — die eine von ihnen ift jest in Dresden gluͤcklich verheirathet — und feinem braven Sohne mit jener Artigkeit, die gebildeten, und jener Herzlichkeie, welche guten Menfhen eigen ift. Wir waren Alte in diefem lieben Kreife fogleidy wie zu Haufe, obgleich das Außergewöhnliche des Orts Jedem fühlbar war. Das ift die Stelle, auf welcher die Deutfche Wögeltunde, wenn ich mid) fo ausdrücken darf, von Grund aus aufgebaut wurde. Ich erlaube mir, hier von mir felbft zu reden. Bechftein war ein Freund meines feligen Vaters und früher nur 2 Stunden von meinem Geburtsorte wohnhaft. Sch ehrte ihn fehr, als ich “aber die fülfche Beſchreibung des Schwatzamſelneſtes als neun: jähriger Knabe Tas, war für mich feine Glaubwürdigkeit dahin, Vieles Andere, was ich in früher Jugend für unrichtig er— Eannte, 5. B. das zeitige Brüten „der Elfter und des Warfer: ſchwaͤtzers (beide follen im Februar bauen), die ganz fulfche Befchreibung des Eisvogelneftes u. dal. verleiteten mir die Schriften diefes großen Mannes fo, daß ich fie gar nicht mehr fefen mochte. Da bekam ih Andreas Naumanns Vögel: were in die Hände, da war Wahrheit and Nichtigkeit in der Beobahtung; das war eigne Anfiht und ſchlichte, aber treue Darftellung. Wenn mir, einem von Friedrich Jakobs Gebildeten, aud die Schreibart zuweilen etwas drollig vorkam, fo uͤberſah ich das gern, fiudierte mit unermüdlihem Eifer und verdanfe die wenigen Fortichritte, welche id) in der deutfchen Voͤgelkunde gemacht habe, dem ältern Naumann ſchon gro— Ben Theil. Und wie viel «habe ich aus des Sohnes Werk gelernt. Diefes wird claffifch bleiben, fo lange deutfche Orni— thologie ftudiert werden wird. Es ift alfo natürlich, daß Zie— bigk der Glanzpunct der ganzen Reiſe für mic) und wohl alle Andern war. Unfer Naumann legte uns die Driginalges mälde feines herrlichen Werkes, auch die legtern, welche wahre haft prachtvoll find, vor, zeigte ung aber auch zugleich die BVerfuche, welche fein Water chne alle Anweifung im Zeichnen und Malen der Vögel gemacht hatte. Sch erinnere mich, daß es mehrere Kampfitrandläufermännden waren, welche er abge: malt hatte. Und wenn aud) Idiefe Abbildungen nur Berfuche find, fo zeigen fie doch den redlichen Eifer und das unermüd- Streben deg biedern Mannes, welcher dem Studium der Voͤ— gelfunde eine neue Richtung gegeben hat.
Test gieng es hinaus in den Garten, welcher früher zum Theil ein Teich gewefen war. Da ſah man den Zaun, hinter welchem Laufchend die beiden Naumann, Bater und Sohn die Scilffänger in dem daran ftoßenden Teiche beobachtet hatten. Da ftand der Zwetfchenbaum, auf welhem ein Pirolpaar meh: tere Sahre hinter einander fein Neft an ein und biefelbe Aft- gabel angehängt hatte. — Auch in diefem Garten fah ich eine Vegetation, wie ich fie vorher nie beobachtet. Die Georginen, "welche unfer Naumann mit ganz befonderer Liebe pflegt, bil deten nicht nur Kugeln mit lauter röhrenförmigen Blaͤttchen, fondern hatten diefe zum Theil, wie man ber manden Pti: meln bemerkt, doppelt, indem aus der untern Roͤhre em zwehtes röhrenfürmiges Blatt gemachfen war. Und welch eine Maſſe von Blumen trug ein einziger Buſch! Es war eine wahre Freude diefe Pracht anzufehen. Ebenfo uͤppig fanden auch die Gemüfe. Schwertbohnen ſah ich hier Uber ihre 12 Ellen hoben Stangen hinausgemachfen und oben noch mit Boh— nen bebedt. Abnehmen fann diefe Niemand, fie bleiben häns gen, big die Stangen mit ihnen niedergelegt werden. Sm
verfloffenen Sahre hat Hr. Naumann diefen Bohnen noch längere Stangen gegeben und auch Über diefe find fie hinaus: gewacfen. Jetzt traten wir, wie fchon oben bemerft wurde, in den fchönen Laubwald. Das ift der Ort, wo Naumann, der Vater Meifenhütten aufgerichtet und eine Schneuße ange: legt, in deren Nähe er feinen Vogelheerd aufgeftellt hatte. Hier lebte und wirkte er, bier war er in feinem Eiyfium, bier genoß er die glüclichften Stunden feines Lebens. Hier ruht auch feine fterbliche Hülle.
Es war mir ungemein rührend, das Grab diefes edeln Manz nes zu fehen. Es ift an einer Seite des von ihm fo innig ges liebten Raubwuldes. Er hatte fich alles, was ein Schmud oder Denkmal heißen kann, verbeten. Und wozu brauchte auch diefer große Drnitholog ein Denkmal? Der Name Johann Undreas Naumann wird nie vergeffen werden. Sein Grab ift Nichts als ein flacher mit ſchoͤnem Raſen und herr— lihem Epheu — fo wollte e8 der einfache Mann — bededter, tings von Bäumen eingefaßter Hügel, Es war in der Pfingft- woche, am. 15. May 1826. als feine ſterbliche Hülle ohne alles Gepränge bier beftattet. wurde. Der frühe Morgen, . die Lirblingszeit des Seligen, war zu dieſer ernften Handlung ges wählt worden, und diefer Morgen war wunderihon, Die Sonne gieng glänzend auf, und warf ihre erften Strahlen auf das noch nicht ganz wieder ausgefüllte Grab. Das ganze Voͤ⸗ gelchor ſchien es zu wiſſen, daß fein vieljaͤhriger Freund, Ken— ner und Bewunderer zu Grabe getragen wurde. Die CEdelfin— Een ſchlugen, die. Grasmuͤcken fangen, die Mönche flöteten, die Pirole ließen ihren lauten Pfiff ertönen, die Tauben ruckſten, die Turteltauben girrten, die Goldammern zwitſcherten, die Ler⸗ chen ſchwebten ſingend uͤber dem Grabe hin und die Koͤniginn aller Saͤnger, die bewundernswuͤrdige Nachtigall ſchmetterte ſo laut und ſchoͤn, als fie nur konnte. Das waren die Grabge— fänge, mweldye die Bewohner der Lüfte ihrem Freunde und For: ſcher weihten.
Waͤhrend diefes gefchab, ftand ein Freund des Abgefchiedenen abfeits des Begräbnifplages einfam und weinte bitterlih. Am andern Morgen fanden ſich die fchriftlihen Ergiefungen feines tieftrauernden Herzens an einem abgeftorbenen, ganz mit Epheu bekleideten Baumfchafte, welche ih gewiß zur Freude aller Ver— ehrer unferes Andreas Naumann hier mittheile:
„Ein feifcher Erdenhügel deckt Dich nun,
Du lieber, bied’rer deutfcher Mann.
Ein heit’res, junges Grün umgittert dein Grab, Und liipelnd finjtert ein Blatt dem andern zu: „„Sier ruhet ein liebender Freund der Natur‘. Es fingt Philomele nun am Sarfophag
Des edeln Forfchers der Natur,
Und flagend in der Geifterftunde noch
Bereinen ihre Töne ſich
Mit jenem Geflüfter am traulichen Geſträuch, Und Flagend jingt die Nachtigall
Am Mittag‘, wie im Früh- und Abenddunkel. »»»,Da fhlummert Er, der forfchend unſer Geſchlecht Die Elaffe, zu der wir gehören, fo hoch hat geehrt.‘ Und ehrend umfingen Dein einfaches Grab Hinfort und nach Jahren geftederte Freunde noch, Und ob Dein Gebein hier zu Staube fhläft,
Du lebſt und Dein Name grünt fort und fort. Bor wenig Jahren zeigte die Natur,
Indem fie Deinen Lieblingsort allhier
Dom Zahne des Froftes ergreifen ließ,
Daß Deines Lebens Faden nur noch kurz,
Und Deiner Tage wenig würden feyn,
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Doch was eritorben fehien, es lebet fort ;
Der Ephen ranft ſich wieder nach) der Höh'
Er firebet, die Schafte mit leblofem Haupt
Auf's Neu zu befranzen mit chrendem Grün ",
Zum heiligen Tempel der Ruhe den Ort hier zu weih'n —
Merhvürdig, wie Dein Leben, fo Dein Tod,
Der Höchit’ am Altar Deines Haufes Du
Entſchliefſt an's Mayenfeſtes zweytem Tag,
Und nach zwey Tagen kaum, fo felgte Dir
Das jüngite Leben Deines Haufes nad),
Das Kind, das einen Sommer erft erlebt +?
Nimm liebend das freundliche Kind zum Begleiter Dir mit
Und fende vom Vater der Liebe den Deinen hier Troſt.“ Mer follte nicht in diefe Worte einftimmen !
Andreas Naumanns Grab madte auf ung Alfe einen tiefen Eindrud und wir Alle verliehen dieſen ftillen heiligen Ort, auf welchen die erften fterbenden Blätter des Herbſtes fielen, mit tiefer MWehmuth. in jeder dachte an feinen, der Seinigen und feiner Freunde Tod und Alle fühlten tief, daß wir ung Alle vielleicht nie wiederfehen würden. Der nädfte, alfo der vorige Sommer hätte ung beynahe unfern lieben Naumann hinweggerafft; er war in Folge mancherley An: firengungen, welche. bey der fürchterlichen Hitze noch angreifen: der wurden, bald nad) der Hochzeit feiner Tochter fo ſchwer erkrankt, daß er faum am Leben erhalten werden fonnte. Möge er das Alter feines Waters erreichen !
Dieß ift nur eine kurze Schilderung unferes Aufenthaltes in dem berühmten Ziebige. Wenn wir, Naumann und ich uns hätten ausreden, d. h. unfere Erfahrungen und Beobachtungen hätten austaufchen wollen; fo würden wir, wie mir mein theu- ter Freund fchreibt, Monate dazu gebraucht, und ich würde dabey gewiß fehr Viel gelernt haben.
Mir hatten ung fo lange in dem gaftlihen Haufe unferes Freundes aufgehalten, daß wir erft in völliger Finfterniß in Köthen ankamen.
Vom Montage, den 29. September ift fchon oben die Rede gewefen, und darum eile ich, das, was auf der Nüdreife noch erwähnenswerth ift, bier kurz mitzutheilen. Dankbar ermwähne ich noch, daß mich die Herten von Homeyer und Zander reich) mit Vögeln befchenkten.
Mir Alle reiften eingedenf der ſchoͤnen, genufreichen mit einander verlebten Stunden, auf mannichfache Weife belehrt und angeregt, am 30. September ab. Mehre von uns, welche den Weg nach Halle einfhlugen, hatten ein Coupe eines Mas geng zufammen genommen und unterhielten uns, da diefer weit von dem Dampfer war, noch recht gemüthlich bis Halle. Hier fuchte ich fogleih den Hrn. Dr. Burmeifter auf, weil er, obaleih ich von Köthen aus ihm die dringende Bitte aller Ans wejenden, zu uns zu fommen, fchriftlich mitgetheilt hatte, nicht erfchienen war. Doch zu meiner Freude fand ic) ihn von einer ihm zugeftoßenen Unpaͤßlichkeit wieder befreyt. Ich wurde von ihm und den lieben Geinen abermals mit der ſchon oben dank: bar erwähnten Güte empfangen und nach Tiſche in dag Unis verfitätsmufeum geführt, Obgleich mehre Naturalien, weil ges baut wurde, eingepadt und alfo nicht zu fehen waren, fo gab es doch für mich im der kurzen Zeit, die ih auf die Befich- tigung der Naturfchäge verwenden konnte, genug zu fehen. Um
* Diefes Gedicht wurde, wie fon oben gefagt ift, an einem abge— fterbenen, mit Epheu bewachienen Baumſtamme gefunden.
#* Divjes war des Hrn. Profeffers Dr. Naumann jüngfte Zochter,
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mich nicht fo ſehr zu zerſtreuen, hielt ich mich hauptſaͤchlich an die Raubvoͤgel. Da fiel mir denn beſonders ein Mander: falke auf, welcher fih dem Würgfalfen fo näherte, daß ich es für nötbig hielt, ihm ganz genau zu befehen, Er ftand im 1. Lebensjahre und hatte viel fchmälere ſchwarze Badenfkreifen, als ich je bey einem MWanderfalten fab. Allein e8 war und blieb dennoch ein Wanderfalfe. Er hatte nicht die helle Kopf: farbe, nicht die Eürzern Zehen und nicht den längern Schwanz des MWürgfalken; aber darauf mußte man auch genau fehen, um ihn richtig zu beſtimmen. Dann fielen mic 4 prachtvolle Habichtseulen (Strix uralensis L.) auf, welche in Oftpreußen gefchoffen und einander in Größe und Zeichnung fehr aͤhnlich find, aber von der naumannifchen Abbildung und einem Erem: plare des alten Bürger: Mufeums fehr abweichen. Sch erlaube mir hier nad einem Stüde, weldhes mir Herr Burmeifter, der mich, audy mit feinem fehönen Werke, Gefhichte der Schöpfung zu beſchenken die Güte hatte, nebft einigen oft indifchen Vögeln taufchweife abließ, eine kurze VBefchreibung zu geben. Sie ift 1° 9" par. Maaß lang, wovon der etwas ftufenförmige, fehr lange Schwanz 10", alfo beynahe die Hälfte wegnimmt; ihre Slügelfpige mift vom Bug an 1’ 1’, die fehr dicht befiederte Fußwurzel 1” 7%. Der große Schnabel ift borngelb, die mittelgroßen Nägel find hornſchwarz, an der Wurzel lichter. Ihre ganze Zeichnung ift eigentlich ein Ge— mifch von Graumeiß, Weißgrau und Braunfhwarz, auch das Braun, welches fie an den Schwungfedern hat, zieht nicht ins Roſtbraune, wodurd ſich Naumanns Abbildung und das alten= burger Exemplar auszeichnen. Der Schleier des fehr großen Kopfes ift weißgrau mit ſchwaͤrzlichen Federfchäften, ganz wie die Grundfarbe des Schleiers der Str. Lapponica, aber ohne dunkle Duerbinden. Die Einfaffung des Schleier weißgrau, braun und ſchwarzbraun geſtrichelt, gebandert und gefledt, nur am Kinne zieht diefer etwas in das Noftgraue. Der Oberkopf, Nacken und Hinterhals ift grauweiß, faft weiß mit breiten ſchwaͤrzlichen Laͤngeflecken; der DOberflügel hat längs des Mittel armfnochens (vom Ellbogen bis zum Handgelenfe) eine rein braune Farbe, wodurch. ein breiter Laͤngsſtreif gebildet wird; die längern Oberfluͤgeldeckfedern weißlih, bier und da rothgrau überflogen mit fbwärzlichen Querbinden. Die langen zerfchliffes nen Schulterfedern find weifigrau, mit fhmugigbraunen Laͤnge— flefen. In dem ftumpfen Flügel find die 4. und 5. Schwung: feder die Längften und gleich lang. Der Unterflügel ift weiß: lich mit ſchwärzlichen Quer-, an feinen Dedfedern mit, folden Kängefleden. Der Unterrüden ift graubraun, mit rundlichen gelblichgrauen Fleden und Kanten; der Echwanz, deſſen Aus ferfte Feder 2 Zoll Eürzer als die mittlere ift, wodurch er oben ftufenförmig wird, bat 12 äußert weiche, zugerundete Steuer— federn, welche auf weißgrauem Grunde 6 ſchwaͤrzliche, auf den beiden mittleren bräunliche breite Querbänder haben; der ganze Unterförper iſt grauweiß mit fchwärzlichen und fchwarzbraunen Laͤngeflecken, welche ſchmäler al$ auf dem Kopfe und Hinter: balfe find, an dem Unterbauche fehlen und ſich an den Unter: ſchwanzdeckfedern in mattbeaunen. herzfoͤrmigen Flecken und dunklern Federfchäften zeigen. Die Fuͤße find weißgrau, mit lichtbraunen, wenig bemerkbaren Fleckchen beſetzt, fo daß fie wie dunkler gewäffert ausfehen. Der Unterſchwanz ift weißgrau mit mattbraunen breiten Querbindern befeßt - ö — Da nun alle 4 Stüde dieſer ſeltenen Eulen ganz einerley Zeichnung hatten und unter diefen, wenn id) mich nicht ganz irre, beide Gefchlechter waren, die Eulen aber, wenn fie ‚das
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Dunenkleid abgelegt haben, die Farbe und Zeichnung nicht äns
dern; fo fcheint es mir ausgemacht, dag es unter ihnen zwey Species oder Subfpecied giebt, welche fich durch die Farbe und auch durch die Größe unterfcheiden — die mweißgrauen find die großen und die ins Noftfarbige oder doch Roſtgraue ziehenden die Eleinen — und "wahrfcheinlih, da alle diefe 4 aus Oſt— preußen kommenden ganz gleiche Zeichnung haben, klimatiſch verfchieden find, was fünftige Beobachtungen entfcheiden werden, "Außer diefen Eulen war mir im hallifhen Univerfitätsmufeum ganz befonders intereffant Lim.rufa et Meyeri. Der Herr von Homeyer hatte in Köthen über diefe Wögel eine Vorlefung gehalten und ihre Verfchiedenheit gänzlich geleugnet. Daß er bey den vielen Eremplaren, die er vergleichen Eann, und bey dem Eifer, 'mit welchem er das thut, eine Hauptftimme in dies fer Sache hat, ift gar nicht zu leugnen, allein ganz beyftim= men kann ich ihm doch nicht. Er behauptet, die großen Vögel unter diefen Sumpfläufern, welche er unterfucht, feyen ftets Weibchen geweſen. Dieß ift allerdings nicht zu beftreiten, allein ich fand unter diefen Meibchen größere und Eleinere, und unter diefen Männchen auch Vögel von verfchiedener Größe, bey wel- hen ſich diefe und namentlih die verfchiedene Schnabellänge nicht durch das verfchiedene Alter, da fie fih ſchon bey den jungen Herbftvögeln findet, erklären läßt. Der Herr von Ho⸗— meyer hat die große Güte gehabt, mir mehre von ihm felbft nach dem Geſchlechte genau beſtimmte Wögel von verfchiedener Größe zuzufenden, und ich war fo glüdlid, in unferer wenig waſſerreichen Gegend, am 18. September 1844. ein Weibchen im erften Herbſtkleide von Limosa Meyeri im Sleifhe zu er: halten. Jedoch deutlicher unterſchieden fah ich diefe Vögel nir— gends, als im hallifhen Mufeum. Hier ftehen alte Vögel im Hochzeit£leide von Limosa rufa et Meyeri und zwar von beis den Gejchlechtern und ihr bloßer Anblid reiht hin um einen Jeden zu Überzeugen, daß diefe beiden Sumpfläufer wenigftens 2 verfchiedene Subfpecies bilden.
Mit dankbarem Herzen für die viele mir bewiefene Güte ver- ließ ih Herrn Burmeifter und die lieben Seinen und ging denfelben Abend nac Leipzig zuruͤck.
Als eine Merkwürdigfeit vom Köthen, mo 8, wie gewoͤhn⸗ lich bey den Bahnhöfen, viele Haubenlerchen gab wurde mir ganz nahe bey dem dortigen Bahnhofe die Stelle gezeigt, an welcher eine Haubenlerche ihr Neſt unter einer Schiene ange: bracht hatte. Das Geräufh des nahen Bahnhofes und der Laͤrm der über die Schienen bingehenden Kocomotiven und Mägen hatte fie vom Bauen dahin nicht abgehalten und im Brüten nicht geftört; auch waren ihre Zungen glüdlidy ausge: krochen und würden auch ausgeflogen feyn, wenn nicht ein un- gezogener Knabe fie mit dem Neſte weggenommen hätte. Die erinnert an eine ähnliche Kecdheit eines andern Vogels. Sn Zella St. Blafii im thüringer Malde hatte vor vielen Fahren ein Müllerchen (Sylvia eurruca Dath.) in einen dicht an dem Schießhaufe, in welchem die gefertigten Gemehre probiert wer= den, ftehenden Stachelbeerbufch gebaut. Man muß den furdht: baten Laͤrm, melden 30 bis 100 mit’ doppelter Ladung ges füllte und mit einem Male abgefeuerte Flintenläufe in dem engen Raume verurfachen, gehört haben, um den Muth diefes £leinen Sängers zu bewundern. Die Erfchütterung der abge— ſchoſſenen Flintenläufe hatte den Eyern] nichts gefchadet. Die Sungen famen gluͤcklich aus und waren fo an das Krachen ge: wöhnt, daß fie auch nach dem’ Ausfliegen oft in der Nähe diefes Schießhauſes 'verweilten, van sum
Zfis 1847. Aſft 1.
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Auf der Rüdreife nach Renthendorf fah ich nichts Mert- mwürdiges; am 2. und 3. Detober bemerkte ich noch ein Paar verfpätete Rauchſchwalben und Schaffteljen auf dem Zuge, der bey vielen Vögeln in vollem Gange war. In dem Garten des Herrn Fabrikbefigers Kunz in Schönefeld, welcher mic) mit mehren füdftanzöfifchen Vögeln zu beſchenken die Güte hatte und mir feine reihe Cyerfammlung zeigte, bemerkte ich Turdus musicus, Sylvia rubecula und Schwarzamſeln auf der Wanderung und unterweges traf ich Züge von Motacilla alba und Gefellfhaften von Authus pratensis, welche ‘auf der Reiſe nah Suͤdweſt begriffen waren und große Flüge von Feld-, Eleine Gefelfhaften von Baumlerchen und großen Schaa— ten von Staaren an, welche fih zur Wanderung anſchickten und deswegen fihon vereinigt hatten. Hier traf ich Goldhähne hen, Finken, Meifen, Kieiber, Rothkehlchen, Laubfänger (Phyllopneuste rufa) auf dem Striche, die Hausrothſchwaͤnze, weißen und gelben Bachſtelzen noch an ihren Brutorten, aber die Garten» und fchwarzföpfigen Grasmüden nicht mehr in den mit ſchwarzen Trauben bededten Fliederbüfchen, wo ich fie vor der Neife gelaffen hatte; fie waren fammtlich verſchwunden.
Nachtrag,
enthaltend Einiges über Taurien.
Der Herzog von Köthen beſitzt eine Strecke Landes in Tau— rien, welche lediglich als Weideland benutzt wird. Er hat des— wegen dort 40,000 Schafe, gegen 1000 Pferde und etwa 800 Rinder, welche unter der Aufſicht eines Inſpectors von vielen Hirten geweidet werden. Auf dieſer ganzen Landesſtrecke be— findet ſich kein Dorf und kein Bewohner außer den eben ge— nannten. Der Inſpector dieſer Beſitzung, Herr W., ein ge— bildetee und unterrichtete Mann befand ſich bey unferer An- twefenheit gerade in Köthen und ich glaube, das mas er mir mittheilte, wird auch manchem Xefer diefer Blätter nicht unin- tereffant feyn. Diefe ganze Befikung des Herzogs von Köthen in Zaurien bildet eine von Bergen, Flüffen und Wäldern freye Ebene, welche blos mit hohem Grafe bedeckt ift. Diefes fteht toie in Unterungarn nicht fo dicht wie in unferm Vaterlande, fondern weit dünner, erreicht aber eine Höhe von 6 Fuß und darüber, woher es Eommt, daß das Vieh auch im Winter, felbft bey tiefem Schnee an den meit hervorragenden Pflanzenfpigen fein Futter findet. Diefes Vieh hat nun 2 Hauptfeinde. Der eine ift die Steppendiftel, der andere der Wolf. Die erftere ift be- fonders den Schafen verderblich, meil fie ihnen nicht nur einen Theil der Wolle entreift, fondern fie auch verwundet. Deswegen werden die Streden, auf denen fie Ueberhand genommen hat, im Herbfte, wenn die Pflanzenftengel düre geworden find, an: gezündet, und eine folche Stelle bietet, fo lange fie brennt, einen furchtbar prächtigen, wann fie aber ausgebrannt ift, einen Schauder erregenden Anbli dar, ift aber in wenigen Sahren wieder eben fo grün als früher, und von den Difteln großen Theils frey.
Der andere Feind, der Wolf, ift den Heerden fehr gefähr- lich ; er greift nicht nur die Schafe und Rinder, fondern auch die Füllen an. Herr MW. hat mir darüber fchöne Beobachtun: gen mitgetheilt. Er fagte, daß kein Molf wage, ausgemachfene Dferde anzufallenz; er fchleihe um die Heerden herum, und gebe genau Achtung, ob fich ein Füllen von der Heerde ent= fernt habe. Er beachte dabey den Wind, und verberge fich ſorg⸗ fältig in dem tiefen Grafe. Glaube er ein folhes Füllen un= bemerkt angreifen zu koͤnnen, dann flürze er auf daſſelbe zu,
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pade es an ber Kehle, reiße ihm bie Lufts, oft auch bie Spei- feröhre heraus und fehleppe es fort, um e& fern von ber Heerde zu verzehren. Aber es fen um ihn gefhehen, wenn er von ben alten Pferden bemerkt werde. Der Hengft ſtoße dann einen Ton der Wuth und der Warnung aus, welcher fonft nie, von ihm gehört werde, flürze ganz furchtlos und pfeilfchnell auf den Wolf zu und tödte ihn auf der Stelle, indem er ihn. von vorn angreife und mit den Vorberfüßen das Genid einfchlage. Here W. verficherte mich, diefes Schaufpiel mit angefehen zu ha⸗ ben, und fann es nicht fhön genug fhildern. Es gäbe nichts Smpofanteres, als den gegen feinen Herrn und Märter zah⸗ men und danfbaren arabifchen Hengft mit gefträubter Mähne, hoc aufgehobenem Schwanze und den Zeichen größter Wuth einen Wolf in fchnellftem Laufe verfolgen zu fehen. Der letz⸗ tere fen jedes Mal verloren, wenn er vom Hengſte bemerkt worden ſey, denn dieſer erreiche ihm fehr bald. Sobald er ihn getöbtet, Eehre er mit dem deutlichen Ausdrucke des Stolzes in feinem ganzen Wefen zur Heerde zurüd. ;
Wenn ein Wolf eine Schafheerde antreffe, richte ee jeder Zeit großen Schaden an. * Er raube nicht ein Schaf, fondern er fpringe durch die ganze Heerde hindurch und reiße ein Schaf nad) dem andern nieder, Mehre von diefen erholen ſich wieder, allein die meiften find fo verwundet, daß fie fogleich oder bald nachher fterben.
Deswegen wird auch, wenn ſich bie Wölfe vermehren, von Zeit zu Zeit Jagd auf fie gemacht. Da werben fie aber nicht etwa todtgefhoffen, fondern par force gejagt. Zwey Perfonen wählen die flüchtigften arabifhen Pferde aus, welche fie bhekom⸗ men Eönnen und fuchen auf ihnen figend einen Wolf auf. Herr TB. that dieß auch mit einem Diener aus jener Gegend. Sie trafen bald einen an und verfolgten ihn mit verhängtem Zügel. Die geht um fo leichter, da die Pferde aus Inftinft dem Molfe nahlaufen, und fein Wald, Eein Fluß oder fonft ein Hinderniß die Verfolgung aufhält. Nachdem fie 13 Stunden in ununterbrochenem, fchnellem Laufe dem Wolfe nachgejagt waren — jie hatten in biefer Zeit wenigftens 3 deutfche Meilen zuruͤckgelegt — warf fich biefer ganz erfhöpft nieder; allein der Diener fagte, er fey noch nicht reif zum Tode. Er wurde alfo von diefem mit einer Stange, welche ber eine der DVerfol« ger ftets bey fich trägt, wieder aufgefheucdht, und von Neuem verfolgt, bis er ſich noch ein oder zwey Mal niedergelegt hatte und endlich nicht mehr aufftehen Eonnte. Er redte nun den Kopf in die Höhe und fperrte feinen furhtbaren Nahen auf. Sept ftieg Here W. ab und zog eine Piftole hervor, um den Wolf todt zu ſchießen. Da rief fein Begleiter, man fehe daß er Eeinen Muth habe, wie viele Deutfhe, ein folder Wolf müffe mit der Knute getödtet werden. Da nahm Herr W. nicht ohne Furcht, wie er mir geftand, die Knute, gieng auf den Wolf zu, fhlug ihn zuerft auf die Nafe, dann in das Genick und auf den dritten Schlag lag er todt ba. Vorher ſchon Eonnte er ſich nicht mehr vom Boden erheben. ;
Schon feit meiner Jugend habe ic vor der Knute den größten Kefpeet gehabt. Seitdem ich aber erfahren, daß man Wölfe mit ihr tobtfchlägt, begreife ich erft, was es heißt: „Unter der Knute ſtehen.“
Vor den Woͤlfen fuͤrchtet ſich uͤbrigens ein erwachſener Menſch in Taurien ſo wenig als in Schweden, weil ſie dieſe ungereizt nicht angreifen; fie find viel futchtſamer als man gewoͤhnlich
* Died, Schrift fagt: „Der Wolf erhafchet und zerfireuet Die Heerde.“
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glaubt und nur ber quälendfte Hunger ober die Nothwendigkeit, ſich zu vertheidigen, Eann fie dahin bringen, einen Menfchen anzufallen.
Da Zaurien keine Berge und Eeine Bäume hat, fo find alle dort Iebenden Vögel genöthigt, auf dem Boden zu brüten. Daher koͤmmt es, daß der Königsadler, der anderwärts feinen Horft auf den hoͤchſten Bäumen oder auf Felfen anlegt, in Zaurien auf den Boden nifter, fo daß das Neſt eines Eleinen Trappen, Otis tetrax, oft nicht weit von dem jenes Adlers entfernt ift. Diefes Land bietet überhaupt manches Merfwürdige dar; denn es hat mehre afiatifche Vögel, namentlih Anas mersa et rutila Linn., Glareola pratincola Pall. etc.
Beim Horften des Goldadlerd auf dem Boden bemerfe ich, daß audy bey uns auffallende Abweichungen in Bezug auf das Brüten vorkommen. Es ift eine bekannte Sadhe, daß Anas boschas L, zuweilen in Krähennefter, und Anas tadorna L. nicht felten in hoble Bäume legt. Ebenſo fand ich fhon das Meft der Hohltaube in der Nöhre einer großen Fichtenwurzel in der Erde, das des weißfternigen Rothſchwanzes, meiner Ruticilla sylvestris (Motacilla phoenicurus L.) in einem Tichtendidichte zwifchen Heidelbeerfraut, das einer Singdroffel an einem Wafferriffe unter einem Nafenftüde, das des Haus: fperlings öfters im dichten Zdunen, das des Parus ater in ſelbſt gehadten Löchern in der Erde, das der roftgrauen Gras— müde auf einem Rapsader, in welchem auch ein Fuchs feinen Bau angelegt und feine Jungen zum großen Verderben der wenig entfernten Hühner und Gänfe glüdlih aufgezogen hatte, und ein Nabenfrähenneft in einer Scheune auf a
rehm.
Beyträge zur Ornithologie Frankens von Sohannes Jäckel, Pfarrvikar in Wendelftein bey Nürnberg.
1. Vultur einereus Gm. hat ſich fchon öfter nach Franken verirrt; ein altes ſchoͤnes Männden im Naturalien - Cabinet zu Erlangen ift am Fichtelgebirg bey Bayreuth erlegt worden, Anmerkung: Here Paftor Brehm fagt in der Beſchreibung
feiner Reife von Renthendorf nad) Nürnberg - (Iſis 1837.
IX. p. 586 ff.), er habe im Erlanger Cabinet einen Vultur
fulvus gefehen, der auf dem Fichtelgebirg gefchoffen worden
fey. Der dafelbft befindliche fahle Geyer ift aber aus Sar— dinien und der am Fichtelgebirg erlegte Geyer genannten Cas binets gehört nicht diefer, fondern der vorhergehenden Art an.
Wahrfheinlih beruht Herrn Brehms weitere Angabe in
feiner vollſtaͤndigen Naturgefchichte der Vögel Deutſchlands
(Sfis 1840. VI. 613.), wo wiederum das Fichtelgebirge
unter der Rubrik des Aufenthaltes genannt ift, gleichfalls auf
diefer Verwechslung.
2. Falco tinnunculoides Natt. wurde im May 1840. bey Möhrendorf, eine Stunde von Erlangen gefhoffen; da auch das Weibchen von dem Schligen beobachtet worden ift, fo ift zu vermuthen, daß diefes Pärchen in der Umgegend gebrütet haben wuͤrde.
3. Falco tinnunculus L. In ganz Franken, hauptfächlich im gebirgigen Theile, aber aud in unferm Reichswalde fehr ger woͤhnlich. Einzelne bleiben in gelinden, ja felbit in ftrengen Wintern da; fo wurde in dem heutigen ungemein ſchneereichen
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und Falten Winter 1846/47. ein durch Kälte und Hunger er ‚mattetes Maͤnnchen im Eifenbahnhofe von Erlangen durch einen Eifenbahnwärter erfchlagen. — Entozoen: Laemothrobium hastipes, Spiroptera leptoptera, fallax, Physaloptera alata, Echinarhynchus caudatus.
4. Falco rufipes Beseke. Wurde in neuerer Zeit einzeln am Dusendteic bey Nürnberg beobachtet, fol auch ſchon fruͤ⸗ ber in der Nähe unferer Stadt geichoffen worden feyn. Auch bey Erlangen wurde ein altes Männchen erlegt, welches im dortigen. Gabinet aufbewahrt wird. “5. Falco aesalon Gm, Mein verehrter Freund, Herr Dtt, Lehrer an der koͤnigl. Landwirthſchafts- und Gewerbſchule in Wunfiedel, deffen Güte ich viele fehr intereffante Mittheis lungen verbanfe, befigt einen Zwergfalfen, welcher eine Stunde von feinem Wohnorte bey Leupoldsdorf, am Fuße des Schnees berges, am Horfte gefchoffen worden ift; brütet demnach im Fichtelgebirg. Ferner fah ih in der Sammlung meines Freun⸗ des, des practifhen Arztes Dr. Brandt in Schwabach 2 bey Neuftadt a. A. gefchoffene Falken diefer Art, movon das eine Eremplar, ein fhönes altes Männchen, im July erlegt worden ift. Sonft fehen wir ihn nur als nordifhen Zugvogel im Winter und zwar felten.
6. Falco subbuteo Linn. Ueberall in ganz Franken; mehr ober minder gewöhnlich, in der Nürnberger Gegend ziemlich) felten, häufiger fhon bey Neuftadt a. A., im Steigerwald und im Fichtelgebirg am häufigften, wiewohl auch hier noch lange Eein gemeiner Vogel. Am 2. Auguft 1847. erhielt ich aus biefiger Gegend (Reichswald) ein altes Männchen, in deffen Magen ic) eine mohlerhaltene Noctua fimbria; 2 Geotrupes stercorarius, 3 Spondylus buprestoides, Steinchen und einige dürre Zannennadeln fand, woraus man erfieht, daB dies fer Falke auh auf dem Boden feiner Nahrung nachgeht. Heißt im Oberlande Schwalbenfalke; horftet, zieht im October weg und fommt bald mieder. :
7. Falco peregrinus Gm. Iſt bey Nürnberg, Fürth,
Erlangen, Neuftadt a. U., Windsheim (Bergſchloß Hoheneck) und Bayreuth fowohl alt, als jung auf dem Striche erlegt worden; ich glaube nicht, daß er in Kranken brütet, 8. Falco palumbarius L. Allenthalben in allen größeren Waldungen das ganze Jahr hindurch ziemlich, theilmeife fehr häufig, fo im Franfenwalde, im Fichtelgebirgftode und dem unteren Bayreutherland (Auffees, MWiefentfels, Wonfees); ziem⸗ lich haufig bey Erlangen und Nürnberg im Neichswald ; dann bey Schwabah, Neuftadt a. A., Burgbernheim ufw. — En: to;oen: Ascaris depressa, Docophorus platystomus, Cal- pocephalum flavescens, ein Liotheum.
9. Falco nisus L. XAllenthalben das ganze Jahr gemein, horftet. — Ento;oen: Physaloptera alata, Ascaris depressa, ein Trichosoma. >
10. Falco leucopsis Bechstn. Sft früher in Franfen öfters gefchoffen worden und bey Nürnberg hat er gehorftet. Sest findet fich, obwohl die Goluber=Arten im Reichswalde ſeit— dem nicht feltener geworden find, Eeiner mehr in hiefiger Ge: gend, die an einzelnen ftarfen Baͤumen wohl nicht arm, doch bey weitem nicht mehr fo reich ijt, wie chedem, als diefer fel- tene Adler noch eine Zielde der Nürnberger Fauna war; ich glaube, daß er hauptfächlic deßwegen nicht mehr bey ung bruͤ⸗ tet, weil unfere Waldungen nicht mehr ruhig genug find. Sit in neuerer Zeit nicht einmal auf dem Zuge weder hier, noch überhaupt in Franken vorgefommen. Dody dürfte ein Schlan:
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genadler, ber bey Saalfeld, alfo nicht weit von dem koͤnigl bayrifchen Kobaltbergwerfe Caulsdorf, gefchoffen worden ift, zu fränfifhen Fauna gehören.
11. Falco halietus L. In ganz Franken überall, wo größere Waldungen mit hohen Stämmen und fifchreichen Ges wäffern find, nicht felten; er horftet im Fichtelgebirg, im Stei— gerwald (3. B. Revier Koppenmwind), im Bayreuthiſchen (3. B. bey Aufſees), ferner Yalljährlih in einem oder 2 Paaren bey Nürnberg am nahen Dusendteih und bey Altenfurth (2 Stun- den von hier), dann an den Zeichen bey Dürrnfarndah, im Landgerichte Cadolzburg , bey Erlangen am Dechfendorfer Mei: her, und in der Revier Dormig; in mafferarmen Gegenden, wie 5. B. bey Burgbernheim uſw. trifft man ihn nur fehr fel- ten auf dem Zuge.
12. Falco albieilla L. Nur in ftrengen Wintern hie und ba auf dem Striche. Ein junger Seeadler wurde ganz nahe an Erlangen, während er Jagd auf Enten machte, die auf ber Regnig gelegen waren, gefchoffen, ein anderer, gleichfalls junger, wurde in Oberfranken bey Schwarzenhammer (nicht weit von Selb im Fichtelgebirg) erlegt. — Entozoen: Ascaris depressa, Echinorhynchus striatus, Docophorus platysto- mus, Holostomum macrocephalum, Filaria abbreviata.
13. Falco fulvus L. ein junger Steinadler wurde in der fränkifchen Schweiz bey Gößweinftein gefchoffen.
15. Falco lagopus Brünn. In mäufereihen Sahren während der Falten Jahreszeit befonters in Oberfranken nicht ungewöhnlih. Am 22. Febr. 1842. wurde bey Erlangen ein fchönes altes Weibchen, während es eifrig eine Kette Repphuͤh— ner verfolgte, gefchoffen. — Entozoön: Ascaris depressa.
15. Falco buteo L. Gemein in ganz Franken: im Fich— telgebirg und Frankenwald fehr häufig; horftet auch nicht felten bey Nürnberg, häufiger bey Burgbernheim, Rothenburg a. X. und im Steigerwald. Am 1. April 1845. erhielt ich einen, welcher erfroren, und noch feft an den Aft einer Fohre ange— krallt und fo herunterhängend gefunden morden war. Die ſchwarze Varietät ift mir nur einmal bey Nürnberg vorgefom: men. Im Magen eines Buffards fand ih: Hypudaeus arva- lis, Talpa europaea, Formica fusca, Byrrhus varius, Sitana lineellus, Coccinella XIV pustulata; Cntozoen: Ascaris depressa, Spiroptera leptoptera, ein Trichosoma, ein Do- cophorus.
16. Falco apivorus L. Zwar nicht felten, aber auch nicht gewöhnlich; er horfiet im Steigerwalde, bey Neuſtadt a. A., auch bey Erlangen. Im Magen eines noch fehr jungen Maͤnn⸗ chens fand ic) eine ziemliche Anzahl von Vespa germanica, einige Otiorhynchus ovatus, mehrere unfenntliche Hister, in der bursa Fabricii ein Distomum, im Gefieder 2 Eremplare Ornithomyia avicularia.
17. Falco milvus L. In Franken auf dem Zuge mwenig- fteng überall, horftend dagegen nur in manchen Strichen. Sehr häufig horftet er bey Markt Bürgel, Burgbernheim (Wildbad uſw.), Steinah a. E. (Endfeer Berg), bis hinab nah Rothen: burg a. T. in den fchönen Laubwaldungen des bortigen Höben: zuges; dann fehr hänfig im Fichtelgebirge, einzeln bey Neue ftadt a. A. bey Nürnberg im Neichswalde, auf dem Zuge ein= zeln, horjtend aber nur felten; body wurde vor mehreren Jah— ren bey Mendelftein ein Horft ausgefchoffen und die Alten vor dem Uhu erlegt und in dieſem Jahr hat ein Paar einige Stun» ben von hier im Forftrevier Engelthal gebrütet. In unferer
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Gegend heißt er Milone, bey Burgbernheim Gorner, Guraar. Entojoen: Ascaris depressa.
18. Falco rufus Gm. Auf dem Zuge im Herbft und Frühling felten, fo am Steigerwald, bey Bamberg, Nürnberg.
19. Falco pygargus auet. wie die vorige; in diefem Fruͤh— jahr bemerkte ich ein altes Männchen bey MWendelftein, ein ans deres wurde zwiſchen Nürnberg und Erlangen gefchoffen. Mir iſt nicht bekannt, daß diefe Weihe irgeud wo in Franken vrütete.
Schlufbemerfung.
Here Dr. Küfter * führt für die Umgebung Erlangens und Nürnberg Falco naevius und Falco ater, und zwar. legteren mit der Bemerkung auf, daß er faft alljaͤhrlich vorkomme. Ich habe fie noch nicht gefehen, auch noch in feiner Privatfamme fung , deren ich viele fah, als aus Franken ſtammend, gefunden; kommen aber jedenfalls vor.
20. Strix nyetea L. gefchoffen worden.
21. Strix nisoria Wolf. wurde vor mehreren Jahren im Bayreuthiſchen auf der Flur bey Nauhenberg, Landgerichts Holifeld, auf der Hühnerjagd und eine zweite Falkeneule vor 3 Sahren bey Tanzenhaid, zwifchen Neuftadt a. A. und Er: langen erlegt. Herr Dr. Küfter führt fie als hoͤchſt felten auch für Nuͤrberg auf.
22. Strix pygmaea Bechst. Diefe fehr feltene Eule kommt öfter im Fichtelgebirg vor. Herr Ottt befam von da= her für feine Sammlung bis jegt 3 Exemplare. Zwey "erhielt er vor I Fahren mit einander; die eine davon wurde auf dem Revier Furthammer gerade in dem Momente gefchoffen, wo fie fi einen jungen Finken aus dem Nejte holte; geflügelt und noch lebend wurde fie meinem Freunde überbracht; fie ließ den jungen Finfen bis zum Tode nicht aus den Krallen, in welcher Situation fie auch in der erwähnten Sammlung ſteht. Das dritte Exemplar befam Herr Ott am 22. April 1847. von dem Stationsgehälfen Beer in Unterlind, Revier Fichtelberg, den er auf diefen Vogel aufmerkfam machte und der auch fos gleih 2 Stüd erlegte, wovon ihm aber nur eines, als zum Ausftopfen tauglich, zugefchiet wurde. Here Gantor Heu: mann in Monfees bey Bayreuth, ein ſehr fleißiger Sammler, bat einen Zwergkauz im Walde bey Auffees in der Bogen- fehneufe gefangen; fie wollte vermuthlich einen Vogel auf dem Bogen verfolgen, fieng fih und kam noch Iebend in meines Freundes Hände. — Im Fichtelgebirg brütet fie gewiß, doch) ift noch Eein Neſt aufgefunden worden. Herr Dr. Küfter führt fie auch für Nürnberg und Erlangen auf; aber an ihrem Vorkommen in den Umgebungen biefer beiden Städte muß feibft dann noch fehr gezweifelt werden, wenn man auch bie Grenzen der Erlanger Sauna nicht fehr eng zieht und nad) den meiften Nichtungen, wie dieß Here Küfter thut, eine vier- ſtuͤndige Entfernung als Endpunct annimmt. Es fteht auch diefe Eule in keiner Sammlung unferer Gegend,
Sf nah Koh fhon in Franken
* Spitematifches Verzeichniß der in der Umgegend Erlangens beob- achteten Thiere von 9. C. Küfter. Heft J. Erl. 1840, , Grinnerungsgabe der 23jten Verſammlung deutfcher Naturforfcher und Aerzte gewidmet von der Stadt Nürnberg 1845.: Beylage IV. Die zoologiſchen Verhältnife der Umgegend von Dr. 5, C. Küjter in Erlangen. Vögel S. 358 — 363,
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25. Strix noctua Retz. Häufig in den meiften Theilen Frankens, fo im Steigerwald, bey Neuftadt a. U., Burgberns heim, im Bapreuthifchen, auch noch ziemlich häufig bey Erlan— gen, feltener in der Gegend von Nürnberg, brütet.
24. Strix Tengmalmi Gm. — dasypus Bechstn. Im Fichtelgebirge brütet fie nicht felten am Ausgange der Waldun- gen in der Mühe von MWalddörfern, ebenfo im Steigerwald und und einzeln 3: Stunden von Erlangen im Nürnberger Reichs— malde (Borftamt Sebaldi, Nevier Budenhof), Won letztge⸗ nannter Gegend fah ich bey meinem geehrten Freunde, Herrn Dr. Rofenhauer in Erlangen, einen lebenden Neftvogel und . in demfelben Jahr im Spatherbft ein altes Männchen im | Fleiſche. In Fürth fteht fie aug der Umgebung diefer Stadt in einem Privatcabinet und Here Heumann hat mehrere Eremplare in den Zhälern bey Feulersdorf, 2 Stunden: von Wonſees, auh in Auffees und Wüftenftein gefchoffen, aber ihr Neft nicht gefunden. — Entozoen: Taenia candelabraria.
25. Strix aluco L. Allenthalben gemein. — Entozoen: Echinorhynchus tuba, ein Holostomum. |
26. Strix flammea L. In ganz Franken; auf vielen | Kirchthuͤrmen in Dörfern und Städten (Burgbernheim, Erlan⸗ gen, Wunfiedel). — Entozoen: Echinorhynchus tuba,
27. Strix otus Z. In ganz Franken ein gemeiner Brütes und Strichvogel. — Entozoen: Ascaris vesicularis.
28. Strix bubo Z. Theilweiſe nicht felten. Im Fichtel- gebirge kommt fie nicht vor, als große Seltenheit wurde dort im Sahre 1844. bey Schönlind am Schloßberg ein Meibchen erlegt, in der Bayreuther Gegend (3. B. horftet ein Paar bey Kleinziegenfeld Landgerichts Weißmain, ein zweites lebt bey Nankendorf Landgerichts Hollfeld), dann in der fränfifchen Schweiz (Muggendorf, Weifchenfeld), ferner bey Plech und Egloffitein oberhalb Gräfenberg horften Uhue; von da ſtreichen einzelne bis in unfere Gegend herein; bey Nürnberg wurde ſchon bie und da einer erlegt. In den Speffartforften brüten fie ebenfalls. Here Dr. Brandt in Schwabad) erhielt einen bey Neuſtadt a. U. von einem Landmanne gefchoffenen Eranken Uhu. Bey der Section fand fih ein Stud von der Haut eines Igels, welches mit feinen Stacheln ziemlich tief in die bereits brandige Magenwand eingedrungen war. — Entozoen: Echinorhyn- chus tuba.
29. Strix brachyotos Forster. Kommt im Herbft oft " in großer Menge in Sranfen an und bleibt als Gaft die Win- termonate hindurch bey ung; wenn es wenig Mäufe gibt, ift fie felten. Im Winter 1844.)45. war fie bey Nürnberg fehr häufig. — Entozoen: Ascaris depressa.
30. Lanius excubitor L. Zwar nicht. haufig, aber audy) nicht felten. Stand» oder eigentlich Strichvogel; im Winter geht es ihm manchmal fehr Enapp, wie dieß im Winter 1847. der Fall war, mo ein Männchen bey. Erlangen lebendig mit ber Hand ergriffen wurde. Bey Burgbernheim heißt ev: Schät- terhaß; im Magen eines dafelbft -erlegten fand ich: Locusta verrucivora, Hypudaeus arvalis, die Raupe einer Sphinx tiliae, Poecilus cupreus, Agonum viduum, Me
31. Lanius minor Gml. In ganz Sranfen den Sommer über gemein; ich fand ihn häufig bey Nürnberg, Schwabach, Neuftadt a. A. Erlangen, bey Bamberg, Banz, Würzburg | und im Bayreutherland, in Oberfranken befonders häufig. Ahmet | die Stimmen anderer Vögel täufchend nach, ruft ſogar wie eim Repphuhn. — Entozeön: Spiroptera euryoptera. 00
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32. Lanius ruficeps Bechst. In Franken der feltenfte Würger, doch bruͤtet er nicht gar felten bei Neuftadt a. A., im Steigerwalde, in den Umgebungen Nürnbergs und im Bay: veutherlande (z. B. bey Thurnau) auf moofigen Obftbäumen (wilden Birnbaumen x.) im Felde und meift nahe am Stamm.
33. Lan. collurio L. Seht gemein; brütet, Entozoen: Spiroptera euryoptera.
Anmerk. Am Hahnentamm geht die. Sage, diefe Vögel hätten den Juden die Dornen zugetragen, aus welchen die Dornenkrone Chrifti geflochten wurde. Deßwegen wird den Bruten der Dornendreher von den Knaben vielfach nachgeitellt und falls man der alten habhaft wird, werden die unſchuldigen Thiere in heiligem Eifer auf alle Weiſe für das ihnen beygelegte Verbrechen: gemartert und getödtet, und es geſchieht nicht felten, daß ihnen die Füße ausge: tiffen. werden.
34. Corvus glandarius L. Ueberall gemeiner Stand= und Strichvogel. Im Kabinet zu Erlangen ſteht ein Eichelheher mit auffallend furzem Schnabel, wodurd) er ganz das Aus—⸗ fehen einer Meife im vergrößertem Maasftabe erhält. Entozoen: Spiroptera anthuris; im Gefieder Ornithomyia avicularia.
35. C. pica L. Allenthalben gemein. Ich befise eine Ael— fier, an welcher die untere Kinnlade 3 Linien par. M. über die obere hinausgeht. — Entoz.: Taenia serpentulus, Ascaris spiculigera, Distomum eirratum.
36. Corvus corax L. Sparfam verbreitet: im Fichtelge birge findet er fich nicht, im Bayreuthiſchen kommt er zumeilen auf dem Strihe vor und wird auf der Luderhütte gefchoffen, ebenfo im Hafgebirge, bey Burgbernheim und Steinach an der Ens, ſehr felten ift er bey Nürnberg, doch wurde auch hier vor mehreren Jahren ein Kolkrabe bey einem Xreibjagen im Spätherbft auf dem Revier Lichtenhof gefhoffen. Im Stei- gerwalde (3. B. bey Aſchbach) und im Hauptsmoorwalde bey - Bamberg aber horftet er in einzelnen Paaren auf fehr hohen Bäumen. Sm Sommer 1846 bat er bey Aſchbach ſtarke Berfolgungen erlitten und ift deßhalb feltener geworden.
37. Coryus eorone L. Altenthalben in Franken fehr ge: mein,
38. Corvus cornix L. Faſt in ganz Franken nur im Win: ter, dies gilt auch für die Umgegend von Nürnberg, wo fie, befonders bey großer Kälte, in die Dörfer, ja bis mitten herein in die Straßen und auf die Gebäude unferer Stadt kommt und oft in ziemlicher Anzahl vorhanden ift. Der verftorbene Wagler fhoß befanntlih einmal nicht weit von Nürnberg zu Ende Juny auf einen Schuß eine männliche Cornix und eine weiblihe Corone beym Nefte; diefes enthielt zwar auch keine Eyer, aber 2 noch nicht ausgebildete fanden ſich in der geoͤff⸗ neten Corone. Eine brütende Nebelfrähe gehört in der hiefigen Gegend zu: den größten Seltenheiten ; ich Telbft weiß fein zwey— tes Beyſpiel der Art und unfere aufmerffamften Säger und Forſtleute kennen dieſe Kräbe nur als MWintervogel: Im Fich- telgebirgsftocde bis herab nah Bayreuth) kommt “fie brütend neben der Nabenfrähe ziemlih häufig vor, mit welcher fie auch dort ſchon verpaart gefunden worden iſt. Entozven: Docopho- rus ocellatus, Menopon mesolencon, Nirmus uneinosus, Taenia serpentulus, Spiroptera anthuris.
39. ‚Corvus frugilegus L. Wie die vorige in den meiften Gegenden Franfens nur im Winter; im Fichtelgebirge brütet fie, aber: ziemlih felten, fo auch in kleinen Colonien in der Nürnberger und Erlanger Gegend; zahlreicher bey Weißenburg.
Iſis 1848. Heft 1.
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Im October und November kommt fie nach Oberfranken als Strihvogel in großen Schaaren, in die Nürnberger Gegend erſt, wenn fie vieler Schnee und ftarfe Kälte aus dem Ober: lande nady Süden treibt, im December, und verläßt unfere Gegend, bis auf die wenigen, welche brüten, wieder im Februar und März.
40. Corvus monedula L. Sehr gemein in Franken auf vielen Dorf= und Stadtkirchthuͤrmen, in alten Schlöffern (Sans: pareil ıc.), in Felfen (Pegnigthal bey Velden zc.). In fehr großen Schaaren faft auf allen Themen Nürnbergs, befonders auf denen der beiden Hauptficchen St. Sebaldi und St. Laurentii. In dem beurigen Sommer waren Ende July alle Dohlen aus unferer Stadt verfhwunden, was Veranlaffung zu mancherley Beforgniß und zu der Prophezeiung gegeben hat, es werde eine Peſt über Nürnberg fommen. Anfangs September aber famen zur Freude der Beſorgten alle Dohlen wieder. Viele bleiben im Winter bey uns.
41. Corvus caryocatactes L. In Naumanns vortreff: lihem Werfe heißt e8 Bd. II. ©. 138.: der Tannenheher nifte einzeln um Nürnberg. Es ift möglich, daß dies vor Jahren der Fall war, jest "aber wird, mie ich auf das Beftimmtefte verfichern Eann, diefer Wogel in hieſiger Gegend nie brütend gefunden; es gefchieht dies nicht einmal im Fichtelgebirge. Er erfcheint vielmehr in Franken überall nur im Herbft und Frühs jahr auf dem Strihe, und zwar in einer ziemlichen Reihe von Jahren gar nicht oder nur einzeln, in andern ungemein zahl reich, fo daß er das Land förmlich uͤberſchwemmt. Sn den Jahren 1804, 1835 und namentlib von Mitte September bis Ende October 1844 waren fie im Fichtelgebirge, bey Bay: reuth und Nürnberg, mie überhaupt in ganz Franken in er- ftaunlichee Menge vorhanden, Sc habe fehr viele geöffnet und fand zu meiner Verwunderung in ben Mägen und. Speiferöhren nur Snfecten, als: Geetrupes stercorarius, sylvaticus, He- lops ater, Hylurgus piniperda, Forficula aurieularia, Kä- fer aus den Gattungen Carabus, Cureulio, Locusta viridis- sima, bey einem etwa 25 Stud grüner, einen Zoll langer Noctua-NRaupen, die nicht mehr naher zn beftimmen waren, und, obmohl die Nüffe in diefem Jahre gut gerathen maren, nur bey einem einzigen die Bruchftüde einer Hafelnuf.
42. Sturnus vulgaris L. Altenthalben fehr gemeiner Brüte: und Zugvogel. Sch habe ein altes Männchen mit gelblich grauem Kopfe, Hals und Naden, fonft wie gewöhnlich gefärbt, erhalten. — Entoz.: Strongylus trachealis.
43. Gracula rosea Glog. in altes Männchen wurde am 29. Juny 1832 ganz nahe an Nürnberg erlegt.
44. Turdus viseivorus L. Ueberall in ganz Franken ge: mein. — Entoz.: Ascaris ensicaudata.
45. Turdus musieus L. Ganz wie die vorige.
46. Turdus pilaris L. Kommt altjährlih und oft in fehr großer Anzahl nach Franken, bleibt hie und da in Eleinen Geſellſchaften audh den Sommer über bey uns, ohne zu brüten, und im vergangenen Sommer bat fie in Franken wirklich gebrütet. Herr Gantor Heumann in Wonſees ſchreibt mic*: „Eine fehr merfwür- dige Beobachtung habe ich über diefe Wögel im Jahre 1830 gemacht. Es gab nehmlich in dem firengen Winter 1829 und 1830 fehr viele Krammetsvögel in unferer Gegend; ich bemerkte, daß fich welche noch im Frühling hier aufhielten, ja 17 bie
* MWörtlich mitgetheilt, 2*
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20 Stuͤck habe ih im Suny ben heißen Tagen gefehen. Ich ſchoß drey davon, welche ganz mager waren, und ließ dann die andern in Ruhe. Diefe Vögel, noch 13 an der Zahl, find wirklich im Sommer 1830 im Kiefergebüfh bey Schirradorf, 3 Stunden von bier, geblieben, haben fi von Würmern und MWachholderbeeren genährt, aber was mir das Yuffallendfte war, nicht gebrütet. Ich bin ihnen oft zu Gefallen gegangen, habe fie in ihrem Thun und Treiben beobachtet und mande Stunde verlaufht. Sie haben oft ihren Eauderwelfchen Geſang ange: ſtimmt, und waren luftig und munter, aber verliebt thaten fie nie, fo oft ich ihre Gefellfchaft befuchte. Später, ehe ihre Kammeraden wieder ankamen, ſchoß ich ein Männchen und ein Weibchen, da waren fie wieder fett und ihe Fleiſch gut;“
Herr Lehrer Ott in Wunfiedel fehrieb mir unter dem 2%. Suny 1847 Folgendes*: ., Vorige Woche wurde hier ganz nabe an der Stadt, bey der Ziegelhütte, die Wacholderdroffel, Turdus pilaris, brütend angetroffen; das Weibchen wurde vom Neſte weggeſchoſſen und liegt gegenwärtig bey mir, das Neſt mit den Ehern wurde leider zerſtoͤtt. Doch habe ich die Eyer⸗ ſchalen noch zuſammenſuchen laſſen, dieſe ſind von blaͤulich gruͤ⸗ ner Farbe. Man will dieſe Droſſeln ſchon mehrere Sommer hindurch an diefem Drte bemerft haben.’
Eine ſehr fhöne Varietät mit fhneeweißem Kopfe und Naden wurde vor einigen Jahren im Winter bey Nürnberg gefchoffen.
47. Turdus iliacus L. Kommt im Herbft und Frühjahr häufig auf dem Zuge durch Franken; einzelne bleiben in hieſi— ger Gegend wie im Fichtelgebirge den Winter über. — Entoz.: Taenia angulata, Ascaris ensicaudata.
48. Turdus torquatus L. In Franken nur hier und da auf dem Zuge: im Fichtelgebirge, im Steigerwalde und in ben bewaldeten Felfenzlgen des Pegnitz- und Wiefentthales (Velden, Muggendorf, Gößweinftein) altjährlih. Um Nürnberg fehr felten,, ift au ſchon bey Burgbernheim vorgekommen. — En: tozoen: Taenia angulata.
49, Turdus-merula L. Altenthalben gemeiner Niftvogel; eine alte ſchneeweiße Amfel, bey Nürnberg gefchoffen, fteht in einer hieſigen Sammlung, eine zwehte ganz weiße, aber noch junge Amfel (die Steuerfedern haben noch nicht bie gewoͤhn⸗ liche Länge) wurde bey Markt Erlbach, einige Stunden von bier, geſchoſſen und ift in meinem Beſitz. — Entozoen: Tae- nia angulata, Ascaris ensicaudata.
50. Turdus saxatilis L. Diefe Droffel, ein Rothſchwanz im Grofen, brütet in einzelnen Paaren in den romantiſchen Kelfenthätern Muagendorfs (bey Wüftenftein, Auffees, Wai— ſchenfeld, Rabeneck im Aufſees- und MWiefentthale) auf Felſen und Burgruinen in Löchern und Riſſen. An den genannten Drten gab es zur Zeit, als der Tyroler Freiheitskampf war, 1809 und in den darauf folgenden Fahren bis 1812 und. 1813 fehe viele Steindroffein. Seit diefer Zeit find fie dort feltener geworden. Noch vor ohngeführ 30 Sahren haben fie au in dem zerflüfteten Mauerwerfe der Feſtung Würzburg bey Weißenburg ziemlich zahlreich gebrütet; als aber bey erfolgter Reparatur an den Feftungswerken alle Riffe und Löcher, welche den Steindroffeln zu Brüteplägen gedient hatten, ausgebeſſert wurden, verfchwanden dieſe ſchoͤnen Vögel und find feitbem nicht wiedergekehrt. Auf der Burg Egloffftein und der nun— mehr eingegangenen Feftung Rothenberg ift fie [don auf dem Zuge öfter bemerkt und erlegt worden. |
* Mörtlich mitgetheilt.
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Sie fliege ftill in die Höhe und fingt abſchwebend ihr ſchö— nes Lied, ift Scheu, hat 4 — 5 Junge, und giebt, wenn man ſich ihrem Neſte nähert, die nämliche Stimme von-fidy, wie der ſchwarze Rothſchwanz (tithys), nur erfchallt diefer Angft: ruf in viel tieferem Tone,
51. Saxicola oenanthe Bechst. In ganz Franken gemein; namentlich in Oberfranken. Im Magen eines Männchens fand ih: Chrysomela cerealis, einige Trachyphloeus sca- brieulus, Poecilus lepidus, Sitona tibialis, Aphodius sor- didus in mehr denn 15 Eremplaren, die Larve eines Elater und eine Noctua-Rauve. Ihr größter Feind ift das Miefel, melches viele Bruten zerftort und, wenn es die alten Vögel verfehen, auch diefe tödtet. Im Oberland heißt diefer Vogel „Sommer: vogel“ denn wenn er ankommt, wird e8 bald warm und ſchoͤn; zieht weg.
52. Saxicola rubicola Bechst. Häufig in Franken; niftet in dee Umgegend von Nürnberg (Heroldsberg, Kalchreuth, Er: langen, Neuftadt a. U, Bayreuth, Wonfees. Zieht weg.
53. Saxicola rubetra Bechst. Ziemlich felten, fo bey Nürnberg, Neuftadt a. A., Burgbernheim, Bayreuth, am haͤu— figften nod) in der Gegend von Bamberg im Maingrunde. Zieht weg.
54. Sylvia tithys Lth. In Städten, Dörfern, Einzel- böfen, Steinbrüchen ze. fehr gemein. Es werben nicht viele Stadt = oder Dorflirchen bey uns gefunden werden fönnen, in welchen nicht ein Rothſchwanzpaͤrchen niftete; ihre Nefter bringen fie an Hochaltären, ‘auf Gapitälern, in gothifhen Ornamenten, auf Sacramentshäuschen, Engeln ıc. oft ungemein niedrig an. So ftand in diefem Jahre ein Neft mit 5 Jungen in der
Kirche von Wendelftein auf einem Thuͤrmchen des Saeraments:
bäuschens böchftens 5 Fuß über den Kirchenftühlen und in noch geringerer Entfernung über den Zuhörern, welche dort jeden Sonntag verfammelt find, ein anderes in der hart an der ftarfbefahrenen Straße liegenden Schmiedehütte, in welcher täglich Pferde befchlagen wurden und viel Gehämmer und Ge: raufh war, 9 Fuß von der Erde auf einem fehr fehmalen Balken; ferner fand ic) eines in einem Gefellfchaftsgarten unter dem Podium für die Mufit, wieder welche im Gartenhäuschen ıc. Vertreibt zuweilen die Hirundo rustica aus ihrem Neſte. — Ento;oen: Filaria abbreviata. Zieht weg.
55. Sylvia phoenieurus Zth. Einer der gemeinften Bö- gel Frankens; im Neichswalde in größter Anzahl vorhanden. Zieht weg.
56. Sylvia eyanecula Wolf. Auf dem Herbft und Früh: lingszuge häufig. Aus biefiger Gegend habe ich einige Male Männchen ohne den weißen Stern und im Frühjahr 1836 ein ſehr ſchoͤnes gewöhnlich gefärbtes Männchen erhalten, dag oben auf dem Scheitel eine große dicfangefogene und an der lins fen Wange eine kleinere Holzzecke (Ixodes rieinus) hatte; das Vögelchen war wohlgenährt, ſchmuck und lebendig in feinem Betragen und hatte augenfcheinlich durch diefe beiden Blutfau: ger nicht gelitten,
57. Sylvia luseinia Lth. Brütet nur in einem £leinen
Theile von Franken, nehmlic gegen das Coburgifche hin, aber
noch ziemlich haufig, fo in der Gegend von Weißmain, Lich: tenfels, Schney, aud in Bambergifhen bey Banz, ſoll fie
—
brüten; im übrigen Theile von Franken iſt fie nur auf dem
Herbft und Frühlingszuge zu finden, meift felten, Sn der
Nuͤrnberger Gegend und bey Burgbernheim werden jährlich in
biefer Zeit nicht wenige gefangen.
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Anmerk. Sylvia philomela Bechst., welcher Koſch als Aufenthaltsort Franken anweiſt, ift mir noch nicht vorges fommen.
58. Sylvia rubeeula Lth. Allenthalben gemein; zieht weg, bleibt aber in gelinden MWintern einzeln bey ung, mas aber doc manches mit dem Tode bezahlen muß.
Ich fand an einem falten MWintermorgen ein folhes Roth: kehlchen noch lebend, aber dem Tode nahe; ich hatte es kaum in die Hand genommen, fo ftarb e3. Niſtet zumeilen in den Gärten ganz nahe an Dörfern, auch in denfelben; ein Neſt fand ich zwifhen dem Fenter und dem vorgefchlagenen Laden eines Gartenhaͤuschens. — Entozoen: Echinorhynchus poly- morphus.
59. Sylvia abietina Nilss. brütet, zieht weg.
60. Sylvia trochilus ZLth. Gemein; baut fih auf bie Erde von duͤrrem Grafe fein Neft und macht zuweilen zum Eingange deffelben aus demfelben Material einen gewölbten Gang, der einen halben, auch dreyviertel Fuß lang ift; hat 4—6 Sungez zieht weg.
61. Sylvia sibilatrix Bechst. In Franken fat durch— gängig ein gemeiner Vogel, fo in Oberfranken bey Bayreuth, aud) im Nürnberger Neichswalde ꝛc., niftet auf die Erde; zieht we
62. Sylvia hypolais Naum. Wenn audy nicht felten, doch auch nicht haufig, To bey Bayreuth und Nürnberg; wird hier gern im Küfig gehalten.
63. Sylvia palustris Beehst. Here Landarzt Kreß in Ebrach ſchoß fie im May 1839. im Schloßgarten zu Aſchbach am Steigerwalde; zieht wahrfcheinlih bey ung nur durch; fehr felten.
- 64. Sylvia arundinacea Zth. Ziemlidy gemein; brütet an der Pegnig, Negnig, am Dugendteih bey Nürnberg uſw.; zieht weg.
65. Sylvia turdina Glog. Selten auf dem Zuge; ift bey Nürnberg vorgekommen.
66. Sylvia aquatica Lth. Brütet an der Pegnig gar nicht felten, auc an der reichen und rauhen Ebrach, häufig an der Ss: zieht weg.
67. Sylvia nisoria Bechstein. Selten; am Mann bey Wuͤrzburg fol fie brüten; ift bey Nürnberg auf dem Zuge er: legt worden.
68. Sylvia curruca Lih. und Zugvogel.
69. Sylvia einerea Lth. Wie die vorige, nur noch ges "meiner, befonderd im Dberlande (Bayreuth, Wonſees 2c.) fehr häufig. Hier um Nürnberg heißt fie: ——— deutſche Grasmuͤcke. Zieht weg.
70. Sylvia hortensis Bechst. Sn Fnten nirgends un⸗ gewoͤhnlich und ſtrichweiſe auffallend haufig, fo bey Wunſiedel, Bayreuth, Wonſees, Nürnberg, Yurgbeenheim. Zieht weg. 71. Sylvia atricapilla Zth. In ganz Franken mehr oder minder gemeiner Bruͤt- und Zugvogel. Auffallend ift die Ver: fhiedenheit des Meifenmünchgefanges in mancden Strihen; fo findet man bey Waſſertruͤdingen herrliche Sänger, gegen melde die der Nürnberger und Burgbernheimer Gegend, wo fie häufig find, als wahre Stümper erfcheinen. 4
Schlußbemerkung. Here Dr. Küfter führt fir Erlangen außer den obigen Sylvien noch auf: Sylvia phragmitis, lo- eustella et fluviatilis. Daß die beiden erften in Franken und
Allenthalben gar nicht fetten,
Allenthalben gemeiner Brüt:
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bey Erlangen vorkommen, zweifle ich nicht im Geringften, aber ic) führe fie nicht auf, weil ich fie felbft noch nicht beo— bachtet habe, daß aber S. fluviatilis bey uns gefunden werde, ann ic kaum glauben. Auh Koch fagt, fie fen noch nicht in Bapern vorgefommen. Sylvia cariceti Naum. foll in Fran— fen angetroffen werden.
72. Cinclus aquaticus Bechst. In Oberfranken an allen Gebirgsbächen zu finden; im ganzen Fichtelgebirge z. B. an der Roͤslau, der Eger, der Steinah (bey MWarmenfteinad)), am Perlenbach bey Berneck, ferner in der fraͤnkiſchen Schweiz im Puttlah=, Auffees=, Miefentthalere, bey Freyenfels, Mug- gendorf, Streitberg, Pottenjtein, Weifchenfeld, ebenfalls im Pegnisthale und einmal, wiewohl nur als große Seltenheit, felbft ganz in der Nähe von Nürnberg, Brütet häufig unter Wehren und MWafferbauten innerhalb des Wafferfalles, duch welchen er hindurchfliegt, an trodnen Stellen.
73. Motaeilla alba Linn. Gemeiner Brüte= und Zugvogel.
74. Motacilla sulphurea Beehst. Brütet häufig in Ober franken (Fichtelgebirg, Bayreutherland ) und zwar fehr bald im Sabre, fhon im März und April; im Oberlande bleibt fie nicht ſehr einzeln an Bächen, die nicht zufrieren, felbft im ffrengften Winter; ift diefer gelind, fo ift dies etwas Gewoͤhn— liches; aud an der Negnig bey Erlangen habe ich fie ſchon im Winter angetroffen. Bey Nürnberg nur auf dem Zuge.
75. Motaeilla flava L. In ganz Franken febr gemein. Hält fih immer gern bey den Schafheerden auf, befonders im Fruͤhjahre, wann die Schafe gefhoren find; es ift luſtig anzu: fehen, wie diefe ſchoͤnen gefchäftigen Vögel den ganzen Tag mit den Heerden ziehen, wie fie unter den Schafen herumlau— fen, ihnen die Laufe unten vom Bauche wegfchnappen, wie fie ſich deßwegen manchmal auf die Schafe feßen und auf den— felben herumlaufen; man follte glauben, es müßten troß ihres flinfen Weſens nicht wenige hertreten werben.
76. Authus aquaticus Bechst. Kommt einzeln ober paar: weiſe im Winter nady Franken und in die Umgebungen Nürn: bergs, wo ich ihn mehrmals angetroffen habe; felten.
77. Anthus pratensis B. In Franfen gar nicht felten, niftet haufig auf dem Kreuzberg im Rhoͤngebirg, bleibt einzeln den ganzen Winter an Baͤchen und Flüffen, die nicht zufrieren oder offene Stellen haben; bey Nürnberg beißt. er wegen feines Locktons „Schnitzer“z auch iff bier im November 1832. ein Authus palustris Meisner gefchoffen worden.
78. Anthus arboreus B. Gemeiner Brüte- und Zugvogel, überhaupt einer unferer gemeinften Singvögel; er wohnt nicht in dichtem Hochwalde, fondern auf Fichtfchlägen mit Unterholz. Je größer ſolche Schläge find, defto zahlreicher bewohnt er fie, auh dann noch, wann dag Raub: oder Nadelholz ſchon eine ziemliche Höhe erreicht hat, nur darf es nicht zu dicht ftehen und der Boden muß viel hohes Gras ic. haben. Im ganzen Nürnberger Lande (Neihswald) wie im Bayreuthifhen ſehr gemein.
79. Anthus campestris B. Theilweiſe gemeiner Zug: und Brütevogel, bey Nürnberg, Neuftadt a. A., Ebrach am Stei- gerwalde bruͤtet er nicht ſelten, im Oberlande (Bayreuth, Won⸗ ſees) gemein.
80. Alauda alpestris Z. Kommt nur in ſtrengen Win— tern und ſehr felten nach Sranfen; früher wurde eine Alpens lerche bey Bayreuth erlegt und am 15. Februar 1831. wurde ein ſchoͤnes Männchen bey Nürnberg auf einem Vogelheerde mit Feldlerchen gefangen; dieß ſchoͤne Exemplar ſteht in der
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Sammlung des Herrn Blepftiftfabritanten Ziegler in Nürn— erg.
} 81. Alauda cristata L. In der Nürnberger und Erlanger Gegend, Sommer und Winter gemein. Im Winter auf allen Wegen und Chaufeen in Dörfern und mitten in den größten Städten anzutreffen; hier fucht fie in Gefellihaft von Haus— fperlingen und Emmerlingen auf Schrannenplägen, vor Saft: und Wirthshaͤuſern, wo Pferde gefüttert werden, im Roßmiſt auf den Straßen und da wo Küchenabgang ausgegoffen wird, ihre Nahrung. Im Oberlande brütet fie nicht und iſt dort felbft auf dem Zuge felten. — Exemplare mit einzelnen weißen Biürzelfedern habe ich mehrmals gefunden. \
82. Alauda arborea L. In ganz Franken gemeiner Bruͤte— und Zugvogel.
83. Alauda arvensis L, In Franken die gemeinfte Lerche. Der Nürnberger Reichswald wurde in den vergangenen Jahren durch Raupenfraß (Sphinx pinastri, Bombyx monacha, No- etua piniperda) und Waldbrand ſchwer heimgelucht und «8 wurden dadurch weitgedehnte Streden von vielen Tagwerken gänzlich ruinirt. Hier, mitten im Wald zwifchen Nuͤrnberg und Mendelftein, ftehen jet an den Drten der ehemaligen Ver— wüftung fröhliche Kieferfaaten und Pflauzungen, zum Theil ſchon Büfhe von Manneshöhe und an einer unangepflanzten Stelle, wo die Maupen fraßen, fehöner Grasboden. Dieſe Schläge waren in diefem Sommer von mehreren Feldlerchen⸗ paaren bewohnt; ich habe zwar kein Neſt gefunden, ſie aber während des Sommers oftmals angetroffen. — Entozoen: Taenia platycephala, Distomum inſſatum.
84. Alauda calandra L. Steht aus der Umgebung Nürn- bergs in der oben erwähnten Sammlung des Herrn Ziegler.
85. Accentor modularis Koch. Niftet in Oberfranken in Wäldern und baut fein Neft niedrig in dichtes Nadelholzges büfch, brütet auch einzeln im Nürnberger Neichswalde, woher ih im May ein Neft mit Eyern fah, welches 14 Stunden von bier, im Langenlocher Steinbruch, gefunden worden ift; im Winter Eommen viele nordifhe Braunellen zu ung nad) Mittelfranken und überwintern zum Theil,
86, Emberiza miliaria L. Brütet hie und da in Franken ; fehr einzeln bey Nürnberg, häufiger bey Bamberg, am Stei⸗ aerwald, bey Banz und Kigingen, ferner bey Ebermannsftadt, Kirchehrenbach, Forchheim im Pegnitz-, Regnitz- und Main: Gebiete. An einem Grauammer fah ich eine merkwürdige Mon— ftrofität des Schnabels. Der Oberkiefer nehmlich befteht aus 2 Stark aufwaͤrts gekruͤmmten und übereinander ftehenden Xheilen, welche dadurch gebildet find, Daß der Höder aus dem Oberkiefer weit berausgewachfen und den legtern aufwärts gedrängt bat. Der hypertrophiſche Höder ift an feinem quer abgeftumpften Ende 1’ breit, glatt abgerundet und mit dem aufgeftülpten Oberſchnabel bis auf 24 verwachfen. Vom Mundwinfel bie an das Ende des Höders find. 94", bis an das Ende des Dberfchnabels 8 pariſ. Maaß. Der Unterkiefer ift normal.
87. Emberiza eitrinella L. Sommer und Winter fehr gemein. Sobald Schnee fällt, kommt ev in Dörfer und Städte, mit dem Schnee verfchreindet er auch wieder aus dinfelben.
88. Emberiza eia L. Herr Landarzt Kreß fab ihn ein: mal ten Aſchbach am Steigerwald, konnte ihn aber, da er feine Flinte bey fich hatte, nicht verlegen. |
89. Emberiza schoenielus L. Brütet hie und da in Fran: Een, nicht felten bey Ebrach, einzeln in hiefiger Gegend; auf dem Zuge häufiger,
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90. Emberiza nivalis L. Kommt in fehr fchneereihen Wins tern in Eleinen Flügen zu ung in das Fichtelgebirg und bis in die Gegend von Nürnberg; im ftrengen Winter 1844 und 45, wurden hier am 23. März auf einem Vogelheerde mehrere ge: fangen, wovon ich einen etliche Tage unterhielt; auch im Win: ter 1846 und 47. find wieder Eleine Geſellſchaften von Schnee: ammern gefehen worden.
91. Emberiza lapponica L. hat Herr Ott einmal aus dem Bichtelgebirg erhalten.
Anmerk. En. cirlas DL. ift in Franken ſchon vorgekom— men; ich habe ihn noch nicht gefehen. Emb. hortulana L. führe Dr. Küfter für Erlangen und Nürnberg als auf dem Zuge fehr felten auf, und nah Dr. Hahns fauna boica ift ein altes Männden der Emb. melanocephala im Dictober 1832. auf einem Vogelheerde bey Nürnberg mit Goldammern gefangen worden, wofür ich nicht gut ftehen will.
92. Fringilla coelebs L. Sehr gemein. In Nürnberg giebt es viele Finfenliebhaber und unter den Finfen vortreffliche Schläger, welche in hohem Preife ftehen, Der beliebtefte Schlag ift der fogenannte Würzburger, der doppelte oder glöcelnde Heiter (wegen feines Elingelnden Anfanges fo genannt); minder gut ift der einfache Neiter und unter den guten Schlägen der am wenigften gefchäßte der Petſchinger; fehlechte Gefänge find: der Kehrwifch, das Waigenbier, der Weitſchuh, die Putzfcheer, die Luzia. Sehr gute Schläge, wie man fie bier in erftaus nengwerther Vollkommenheit nicht felten hören kann, find meift | Kunfterzeugniß; man nimmt nehmlich junge Finfen zu der Zeit, wann die Schwanzfedern einige Ränge haben, aus dem Nefte, zieht fie auf und hängt fie neben einen alten guten Schläger. — Ein gefhädtes Finfenmännden wurde bey Erlangen erlegt und ich habe bey Nürnberg auf einem Vogelheerde einen faft rein: weißen Finken mit ducchfcheinenden Zeichnungen gefangen. Ens tozoen: eine Taenia.
93. Fringilla montifringilla L. Kommt im October und November in großen Schaaren zu ung; auf den hiefigen Wo: gelheerden werden öfters an einem Tage 200— 250 Gägler gefangen; einzelne. bleiben den Winter über bey uns, dieſe mi: ſchen fid dann unter die Buchfinken.
94. Fringilla domestica L. Aeußerſt häufig; ich ſah ein Neſt auf einem Wirthshausfchilde, welches an langer Eifenftange in die Straße heraushängt, fo angebracht, daß es von einem blechernen Dächelchen über dem Schilde gegen die Unbilden. der Witterung gefhüst war; ferner fah ich am Erlanger Schlof- gebäude mehrere Nefter, welche in den. Suloufieläden gebaut | waren; im dortigen Gabinet fteht ein hell=chocoladenbrauner | Sperling, der am ganzen Gefieder fein dunkleres Strichelchen hat; einen ganz weißen ſah ich in der Nähe von Nürnberg; auch babe ich bier auf dem Hauptmarfte ein Weibchen - mit einem merkwürdigen monftröfen Schnabel gefangen. Die obere Kinntade hat nehmlich im Bogen gemeffen 3 par. Maag, iſt ſtark abwärts gebogen und läuft von der Baſis big zu dem | quer .abgefchnittenen Ende in faft ganz gleicher Breite (am Ende 2" breit) fort; die normale Schnabelform ifl von dem mon: ftröfen Theil, welcher zum. größten Theile horngelblich iſt, durch fbwärzlich graue Färbung feharf abgegrenzt. Die untere eben= | falls mönftröfe Kinnlade ift um die Hälfte kuͤrzer, bogenförmig abwärts gekrümmt, an der vordern Hälfte in 2 Theile gefpals ten, die 2 Linien auseinander ftehen; der Unterfchnabel fchließt nur theilweiſe mit dem obern nothbürftig zufammen. Die
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mimlihe Monftrofitie ſah ich am 8. September 1847. in einem Flug von Spagen bey Nürnberg.
95. Fringilla ‘campestris Schrank: In Franken faft ‚ebenfo gemein wie" der vorige. Here Dr. Küfber: führt ihn nicht auf. | $ j
96. Fringilla petronia Linn. Kommt hin und wieder bey Nürnberg (z. B. bey Mögeldorf,, eine Stunde von! hier) auf dem Zuge vor und wird zumeilen auf unfern Vogelmarkt ge— bracht; ich glaube nicht, daß er in Franken brütet.
97. Fringilla eoccothraustes Meyer. brütet: in: mandjen Strichen Frankens, wie im Steigerwald und Bapteutherlande ‚häufig bey Nürnberg habe ich ihn nur einzeln ‚oder in Eleinen Geſellſchaften auf dem Striche bemerkt.
98. »Fringilla pyrrhula ‚Meyer. Im Winter in ganz ‚Sranfen gewöhnlich, bruͤtend nicht uͤberallz im ‚Fichtelgebirg miftet er haufig, fo bey Bayreuth, Wonſees, Wunſiedel, auch bey Burgbernheim und Neuftadt a. Ar in Mittelfranken, » 99. Fringilla serinus: L. Bey Erlangen, wo ‚auch. Herr Brehm Anfangs May 1830, in einem Garten den Girlig fingen hörte, (fiel: mir auf seinem 'Spaßiergange an einem ſehr ſchoͤnen Srühlingstage ‚den 21: April: 1845., im Eichenmäldchen, wel⸗ ches am Fuße und zur Seite des MWelsgartens ſehr nahe an der Stadt liegt, ein noch mie gehörter Gefang auf, der aus mehreren Kehlen ertönte; bald gewahrte ich‘ in ‚den Wipfeln der Eichen und Kiefern dieſe Vögelchen , welche froͤhlich trillernd, ‚dem fingenden Baumpieper täufchend ähnlich, aus den Baum: kronen aufflatternten und unter. Gefang auf ihren Sitz wieder herabfehwebten; zwey ſolche Voͤgelchen, die ſich im fchnellen Fluge und mit gewandten Schwenkungen verfolgten und ein: mal ganz in meiner Naͤhe vorbeyſchwebten, ſetzten ſich endlich in geringer Entfernung auf ein niedriges Pflaumenbaͤumchen, wo ſie zwar nicht lange Stand: hielten, mir aber doch Gelegen= heit gewaͤhrten, ſie ſo genau zu ſehen, daß ich, was ich gleich vermuthete, auf das Beſtimmteſte erkannte, daß es Girlitze waren. Als ich nach Hauſe zuruͤckgekehrt war, las ich die Na= turgeſchichte ded serinusı bey Maum ann nach und fand zu meiner großen Freude in der Befchreibung die Eigenfchaften diefes Vogels, meine Beobachtungen und namentlich die von der Aehnlichkeit des fingenden Girlitzes mit dem fingenden Baum: pieper ‚wörtlich beſtaͤtigt. Auch ben Tennenlohe bey Erlangen und ganz nahe bey Nürnberg. auf der Deutſchherren-Wieſe ift er vorgekommen, fteht auch in Herrn Zieglers Sammlung aus hiefiger Gegend und wurde endlich im Fichtelgebirg beob⸗ achtet z brütet jedenfall® bey uns; }
100. Fringilla chloris Meyer. Das ganze Sahr in $ran- ken gemein; heißt bey Nürnberg „Wonig,
“401. Fringilla cannabina L. Allenthalben gemeiner Bruͤ⸗ tevogel.
102 Fringilla flavirostris Z. Kommt in manchen Win⸗ ‚teen vor, fo 1827. und 1828, in der Gegend von Nuͤrnderg. 108. Fringilla linaria L. Sn manden Sahren in. Fran- ‚fen und. befonders in deffen Waldgebirgen im Spätherbft, und au Anfang. des Winters, ungemein häufig; in, vielen Jahren fieht man ſie dann wieder ‚gar nicht. ober mut felten in Eleinen Fluͤgen. ‚Sehr. viele gab es bey Nürnberg im Spätherbft 1847., wo fie „Zitſcher, Meerzeischen‘ heißen.
“104. Fringilla carduelis L. In gang Franken) beſonders in der hiefigen: Gegend ſehr gemein ; auch iſt die ſchwarze Va— rietaͤt gar nicht ſelten. marrygi
Iſis 1848. Heft. 1.
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105. ‚Fringilia eitrinella Z, wurde fchon hie und da, Aber ſehr felten bey Nürnberg gefangen ; auf dem Fichtelgebirge iſt er ‚auch ſchon beobachtet worden z\ ob ver. bruͤtet, weiß ich nicht.
106. Fringilla spinus Z, brütet ungemein häufig im Fich⸗ telgebirge und im Bayreutherlande bis herab gegen Auffees nach Mittel: und Unterfranken und die Umgegend von -Niürn-’ berg kommt er nur ald Zugvogel, in manchen Sahren feltener, nur in Eleinen Flügen, in andern: in überaus großer Menge. So habe ich im Detober 1847. Flüge von vielen Hunderten ganz nahe an Nürnberg, dann an unſerem Dugendteih und vielen Stellen des Neichswaldes: gefehen,
107. Fringilla enucleator Meyer: Ein Pärchen in ber ſehr fchönen Sammlung der Herren Gebrüder Sturm dabier wurde in der Nähe sunferer "Stadt, ein einzelnes Männchen gleichfalls bey Nürnberg im: November 1829 gefangen.
108. Loxia taenioptera Gloger. In dem durch den Ber ſuch diefer Voͤgel für Deutfchland merkwürdigen Jahre 1826, kam biefer. ſchoͤne Kreusfchnabel auch in unſern fränkifchen Ges birgswaͤldern und ber Nürnberger Gegend ‚vor; im Jahr 1846. wurde er hier wieder ‚einzeln. bemerkt und gefangen.
109. Loxia curvirostra, L. brütet in unſern Gebirgswaͤl⸗ dern, wie im Sichtelgebirg., Im Dberlande wird er den Früh: ling und Sommer hindurch in. ungeheurer Menge gefangen und verfpeift. Im Steigerwwalde, der Nürnberger Gegend uf. iſt er nur auf feinen Nomadenzügen in Sahren, wo der "Nadel- holzfaame gerathen ift, im. Sommer und Herbft in bedeutender Anzahl vorhanden; in andern Jahren fieht man ihn wieder nur fehr felten oder gar nicht. 1
Unmerfung: Loxia pityopsittacus führt Herr Dr.
Küfter für Nürnberg und Erlangen als einzeln und höchft felten auf; ich habe fie noch nicht in genannten Gegenden gefunden, und da auch mein Freund Herr Det fie troß aller Mühe aus dem Fichtelgebirge noch nicht erhalten bat, fo will ich, ob ich wohl an feinem Vorkommen nicht zweifle, diefen Kreuzſchnabel nicht. auf: zählen.
110. Parus eristatus L. Gemein ; breitet gerne hoch auf Nadelbaͤumen in alten oder unbenugten Eichhoͤrnchenneſtern, in denen fie auch bey ſtuͤrmiſchen Wetter ihr Nachtquartier auf: Thlagen; ift im Nürnberger Neichswalde faft gemeiner als die Zannenmeife und heißt ‚„„Koppenmeiste",
111. Parus palustris L. Ziemlich felten; brütet.
112. Parus ater L. XAllenthalben gemein. und wird in Nuͤrnberg, wo feit einem Sabre fchwere Strafen auf das Fan— gen berfelben gelegt wurden, fehr häufig im Käfig gehalten und Maͤnnchen, die gut pritfchen (fingen), werden theuer verkauft. In hiefiger Gegend „Tomeisle“ genannt.
113. Parus major L. Gemeiner, Brütevogel; eine Meife (fo heißt fie hier uusfchließlich), welche. ftey in meinem Zimmer herumflög, nahm jeden Abend ih Nachtquartier in einem mei- ner Stiefel, Entozoen: Taenia nasuta, Distomum ovatum.
114. ‚Parus coeruleus L. Ganz; gemein: _ Entojven: Taenia nasuta. -
115. Parus cyanus L. im Herbft 1809. wurde ein Männ- hen in Oberfranken bey Schney, bey Lichtenfels, gefchoffen. 116. Parüs eaudatus Z. Ziemlich gemeiner Strich⸗ und Brütevogel im ganz Franken; bey Nürnberg heiße fie wegen ken langen Schwanzes Pfannenſtiel“ im Oberlande ‚Schnee: meife.‘‘ | 3
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117. Sitta europaea L. Inganz Franken gemein. Selbft in dem vergangenen fehr Ealten Winter habe ic) an Weihnach— ten 1846 im Reichswalde Spechtmeifen angetroffen; fie ift fehr zutraulich und Eommt, wie ich dieß im Thereſienhain bey Bam: verg ſah, in die nächfte Nähe der Menfchen auf Tiſche und Bänke.
118. Tichodroma phoenicoptera Temm. wurbe an den Burgruinen Muggendorfs mehrere Jahre lang im Sommer beobachtet und gefchoffenz flreiht fonft zuweilen bis in unſere fraͤnkiſchen Gebirge aus dem ſuͤdlichen Bayern herauf.
119. Certhia familiaris L. Ueberall gemein; niftet am tiebften in’ Höhlen, welche» durch zwiefelichte Bäume (Bruder: baume) entftehen, in die Niffe hohler Bäume; ein Neft fand id in einer Partie Hopfenftangen, die an eine Linde angeiehnt waren. — Die von Hin. Brehm aufgeftellte Certhia bra- chydactyla ift am Steigerwald, namentlih um Aſchbach, nicht feltener Standvogel; Herr Landarzt Kreß will fie fhon von Weitem am Lodtone von der familiaris unterfcheiden Eönnen.
120. Troglodytes parvulus L. Allenthalben das ganze Jahr hindurch; niftet in bemoofte Steinlöcher, in Holzklafter im Walde und fehr gerne in dem durch herabgefunfenes Erd: reich entblösten Wurzelwerke; fo fand ich ein Neft fogar in dem Hohlweg einer fehr frequenten engen Bicinalftrafe in den dichten Wurzeln einer Hede. Man glaubt, wenn er im Win- ter feinen Gefang hören läßt, folge anderes Metter,
121. Bombycilla garrula Vieill. kommt im Fichtelgebirge alle Fahre einzeln im Februar und März vor, in Schaaren nur in manden Sahren (der Sage nad alle 6 bis 7), fo 1834. und 1845.; nicht alljährlich fieht fie die Gegend von Bayreuth und Nürnberg, dev Steigerivald ufv. Nach Herrn Dr. Küfter kaum mehr zur hiefigen Fauna gehörig, weil ber Seidenfhmwanz feit 15 Jahren kaum mehr einzeln gefehen wor: den fey, und er felbft troß aller Mühe in den legten Sahren von feinem Dafenn feine Kunde erhalten habe, Zwar haben wir feit 1828/1829., wo es im Nürnberger» und Ansbacher Rande von diefen ‚fchönen Fremdlingen wimmelte und wo. fie felbft bis in die Mitte Nürnberg auf die alten Linden der Inſel Schütt Famen, die Seidenfhwänze nicht mehr in Maffe gefehen, aber nach Verlauf von 2 oder 3 Sahren find fie bis jest immer gefommen, wenn auch faft durchgängig nur felten und in Eleinen Gefellfhaften, dod auch zuweilen wieder zahl: reich; fo find in dem harten Winter 1844/1845. viele Seiden— ſchwaͤnze in der Nähe unferer Stadt gemwefen und im Winter 1846/1847. fam eine Gefellfhaft diefer Vögel auf einen hie figen Vogelheerd, wo mehrere Stüde gefangen und zu Markte gebracht wurden; auch fah ich vor 2 Fahren bey einem meiner Freunde ein altes Männchen im Fleiſche, welches erfroren im Reichswalde gefunden worden war.
122. Oriolus galbula L. Sn vielen Gegenden Frankens häufig, fo im Nuͤrnberger Reihewalde, bey Erlangen (Weißen⸗ dorf, Dormitz, Kalchreuth, Neufichen am Hetzles, wo große Kirfchgärten find), desgleihen haufig im Steigerwald, bey Bam- berg, Banz und im Bayreutherland. Noch am 6. September 1847. habe ich seine Eleine Schaar bey Nürnberg geſehen und 2 Stüde davon erlegt, das Weibchen und ein Funges, in deren Mägen icy viele Bombyx bucephala, = und mebrere ausge—⸗ wachſene Raupen der, Sphinx ocellata oder populi fand, „123. Regulus flavicapillus Naum. Sm Fichtelgebirge, dem bayerifhen Voigtlande und allen Nabelwälbern Frankens
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das ganze Jahr und beſonders während der rauhen Jahreszeit fehr gemein. |
124. 'Regulus igaicapillus Naum. In Franken gar nit häufig: #8 brütet bey Nürnberg , bey Ebrad) im Steigerwalde und in einem Xheile des Fichtelgebirges. Here Dr. Küfter) führt es auch für Erlangen auf. |
125. Muscicapa parva: Bechst. fommt nah Bechſtein einzeln in Franken vor und ſoll nach ihm dafelbft niften. Im‘ Herbft 1819. wurde ein Männchen unweit Neuftadt a. U. bey Brunm' erlegt. |
126. Muscicapa collaris Bechst.' bewohnt unfere Eichen- und Buchenwälder; im Steigerwalde den Sommer über häufig.”
127. Muscicapa luetuosa Temm. In den fhönen Wälz dern bey Burgbernheim und’ im Steigerwalde: nicht feltener Bruͤte⸗ und Zugvogel: Der nad anhaltendem fehr fchönen Fruͤhlings⸗ wetter am 18. April 1847. über einen großen: Theil Bayerns gefallene tiefe Schnee, welcher ſehr verberblich ſelbſt für härtere en war, hat nicht wenige dieſer zarten Fliegenſchnaͤpper ges toͤdtet.
128. Museicapa grisola L. Nirgends in Franken ſelten und ftrichweife ſehr häufiger Sommervogel: fo bey Erlangen auf dem Sclofberge, dem Wels: Garten, Rathsberge, ſehr häufig auch bey und felbft in Nürnberg, z. B. auf der alten Befte, bey Zirndorf, im Nürnberger Stadtgraben, und auf der) Rofenau und in der Stadt im Nonnengarten ꝛc., ziemlich haufig. bey Neuftadt a. U, nicht ungewöhnlid im Bayreutherland. In diefem Sommer brütete ein Pärchen fogar in dem von Wald umgebenen Wendetftein. Niſtet unter Dachlatten, auf Balken, auf Bäumen dicht am Stamme, Entojoen: Ascaris depressa.
129. Hirundo riparia L. brütet im Bambergiſchen, bey Banz; auch bey Erlangen an der Regnitz in Eleinen Colonien; im Sommer 1842. nifteten fie in der Mühe legtgenannter Stadt in den durch Hochwaſſer entftandenen fteilen Wänden des Baͤchleins Haderheim, da aber Eher und Junge ‚ausge: nommen und mehrere Alte gefangen wurden, haben fie biefen Brüteplag verlaffen. N
130. Hirundo urbiea L. Gemein; frißt gerne und in Menge die Trypeta arnicivora, weswegen fie zahlreich die Gebäude umfchwärmt, auf deren Böden Arnica montana liegt, — Entozoen: Filaria obtusa, Distomum ovatum, eine Taenia.
130. Hirundo rustica Z. Gemein. — Entojoen: Filaria obtusa,, Distomum maculosum. — Sm Magen’ einmal ein |
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Agonum parumpunctatum. His
132. Cypselus apus U. In ganz Franken den Sommer über fehr häufigz im Nürnberger Stadtgraben in größter, Ans zahl. Zieht in manden Jahren fehr bald weg, Im Jahre 1844., wo einen großen Theil des Sommers, hindurch. trübe, vegnerifche und herbftlichfalte und. nur fehr wenig fchöne Tage waren, bemerkte ich fchon in den erſten Zagen des July eine auffallende Abnahme in der Zahl der Seegler; nur wenige umfreisten noch das alte Schloßgebäude und am 7. July war nicht einer mehr zu fehen. In diefem Sommer zogen fie aus unferer Gegend am 27. Zuly alle fort; merfwürdig mar mir, daß ih am 27. Auguft 5 Seegler bey Wendelſtein bemerkte, die am nächften Morgen verfehwunden waren. \
133. Caprimulgus europaeus- Z. Diefer für die Forfte ſehr nüsliche Vogel ift in ganz Franken gar nicht felten, fo im Steigerwald, Burgbernheim, Neuftadt a. U., befonders aber
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im Neichswalde bey Nürnberg und Erlangen, wie auch im Bapreuthifchen. Heißt im Oberlande „Nachtklatſche““, bey Nürnberg „Nachtfalter, Wegflagge”. Im Magen fand id) Aphodius fossor, Geotrupes stercorarius, größere und klei⸗— nere Forſtnachtfalter. Entozoen: Docophorus macrocephalus, Distomum inflatum. ’
134. Coracias garrulus Brunn. Ueberall in Franken, we: ‚nigftens auf dem Zuge anzutreffen, im Fichtelgebirg , Bayreuther Land, Haßgebirg, Steigerwald nur in der Strichzeit und zwar felten; in der Gegend von Nürnberg, Erlangen, Roth, Neus ftadt a. A. iſt fie als Bruͤtevogel ziemlich häufig: bey Nürn- berg brütet fie im Revier Erlenftegen, in den Steinbergen von Mendetftein und im Revier Unterferrieden (im Sahre 1812. häufig bey Boxdorf zwiſchen Nürnberg und Erlangen); aus der Erlanger Gegend erhielt ich während der warmen Jahreszeit 3 Mandelkrähen ‚die eine war am 23. May auf Atzelsberg, die andern am 2. Auguft bey Frauenaurach, die dritte bey Dech— fendorf gefchoffen; einer meiner Freunde nahm im Suny 1846. im Kosbachee Revier bet) Erlangen 3 Junge aus dem Neite; bey Roth ift fie ziemlich häufig im Revier Petersgemuͤud. Im Magen eines Maͤnnchens fand ich Reſte von einem Geotrupes stercorarius, 2. Geotrupes sylvatieus, 5 Locusta viridis- sima und verrucivora, bey andern auch viele Formica rufa und Acheta agrestis. Entozoen: Filaria coronata, Ascaris depressa, eine Taenia.
135. Merops apiaster L. Im Sahre 1777. wurden 15 Stud unweit Roth am Sand bey Unterſteinbach an der Haide in Mittelfranken gefehen und einige davon gefchoffen ; in neuerer Zeit hielten fih im Sommer 1830. ſechs Bienenwoͤlfe faft 2 Monate lang eine Stunde von Nürnberg auf der Feldflur des Dorfes Wetzendorf auf; in den darauf folgenden Jahren wur— den wieder 'einzelne bey Schniegling zwifhen Nürnberg und Fürth beobachtet. Herr Ziegler hat in feiner fchönen Samm: lung einen dahier erlegten, ganz jungen, noch nicht erwwachfenen Bienenfeffer; es ift kaum glaublich, daß derfelbe eine weite Laͤnderſtrecke bis zu uns ducchflogen baben Eonnte, weshalb e8 nicht unwahrfcheintich ift, daß ein Paar diefer fhönen Vögel in unferer Umgebung gebrütet hat, was ja auch ſchon im bes nahbarten MWürtemberg der Fall war,
136. Alcedo ispida L. In ganz Franken an größeren und Eleinen Flüffen gar nicht felten; im Winter fieht man ihn am Dusendteih bey Nürnberg an den Stellen, wo der Fifch- bach ein= und ausmimder, in ziemlicher Anzahl. Im harten Winter 1844/45. wurden Eisvögel todt auf dem Eife der Fluͤſſe und des Canals gefunden; im Januar fah id) einen Eisvogel, welchen der heranfommende Dampfwagen von einer großen Mafferlache bey Erlangen auffcheuchte, in unbedeutender Ent: fernung vor dem heranfommenden Zuge quer über die Bahns ‚linie fliegen.
137. Cuculus canorus L, Alfenthalben bekannt, legt feine Eyer meiftens in Rothkehlchennefter, "Ende Auguft 1847. er- hielt ich einen Kuduf, deffen Magen ſtark behaart und vollge: pfropft war von den Raupen der Bombyx bucephala, einer erwachfenen Sphinx pinastri- Raupe und Forficula auricularia, bey andern fand ich Sphinx Euphorbiae - Raupen. Im Dberlande fagt man, der Kuduf fomme und fehreye nicht eher, als bis ex feine Gurgel mit den Eyern der kleinen Singvoͤgel ſchmieren“ koͤnne (gleichfam um eine helle Stimme zu befommen). Was diefem Glauben zu Grunde liegt, ift Flar. Wenn man den erften Kuckuk fchreyen hört, foll man das Geld in der
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Taſche ſchuͤtteln, dann gehe daffelbe das ganze Jahr hindurch nicht aus.
138. Picus martius L. In Franken nirgends ſeltener, aber auch nirgends gemeiner Stand = oder eigentlich Strichvogel; er bewohnt unfere größeren, befonders die gebirgigen Nadelwäl- ber: im Frankenwald, im Fichtelgebirg, im Bayreuthiſchen, und im Steigerwald brütet er ziemlich gewöhnlich, in geringerer Anzahl in hiefiger Gegend, doch ift er alljährlich in einzelnen Paaren im Nürnberger Neihswalde (im Sebaldie und Laurentii⸗ Fort) zu finden; fo brüteten 1844 zwey Paare im Revier Buckenhof bey Erlangen, in diefem Fahre mehrere bey Wendel- ftein, Eibach, Engelthal, Neuftadt a. A. (Revier Hohened). Sn den Laubmwäldern z.B. bey Burgbernheim ze. nur auf dem Striche. — Am Charfreytag 1845. wurde ein Männchen bey Nürnberg im Walde erfroren gefunden; er heißt hier: Holz: henne, Holsgiefer (Holzhahn) und wird von den Jaͤgern flır einen untrüglihen Werterpropheten gehalten, welcher durch vieles Schreyen den Witterungsmwechfel andeutet.
139. Pieus major L. In ganz Franken gemeiner Strid): und Standvogel. Im Magen: Cercopis spumaria, Lena vitellinae, Entojoen: Taenia crateriformis.
140. Pieus medius L. Ziemlich häufig in Franken, fo im Bapreutherland, im Steigerwalde, bey Burgbernheim und auch, wiewohl nicht häufig, bey Nürnberg.
141. Picus minor L. ein ziemlich feltenee Specht; bruͤtet im ÖSteigerwalde, bey Neuftadt a. A., Burgbernhrim, auch bey Auffees und Wonſees in Oberfranken; er bleibt im frengften Winter bey uns, kommt dann in Gärten auf Obftbäume, um die in duͤrren Blättern verborgenen Näupchen aufzufuchen. Hr. Dr. Küfter führt ihn für Erlangen und Nürnberg auf; ich zweifle nicht, daß er vorfomme, habe ihn aber noch nicht er= halten und noch nichts Gewiffes über fein Dafeyn erfahren koͤnnen.
142. Picus tridactylus L. wurde bis jetzt nur einmal in Franken und zwar bey Ebrach am Steigerwalde geſchoſſen.
143. Picus canus @m. brütet um Nürnberg, Erlangen, Neuftadt a. A. und im Steigerwald ziemlich häufig. Im Ma: gen: Formica rufa und signata.
144. Picus viridis L. In ganz Franken gemeiner Stridy: und Bruͤtevogel, Eommt in Ealten Wintern an die Scheunen in den Dörfern. Entojoen: Taenia crateriformis.
145. Jynx torquilla L. In Franfen nirgends felten ; zieht weg.
146. Upupa epops L. Im Bayreutherland nicht häufig, bey Burgbernheim, was auffallend ift, felten, fo auch bey Neu: ſtadt a. A., bey Nürnberg dagegen, 3. B. im Revier ' Erlen: ftegen, in den Mendelfteiner und Kornberger Steinbergen 1c., und bey Erlangen gewöhnlid. Sm Magen: Formica fusca, Acheta agrestis.
147. Columba oenas L. In ganz Franken, wie aud) in unferm Reichswalde häufig.
148. Columba palumbus L. wie die vorige. eine Taenia.
149. Columba turtur Z. im Sranfenwald, Fichtelgebirg, Bahreutherland, und in unſerm Reichswalde nicht häufig, aber alljaͤhrlich, brütet.
150. Phasianus colchieus L, Sm Sahre 1839. wurde ein Safan auf den Revier Prunn im Reichswalde gefchoffen, welcher, verſprengt, vielleicht aus den böhmifchen Wäldern zu uns gekommen ſeyn mochte; von der Roſenau bey Coburg, wo
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fie in halb wildem Zuftande leben, ftreiht zuweilen ein Stüd zu ung herein und ein folder wurde bey Buttenheim im Bam: bergifchen erlegt.
151. Tetrao bonasia L. Im. Fichtelgebirge gibt es ziem— lich viele Hafelhühner, doch find. fie. ſeltener als das Auer= und Birkwild, In der Nühe des Pfeiffersberges, des Haberfteing, der Rouifenburg im Nevier Furthhammer brüten fie am häufig- ften; alhjaͤhrlich trifft man dort einige Ketten. Im Herbſt werden fie gefangen und im Winter kommen fie ganz nahe an Städte heran. Mein Freund Herr Ott traf im Fruͤhjahre 1844., wo auf dem Gebirge noh Schnee lag, auf dem Ka— tharinenberg bey Wunfiedel einen Hahn in einer Birkenanlage. Sm Sahre 1845, wurde auf der, Nevier Engelthal, einem ehe: mals nürnbergifchen Pflegamte, beim Herbſtſtrich ein fehr ab- gemagertes; Hafelhuhn gefangen, was als fehr große Seltenheit für unfere Gegend zu betrachten iſt; denn Jäger und Forft: leute, fowie die mir zu Gebote ftehenden Auszüge aus den Jagdmanualen vieler Nevierförftereyen über alles in den letzten 10 Sahren eingelieferte Federwild wiffen nichts von Hafelhüh: nern’ im. Reichswald. und überhaupt in unferer ganzen Gegend. Herr Dr. Küfter führt fie für Erlangen und Nürnberg auf. — Auch bey Münchberg habe ich ſolche Hühner angetroffen.
152. Tetrao urogallus L. ift nah Seren Dr. Küfters Angabe in der Nürnberger Gegend höchft felten geworden. Dies iſt unrichtig. Das Auerwild ift auf der Lorenzer Seite: des Reichswaldes, wenn auc nicht häufig, doch nicht im Gering- ften felten; fo in den Mevieren Ungelftetten, Prunn, Fiſchbach, Feucht, Altenfurth, Lauf am Holz, Forſthof, Lichtenhof, wo es Überall Standwild iſt. Manchen Revieren und Diftricten im Laurenzerforſt fehlen indeffen Die Auerhühner ganz und folche fehen fie entweder nie oder nur höchft felten und vereinzelt auf ihren kleinen Streifereven, fo die ganze Revier Eibach, wo aus: nahmsweiſe im Frühjahr 1846. eine Henne bey Maiach öfters angetroffen worden ift, und die Revier Kleinſchwarzenlohe dem größten Theile nach; bier trifft man fie nehmlich als Stand- wild nur öfflih von dev Nürnberg= Allersberger Straße gegen die Forſtey Altenfurth bin, wetlih von der genannten Straße; aber feit ungefähr 18 Sahren, wo fie noch bey Wendelſtein zu finden waren, aber ſtark verfolgt wurden, nie, ſelbſt auf dem Striche nicht. Nach einem Auszuge aus den Schufliften der Intendantur der Dffiziersjagd (ein Theil des Laurenzerfor— fies), welche ih der Guͤte des koͤnigl. Kämmerers und Obriſt⸗ lieutenants Hrn. Grafen v. Tryps verdanfe, murden auf oben benannter Sagd von 1838— 1847. ein, und zwanzig, auf der Nevier Prunn in demfelben Zeitraum 14, auf den Revieren Keucht und Altenfurth 41, zuſammen alfo 76 Stud. Auer biihner erlegt, im letztgenannten Jagddiſtriete in einem Jahr 9 Stud, und zwar 5 Haͤhne in dev Balzzeit und 4 Sunge im Sommer. Auf der Sebalderfeite des Neichswaldes find: fie als Standwild ziemlich felten und nur hie und da anzutreffen, doch kommen fie noch einzeln in der Revier Beringersdorf und Erfenftegen vor. Für Erlangens Umgegend befagt Hm, Dr. Küfters Angabe ganz das Nichtige; ich weiß mich. nur eines Falles zu erinnern, eine Henne wurde nehmlich bald im Fruͤh⸗ jahre eine Stunde von: Erlangen, bey Zennenlohe ‚gefchoffen. Aufer dem Reichswalde gibt es in der Nürnberger Gegend noch. Auerhühner als Standwild im Revier Schwand, Landges richts Schwabach, besgleichen im Revier Unterferrieden, Land» gerichts Neumark, in den gefchloffenen und zufammenhängenden Madelholziwaldungen von Lindelburg,, Schwarzenbruf, Dürren-
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hembach und Nerreth, wo nah dem Jagdmanuale des Herrn Revierfoͤrſters und koͤnigl. Kaͤmmerers Freyherrn v. Eb ner in dem oben angegebenen Zeitraume 15 Hähne in der Balzzeit gefchoffen wurden, aber weit mehr hätten erlegt- werden können, wenn man bier, wie in allen andern oben angegebenen Revie⸗ ten diefe Jagd hätte eifriger betreiben oder Alles wegſchießen und nicht auch hätte fehunen wollen. Nach diefem Allen wird mein obiger Widerfpruch gerechtfertigt feyn. — Aus den Heid: ecker Foriten im Oberpfaͤlziſchen ftreifen einzelne Haͤhne herüber nah Mittelfranken in die Revier Petersgemünd bey Roth, mo außer der Balzzeit feit einigen Jahren 4 Stüd find erlegt worden. Als Standwild findet er fich ferner im Steigerwalde altjährlih (im Frühjahr 1847. war z.B. ein Paar im Revier Koppenwind); und im Fichtelgebirg, im Bayreuthifchen (bey Thurnau) und im Speffart find ‚fie häufig.
153. Tetrao tetrix L. Im Fichtelgebirge und Bayreu— therland häufig, fo auch in der Gegend um Nürnberg. und Erlangen im Neichswalde, hier aber in ‚bey weitem gräßter An: zahl im Laurenzerforſt; außerhalb des Reichswaldes auch in be deutender Anzahl in den Nevieren Schwand und Unterferrieden, nicht felten im Steigerwalde, immer-feltener in ben, Nevieren Roth und Petersgemuͤnd. Im Heichswalde wurden auf, der Dffiziersjagd von 1838 — 1847. an Birkgeflügel eingeliefert 302 Stüd (im Jahr 1846.: 48., im: Sabr 1847.: 49 Stüd; wovon ein Jäger in einem Jahre 19 Birfhühner Alte und Junge fchoß); auf der Nevier Eibach wurden in genanns ter Zeit 71 Stud (davon 20 im Jahre 1847.), in einem Theile der Revier Fiſchbach 57 erlegt. — Im: Gefieder auf der Haut fand ich Ixodes rieinus:
154. Tetrao ‚lagopus Temm. Im Herbſt 1847. hielt ſich bey vielem Schnee ein folhes Huhn 2 Zage lang in einem Garten des Dorfes Steinach an der Ens, unweit Rothenburg a. T. auf, wohin 08 ſich mwahrfcheinlid aus dem benachbarten Mürtemberg, wo das Schneehuhn ſchon einige Male als veriers ter Vogel vorgekommen ift, verftrichen hatte.
155. Perdix einerea Lth. In ganz Sranfen in allen ge: eigneten Lagen febr häufig, ſo auch bey Nürnberg... Auf ber Hffiziergjagd wurden in 10 Jahren 1366, auf der Revier, Ei- bach 459 Stüd gefchoffen.. In dem aͤußerſt fehneereihen und kalten Winter 1844/45. gingen die Nepphühner zu Hunderten zu Grunde; der Hunger trieb. fie nicht ‚nur in die Naͤhe der Dörfer, ſogar bis in dieſelben hinein auf Dungftätten und wor die Thuͤren der Häufer und man’ fonnte fie «mit den Händen ergreifen;, die noch nicht: ganz abgematter waren, ſetzten ſich, wenn fie aufgefheucht wurden, auf die nächften Dächer, Eine Kette anfanglich aus 10 Hühnern. beftehend,, hielt fich längere Zeit hart. am Bahnhof der Suͤd-Nord-Eiſenbahn in Nürns berg auf; bier. ſah ich "mehrmals, ‚mie ſie dem mit langem Zug daherbraufenden Dampfwagen böchftens auf 20 bis 25 Schritte nach der Seite bin und zwar laufend auswichenz ſie Eonnten aber auch vor Hunger und, Elend. kaum mehr fliegen. — Mein Freund Hr. Heumann fchreibt mir aus Wonfees: „1845. find bey. Loͤſau, eine Stunde. von hier, unter, einem: Volke Repphuͤhner 5 Stuͤck ganz ſchneeweiße geweſen z folche durften nicht geſchoſſen werden, mithin habe ich keines bekommen; ich habe fie. aber. oft geſehen, bis fie nach und nach verkamen“. Eine ganz helle Spielart wurde in unſerer Gegend geſchoſſen.
156. Perdix coturnix Lth.: Im Fichtelgebirg nicht ſelten, im Bapreutbifchen gemein, ‘fo auch bey Bamberg, Pommers- felden, bey Thalmeffing , Eifölden, Alfershauſen; ben Nürnberg
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ind. Fürth brüten nicht viele, häufiger. ‚find fie ‚be Erlangen, urgbernheim, ‚157. Otis tarda L. Kommt nur zuweilen als jeltener Strei— fer zu. und. Es wurden Trappen im ‚Bichtelgebirg, bey. Lichten- feld, bey Bayreuth, Nürnberg und Unterferrieden erlegt, der legtere auf einer, mitten im Walde liegenden Feldflur zu. Anfang December 1827. — Gutozoen: Taenia villosa, einmal. im ungeheurer Menge vorgefunden, ‚Otis tetrax L. Sol ſchon bey Nürnberg gefchoffen worden It. , en Oedienemus erepitans Temm, Sehr felten auf dem Zuge; nah Hrn. Dr, Küfter bey Nürnberg alljährlich. ‚.159. Charadrius vanellus Licht Alenthalben jehr gemein. — Entozoin: 1 Spiroptera, 1 Trichosoma, 1. Echino- rhynchus, Ascaris semiteres. - 160. Charadrius squatarola Glog. Ein. feltener, Gaſt in Branfen; im Altmühlgrund vorgefommen, — Entezoen: Echi- norhynchus polymorphus, 161. Charadrius auratus Suckow. Auf: dem Striche in Franken, uud auch in hiefiger Gegend, ziemlich ‚haufig. ,— Enz togoen: Ascaris heteroura, 162, Charadrius morinellus L. Als Zugoogel ſehr ein: zeln, ich, habe ein einziges Stud aus hiefiger Gegend geſehen. 163. Charadrius hiaticula L,, Erſcheint fehr felten. auf bem Zuge und ift bey Nürnberg am Dugendteich vorgefommen. Anmerf. Sr. Dr. Küfter läßt Charadrius auratus, mo- rinellus et hiatieula ‚aljährlich ‚in der Umgebung Nürn- bergs brüten. Es ift doch gar zu arg und das Alles fleht in einem Buche, das dem Andenfen an die Naturforicher- verfammlung- in Nürnberg gewidmet iſt! Die füdlichften Sommerwohnpläge des Goldregenpfeifers find die Küften ber Nordfee, Die des Mornelleegenpfeifers , eines Berg und Alpenvogels, die höchſten, kahlen Theile des Nie engebir: ges, und Char, hiatieula wohnt am Meereöftrande, oder in der Nähe deſſelben an Landfeen und moorigen Lachen; Plätze aber in Franken, wie an der Nednig, Negnig, dem Diain, wo. der »Halsbandregenpfeifer- allenfaus feinen Som— meraufenthalt aufichlagen könnte, find nur von dem Fluß—⸗
regenpfeifer bewohnt und es. bedarf noch. fehr der Beſtäti— gung, daß hiaticula überhaupt nur in einem beutjchen Binnenlande brütet.
164. Charadrius minor Meyer. In ®ranfen an allen un= fern Flüſſen und Nebenflüffen in geeigneten Plägen, den Sommer über häufig bey Nürnberg, Erlaugen, Bamberg, Würzburg und auch im Oberlande.
165. Totanus fuseus Leisl. Erſcheint zuweilen auf dem Dutzendteich bey Nürnberg in größerer Anzahl; ein Deännchen erhielt ich im vergangenem Jahre aus dem Altmühlgrund, 2 Stud wurden an der reihen und rauhen Ebrach im Herbſt er- legt. Nur auf dem Zuge.
166. Totanus calidris Bechst. Auf dem Zuge nicht un- gemöhnlich in Franken, fo in der hiefigen ‘Gegend.
" 167. Totanus stagnatilis B. Ein Eremplar meiner Samm: lung wurde am 4. September 1844. bey Eibah, eine Stunde von Nürnberg, geichoffen. Im Magen fand ich: Uybius fuli- ginosus, Tipula gigantea, Agrion forcipula.
"168. Totanus glottis B. Gleichwie Der. vorige nur auf dem Zuge; es wurden melde bey Nürnberg, Cadolzburg, Ebrach erlegt; nicht ſelten. a j
Iſis 1848, Heft 1.
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169. Totanus glareola Temm. In Franken auf dem Früh: jahr= und Herbſtzug; nicht ungewöhnlich. Entozoen: eine Tæ- nia, ein Distomum.
170. Totanus ochropus Tenm. Wie der vorige,” aber nod) ‚gewöhnlicher.
171. Totanus hypoleucos T’emm. Znge (auf der Aiſch, Pegnig, Ebrach).
172. Tringa pugnax Linn. Nur auf dem Zuge; bey Er⸗ langen und ‚Burg Ebrach wurden einige geſchoſſen. Entozoen: eine Trichosoma.
173. Tringa variabilis: Meyer. im Dugendteich gefchoffen.
Tringa subarquata B, führt «Herr Dr. Küfter für unfere Gegend auf.
174. Limosa melanura Leisl. wurde 4 Stunden von hier bey Langenzenn, ein: zweites Gremplar in der Sammlung meines Sreunded, des Herrn Dr. Brandt, bey Erlangen gefchoifen.
175. Scolopax rustieula L. In manchen Jahren auf dem Durchſtrich jehr häufig in Franken: brütet auch bey uns, 3.8. einzeln in Burgbernheim, Neuſtadt, im Bapreuthifchen, auch im Revier Aurach, zwijchen Seuchtwang und Ansbach. Im ver: gangenen Sommer hat ein Paar, wovon ich die Eher gejehen habe, eine Stunde von Erlangen bey Bahersdorf gebrütet.
176. Scolopax gallinago L, Gemein in den beiden Wan: Derungsperioden. Ich Habe fie in dieſem Srühjahr in einem fumpfi- gen Walddifteicte bey Wendelſtein, die Lache genannt, am 6. Mah und darnach noch an mehreren Tagen mädern hören, wo: durch fie ſchon in jfrüheren Jahren, arbeitende Holzhauer ge: waltig erjchredt hatte. Durch den mädernden Srühlingsruf Die fer Schnepfe, welche fchon von den alten Deutfchen mit Donar dem Domnergotte, in Verbindung gebracht wurde und Gegen: ftand abergläubifcher Darftelungen war (daher die Namen Don- nerstagspferd, Donnerziege, Donnerbod‘, Simmelgziege*) wird nehmlich heut noch der gemeine Mann in Schrecden gelegt; von einem Orte, wo er das furchterregende Maͤckern gehört hat, fagt er, es gehe daſelbſt ein Geisbock um, d. h. der Teufel: in Bodögeftalt treibe dort fein Ween. — Entogoen: 'Taenia va- riabilis,
177. Scolopax gallinula L. Im Herbft und Frühjahr nicht felten ‚oft häufig; heißt bey Nürnberg „Vockerle“.
178. Numenius tenuirostris Vieill. Nach Hrn. Dr. K üfter find 2 Stüd bey Erlangen erlegt morden.
179. Numenivs arquatus Zth. Alljährlich auf dem Zuge bey Bayreuth, Erlangen, Nürnberg, Schwabach nicht felten.
Numenias phaeopus: Zth. führt Sr. Dr. K üfter für Er: langen und Nürnberg, Ibis faleinellus 7. als äuferft felten für legtere Stadt auf.
180. Grus cinerea Bechst. Hr. Dtt in Wunftedel hat im Jahr 1843, einen Kahn Iebendig erhalten. In dem Revier Weißenſtadt wurden nehmlich eined Morgens 4 Stüd an einem Weiherdamm erftarrt gefunden; ein, Mann, der fie fo .antraf nahm einen Derjelben mit ſich, der. meinem Freunde zugeſchickt wurde; derſelbe wurde ſehr zahm und mehrere Monate unterhalten. In dem genannten Jahre wurden im Fichtelgebirge mehrere Kraniche gejehen. Einzelne ‚wurden beh Nürnberg (Revier Altenfurth), bey Schweinfurt, bey Aſchbach (1845.) geſchoſſen und vor mehreren Jahren zogen 9 Stüd über. Bommersfelden bey Bam⸗
Alljährlich auf dem
Bieht durch; wurde fchon
& en: Mythologie von Jacob Grimm. Göttingen, 1835, 9 “we. ® ”"n 4 b 3*
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berg, von welchen aber trog aller Mühe feiner erlegt werden fonnte. — Entozoen: Ascaris'singuläris.
Anmerf. Hr. Dr. Küfter fagt, Grus virgo ſey bey Nürnz berg mehrmals geſchoſſen worden z das Gejagte iſt nur dann richtig, wenn virgo, wie ich glaube, ein Schreibfehler Für einerea ift. Der Jungfernkranich ift im inneren Deutfch- land noch nie gejchoifen worden.
181. Ciconia nigra Bechst. Schwarze Störche wurden: in unforer Umgegend ſchon mehrere erlegt, — 3. B. an der fränki— schen Nezat bey Windsbach, an der Nednig bey Fürth, zwei san der Regnig und im Kosbacher Forſt bey Erlangen, zweh ‚andere bey Dürrnfarnbach und Dietenhofen, im Landgerichte Cadolzburg. — Entozoen: Strongylus'trachealis, Filaria labiata.
182. Ciconia alba Bechst. In Franken allgemein boc) nicht zahlreich verbreitet. Entozoen: Distomum ferox.
183. Ardea purpurea Gen. Ein Purpurreiher wurde bei) Dürenfarnbach, Landgerichts, Cadolzburg, geichoffen, ein zwehter hielt ſich im April 1845. einige Tage im Scyloßgarten zu Afch- bach am Steigerwalde auf, ohne daß er hätte gejchofjen werden fönnen; Denn er war äußerſt Scheu.
184. Ardea einerea L. Brütet im Fichtelgebirge ſehr zahl— reich, vorzüglich bey Marktleuthen, Schwarzenhammer, Selb; Himmelkron. In der Umgebung von Erlangen brütet er wahr: fcheinlich ; Denn. ich erhielt won dort: Fiſchreiher zu alle Jahres: zeiten. So anfehnlich. auch: noch wor. mehreren Jahren ein Reis berftand in dem ehemaligen Domainenwald, die Saardt genannt, war, ein Beſtand, weldyer zwiſchen den "Dörfern Hirchneuſees und Neudorf, Landgerichts Markt Erlbach, auf einem Flächen raum son etwa 6 Tagewerfen: faſt "durchgängig nur mit ſoge— genannten Holländer Fohrenftimmen bededt war, jo ſehr und gänzlich wurde dieſe Golonie «durch Veräußerung. und Abtrieb Diefer Waldung ruinixt. Einzelne Paare zerftreuten ſich in bie nahegelegenen Forfte, worin ſich noch einige. hohe Bäume be— fanden, nifteten, wurden: aber auch Dort Durch Jäger vertrieben. — In den Mägen gefchoffener Reiher fand ich: Cottus gobio, Perca fluviatilis, Cobitis barbatula, Sorex fodiens, ‚Hypu- daeus arvalis, Dytiseus marginalis. In dem aͤußerſt falten und fehnerreichen Winter 1844. und 45. erhielt ich aus der Gegend von ‚Erlangen im December und Januar ein altes Weib— chen und ein deögleichen Männchen, welche fo ungemein fett waren, daß ich Mühe mit dem Ausbälgen hattez dagegen wurde am 6. December 1844, ein fehr, ermatteter Neiher von einem Landmanne im Walde lebendig ergriffen und nach Haufe gebracht, wo Das ausgehungerte, zum Gerippe abgemagerte Ihier nad) wenig Stunden ftarb; in feinem Magen fand ich Inſectenreſte aus den Gattungen Cimex, Crabro, Otiorhynchus, Knochen— refte wahrfcheintich von einem Froſch, viele ſehr kleine Säme— reien , jedenfalls von Wafferpflangen, ‚und endlich 5 ganz er— baltene Saamenferne' von Viburnum opulus, — Eutozoen: Ascaris serpentulus, Echinorhynchus striatus, eine Filaria.
185. Ardea nycticora L. Ein jeltener Zugvogel; ein Stück wurde ganz nahe an Nürnberg auf ber Roſenau (Bleichweiher), ein anderes in Frühling 1834. bey Aſchbach geſchoſſen.
186. Ardea minuta L. Sie und da in der Gegend von Bayreuth, wo fie auch ‚brüten fol; bey Burgebrach wurde ein Gremplar erlegtz nach Sen. Dr. Küfter bey Nürnberg in eins zelnen Pärchen vorhanden, was wohl möglich: ift.
187. Ardea stellaris L. Kommt bie und da bey Bayreuth (Krögelftein), am Steigerwald (Aſchbach), bey Neuftadt u A., Nürnberg (Dugendteih, Mögeldorf, Ropftall, Engelthal ıc.)
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und. bey Erlangen vor; ich glaube nicht, daß bie Rohrdommel auch in Franken brütet.
188. Phoenicopterus ruber L. Am 25. Junh 1811. og bekanntlich eine Anzahl junger Flamingo über Bamberg; in demſelben Jahre (den Tag konnte ich nicht mehr ermitteln) ſchoß Der Bruder meines Freundes Heumann ginen jungen Flamingo bey Kiſſingen. -
189. Recurvirostra avocetta Z. Wurde in ber Nähe von Nürnberg nad) einer mimbdlichen Mittheilung von dem Herrn Sturm zwiſchen Großreuth und Ziegelftein geliehen und ift nach Sn, Dr. Küſters Angabe einmal auch am Dutzendteich vor: gefommen.
190. Crex pratensis Bechst. Ueberall in Franken gar nicht felten; gemein um Nürnberg und Erlangen. ,
191. Rallus aquatieus L. Im Sommer nicht felten; ich habe fie jchon im Winter (20. December) aus hiefiger Gegend erhalten. — Entozoen: Monostomum verrucosum, mutabile, Distomum holostomum.
192. Gallinula pygmaea Naum. Nicht felten am Mahn.
193. Gallinula pusilla Bechst. Am Dayn, an der Ebrach gar nicht felten; bey Burgbernheim auf dem Zuge. a
194. Gallinula porzana Lth. Bey Nürnberg, Grlangen, deüſtadt a. U, Roth, im Ebrachgrunde uſw. gar nicht felten z ich erhielt am 25. April 1846. ein lebendes Rohrhuhn dieſer Art, das ſich im Fluge an einer Paterne in der Vorftadt von Roth am Sand den Kopf ſtark angeſtoßen hatte, herabfiel ünd ergriffen wurde, — Entozotn? Eehinorhynehus lieollis, po- Iymorphus , versicolor,, ' Monostomum verrucosum, Disto- mum militare, holostomum.
199. Gallinula 'chloropus Zeh. In allen Tichen häufig, ſo auch dey Nürnberg und Erlangen. — Entogoön: Monosto- mum mutabile, ein’ Holostomum. !
196. Fuliea atra T. Zuhlreich auf allen größen Teichen und Weihern, die einem freyem Mafferipiegel haben, ſo bei Nürnberg auf dem Dugendteich und auf dem Dechfendorfer Wei— her bey Erlangen. — Entozoen? Echinorhynehus 'polymor- phus, filicollis, ‘Monostomum vsrrucosun: , mutabile,' Stron- gylus trachealis. j
197. Sterna'fissipes Z. nigra L. Auf ihren beiden Wanz derungen auf unſern Flüſſen (Pegnitz, Regnitz, Ebrach) hier und Da nicht ſelten. — Entozoen: Docophorus fuscatus, hip- pocephalus. 5
198. Sterna hirundo L. Alljährlich beſucht fie auf ihrem Zuge unſere Gewäſſer; Hr. Ziegler in Nürnbürg bat wenig Tage alte Junge der gemeinen Seefchwalbe in feiner Sanımlung, welche in hiejiger Gegend an der. Rednitz ausgebrütet worden find.
199. Sterna minuta L. Sehr felten auf dem Zuge; Here Dtt erhielt, ein Gremplar im Fichtelgebirg. 4* 5
Anmerk. Herr Dr. Küfter führt Sterna leucoptera
Schinz fir Nürnberg und Erlangen, als zuweilen vor⸗ kommend, auf. ur
200. Larus ridibundus L. ‚Auf unſern Flüſſen in den beiden Wanderungsperioden nicht ungewöhnlich, manchmal in beträchtlichen Schaaren. — Entozoön;. Taenia. porosa, Holo- stomum ‚spathaceum, Ascaris'spiculigera ‚ein Bothrioce- phalus. ’t solın j sonig
201: 'Larus tridactylus’Z. Auf der Wanderung an. unfern Gewäffern (Pegnitz, Regnitz, Wieſent, Aiſch) nicht ungewöhn?
*
lich. — Entozoen: Holostomum spathaceum. N,
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202 Larus faseus:L. Kommt felten auf dem Zuge und meift im erften Winterfleide auf unjere Gewäſſer, fo hat ich fie von der Altmuͤhl "erhalten. Nach Hrn. Dr. Küfter ift fie bey Nürnberg Standuogel, was abſolut unmöglich iſt. — Entozoen: Docophorus lineatus, truncatellus, Ligula alternans , Spi- roptera obvelata, Strongylus purpureus, Ascaris depressa, Echinorhynchus polymorphus,
203. Larus minutus Pallas. If felten auf dem. Zuge, ein Stüd wurde auf unferm Dugendteich gejchoffen, wo fie aud) nad) Sen. Dr. Küfters Angabe jchon einmal ift brütend ges funden worden, was. ich fehr bezweifle. Auch führt derfelbe für unjere Gegend noch auf: Larus canus L. et L. marinus L.
204. Lestris parasitica Ill. Cine ſolche Meve wurde im Herbſt 1842. bey Schwarzenberg (bey Markt Scheinfeld in Mit— telfranken gelegen) geſchoſſen.
Lestris crepidata Meyer. ift ſchon einige Male, wie Herr Dr. Küfter fagt, in Nürnbergs Umgebung gejchoffen worden.
205. Pelecanus onoerotalus L.. Ein Erenplar des Cabi- net3 in Erlangen ift bey Bahreuth gejchoffen worden.
206. Änser torquatus Bechst. Sehr felten auf dem Zuge am Mahn.
207. Anser albifrons B. An der Altmühl find fchon meh: tere erlegt worden. — Entozoen: Spiroptera anthuris, Stron- gylus trachealis, Monostomum verrucosum. ++ 208. Anser segetum B. Zieht im Späthherbft in unge: heuren Schanren! bey uns durch und bleibt im gelinden Wintern bis zum Frühjahr.
209. Anser ciuereus Meyer. Durch. ;
‘ 210. :Cygnus musieus Bechstein. xanthorhinus Naum. m Sabre 1829. wurde im Winter 4 Stück bey Holfeld an der Kainah in Oberfranfen und am Weihnachtstage 1844. ein Weibchen aus seinem Flug, von etwa 12. Exemplaren folcher ‚Schwäne bey Reichenſchwand, 4 Stunden von Nürnberg, ge— ſchoſſen; daß letztere ſteht Jin. Der wortrefflichen Sammlung. der Hrn. Gebrüder Sturm. Nach Sn. Dr. Küfter wird Cygn. musicus in unferer Gegend zuweilen auch brütend angetroffen. Wo jol wohl das ſeyn? Die Schwäne, welche bey uns brüten, find zahme Cygnus olor. — Entozoin: Docophorus confinis, Nirmus albatus, Strongylus trachealis, Monostomum mu- tabile, verrucosum, Distomum ovatum.
211. Auas tadorna L. Ein Eremplar ift auf der Pegnig bey Nürnberg _erlegt worden.
. 212. Anas elypeata L. Kommt auf dem Zuge auf unjern ‚Gemäffern truppenweife oder einzeln vor.
213. Anas boschas L. In ganz Franken als Brütenogel zahlreich, To auch auf dem Dugendteih bey Nürnberg. — En— togoen: Taenia trilineata, Echinorhynchus plymorphus, filicollis, Amphistomum erraticum.
214. Anas acuta L. Ein Gremplar wurde bey Neuftadt a. U. erlegt, ift auf unfern Flüſſen ic. ein feltener Gaſt.
„. 215. Anas strepera L. Einzeln auf ‚den Zuge. 216. Anas querquedula L. Kommt im. Serbft- truppweife duch Franken; einzelne niften beh und, fo brütete vor einigen Jahren ein Pärchen ganz in der Nähe von Nürnberg an einen Eleinen Weiber. j "217. Anas crecca L. Kommt auf ihren beiden Zügen ziemlich zahlreich zu uns; brütet aber auch’ bey uns in Franken "wie im Fichtelgebirg und der Gegend von Nürnberg. — Ento- zoen: Taenia laevis.
Zieht truppenweife bey ung
— —
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218. Anas penelope Z. Ziemlich ſelten auf den Zügen.
219. Anas mollisima L. Im Herbſt 1834. wurde in hie: figer Gegend ein ſehr altes prachtvolles Maͤnnchen der Eiderente von einem Landmanne bey Dürenfarnbach im Land: gerichte Cadolzburg, geichoffen. Daſſelbe hielt ſich auf einen Weiher einige Tage lang allein und ohne große Scheu vor Menſchen auf und ift gegenwärtig, gut ausgeftopft, indem Be: fige des Hrn. Herrſchaftsrichters Wunder in Wilhelmsdorf, wo ich es geſehen Habe. So viel ich weiß, ift dies das erfte Beilpiel von den Vorkommen eines alten ausgefärbten Männ— chens in Deutſchland. — Entozoen: Spiroptera erassicauda.
220. Anas fusca L. Ein altes herrliches Männchen , wel: ches dahier in Hrn, Bieglers Sammlung fteht, wurde im Fe— bruar 1830. auf dem Weiher bey Mögeldorf, eine Stunde son Nürnberg, und ein zweytes altes Männchen im März 1838. auf dem Dugendteich gefchoffen. — Entozoen: Monostomum verrucosum.
221. Anas nigra L, Ein Eremplar ift bey Aſchbach am Steigermwalde geichoffen worden. — Entozoen: Strongylus no- dularis, Ascaris spieuligera
222. Anas fuligula L., Auf) dem Striche einzeln oder in Eleinen Flügen auf unſern Gewaͤſſernz auch bey Nürnberg auf der Pegnitz. — Entozoen: Taenia laevis,
223. Anas ferina. .L., Wie die vorige; brütet auch einzeln bey ung, ſo anı. Vichtelgebirge.
224. Anas nyroca Gm!. Kommt im Winter familienweife nad Scanfen, Mein Freund, Sr. Landarzt Kreß, ſchoß eine folche Ente im Sommer 1836. bey Aſchbach. Entozoen: Tæ- nia laevis,
225. Anas Slaeialis L. Im Januar 1821. wurde ein altes Männchen bey Gunzenhaufenyauf der Altmühl und im December 1826. ein Stück auf der Aiſch erlegt.
226. Anas clangula L. Kommt: faft alljaͤhrlich truppiveife, einzeln in jedem Jahre auf die fränkifchen Gewäſſer, jo auch auf die Pegnig und den Dutzendteich. — Gntozoin: Monost. mutabile, Spiroptera crassicauda, Echinorhynchus poly- morphus.
227. Mergus merganser L. Wird in firengen Wintern nicht felten auf unfern Flüſſen erlegt; fo wurde am 21. Ja— nuar 1842. ein herrliches Männchen auf: der Nednig ben Er— langen, ein anderes am 4. Januar 1845. auf einem Neben: flüßchen derſelben, einzelne am Fichtelgebirge geſchoſſen. Im Magen fand ich Cyprinus leueiscus. — Entozoen: Spiro- ptera erassicauda, Ascaris spiculigera.
228. Mergus serrator L. Selten am Maynz Herr Ott Hat ihn auch im Fichtelgebirg befommen.
Herr Dr. Küfter führt den Mergus albellus für Nürnberg und Erlangen auf.
229. Haliaeus carbo ZH. Wurde einmal in der Charwoche auf dem Dusendteich, ei zwehtes altes Männchen ebenfalls bey Nürnberg, ein drittes bey Erlangen erlegt. — Entozom:ı Tae- nia scoleeina, Ascaris spieuligera, 'Echinorhynchus hystrix,
230. Colymbus eristatus L. Brütet einzeln im Fichtelge- birg, auch auf dem Dugendteich beh Nürnberg; auf dem Zuge auf-unfern Flüſſen und. Zeichen nicht ungewöhnlich.
231. Colymbus rubricollis L. Höchſt felten auf dem Zuge, einmal auf der Aiſch erlegt.
232. Colymbus auritus' Z. "Selten und, ſoviel mir befannt, nur auf dem Zuge.
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232. Colymbus minor L. ger Bruͤtevogel.
Colymbus cornutus kommt auf dem Main als ſeltener Win⸗ tergaſt vor; ich habe ihn aber noch nicht geſehen.
233. Eudytes septentrionalis ZU. Kommt hin und wies der in firengen Wintern nach Franken; einer wurde im Späth: berbit bey Leupoldsborf im Fichtelgebirg,, ein anderer an ber Pegnig bey Nürnberg geſchoſſen. — Entozoen: Spiroptera erassicauda, Distomum inflatum, Ascaris spieulisera, Ho- lostomum spathaceum, eine Taenia, ein Strongylus.
234. Eudytes glacialis L. Kommt in firengen Wintern im Jugend£leid nicht fehr felten auf unfere Gewäſſerz einzelne ſolche Taucher wurden bey Nürnberg auf der Pegnitz, bey Er: langen an der Regnig, bey Kisingen am Main geichofjen.
Ueberal in Branfen ein häufi:
The Transactions of the royal irisch Academy. Dublin. 4.
Diefe Schriften werden in Deutfchland ziemlich felten und baher wenig Gelehrten zugänglic) feyn; Daher wollen wir über ihren Innhalt das Nöthige mittheilen.
Sie ericheinen feit 1787. und theilen ſich in Naturwiſſen— fchaften (Science), fchöne (polite Literature) und Alterthums⸗ Wiſſenſchaft ( Antiquities).
Sn den eriten Jahrgängen ift wenig Naturgefchichtliches; mehr Mathematiiches, Arftronomiihes, Phyſiſches, Deineralogifches, Anatomifched und Pathologifches; Füberwiegend ift das Antiqua- rifche, welches, wie ed und ſcheint, großen Werth hat. Wir können natürlich nicht die Titel von allen Abhandlungen angeben; jedes Fach enthält aber etwa ein halbes Dutzend auf etlichen 100 Seiten mit ziemlich viel Tafeln.
Band J. 1787. S. 89. 87. 162.
Wiſſenſchaften. Sieben Abhandlungen bis S. 89. über die Sternwarte, Sonnenringe, Mondsfinſterniß, Quadratur der Eur- ven, tragbares Barometer, Ausziehung der Eubifwurzeln, Pem- phigus, Zähne, Haare und Knochen in einem Eherſtock einer funfzigjährigen Frau, welde 25 Jahre früher ein Kind geboren hatte, mit 3 Tafeln.
Ber der Schönen Literatur find 5 Abhandlungen äfthetifchen Inn- halts auf 87 Seiten,
Bey den Antiquitäten find 7 Abhandlungen, auf 162 Seiten, faft ale mit Abbildungen: alte Innfchriften auf Grabmälern, Alter der Wollen - Manufactur in Irland, urfprüngliche Schotten in Britannien, gaelifche Gedichte, griechiiches Manuſcript in Du: blin, alte Münzen und Urnen,
Band II. 1788. ©. 191. 90. 90.
Der Innhalt ziemlich fo; Darunter R. Kirman über bie Kohlengruben ©. 157— 170.
Unter den Antiquitäten, Gräber, Münzen, Alterthuͤmer in Kirchen, Kriegälieder, Sitten, Iheater ufw.
Band III. 1790. ©. 180. 49. 85.
Kirwan, Kohlgruben bey Blakelow S. 49 — 54. Taf.
Young, über den Urfprung des gothiſchen Bogens S 55 bis 88.
Sohn Eoofe, Befihreibung einer Dampfmafchine. bis 116. Taf. 1.
6. 113
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Saturnd: Ring, Bexrölkerung von Irland, Verdichtung bes Alcohools und Waflers.
Beicyreibung des Theater3 von Sagunt ufw.
Band IV. Ohne Jahreszahl, wahrjcheinlih erfchienen 1793. ©: 187. 72. 54. G. Burromwes, Biftel-Deffnung in den Magen 177—182. Uriprung Der Gärtnerey in Irland. S. 3—20, Band V. Etwa 1795. ©. 324. 92
Kirwan, über den feurigen Uriprung fleiniger Subftanzen. ©, 51 — 82.
Derfelbe, über bie neue Erde bey Strontbian in Schott: 1794. ©. 243-355. Gntdedt von Dr. Crawford 1790., bejchrieben von Sulzer in Mäners Journal, February 1791.
3. Fiſcher, Kohlengruben bey Whithaven in Cumberland. ©. 266 - 280.
G. Graydon, über Die verfteinerten Fifche des Monte Bolca. ©. 281 — 318. Tafeln 3. Verzeichniß einer folden Samm— lung des Seren Bozza in Verona, mit lauter neuen Nanıen,
Ueber das chineſiſche Schadhipiel. S. 55 — 63. 3.2:
Band VL 1797. ©. 455. 102. 33.
Wieder aftronomifche, geodätifche, meteorologifche, mathema= tische, phyſicaliſche und medieiniſche Abhandlungen,
Darunter die Geſchichte eines Falls, worinn ungewöhnliche Würmer aus Dem Magen entleert wurden won S. Crumpe ©. 57—63. Fig. Die Abbildungen ſind ſchlecht. Eine Art Diefer fogenannten Würmer, wovon nur wenige ausgemorfen wurden, ift 1 par. Zoll lang und 1% breit, bat einen Kopf und 12 Ringel mit Füßen an den 3 erften, alio eine Käfer: larve. Bon der fleinern wurden fo viele ausgebrochen, daß fie nicht gezählt werden fonnten. Länge 4, vorn zugeſpitzt, Dice in der Mitte 15 beſteht aus einem Kopf und 10 Ringeln mit 3 Reihen von Füßen [Borften], eine Doppelte Reihe jeberfeits und eine doppelte von Fürzeren auf der Mitte Des Rückens, außer: dem 3 Borften nach hinten gerichtet. [It ohne Zweifel eine Muckenlarve mit zugefpistem oder vielmehr ohne Kopf.)
Band VII. 1802. ©. 525. 79. 12. Taf.
Kirwan, über Huttons Erdtheorie; über den erften Zus ftand der, Erde; Die Steilheit der Gebirge; chemifche und mine- ralogiſche Nomenclatur. ©. 3 — 76.
J. Templeton, über, die Naturalifation der Pflanzen. ©. 111— 140.
Charleville, Zerlegung der Torfaihen. S. 135 — 140.
NR. Martin, Über die Minen von Glan. ©. 141 — 156.
©. Knor, Bemerkungen über dem Kelp. S. 207—214,
NR. Chenenvir, über Die Menge des Schwefeld in der Schwefelſaͤure. S. 233 — 244.
R. Kirwan, über die Variationen ber Armofphäre. 269 — 508.
Band IX. 1803. 489. 172. 7. Afln, | MW. Rihardfon, über die Bafalt- Felſen bey Giant's —— ſeway und Belfaſt. S. 21 — 44. Derfelbe, über Huttons Erd-Theorie. ©. 423 — 467. Band X. 1806. 312. 176. 21.
G. Mitchell, über das neue Metal Menacan und feine Erze, ©. 11 — 380. * ©. 35
Seite
W. Richardſon, ‚über bie — — bis 108.
49
Little, über bie Metall- Compofition bey Refleriond - Te: Iefcopen. ©. 119 — 188. Th. Egan, über Harnftein. S. 229 — 308. RN. Kirwan, über die erfte Sprache der Menfchen. ©. 121 bis 176. Band XI. 1810. 211. 190. 244. W. Rihardfon, über nügliche Gräſer. Es werden hier aufgeführt: - Asrostis stolonifera. Dactylis glomerata ( Cocksfoot ). Festuca pratensis. Alopecurus pratensis (Foxtail). Lolium perenne (Rye-grass). Holcus lanatus (White-Grass). Poa pratensis. Avena flavescens. Unnüg ift Poa annua. Phleum pratense (Timothy- Grass). Bromus mollis (Goose - Grass). Festuca fluitans (Drain - Grass). Festuca ovina. Poa trivialis. Cynosurus eristatus (Dog’s-tail). Anthoxanthum odoratum.
Band X. 1815. ©. 124. 188.
Faſt nichts als ——— und Aſtronomiſches; nichts Antiquariſches.
Band XIII. 1818. ©. 114. 189; 184.
Th. Taylor, über das neue Mineral Kilinit bey Dublin. ©. 3— 11.
J. Macartney, über die Rückenverkrümmungen. ©. 13-24.
TR. Robinfon, über den Bau chemiſcher Defen. Seite 63 — 92. Taf.
Derfelbe, über die Mittel, große Hitze hervorzubringen durch Verbrennung des Sauer: und Wafferftoffgafed. S. 93-107.
©. Kirwan, neue Luftpumpe. S. 109— 114. T. 1. 2.
ER. Robinfon, über die voltaifche Electricität. S. 121 bis 128.
W. Wallace, über die Veränderungen des menfchlichen Schrachs in berjchiedenen Lebensperioden und über deſſen Berun- ftaltungen. ©. 129 — 163.
Unter den ſchönen Wifjenfchaften kommt vor:
MW. 9. Drummond, über daß Leben und bie Schriften DOppiand. ©. 3— 45. — Er war geboren im letzten Jahr des Marcus Aurelius Antoninus zu Anazarba in Cilicien.
Derfelbe, Analyfe zu Oppians Cynegeticis. S. 47-72.
Diefe Auffüge tragen ſehr viel bey zum VBerftindniß des oft dunfeln Schrififtelerd und find daher von den Zoologen zu be achten.
HM. Mafon, über eine Abbildung von Chriſtus auf einer beyh Cork gefundenen Meſſingmünze. S. 129— 150.
M. Walfb, über ſolche Abbildungen auf hebräiſchen Münzen. ©. 161 — 173. Taf. 1.
9.3. Monk, Beſchreibung einer alten Abbildung im rothen Buch des Schatzamtes in Irland. S. 181 — 184. T. 1.
Dieſe Zeichnung wurde gemacht im 11. Jahre der Negierung bes Königs Heinrich IV., aljo um das Jahr 1261. Wir führen diefe Abbildung an, weil Darauf viele Beamte abgebildet
Iſis 1848, Heft 1.
©. 87— 119.
50
find, wovon zweh Brillen tragen, was übrigens dem Verfaſſer nicht aufgefallen ift. Einer begusft Daburch die Spige feiner Feder.
In der Alterthums = Abtheilung fommt vor:
Cäfar Olwah, über die — Forte in der Grafſchaft Cavan in Irland. ©. 123 — 127
Bisher das einzig gefundene in Irland, mährend e8 befanntlich mehrere in Schottland gibt. Sie ftehen immer auf großen Höhen, find viereckig und zeigen gegenwärtig nur wenig Ueberbleibfel,- mit Erde bedeckt und Iofen Steinen darum. Sie haben nur Brufthöhe, find durch und Durch verglaft, welche Verglafung aber erft 1—2 über den Fundament anfängt; dazwiſchen nur durch das Feuer verfärbte Steine. Daß irifche Fort ift Dagegen rund im Durchmeffer 34 Stab (Yard! = 3’). An der Süd— weſtſeite ragt ein Felſen 4 hoch hervor, den man zu verglafen und alfo zu verftärfen nicht für nöthig gefunden hat.
Einen Graben fonnte man bafelbft nicht aufwerfen, denn ber Schiefer ift unmittelbar Darunter und Kalk gibt es eıft 4 Mei: len entfernt; dagegen Wald und Seide gibt es genug herum, womit man die Steine verglafen Fonnte. 900° davon ftehen 5 Steine 5' hoch, wahrfcheinlicy ein Druidenfreis,
Band XVI. 1825. ©. 198, 228. 220,
A. Nimmo, über die Anwendung der Geologie auf bie Zwecke der Schiffahrt. S. 39— 50. mit einer geognoftifchen Eharte von einem Theil Englands,
W. Bald, trigenometrifche Vermeſſung von Mayo. bis 61. mit 5 harten.
W. Edgemworth, auch darüber. ©. 63 — 66. °F. T. Mackah, Verzeichnig der Pflanzen Irlands. ©. 103 sis” 198.
Bey den Namen fteht bad Borfommen. Nach dem linneiſchen Syſtem.
Unter den Alterthümern kommen wichtige Sachen vor; darunter
Ch. v. Gieſecke, über die norwegiſchen Niederlaſſungen an der Oſtkuͤſte von Grönland. S. 47—56 mit einer Charte.
3. Hardiman, ein Verzeichnig ber harten von Irland, welche in der Bibliothek zu Dublin aufbewahrt werden. Seite 57 — 7.
Die älteſten, wie es fcheint, aus der Zeit der Königin Eli- fabeth, die meiften um das Jahr 1600.
Unter den fchönen Wiffenfchaften. ift ein großer Aufſatz über die Principien des Rhythmus in Sprachen und Muſik, bejon- ders in englifchen Werfen, 1823. S. 1—21. und 1— 220.
Band XV. 1823. ©. 201. 86. 293, If,
T. N. Robinfon, neue Luftpumpe. ©. 13 —19. T. 1.
3. Soufton, über den Bau, den Mechanismus der Zunge des Chamäleond. S. 177— 201. T. 1.
Diefe Abhandlung Haben wir fehon ausgezogen Iſis 1832. ©. 623. Xaf. 12., nad) dem Edinburger Journal 1829, ©. 161.
Unter der ſchönen Literatur:
3. Scurry, Bemerkungen über die iriihe Sprade. ©. 3 bis 36.
2. C. Beaufort, über den Zuftand der Baufunft und ber Alterthümer vor der Landung der Anglo Normannen in Irland, ©. 101. mit 15. Ifn.
Sehr wichtig; flelen vor Crom-Leac und viele Steinfäulen, Grabhügel, Thürme, Capellen und Kirchen,
—
©. 51
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Band XVI. 1830. ©. 130. 336. 400.
WR. Hamilton, über die Theorie der Lichtftrahlen. ©. 4—62. ©. und 93 — 126,
J. Mac Cullagh, über bie doppelte Lichtbrechnng in einem erhitallifirten Mittel. ©. 69— 78
R. 3. Graves, über etwas —— im Fußgelenk des Roſſes und über die Wirbel bey Delphiuus diodon. ©. 85-91.
Bekanntlih kann dad Pferd ftehend fchlafen.. Das kommt nicht von der Anjtrengung der Muskeln her, fondern von ber Geftalt der Knochen im Fußgelenk ( Ankle or Hock-Joint), wodurd die leichte Biegung erft erfolgt, wenn ber Fuß. fchon etwas gebogen ift, alfo ziemlich fo wie der Storch jtehend ſchla— fen kann. Beym Roß ift e8 eine Art Scharnier zwifchen ‘dem Schien- und Sprungbein, welches leßtere eine, Gelenkflaͤche hat mit fat halbkreisförmigem Umriß, getheilt in zwey Leiſten, zwiſchen denen eine tiefe Grube. Am Ende des Schienbeins find. entſprechende Erhöhungen und Vertiefungen, welche in die des Sprungbeind eingreifen, wodurch ein vefter Halt entfteht; wird umftändlicher beichrieben.
Delphinus diodon (Hyperoodon) wurde gefangen beh Dublin im Serbft 1829.53 16° lang. Nachdem der Rückgrath einige Tage eingeweicht war, fand ich, daß die Intervertebral-Sub- ftanz fich leicht ablößte, als eine Knochenſcheibe 4 dick mit Furchen und Löchern. zum Durchgang der Blutgefäße; find alſo Epiphufen, welche bey jungen Walen noch gar nicht mit den MWirbelörpern verwachfen find, fo daß man daran das Alter erkennen Fann. Findet man einen Wirbel, von dem dad Zwi- fchenbein abgelößt ift, fo hat er tiefe excentriiche Furchen, fonjt eoneentrifche Linien oder Furchen. In dieſem Fall ift das Thier ausgewachfen.
An zwey Schäbeln waren rechte und Linfe Seite unfymmetrifch.
J. T. Mackah, Über eine Heide in Kunnamara. ©. 127.128.
Erica mediterranea; wird 3—5' body; auch in Portugal und auf Gorfica.
Ebenda habe ich auch Menziesia polifolia (Erica dab- beoci L.) gefunden.
Unter den ſchönen Wiffenfchaften:
Zwey große Abhandlungen von W. H. Drumond und E. D’Reilly über die Authenticität von Offians Gedichten, wie fie in Macpherſons Ueberſetzung mitgetheilt find. ©. 3 bis 386. Seyen verfälfcht.
Uuter den Alterthümern:
J. D’Alton, über die alte Gefchichte von Irland. S.3-379.
G. Betrie, über die Authentieität der, Annalen ber vier Meifter. ©. 381 — 393.
Band XV. 1837. ©. 423.
W. R. Hamilton, über die Lichtftrahlen. S. 1 — 144.
5. Lloyd, über die Licht - Erfcheinungen bey feinem Durch- gang längs den Achfen der zweyachfigen Erhftalle. S. 145 bis HD de 2.
Derfelbe, ein Verſuch, die Beobachtungen des Erd- Mag: netismus zu erleichtern. ©. 159 — 169.
Derfelbe, ein neuer Ball von Interferenz der Lichtſtrahlen. ©. 171 — 178.
5. MW Sweeny, über dad Clima von Ireland feit den älte- ften Zeiten. ©. 179— 233.
E. Dany, über ‚ein neued Knallſilber und ſeinen Gebrauch als Prüfmittel für die Chlorine. S. 265 — 274,
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J. Apjohn, über die Theorie des Moijtfulb —* ©. 375 — 292. ;
Nichts über fchöne Literatur und Alterthümer.
Band XVI. 1839.
a Apj A neue Unterfuchungsart der Kite ber Gaſe.
. 1— 116.
Derfelbe, Zerlegung des Meteorfteind, gefallen bey Adair in ber Orafichaft Limerif am 10. September 1813. ©. 17-30.
Gewicht 14 Pfund; befteht aus Eiſenkies, Eifen, Nidel, Ko: balt und Chrom, Kiefelerde, Talkerde.
3. Mac Eullagh, über die Geſetze ber Neflerion und Re: fraction der Gryftalle. S. 31 — 74.
R. Mallet, über eine bisher nicht bemerfte Structure in manchen Irappfelfen der Grafichaft Galway. S. 75—79.
E. Davih, über eine neue Gas: Verbindung von Kohlen: und Wajlerftof. S. 80 — 88,
N. Ball, Bemerfungen über die Gattungen: der Robben in den iriſchen Meeren. December 1836. S 89— 89. T. 1-6.
Seit mehreren Jahren glaubte ich 4 Gattungen am unferer Südfüfte unterfcheiden zu fünnen: da aber nur zwey anerkannt find, fo fammelte ich Stüde, fo viel ich fonnte von verſchiedenen Theilen der Küfte nnd fuchte befonderd diejenige zu beſtimmen, welche am häufigften vorkommt. Vor der Eutſcheidung aber wollte ich die Schädel ber Verfammlung zu Briftol vorlegen, wo Nilsfon aus Schweden gegenwärtigiwar, Gr erklärte, daß diefelben Halichoerus griseus (Phoca gryphus) fey. Unter: fcheidet ſich durch) einfache Backenzähne, faſt in der Geſtalt der. Delphine, während fie bey Phoca immer mehr als eine Wurzel haben. Bet) einigen Stücken von Halichoerus hat der hintere Backenzahn auch 2 oder mehr Wurzeln, ſcheint jedoch zufällig zu ſeyn. Diefer lebt im baltifchen Meer einfam; der unferige aber in kleinen Nudeln. Nilsfon legt ein großes Gewicht - auf bie Färbung, fo daß ich faſt glaube, Der unfrige fey verſchieden, weil fie wechfelt nach Alter, Jahreszeit und Geſchlechtz Fein’ Stück iſt darin dem andern gleich; die jungen Weibchen: find gelblich weiß mit etwas: langen Haaren, welche 6 Wochen nach dem Wurf abfallen und fürzeren, glängenderen Play machen, fehmugiggelb mit dunkelgrauen Flecken, welche allmählich ver— fhwinden, fo daß endlich der ganze Rücken matt und dunkel wird. Ein junges Männchen hat: Tange gelbliche Haare, auf dem Rüden bräunlich schwarz überlaufenz Nafe, Kinn, Baden und Gaufe (Palme) der Vorderfüße ſchwarz. Das Haar alter Weibchen von Halichoerus wird frumm, wann es troden ift und an der Oberfläche flach wie mit einen Meffer abgeichabt. Daher ficht das Thier filbergran aus, wenn ed gegen den Zur ſchauer ficht, umgekehrt ſchmutzig braun; Die Flecken nur fichts bar von der Geite. Die Schnurrhaare aller Nobben find in der Geftalt ausgezeichnet: Die von Halichoerus werden nad) einer Nichtung flach umd ftellenweije verengert; exfcheinen daher von oben gefehen linear, von der Seite halsjchnurförmig. Bey verfchiedenen Individuen tragen fie werjchiedene Farben. Diefe N Robbe unterfcheidet fich. Leicht von andern Durch die grabe Ge: ſichtsfirſte, Das wilde Ausfehen und geſtrecktere DVerhältniffe. Der Schädel viel Heiner al8 bey Phoca, deren Kirn eben fo groß ift, als bey einem zwepmal längeren Halichoerus und ihr Verſtand fcheint im umgekehrten Verhaͤltniß zu ftehen. Ich er kannte beym erſten Blick in der fchlecht ausgeftopften Phoca barbata von Donovan das Fell von Halichoerus; auch Nils— fon, Es fcheint die von Parſons befchriebene Tangleibige
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Robbe zu ſeyn, melche jegt als Phoca barbata im brittifchen Mufeo ſieht. Everard Homes Schädel aus der Sübfee (Phil Trans. 1822. fig.) ſcheint nichts ander als der von Donovans Nobbe zu ſehn: denn ich Habe einen ganz gleichen bon einem Stück, daß ich ſelbſt geichoffen. Gaumenlöcher find ein guter Character für Halichoerus, wenn die Zähne fehlen: denn fie öffnen fich in oder an den Gaumenbeinen felbft, während fie ſich Hey allen Robben in den Oberfiefern öffnen. Bell hat unfere Robbe H. gryphus genannt. W. Thompfon von Belfaft erzäblte mir, daß ©. Matthews in ber Grafihaft Down eine junge und alte Robbe auf einem Felfen fah. Sie fingen das Junge und banden ed au ben Fel— fen, wo e8 wie ein Kalb ſchrie und die Mutter berbeylodte, Sie wurde gefhoffen; hatte Milch in den Ziten, war weißlich grau mit dunfleren Flecken und wog 3 Etr. und 18 Pf. Das Zunge 3° lang und geſchätzt 60 Pfd.; auf dem Rücken gelb, fonft blaffer ohne Flecken; Schnauze ſchwarz, Saar lang und Iind. Bor Jahren fah man oft 2—300 Robben auf dem Bel: fen beh Springvale, jest felten, weil die. Benölferung zugenom— men hat und bdafelbft eßbare Tange (Rhodomenia palmata, Porphyra vulgaris) fucht und Patella vulgaris. Thompfon hält diefe für Halichoerus gryphus; die Schrache davon hat er vom Strande mac) Belfaft gefchafft. Nicht weit davon be— fanı er auch eine Phoca vitulina. Ich bekam auch von der Küfte Sligo den Schädel von einem Stud, welches an den Hinterfüßen gefangen wurde. Er ftimmt ganz mit Sr. Cuviers Befihreibung von Phoca vitulina überein. Nilsson erklärt ihn für einerley mit feiner Ph. va- riegata. Gleiht Homes Figur von Schädel von den Ork— ney=Infen (Phil. Trans. 1822.): allein einige Zähne im Dberficfer wurden offenbar von einer andern Gattung eingefeßt. MWahrfcheinlih Hat Bell deßhalb diefe Abildung zu feiner Ph. groenlandiea gezogen, was ich für unrichtig halte: denu ber Zwifchenfiefer wird nicht an ben Nafenbeinen plöglich breit mie in der Nobbe vom Severn, welche er ebenfal3 für Ph. groen- landica hält. Am 30. September erhielt ich ein Icbendiged Stück aus ber Grafſchaft Sligo 3° 8“ Tang, unterfdjieden von Halichoerus durch furze Schnauze, hohe Stirn und große Augen. Naß ift es faſt ſchwarz, vermifcht mit weißlicher Schieferfarbe und an ber Bruft etwas heller; troden ift es hellyerlgrau. Es hatte in den Weichen lange fahle Haare, offenbar Die Ueberbleibſel eines allgemeinern Kleides; fie giengen aber nach einigen Tagen aus. Im Gras gieng ed ohne Furcht auf die ihm zunächfiitehen Verſon zu, und ließ fich nicht vom Wege abbringen, obſchon an ed jehr fchmerzhaft ſchlug mit einem fihweren Tuch. Um ch zu wehren, wendet es fich zur Seite und Fragt fehr tüchtig mit dem frenen Vorderfuß; e8 beißt felten, und ich habe es nie fo unangenehm Fnurren hören wie bie Halichoeri. Es hat nur eine fonderbare Manier vorwärtd zu kommen durch eine Art Hüpfen, wobeh ed auf der Seite liegt, die Vorderfüße auf der Bruft, die Hintern dicht beyſammen. Seine gewöhnliche Bewe— gung ift eine Art Galopp ziemlich ſchnell und anhalteud: denn es entfam einmal in der Nacht und fand ſich 14 Meile entfernt. Nach dem Fang fraß es 22 Tage nichts; feitdem aber recht gern Wittlinge (Gadus merlangns ), welche es ganz verſchluckt, den Kopf voran und etwas gequeticht. Man gibt ihm täglich 6 Pfd., würde aber mehr freffen. Es Eennt feinen Wärter und fieht ob er Fifche hat oder nicht. Es gibt immer acht, was vorgeht, und wenn fih ein Vogel im Käfig rührt, fo muß man lachen,
PIECE SEHR =
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wenn man fieht, wie gern es ihn fangen möchte. Zuerft heftet es die Augen darauf wie ein Jagbhund; dann ſtürzt es vor: wärt3 und zeigt fich fehr ärgerlich, wenn ihm der Vogel ent- wiſcht. Es ftarb plöglih im März; es fchien fehr zu gedeihen und wurde täglich zahmer. Ein andere wurde getödtet im October; im Magen halbverdaute Ammodytes lancea.
Bell fagt, Nilsfon halte in Diefer Gattung (Ph. vitulina ) bie fchiefe Stellung der Badenzähne für ein untrügliches Kenn— zeichen. Ich Habe feitdem zu Paris gefehen, daß dieſe Stel: lung be Ph. vitulina weniger fchief war als bey vielen an— dern. Sie fommt von einer unvollftändigen Entwidelung Der Kiefer in ber Jugend Her, zeigt fich auch bey fehr jungen Ha- licehoerus und verfchtindet be) Ph. vitulina lang bevor der Schädel ausgewachſen ift, Fann mithin Fein Gattungszeichen feyn. Der Name Phoca vitulina muß beybehalten werden, jtatt Ph. variegata.
Dr. Illey Hat das Schrach von einem im Severn getödteten als Ph. vitulina bezeichnet; ich fah e3 für verfchieden; Bell und Nilsfon erflärten e8 für Ph. groenlandica, ich finde aber bie Zähne breiter und Die Höcker tiefer getheilt, Die Lambdanath mit einen weniger rauhen Kamm und bie Xeiften vom Nafenbein ziemlich über Die Mitte der Seitenbeine weniger deutlich als bey Ph. groenlandiea, welche auch größer ift als die aus dem Se- vern; endlich ſah ich in Diefer Gegend nie eine Robbe, welche der Abbildung von Ph. groenlandica in Griffiths Cuv. oder in Bell3 british Quadrupeds gliche. Seitdem ſah ich zu Paris den Schädel von Ph. groenlandica, welche der franzoͤ— fiiche Gefandte aus Copenhagen gefhikt hat, aud) Fr. Cuviers Zeichnungen, und bin nun überzeugt, daß die Robbe aus dem Severn verfchieben ift.
Sch glaube, daß es an der Sübfüfte noch eine vierte Gattung gibt mit einem größern Kopf und flumpferer Schnauze, wahr: ſcheinlich Ph. barbata.
Ein Robbenjäger erzählte mir, er habe an der Küfte ein Männchen getödtet 19° lang; es Fämpfte mit einer andern von gewöhnlicher Größe und hatte weniger Haare als andere.
Im Auguft 1829. Schoß ich ein altes Weibchen von Halichee- rus, welches ein Junges fäugte; Länge 7' 2”.
Abgebildet find: Halichoerus gryphus, Schädel von meh- reren Seiten; Phoca vitulina ebenfalls mit den Schädeln und Zähnen, Blindfide und Venen ber Leber.
IH. Knox, über Die Ifolirung der Fluorine. S. 127--134, Tafel 1.
Derfelbe, über die Beftandtheile mancher ätherifcher Dele. ©. 135-148.
Th. Andrews, über die Eigenfchaften der voltaifchen Kreife, worin concentrirte Schwefelfäure ber Leiter if. S. 149-156.
3. Apjohn, über eine neue Art von Alaun. ©. 157-161,
Derfelbe, über eine neue Zufammenfeßung aus Pottafche, Jodit, Jodine und Zimmetöl., S. 162 — 170.
NR. Kane, über eine Reihe Berbindungen von pyroacetiſchem Spiritus. S. 99 — 125.
Unter den fchönen Wiffenfchafien:
&. W. Wall, über die Natur und das Alter der ſanscri— tifchen Schriften. ©. 65 — 152.
@ Sind, über die Fahre und Chelen der Aegyptier. ©. 153 — 198.
Unter den Althümern Georg Petrie über die alten iri— ſchen Reliquarien, worin Die religiöfen Manuferipte und andere Reliquien aufbewahrt werden, ©. 14— 24, Taf. 1—5.
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Derjelbe Über die Antiquititen vom Tara-Hill. S. 25 — 232. Taf. 1 —
W. Thompſon (von Belfaft), über den iriſchen Haſen (Le— pus hibernicus) S. 268— 271.
Der Earl von Derby machte zuerft im April 1833, auf die Verſchiedenheit dieſes Haſen aufmerkſam. Dann wurde er von Darrell, Jenyns, Bell’ um, Eyton aufgeführt.
Dieſer Haſe war übrigens ſchon viel früher den Jägern, Pelz— haͤndlern und Köchen bekannt als kleiner mit ſchlechterem Balg und Fleiſch. Ich hielt ihn, als er zuerſt vorgelegt wurde, nur für eine Abänderung von Lepus timidus, dem er näher ſteht, als ven Lepus variabilis.
Er wird num mit dem fchottifchen verglichen: Männchen 20%, Weibchen 2445 der fchottifche 224, Weibchen 21; Gewicht bey jenem 5 Pfd. 3 Unzen, bey biefem. 6 Pfd. 2 Unzen; bey jenem die Darmlänge 1% 10”, bey diefem 14; Schätel dort 34 8, bier 3" 9".
Die Farben weitläufig beichrieben; der obere Theil des Schwan- 308 weiß mit einigen fchwarzen Saaren an der Wurzel, beym ſchot— tiichen die ganze Bauchfeite von den Vorderfüßen bis zur Schwanz: fpige weiß, der Hauptunterſchied, wodurch die Kürſchner beide unterfcheiten. Der Lepus timidus hat mehr Farben-Verſchieden— denheiten an Kopf, Ohren und Xeib, der Lepus hibernicus mehr an den Füßen,
Nach Eyton haben beide zwölf Rippenpaare, aber der iriſche 13 Schwanzwirbel, der engliſche 16; beide 7 Lenden- und 4 Kreuze wirbel; Zähne gleich.
Bey dem gemeinen Hafen find Ohren und Schwanz länger, der Kopf iveniger rund.
Character des irifchen: Pelz oben gleichförmig matt. röthlich grau, Schwanz oben weißlich, Ohren und Schwanz fürzer ald Kopf.
Er wird nicht nach Jahreszeiten, fondern mit dem Alter weiß, im fünften Frühling am Sintertheil, im fechiten auch an den Seiten, im 7ten überall mit Ausnahme des Kopfes, im achten ganz und gar, wie e8 fcheint ohne dad Saar zu wechjeln. Der Lepus variabilis fonmt auch in England vor auf hohen Ber: gen. Der irische Safe flieht fchneller vor’ den Kunden. Die Jäger behaupten, beive Gattungen, der irifche und gemeine, feßten 5mal im Jahr je —5 mit offenen Augen, laufen gleich davon; nah 3 Wochen verlafjen fie die Alten.
Band XIX. 1843. A408. 158. 96.
R. Kane, über die Natur und die Conftitution der Ammon— Berbindungen. S.1— WW.
R. Patterſon, Befchreibung von Cydippe pomiformis (Bero& ovatus Flemingii) mit Bemerkungen über eine neue Bolina, beide an Irland, S. 101— 108. T. 1.
Das Weſentliche dieſes Aufſatzes haben wir ſchon mit einer Abbildung gegeben in ver Ifis 1838, ©. 65. aus new philo- sophical Journal. Bd. XX. Nr. 40. 1836.
Derfelbe, über Bolina hibernica. ©. 154 — 158, Holz: fchnitte 4.
Iſt eine Fortfegung der vorigen Abhandlung. Er hat im July 1839. an der Orafichaft Down binnen einer halben Stunde 126 Stück in einem Neß gefangen, Ipäter feine mehr. Bewegung. nicht fo lebhaft als Cydippe pomiformis; ſchwimmt aufrecht, das Maul oben. Gine kleine Gervonia im Glas jepte fich mit. ihrem Stiel an eine Bolina, die zwölfmal größer war, und zog fie im Glas herum wie ein. Schleppſchiff. Abgelögte Wimpern ſchwingen
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mehrere Stunden lang, befonders bey ben vier Fühlfäden und ben A Ningen oder Deffnungen‘, woraud diefe Fäden getrieben werden. Unter dieſen Wimperbändern ſieht man zwey Waſſerſtröme auf und ab. Die Fühlfüden nehmen allerley Geftalten an. - Um ven Mund liegt ein weiplicher fchnurformiger Körper; auch um jede der Oeffnungen, woraus die Fühlfäden kommen.
Der Leib iſt ganz durcbfichtig; im Finſtern nicht Teuchtend, außer bey Erſchütterung, wo ſich vorübergehende Funken zeigten. That man fie aber in ſüß Waſſer, fo erſchien fie plöglich mit zahl— lojen leuchtenden Kügelchen erfüllt, in Bewegung und ſchnell vers fchwindend z gleich nachher. zeigte fich die. Bolina todt auf dem Boten. Zwey große Gefäße mit je 20— 30 Bolinen in einem dunkeln Keller zeigten beym Umrübhren einen. grünlichen. Schein durch das ganze Wafferz im andern Gefäß wurde das Wafjer fo leuchtend, daß man nahe Gegenftände deutlich ſehen Fonnte, jedoch nur auf einen. Augenblict; die einzelnen Ihiere ſahen aus wie Pampen im Waffer, wurden noch leuchtender bey der Berüh— rung ‚ beſonders die Wimperreiben. An einem Tage wurde Dad Meerwaſſer nicht erneuert und ‚danm waren am andern Tage alle todt, das Waffer milchicht und. übelriechend, leuchtete nicht mehr bey dem Umrühren; mitbin war die Faulniß nicht Urfache. Nur dieſe Gattung und Bero& fulgens aus unferm Meere iſt leuch— tend. Meine Gattung ift verfchieben von den 8 Beroen, weich E. Forbes auſgezählt hat.
B. hibernica: Geſtalt veränderlich, übrigens oval, rundlich und zufammengedrücftz durchfichtig, Die Lappen contractil und nur 4 jo lang als der Leib; Die längern Bänder gewimpert bis gegen ihr Ende; deßhalb und wegen der Fleinern Lappen ift das Thier etwas verichieven von Bolina Mertens, und fteht der ächten Beroen näher, ‚wielleicht ‚eine Mittelftppe ; übrigens verfchieten von B. ele- gans, welche bunfelvoth, und B. septentrionalis, welche hellblau, Die Abbildungen zeigen das Thier von vier Seiten; Länge 14 par., ohne Buchftaben in einzelnen Theilen, weßhalb die Beſchrei— bung nicht deutlich wird.
Die andern Abhandlungen ‚betreffen. magnetifche, ‚optifche, eleetri⸗ fche, thermologifche und mathematische Gegenftande.
&. 322—-328. 3. Muacartney, über die feinere, Structur des Hirns nom Chimpanie und von einem Blödjinnigen. T. 2. Das Hirn des erfteren abgebildet von der obern und untern Seite.
Im Schön wiſſenſchaftlichen und antiquariſchen Theil find Münz zen und andere Alterthümer.
Band XX. 1845. ©, 521,
Diefer ganze Band enthält nichts als eine einzige Kndmarifihe Abhandlung über die Kirchenbaufunft Irlands vor dem anglos | normanniichen Einfall, und zwar einen Verſuch über Urfprung und Beftinmung der runden Thürme, von G. Petrie, mit nicht weniger als 256 Holzſchnitten. Die Thürme follen vorzüglich als Warten gedient haben.
Band XXI. 1846. ©. 149. 104.
Diefer Band enthält meiftens phyſicaliſche Aufſätze über Erd> | Magnetismus, Cryſtall-Reflexion, Erdbeben mit. 3 Tafeln; über ein Inftrument, welches Die Nichtung der Erdbeben ſelbſt anzeigt; | Kometen; auch Mathematiiches.
Unter den jchönen Wiſſenſchaften über die 18. Dynaftie des Manetho; See Die Junſchriften in Fleinafen von F K. Bailie S. 114 4
7
4
Die Academie gibt nun auch heraus:
Proceedings ot the royal irish Academy. II. Pars 1. 2. 295. 95. t.4. for J2 the Jear 1844. et45, Dublin 1846. 8.
Wir haben davon nur dem dritten Band, Er enthält faft nichts als Mathematiiches und Phyſicaliſches, beſonders Magne— tifches und Meteorologiiches.
&61—82, Nr. 7. Prof. Sarrifon, über die Luftröhre und ven Luftſack daran beym Casuarius novae Hollandiae, mit E Abbildungen.
| Gefchichte der Natur
von Dr. W. ©, Bronn. Stuttgard bey Schweizerbart. 1846. II. 2. S. 1— 640.
Diefe Arbeit enthält Die Gefchichte des Erſcheinens der einzelnen organischen Weſen auf der Erdoberfläche, hier eine tabellarijche - Aufzählung der verfteinerten Pflanzen und Ihier-Oattungen, eben= j falls mit Angabe ter Formationen, gerade jo viel Schichten ala
das Alphabeth Buchftaben hat, abgetheilt in Kohlen-Periode, Salz-, Oolith-, Kreide, Molaffe- und die neue Periode, auch vie Melttheile.
Der Verfaffer zähft Pflanzen und Thiere auf nach natürlichen Spftemen. Das Planzenreich ift fertig; vom Thierreih ©. 73. die Pseudozoa, Amorphozoa, Polygastriea, Polypi, Poly-
thalamia et Bryozoa bis Fiſche. Es find auch die lebenden Sippen aufgenommen und mit O bezeichnet. Wir müßen ung doch einmal erlauben, die von ung in unjerm Lehrbuch 1815. S. 15. aufgeftellten Sippen, welche feit Jahren meiftens anderen zugefchrieben werden, was auch hier geichieht, zurückzufordern. Es find unter don Schwämmen und Corallen folgende: A Acrocopora, Turbinaria, Favia, Pectinia, Undaria, Mycedium, _ Mussa; Manon, 'Tragium, Seyphia, Basta, 'Tupha, Fistula, Ventale, Epipetrum, Achilleum, Tethya, Mazina, Spon- 1 Be; Bugula, Scruparia, Falcaria, Halecium, Nigellastrum, - Pennaria, Nodularia, Placomus.
n; Neue Deuffchriften der allg. ſchweizeriſchen Geſellſchaft für die gefammten Naturwiffenfchaften. Neuenburg. Band IX. 1847. 4. Taf. 13.
I Diefer Band fchliegt fih wirklich an die beften academifchen Schriften an, fowohl in Rückſicht ver Wichtigkeit der Abhantlun- gen und der Genauigkeit der Abbildungen als der Schönheit des Papiers und des Drudes. Von Seite 116. — 275. entwidelt Dr. Nägeli feinen Ber: ſuch zur Begründung eines eigenen Syftems der Algen und Flo— zideen mit 10 Tafeln mierofeopiicher Abbildungen, nachdem er in n Seite 718. angezeigten Sten Bande die Eritif der früheren Syſteme geliefert hatte. Er fucht Hier vorzüglich die Familien zufegen durch ungemein zahleeiche mierofeopijche Unterfuchungen, indem er der Meynung ift, daß das Syftem ſelbſt noch nicht aufz geſtellt werden könne. Gr findet e8 nothwendig, die bisherige Glaffe in zwey zu theilen von gleichem Werte, in Algen und Flo- rideen, jene jo characterifiert: Zellen = Innhalt theilweife aus Iſis 1848, Heft 1.
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Stärkeförnern und Sarbbläschen beftehend, "Feine Urzeugung; Bort- pflanzung gefihlechtälos, durch Keimzellenz dieſe jo: Zellen-Innhalt theilmeife aus Stärfeförnern und Farbbläschen beftchend; Feine Urzeugung, Fortpflanzung geichlechtlich; männliche Geſchlechts-Or— gane mit Samenbläschen ( Samenzellhen), welche nicht in einen zelligen Sad eingefchlofjen find; weibliche Gefchlechtsorgane ohne bejondere Hülle (Calyptra), mit Sporenmutterzellen, in denen vier SperialeMutterzellen, in jeder Derfelben eine Spore, entftehen ; Vermehrung (geſchlechtslos) durch Keimzellen,
Zu den Algen gehören (bie Sippen, wobey fig. fteht, find ge— fehildert, die andern nur genannt):
-1) Palmellaceae: Pleurococeus fig., Palmella fig., Diatomeae, Desmidieae.
2) Nostochaceae: Nostoc, Rivularieae, Oscillatorieae.
3) Bangiaceae: a) Lyngbyeae: Lyngbya, Hormi- dium, Ulothria, Draparnaldia, Stygeoclonium, Bangia, Stigonema.
b) Ulveae: Prasiola, Porphyra fig., Pbycoseris, Ulva, Enteroniorpha tig., Zignoa.
4) Mesogloeaceae: a) Ectocarpeae: Ectocar- pus fig.
b) Myrionemeae: Myrionema fig. , ,
e) Stilophoreae: Myriotrichia fig., Sphacelaria, Cladostephus, Elachista, Leathesia, Mesogloea, Chordaria, Stilophora, Scytosiphon, Cutleria.
5) Zygnemaceae: Spirogyra fig., Oedogonium, Bul- bochaete, Rhizoclonium ete.
6) Protococcaceae: Protococcus, Haematococecus, Chlorococeum,
7) Valoniaceae: Valonia fig., Hydrogastrum (Botry- dium), Caulerpa, Anadyomene.
8) Confervaceae; a) Conferveae.
b) Acetabularieae: Acetabularia fig., Dasycla- dus fig., Acrocladus fig.
c) Coleochaeteae: Coleochaete (Phyllactidium ) figur. h "o) Lichenaceae: (Flechten); die Calycieen und Graphi—
deen zu den Pilzen,
10) Exococcaceae: Exococcus.
11) Vaucheriaceae: a) Bryopsideae: Bryopsis fig., Vaucheria fig.
bh) Codieae: Udotea fig.
12) Zonariaceae: a) Chantransieae: Chantransia, Batrachospermum, Thorea.
b) Padineae: Padina fig.
c) Fuceae: Dictyota fig.
Die Florideen werden folgender Magen eingetheilt:
1) Ceramiaceae: Callithamnion fig., Antithamnion fig., Poecilothamnion fig., Ptilota fig ‚ Griffithsia, Wran- gelia, Spyridia, Ceramium, Ptilota, Crouania, Dudresnaya, Bindera, Mierocladia, Naccaria, Gloiocladia.
2) Delesseriaceae.
"a) Nitophylleae: Nitophyllum fig.
h) Delesserieae: Delesseria fig., Odonthalia, Sphaerococeus, Acanthophora, Bonnemaisonia, Gelidium fig.
c) Rhodomeleae: Polysiphonia, Dasya, Alsidium, Digenia, Rhodomela, Rytiphloea, Laureneia fig.
3) Rhiodomeliaceae: a) Plocamieae: Plocamium fig., Thamnophora.
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b) Chondreae: Iridaea, Chondrus, Callymenia, Cryptonemia, Gratelupia, Gigartina, Rhodomenia fig., Cry- ptopleura fig, Leptophyllium fig.
€) Gracilarieae: Catenella, Furcellaria, Polyides, Dumontia fig., Halymenia, Gracilaria fig., Hypnea.
4) Lomentariaceae: Lomentaria fig., Champia.
5) Phyllophoraceae: Peyssonellia fig., Hilden- brandtia, Phyllophora, Tylocarpus.
S. 1.—230. Dr. DO. Heer, die Infecten-Fauna der Ter: tiär-Gebilde von Deningen und von Radoboj in Groatien. Taf. 8.
Das ift die erfte umfaffende und mit ungemeiner Gründlichkeit durchgeführte Unterfuchung, Beichreibung und Abbildung von vers fteinerten Kerfen, der man e8 auf den erften Blick anfteht, daß nur eine vollftändige Kenntniß aller Sippen und ihrer fleinften Theile die Beftimmung fo verſtümmelter Weberbleibfel möglich machte. Der Verfaſſer behandelt bier die Käfer, von Denen er nicht weniger al3 121 Gattungen befhreibt und in 134 Figuren abbilvet, von Deningen 103, von Nadoboi 14, von Parfchlug in Steyermarf 3, vor der Hohen Nhone im Canton Zug 2. Sie vertheilen ſich in 79 Sippen und 34 Sippfihaften. Die Deninger erhielt er aus der Sammlung von Carlsruh (ehmals bifchöffliche zu Mörsburg), der Lavaterſchen und der Univerjitäts-Samme lung zu Zürich, der von Donefchingen und der von Seyfried zu Gonftanz; die Nadoboier von Gräß durch Prof, Unger, Die Gattungen find aus folgenden Sippen.
1) Cymindis, Brachinus, Glenopterus n., Badister, An- chomenus, Argutor, Harpalus.
2) Dytiseus, Colymbetes.
3) Protactus n., Omalium.
4) Scaphidium, Silpha, Nitidula, Amphotis, Peltis, Tro- gosita, Dermestes, Byrrhus.
5) Hydrophilus, Hydrobius, Escheria n.
6) Coprologus n., Onthophagus, Gymnopleurus, Apho- dius, Melelontha, Rhizotrogus, Melolonthites n., Trichius.
7) Capnodis, Perotis, Ancylochira, Eurythyrea, Dicerca, Sphenoptera, Protogenja n., Füsslinia n., Buprestites n., Ischnodes, Cardiophorus, Diacanthus, Limonius, Lacon, Adelocera, Elaterites, Pseudoelater.
8) Telephorus, Malachius, Clerus.
9) Lytta, Melo&,
10) Cistela, Helops, Mycterus.
11) Clytus, Mesosa, Acanthoderes, Saperda.
12) Bruchus, Anthribites n., Rhynchites, Brachycerus, Sitona, Cleonus, Pristorhynchus, Lixus, Sphenophorus, Cossonus, Ourenlionites.
13) Donacia, Anoplites, Cassida, Lina, Chrysomela, Boreina, Gonioctena, Ciytra.
14) Coceinella.
Zum Behufe diefer Unterfuchungen: war ber Verfaffer genötigt, das Geäder der Flügel und Flügeldecken genau zu ftudieren, be— fonderd um die gewöhnliche Zahl und die genaue DVertheilung herauszubringen ; eine fehr Iehrreiche Darftellung erläutert mit Abbildungen. Er nimmt 6 Sauptadern an, denen er neue Namen gibt, weil die älteren unpaflend feyen, was leider nur zu wahr ift. Indeffen wird eine bleibende Benennung erft möglich werden, mann die Bebeutung und gefegmäßige Zahl diefer Adern ermittelt ift.
Was die Tafeln betrifft, fo muß man der genauen, nur durch das DVergrößerungsglas zu ermöglichenden Zeichnung, alles Lob ertheilen, bejonderd wenn man bebenkt, wie zerbrüct und zerriffen folche Eleine Geſchöpfe auf dem Steine liegen.
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S. 1. — 71. 3.3. Bremi, Beyträge zu einer Monographie der Gallmücen, Ceeidomyia. X. 2. il. |
Ohne Zweifel ift das Leben und Weben der Kerfe der wich⸗ tigſte Theil ihrer Naturgeſchichte. Sieht man von einzelnen Be⸗ obachtungen ab, To haben fich nur Reaumur, Rbſel und De: | geer auf umfaffende Weile mit diefem Theil der Naturgefchichte beichäftiget, bie Wohnungen ber Kerfe aber nur gelegentlich bez rückſichtiget. Das haben in der neueren Zeit Sammerfhmidt (Sie 1834. ©. 721.), Ratzeburg und Hartig ex professo getban, beſonders hat der erftere eine fehr vollftändige Claſſifica— tion der Pflanzen Auswüchle aufgeftellt, und der letztere viele durch die Gallweſpen verurfachte Geſchwülſte bekannt gemacht. Diefen | Arbeiten ſchließt fich der Verfaſſer mit ungewöhnlichem Eifer und großem Erfolg an, indem er eine große Zahl ſehr verſchiedener und ſonderbarer Auswüchſe beſchreibt und abbildet, welche von den Larven der Gallmücken verurſacht werden. Zuerſt beſchreibt er die Larven und Puppen und ſodann die Auswüchſe ſelbſt, welche er eintheilt in eigentliche Gallenbildungen und Taſchenbildungen mit weiteren Unterabtheilungen. Davon werden nicht weniger als 36 an ſehr verſchiedenen Pflanzen beſchrieben und größtentheils abgebildet ſehr deutlich und ſchön. Obſchon die Fliegen noch nicht überall bekannt find; jo hat er doc) denſelben Namen gegeben, weil man mit Recht annehmen darf, daß verfchiedene Auswüchſe auch von verfchiedenen Gattungen herrühren. Sodann theilt ver Derfaffer feine Beobachtungen mit über die Ernährung der Larsen, die Zahl der Generationen und die Schmaroger. Dann folgt ein Verzeichniß aller Gallmüden, mit Angabe ihres Aufenhaltes, worunter 57 befannte und 22 neue, endlich 14, wovon man nur ihre Erzeugnifje Eennt. Der Major Amfteinin Malans bejchreibt C. grandis, carnea et fasciata. N
Zum Schluffe gibt der Verfaffer ein Verzeichniß der Pflanzen, in welchen er Larven dieſer Mücken gefunden bat.
Diele Iehrreiche Abhandlung twird nicht verfehlen, die Aufmerk— famfeit der Entomologen auf ſich zu ziehen und Ddenfelben Luft machen, die fo merfwürdigen Pflanzenauswüchfe genauer zu ſtudieren.
In diefem Band findet fich noch eine mathematifche Abhande lung von J. W. von Defhwanden über die Locomotiven für geneigte Bann, S.1—48 T. 1.
Amtlicher Bericht
über die 24. Berfammfung der Naturforfcher und Aerzte in Kiel im
September 1846,, herausgegeben von den Gefchäftsführern berfelben,
Profeſſor Dr. G. A. Michaelis uud Gtats-Rath Dr. 9. F. Scherf. Kiel in der academifchen Buchhandlung 1847, 4. 292, T. 4.
Die Naturforfcher und Aerzte wurden in Kiel ebenfo freundlich aufgenommen wie aller Orten. Nicht blos die Gefchäftsführer, die Univerjität und die Stadt haben Alles aufgeboten, was ven perfönlichen und wiffenfchaftlichen Zwecken dienen und die Unters haltung befördern Fonnte, ſondern auch felbft der König und ber Herzog von Schleswig = Holftein, Chriftian Auguft haben auf eine großmüthige Art ihre Huld der Verſammlung angebeihen laſſen. Der König ließ eine Feſthalle im Schloßgarten bauen, weil es an einem hinlänglich großen Saal fehlte, und übernahm die Beftreiz tung ber Koften, welche nicyt durch den Beytrag der Mitglieder würden gedeckt werden. Er ließ übertieg aus Kopenhagen eine Sammlung son Thieren aus den nördlichjten Meeren nach Kiel fihaffen; deßgleichen feltne Dlineralien und Verfteinerungen; der
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Herzog lub diefelbe zu einem Fruͤhſtuͤck in die fchöne Gegend ‚von Örafenftein ein.
Bürger und Profefforen bildeten Commiſſionen für die Anz meldungen, die Feſte, die Sections = Verfammlungen ‚und die Naturalien-Summlungen; die Gefellfhaft der Harmonie räumte ihr Local zu den Abend»Unterhaltungen ein, und die Innwohner boten ihre Zimmer an.
Das Mufeum der Alterthümer im Schloß, der bötanifche Garten, das academifhe Mufeum, worinn die Inſecten-Samm-— lung von Fabricius, ſtand den Naturforfchern offen; ebenfo die zoologifhe Sammlung des Herrn Noft, die ornithologifche und entomologifche des Juſtitiarius Boie, und die entomolo= gifche des Grafen zu Rantza u und die mineralogifche des Dr. Süerfen. — In diefen Dingen bemüht man fid) gewöhnlich zu viel, weil die Naturforfiher nicht Zeit haben, diefelben gehoͤ— tig zu benugen, oft Eaum zu befuchen und flüchtig anzufehen.
Selbft der Verein des Gartenblumenbaues zu Hamburg hat zum 26. September eine Pflanzen = Ausftelung zu Hamburg veranftaltet.
Um 18ten war Mufit im Schlofgarten, am 20 ften Dampf: bootfahrt nach Grufenftein; am 22 ften Goncert in der Fejthalle, am 23 ften Ball ebendafelbft.
Eine Gefellfhaft von Damen forgte für die Unterhaltung der fremden Damen während der Sitzungen durch Ausflüge in die Gegend.
Die Zahl der Fremden betrug 277., aus der Stadt 134.
Die erfte Verſammlung wurde eröffnet von Prof. Michae: lis mit einer Nede, worinn er die phyſicaliſchen Berhättniffe der Dftfee fehilderte. S.11., nachher Verleſung der Statuten.
©. 27. Prof. Zeune aus Berlin über die Entftehung des Menichengefhlechts und deffen Racen.
Prof. Schert: Gedaͤchtnißrede für Beſſel.
S. 42. In der zweyten Sitzung wurde Aachen zum naͤch— ſten Verſammlungsort gewaͤhlt.
©. 48. Dr. Buek aus Hamburg: über die Taubſtummheit.
©. 56. Prof. Feffen aus Kiel: über die in ‚Beziehung auf Geiftes- amd Gemuͤthskranke herrfchenden Vorurtheile.
©. 64. Sn der dritten Sisung Prof. Derfted: über die Mefens = Einheit des Erfenntniß = Vermögens in dem ganzen Weltall.
©. 77. Prof. Forchhammer aus Kopenhagen: über die Beftandtheile des Meerwaffers, feine Strömungen und deren Einfluß auf das Clima der Küften-von Nord:Europa.
©. 102. Abſchieds- und Dankrede von Scherf und Mente
©. 109. Ein Verzeichniß der, auf Befehl des Königs, von Kopenhagen eingeihidten Naturalien. Haartbiere 49, Schädel 35, Vögel 87, Fiſche 98, gröntändifhe 51, Lurche 18, Weich: thiere in Branntwein 64, Schalen aus Grönland 51, Mine. alien 52.
Fand» und Stewafferfchalen aus des Königs Privat-Samm: lung, eingefhict von deren VBorftand, H. Bed.
Lurche aus dem Univerfitäts-Mufeum zu Kopenhagen 20.
Meichthiere aus der Sammlung des Heren Kröyer; von Spisbergen 45, von Norwegen 90.
Schalen vom Prof. Steenſtrup; Kerfe vom Juſtizrath Staͤger und Adjunct Jacobſen.
Von der Univerſitaͤt zu Kopenhagen: Mineralien 46, Ber: fteinerungen, meiftens Schalen 124.
©, 123. Abtheilung für Zoologie, Anatomie und Phyſiologie.
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Prof. Krahmer aus Halle: über den Mechanismus der Refpiration.
©. 131. Prof. Steenftrup aus Kopenhagen theilt Ra-
na temporaria in R. oxyrhina et platyrhina ab, und bes fchreibt viefelben nad) Lebensart und Verbreitung, fpricht auch über die Geſchlechtsunterſchiede und die Lebensart der Fröfche, Kröten und Molche überhaupt.
©. 139, Juſtitiarius Bote: uͤber die Characteriſtik der Sippen; legt auch 22 Degenerationen von Pflanzentheilen, durch Ceeidomyia verurfaht vor, welche Bremi aus Zürich einge: ſchickt bat.
©. 146. Steenftrup: über einen 64 Sahr alten Larus marinus; neue Morfteinerung aus der Kreide von Seeland, Moltkia, zwifchen Corallium et Mopsea; ferner Cyathidium (Crinoidea).
©. 147. Boie:
©. 151. burtshilfe,
Es wurde vieles vorgetragen und befprochen, was wir nicht mittheilen Eönnen, von Scuhr aus Celle, Ruete aug Göttin: gen, Grahl zu Hamburg, Krämer aus Göttingen, Münd- meyer aus Lüneburg, Kirchner aus Kiel, Rangenbed aus Kiel, Meyn und Michaelis ebendaher, Medel aus Halle, Edertfen aus Friedrihssurg, Sommer aug Kopenhagen.
©. 168. Ubtheilung für practifhe Pſychiatrie.
Hier fprahen Engelfen aus Bremen, Jeſſen aus Horn— heim, Thygeſen aus Kiel, Sommer aus Kopenhagen.
©. 181. Abtheilung für Phyſik, Chemie und Phar— macie.
Meyerftein aus Göttingen: über Magneto-Meter.
Prof. Pfaff aus Kiel zeigt 27 Jahr lang verfchloffene Mil, und Fleiſchbruͤh; Waſſer vom Geyſer; Blauſaͤure; zeigt des Mechanicus Cramers magnetozelectrifche Mafchine,
Prof. Rammelsberg aus Berlin: über die Producte, welche die Cyanure und Doppel-Cyanure beym Erhigen liefern.
©. 190. Prof. Himly aus Kiel: über bisher unbekannte Sauerſtoffſalze, welche fchwefeligfaures Gold-Oxydul mit den ſchwefeligſauren Alcalien bildet.
Dr. Thaulow aus Cheiftiania: Zerlegung einer Perlafche.
©. 193. Abtheilung für Botanik, Forſt- und Land: wirthſchaft.
Prof. Schleiden aus Jena: über die Erdapfelkrankheit.
©. 195. Schacht aus Altona: über die Pflanzen = Br= feuchtung zur Beftätigung der ſchleidenſchen Anficht, bey Cucumis sativus.
©. 197. Prof. Nolte aus Kiel: dungen,
©. 199. Dr. Münter aus Berlin: uͤber das Keimen von Eugenia jambos, die Samenlappen der Roß-Caſtanie.
©. 202. Prof. Nolte: Buchftaben in einer Buche vom Sabre 1726.
©. 203. Abtheilung für Mathematif, und Mechanik.
Prof. Scherf: über die Verallgemeinerung des milfonifchen Lehrſatzes.
S. 209. Premier: Lieutenant von Kauffmann aus Ko— penhagen: über die Dynamik der Materie,
©. 214. Prof. Scherk: neue Methode, die Zerfällung einer Zahl ufw., durch eine einzige Formel zu erfahren.
Benfpiele vom ehlichen Leben der Störche. Abtheilung für Medicin, Chirurgie und Ge:
zeigt Pflanzen» Mißbi!-
Uftronomie
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Astheilung von Conchyologie. e
Prof. Steenftrup: Ueberficht der Land» und Suͤßwaſſer— Mollusten auf Island. Limnaͤen in Waffer von 43 0 E., bes fehreibt das Thier von Mytilus discors; umhüllt ſich ganz mit Byſſusfaͤden.
Hier kann man billig fragen, was die Zerſplitterung in ſo kleine Fachabtheilungen nuͤtzen ſoll. Die zoologiſche Abtheilung iſt ohnehin beh allen Verſammlungen ſehr ſchwach vertreten ge: weſen. Ueberdieß wollen ja die andern Zoologen auch etwas von den Weichthieren hoͤren. Die Abſonderung iſt alſo in jeder Hinſicht unpaſſend.
©. 228. Abtheilung für Mineralogie, Geognofie und Geographie.
Diefe Vorträge find am zahlreichſten und daher auch befon- ders zu haben,
Die vier Tafeln gehören dazu.
Gonrector Lucht aus Gluͤckſtadt fpricht Über einen Bohrver— ſuch zu einem artefifchen Brunnen, und legt Schicht = Proben big zu einer Tiefe von 478° vor.
©. 226. Dr. Volger aus Göttingen: über den nordifchen Tertiaͤr⸗ Boden.
Dr.-Meyn: über das Vorkommen des Aſphalts im Granit,
©. 232. Dr. Zimmermann aus Hamburg: über die Schichten der Tertiär-Formation bey Nheinbed. Dabey eine Gharte mit Durchſchnitten.
©. 234. Lehrer Noft aus Kiel: über die Gefchiebe und Verſteinerungen Holfteins.
©. 236. Prof, Germar aus Halle: liche Kagerung der erratifchen Bloͤcke.
&. 237. Dr. Bolger defgleichen.
©. 239. Prof. Plieninger aus Stuttgart: über den ver- fteinerten Macrorhynchus. i
©. 240. Dr. Zimmermann legt die Tertiaͤr-Petrefacte ben Rheinbeck vor und befpricht diefelben.
©. 244. Prof. Germar: über Verfteinerungen aus dem Steinfoblen: Gebirge bey Mettin, namentlid über einen auf rechten Baum.
©. 246. Dr. Meyn: über die Genftallifation des Struvits.
©. 2351. Weginſpector Bruhns aus Eutin: Geognoftifche Mierheitungen über Wagrien und Fehmern. Dabey eine Charte mit Durchſchnitten.
©. 257. Prof. Wiebel aus Hamburg: über die ehema: lige und jegige Größe der Inſel Helgoland.
"&. 26%. Dr. Hornbed aus Kopenhagen: Über die mine⸗— ralifchen Worfommniffe auf der Infel St. Thomas.
S. 264. Paftor I. Müller aus Hamburg und Prof. Miebet: über die Entftehung der Struvit-Cryſtalle; follen ſich in alten Cloaken bilden, beftehen aus phophorfaurer Ammoniak:
©. 214.
über die urfprüng-
Kalkerde.
©. 272. Dr. Bolger Über das Erdbeben am 29. July 1846.
©. 273. Kammerratb Kabell aus Oldesloe: über die geognoftifchen Verhaͤltniße des ſuͤdweſtlichen Holfteins. Dabey
eine Charte mit Durchſchnitten und Bohrverfuchen.
©. 276. Pr. Zimmermann: über ein vermeintliches Kalkfloz ben Huͤlshorſt; dabey eine Charte mit Durſchſchnitten und Bohr-Verſuchen.
S. 231. Prof. Forchhammer zeige Augit, ber ſich in Hornbiende und Gramat metamorphofiert bat.
©. 283. von der Intel Hawai.
Seftreden,
gehalten im naturgefchichtlichen Mufenm zu Frankfurt am Main vom Dr. 3. M. Mappes. Frankfurt bey Sauerländer, 1842. 8. 186.
Der Berfaffer gibt hier in einer fehr anziehenden Sprache eine Gefchichte der von Dr. Sendenberg gegründeten Stif— tung, und der vorzüglich durh Dr. Cretzſch mars Eifer im Fahr 1817. zufammengetretenen naturforfchenden Gefelfchaft, woben es fich wieder zeigt, wie aus Kleinen. Anfängen fehnell etwas Großes werden fann, wenn nur wenige tüchtige Männer ernſtlich wollen, und wenn fie fich mit Vertrauen an das Wohl: wollen des Publicumg wenden, welches faft immer bereit ift, feine Hilfe zu gewähren, wenn man ihm nur Zeit und Dit bezeichnet, wo fie gern gefehen und in Ehren gehalten wird. Bey diefen Gelegenheiten hat der Verfaffer die Verbienfte der- jenigen Männer heeausgehoben, welche ſich der naturwiffenfchafts lichen Anftalt mit Liebe und Aufopferung angenommen: haben. Diefe Anerkennung und die Erhaltung des Andenkens ift eine Ermunterung für jeden Lefer diefer wohlwollenden und wahr: heitsliebenden Biographien.
Voran gebt die Lebensgefchichte des merfwindigen Arztes Sendenberg und eine Darftellung feiner Stiftung, fowie der eigentlich daraus hervorgegangenen naturforfchenden Gefellfchaft. Diefer Vortrag wurde gehalten bey Eröffnung des Mufeums im November 1821. Sendenberg gab im Jahr 1763. 100,000 Gulden zur Herftellung eines Krankenhaufes, einer Anatomie, eines chemifchen Laboratoriums, eines botanifchen Gartens und einer Bibliothek. Diefe Anftalten wollten aber nicht recht gedeihen, und giengen endlich durch die Ungunft der Zeit faft zu Grunde, bis im Jahr 1817. durch die Bemuͤhun— gen der Doctoren Neuburg und Cretzſchmar mehrere Freunde zur genannten Gefellfhaft zufammentrafen und durch Sammlung von Beyträgen der Stiftung wieder aufhalfen. Sm Jahr 1821. betrug die Zahl der Mitglieder, welche jaͤhr— ih 1 Carolin zahlten, ſchon 267. Außer den Naturalien, welche nach und nad) angefchafft wurden, hat vorzüglich E. Nüppelt die Sammlung ungemein beteichert mit feltenen
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Prof. Wiebel: über den fadenfoͤrmigen Obfidian
Thieren, welche er auf wiederholten Neifen in Africa zufammenz |
gebracht hatte, und Bethmann hat der Gefellfchaft mit groͤ⸗ ßeren Summen unter die Arme gegriffen, ſo oft ſie derſelben bedurfte, wenn ſie gelegentlich eine ganze Sammlung von einer Thierclaſſe erwerben konnte. Es ſind noch mehrere mit Rath und That der Geſellſchaft beygeſtanden, deren Namen wir un— moͤglich aufzaͤhlen koͤnnen. Das Buch gedenkt derſelben uͤberall mit dankbarer Anerkennung. Dann folgen Jahresberichte bis zum Jahr 1840. und Necrologe oder dankbare Erinnerungen an Gordier, Freyreiß, Völker, Wiefenhütten, Ehr— mann, H. Meyer, Wenzel, Söommerring, Neu: burg, Göthe, Stein, Beder und H. Meyer; im Jahr 1846. noch eine Biograpbie von Cretzſchmar, welcer fich um die Gefellfchaft und die Sammlungen fo befonders verdient gemacht hat, Nicht felten. hat der DVerfaffer mit feinen Jah— tesberichten die Behandlung eines wiffenfchaftlichen Gegenftandes verbunden, wie Über den. Einfluß des Geiftes auf körperliche Bildung, und über den innerften Bau einiger Gebilde des
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menfchlihen Körpers. Man darf diefe Schrift als einen wich ‚tigen Beytrag zur naturbiftorifchen Literatur Deutfchlands bes teachten und zugleich als eine Gefchichte von dem exfreulichen Fortſchritten, welche diefe Wiffenfchaft in der Gunft des Pub: licums gemacht hat.
Populäres aftronomifches Handwörterbuch der Aftronomie,
von Dr. 5. E. Nürnberger, geh. Hofrath. Kempten bey Danns heimer. Heft XIV. XV. 1847. 8. 19, 384, T. 7.
Mir haben ſchon mehrere Hefte diefes ungemein fleifigen und nuͤtzlichen Werks angezeigt und. fünnen uns nur freuen, daß es einen fo rafchen Fortgang bat, und nun. bald vollftändig in den Händen des Publicums feyn wird: denn diefe Hefte gehen fhon: bis Schiefe der Ecliptik. Beſonders ausführlich find be— handelt die Mond :Ungleichheiten, der. Multiplicationd = Kreis, die Nachtgleichen, die Neben= Planeten, die Neigung der Bahn, die Oppofition, die Parallare, das Pendel, die Perturbationen, die Planeten und Planetoiden, die Uchfendrehung, der Saturn, der Schatten. Die Tafeln ftellen vor: die Monds-Dberfläche, den Saturnug-Ning, aſtronomiſche Inſtrumente ufw.
Die Mineralogie leicht faßlich dargeftellt mit Rüdficht auf das Borfommen der Miner talien, ihre technifche Benugung, Ausbringen der Metalle ꝛc., von Tr von Kobell, Nürnberg bey Schrag, 1847, 8, 211, T. 1,
Diefes Werklein ift wirklich fo gefchrieben, wie es der. Zitel befagt, für jederman leicht faßlich, welcher die Kenntniffe der allgemeinen Bildung befißt; wohlgeordnet, kurz und dennoch das Nöthige enthaltend. Woran die Cryſtallographie fehr büns dig vorgetragen mit Abbildungen; fodann ©. 35. die phyfifchen Eigenſchaften; S. 45. die chemifchen mit ftöchiometrifchen Ta: bellen.
©. 44. das Syftem, fo mitgetheilt.
Elaffe . Nihtmetallifihe Mineralien. Ordnung I. Kohlenstoff: Diamant, Graphit, Steinkohlen, Ordnung I. Schwefel.
Ordnung II. Fluoride: Flußfpath, Kıyolith.
Ordnung IV. _Chloride: Steinfalz, Salmiak.
Drdnung V. Nitrate: Salpeter. j
Ordnung VI. Carbonate: Aragonit, Strontianit, Witheit,
Kalkſtein ıc., Soda.
Ordnung VII. Sulphate: Schwerfpath, Glauberfalz, Gyps,
Aaun, Auminit ıc.
Ordnung VII. Phosphate: Apatit, Lazulith, Wavellit, Ralait.
Ordnung IX. Borate: Boracit, Borax.
Drdnung X. Silicate: Quarz, Opal, Granat, Epidot, Me: conit, Seldfpath, Glimmer, Smaragd, Pyroxen, Amphibol, Talk, Zeolithe, Zone, Topas u.
Ordnung X. Atuminate: Korund, Spinell ufw,
Ordnung XII. Eis und reine Hydrate wie Diafpor uſw.
Claſſe I. Merattifhe Mineralien ©. 137.
Ordnung I. Arſenik: Gediegen, Nealgar , Operment, Phatma: colith uſw.
Drdnung Il. Antimon uſw. —
Iſis 1848, Heft 1.
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Diptera Seandinaviae,
disposita et descripta, auctore Dr. Phil. J. W. Zetterstedt, Prof. Lundae sumtibns regiis. VI. 1847. 8. 2163 — 2580. [Sriphiswaldiae apud Koch.]
Obſchon ung Band V. noch nicht zugefommen iſt; fo halten wir es doch der Wichtigkeit wegen für nöthig, den Innhalt diefes Bandes anzuzeigen.
Der Bf. geht, indem er die Arbeiten feiner Vorgänger be: nust, in vielen Dingen, befonders in der Herftellung der Fa— milien feinen eigenen. Gang, wie ein Mann nicht andere thun kann, welcher fo: wieljährige und fo ungemein fleißige Forſchun— gen angeftellt und ein fo großes: Zalent in Auffuchung der Kennzeichen und einen fo großen Scharfjinn in der Anwendung derfelben und im der Aufſpuͤrung der Verwandtfchaften an den Tag gelegt hat. Das bewährt fih auch in dem vorliegenden Bande auf diefelbe gründliche Weife, wie wir es fchon wieder: holt bey den früheren Bänden zu rühmen Gelegenheit hatten. Er erkennt zwar die meiften in der neueren Zeit aufgeftellten Tamilien an, ordnet fie aber anders, und fucht fie befonderg dadurch natürlich zu machen, daß er unpaffende Sippen heraug- nimmt und in andere Familien verfest. Im der Regel zieht er bey der Benennung der Familien die von feinem Landsmann Fallen gewählten Namen den andern vor und zwar mit Recht, da fie mit’ Ausnahme der Latreillifchen die Altern find. Wir haben die Anordnung derfelben ſchon mitgetheilt in der Sfis 1843. ©. 873. Wenn man bedenft, daB im Norden ziemlich) alle europaifchen Mudenfippen ihre Vertreter haben; fo Eann man diefes Werk einen Coder für die Mucken diefes Welttheils nennen.
Diefer Band enthält die Familien 31 —34.: Ortalides, Opomyzides, Heteromyzides et Geomyzides Fallenii. Die erfte Familie hat fhon im vorigen Band angefangen; fie fest fid bier fort mit Sippe 154. Tephritis, wovon nicht weniger als 56 Gattungen befchrieben werden; Psairoptera 4 Sp.; Palloptera 7.; Sepsis 19.; Lissa 15., Sapromyza 35.; Lonchaea 13.; Lauxania 8.; Ulidia 1.
Fam. 32. p. 2370. Opomyzides.
Gen. 163. Calobata 3., Micropeza 1., Loxocera 4., Scatophaga 21., Tetanura 1., Opomyza 6., Tanypeza 1., Chyliza 3., Colobaea n. 1. (Opomyza bifasciella.)
Fam. 33. p. 2430.: Heteromyzides.
Gen. 172. Helomyza 28., Heteromyza 6., Actora 1., Orygma 1., Coelopa 3., Copromyza 16., Limosina 16., Piophila 16., Rhynchaea n. 1.
Fam. 34. p. 2525.: Geomyzides.
Gen. 181. Geomyza 9., Diastäta 5., Drosophila 23., Asteia 3., Stegana 2.
Es folgt alfo noch) die Bearbeitung von Fam. 35—51.
Die bis jegt befannten Arten aus der Familie der NRegenwürmer
als Grundlage zu einer Monographie dieſer Familie, von W. Hoff:
meijter, Braunſchweig bey DBieweg. 1845.) 43, T. 1;
Der berühmte Saviany hat bekanntlich zuerſt im Jahr 1821. darauf aufmerffan gemacht, daß es nicht bloß eine Gattung von Regenwuͤrmern gebe, fondern daß man mehrere unterfcheiden könne Es wurden aber nur kurze Charactere da⸗
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von befannt gemacht, fo daß es fhwer war, biefelben zu er kennen. Der Vf. hat nun die Negenwürmer der norddeutfchen Ebene unterfucht und ebenfalls verſchiedene Gattungen gefunden, welche hier genau befchrieben und recht artig ‚abgebildet werden, ja er ftellt fogar 4 Sippen auf, wovon freylich einige nur fehr wenig befannt find. Won der eigentlichen Sippe Lumbrieus nimmt der Df. 16 Gattungen ald wirklich verfchieden an. Lumbricus agricola, die größte, wird umftändlich beſchrieben, nebft der Lebensart. Der Bf. hat viele Beobachtungen und Verſuche damit angeftellt , welche man mit Vergnügen und Bes lehrung lieſt. Bey den andern Gattungen faßt fi der Vf. Eürzer mit Ausnahme des Lumbrieus communis, welcher über: all verfommt mit verfchiedenen Abänderungen, befonders in der Farbe, Die Übrigen beißen L. rubellus, riparius, olidus, puter, stagnalis, agilis. Der Bf. gibt die Synonyme von Savigny und Duges an, hätte aber wohl beffer gethan, wenn er daraus Namen gewählt hätte, ftatt neue zu machen,
Die andern Sippen heißen Helodrilus, Phreoryctes (Ha- plotaxis), Criodrilus. Eine Erklärung der Abbildungen Eöns nen wir nicht finden. Ob fie wohl unferm Exemplare fehlt! Denn es läßt fi) doch nicht denken, daß fo etwas follte vers geffen worden feyn.
dene de Mammalium Systemate,
Diss. inauguralis in Univ. monacensi, auct. Car. Frid. G. Me- dicus, Lutrinae. 1847. 8. 56.
Der Df. befchäftiget fich hier vorzüglich mit den fogenannten Uebergangsformen, hebt diefelben hervor, und fucht fie gehörigen Orts unterzubringen. Man Eennt zwar diefelben, hat fie aber noch nie zufammengeftellt, wie hiee der Verf., wodurch fie beffer hervortreten und die Weberficht erleichtert wird, Er hat auch überall die Kennzeichen derfelben angegeben, welche an die verwandten Sippen oder Sippſchaften erinnern, und dadurch erhält die Schrift einen eigenthümlichen Werth. Dergleichen Uebergangsformen find Hapale, Nyetipithecus, Galeopithe- cus, Macroscelides, Cladobates, Condylura, Gulo, My- daus, Arctonyx, Ailurus, letides, Cercoleptes, Parado- xurus, Enhydris, Proteles, Otaria, Otolicnus, Tarsius, Petaurus, Amblotis, Echimys, Meriones, Pseudostoma, Bathyergus, Spalax, Saceomys, Tamias, Ptheromys, Chi- romys, Pedetes, Cavia, Bradypus, Ornithorhynchus, Hy- rax, Sus, Camelopardalis, Auchenia.
Es find übrigens alle Sippen nad) den natürlichen Familien aufgeführt und überdieß erleichtern zwey Zabellen die Weberficyt der Verwandtfchaften und der Uebergänge, fo daß man dieſe Schrift nicht ohne Nugen vergleichen mird. Sie kann auf jeden Fall zu einer beſſern Gtaffification der Haarthiere bey: tragen.
x Spftematifcher Inder zu Azaras Paxaros del Paraguay y Rio de la Plata, von Dr. ©. Hartlaub, Bremen bey Echünemann. 1817, 4, 29.
Das Wert von Azara über die Vögel von Paraguay ift eines der wichtigften und nüßlichften über die Glaffe der Vögel, nicht bloß weil ex das erfte und vollftändigfte über dieſes un: befannte Rand ift, fondern vorzuͤglich wegen der mufterhaften
E 68 Befchreibungen, und wegen der Nachrichten Über die Lebensart, Er hat aber leider die Vögel nicht fuftematifch beftimmen koͤn— nen, weil es ihm an den nöthigen Büchern fehlte.
Sonnini bat zwar in feiner Ueberfesung ſich viel Mühe in der Beſtimmung gegeben, indeffen Vieles zweifelhaft gelaffen, und Vieles gar nit herausbringen koͤnnen; ebenfo ift «8 Dieillot ergangen. Einzelne Vögel wurden genauer beftimmt von Zemmind, den Prinzen Mar von Wied, Lichten— ftein, Leſſon, D’Drbigny, Darwin und Tfhudy. Bey alle dem blieben. nody viele zweifelhaft und viele gang unbeftimmt, endlich. find diefe Beftimmumgen in mehreren und meift theuren Werfen zerftreut, fo daß alfo ſchwer nachzukom— men ift. Es war daher ein guter Einfall von Dr. Hartlaub, alle Beftimmungen zu fammeln, zu berichtigen und für die offen gelaffenen die ihnen gebührenden Namen aufzufuchen. Dazu gehörte aber ungeachtet feiner großen ornithologiiden Kenntniffe dennoch auch ein großer Entfchluß: denn es war gewiß Eeine geringe Arbeit, ale von Azara angegebenen Gharactere zu lefen, zu beurtheilen und mit den Befchreibungen anderer Schrift: fteller oder mit den in den Sammlungen aufgeftellten Exem— plaren zu vergleihen. Das Altes hat der Bf. mit raftlofem Eifer gethan und auf diefe Art den Zoologen ihr Gefchäft un: gemein erleichtert, ja eigentlich erft moͤglich gemacht, wofür fie ihm gewiß zu Dank verpflichtet find.
Azara bat nicht weniger als 448 Vögel befchrieben. Dar: unter bat man aber fhon 26 als Weibchen oder jüngere Voͤ— gel entdedt,
Die Schrift ift in Tabellenform mit 4 Spalten. In der erften die fpanifhen Namen nad) der Reihe, in der zweyten die Seitenzahl des fpanifhen Driginals; in der dritten die Seiten: zabl von Sonninis Ueberfegung; in der ten der ſyſtemati— fhe Name, welchen die verfchiedenen Schrififteller gegeben ha— ben. Es find fehr wenig Vögel, welche der Vf. unbeftimnit laffen mußte.
Das ift nun Alles fehr gut, aber es fehlt leider noch etwas ſehr Weſentliches, nehmlich zwey alphabetifche Negifter, eines fuͤr die ſpaniſchen und eines fuͤr die ſyſtematiſchen Namen, und zwar deßhalb, weil das Original unbegreiflicher Weiſe gar kein Regiſter hat, das franzoͤſiſche aber nur eines von den franzoͤſiſch gemachten Namen. Wer nun das Werk raſch benugen will, dem bleibt nichts anders als fich ſelbſt Negifter aus Hart- laub8 Buch zu madhen. Dem würde abgeholfen, wenn der Vf. diefe Negifter ſelbſt machte. Das Büchlein würde faft eben fo did werden wie das vorliegende und koͤnnte daher ebenfo gut felbfiftändig erfcheinen.
Es müßten aber nicht bloß die neueften fyffematifhen Namen hinein, fondern auch die Älteren, wenigftens die von Cuvier: denn wer kann immer wiffen, unter welchem neufabricierten Sippennamen die Gattungen fteden? Es müßten auch die wilden Gattungsnamen binein, wie Sahobii, Pitagua, Pi- cui, Curucau, Teteu, Ipecuturi. Ein Verfehen ift e8 auch, daß das Format in Quart ift und man es daher nicht Eann anbinden laffen.
Fauna der Borwelt mit fteter Berücfichtigung der lebenden Thiere, monographifch darge— ftellt von Dr. C. ©, Giebel. I. 2. 1847. 8, 218,
Den erften Band diefes fehr fleifig und mit Sachkenntniß bearbeiteten Werts haben wir nach Verdienſt angezeigt; ber
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ber vorliegende enthält die Vögel und Lurche, und ſcheint ung ebenfo volftändig mie jener zu ſeyn. Die verfteinerten Vögel find bekanntlich‘ Seltenheiten; indeffen hat ber Derfaffer hier doch mehr jufammengebracht, als wir. erwartet hätten. E83 £ommen vor Raubvögel, Finfen, Naben, Schwalben, Spedte, Papageyen, Tauben, Hühner, Strauße, "Sumpf: und Waſſer⸗ vögel. Voran eine Schilderung des Knochenſyſtems, wobey die Finger etwas ausführlicher hätten brhandelt merden koͤnnen. Bey jeder Familie iſt das Knochenſyſtem wieder beſonders aus einandergeſetzt und das geognoſtiſche Vorkommen im Allgemei— nen angegeben, bey den einzelnen Gattungen beſonders; dabey auch die Literatur und der Wohnort. Es ſind bis jetzt unge— faͤht 60 Gattungen bekannt, ohne die in America gefundenen Zusftapfen, die hier ebenfalls aufgeführt werden.
©. 41. folgen die Lurche, deren Zahl und Sonderbarkeit fehr groß ift.
Ohne die Verfteinerungen wäre e8 nicht einmal möglich, das volftändige Syſtem der Lurche herzuftellen; denn die Ichthyo— fauren und Pterodactylen bilden eingenthümliche Familien, von denen feine lebendig übrig geblieben find. Der Bf. hat auch offenbar diefe Claffe mit Vorliebe und daher fehr genau und volftändig bearbeitet. Es wäre gut, wenn die Citate chrono— logiſch geordnet werden koͤnnten. Das ift zwar in manden Fällen ſehr ſchwer; indeffen fönnte man zufrieden feyn, wenn es in den möglichen Fällen geſchähe; auch wäre es nicht übel, wenn bey den feltenen das Gabinet genannt würde, wo die Eremplare aufbewahrt werden.
Taſchenbuch für — und Schmetterlings- Sammler
von 3. Berge. Stuttgart bey Hoffmann, 1847. JEL. 8. 360. T. 2.
Der Vf. gibt hier eine practifche Anmeifung, Käfer und Schmetterlinge zu. fammeln, zu erziehen, zuzubereiten und auf: zubewahren, wie e8 ung fcheint, auf eine ſehr verjtändliche und nuͤtzliche Weiſe. Er befchreibt und bildet ab die Fanggeräth- fchaften, gibt Anleitung zu ihrem Gebrauh, zur Behandlung der Inſecten nah dem Fange, befchreibt die Geräthfchaften zum Ausipannen, die Käften oder Schubladen, zeigt die Mittel an, die Inſecten wor Zerftörung durch andere Inſecten zu fchligen, und lehrt überhaupt alles, was zu diefer Sache noͤthig ift.
©. 62. folgt ein fpftematifches Verzeihnif aller europäifchen Käfer: Species mit Angabe des Aufftellers und des Vaterlandg; auch find die Eippen der ausländifhen gehörigen Drts einge: tragen, mit Angabe der Zahl der Gattungen, wodurch die Ues berjicht erleichtert wird.
Man findet hier die neueften Cippen aufgenommen. Die Zahl der europäifhen Gattungen beträgt 6586., der auslän- diſchen 15,813.
©. 279. folgen die europäifchen Schmetterlinge, deren Zahl 3918. beträgt; die ausländiihen werden auf 10,000 gefchäst.
Monographia Heliceorum viventium, sistens descriptiones systematicas et criticas omnium hujus fa- miliae generun et specierum hodie cognitorum, auctore Ludo-
vico Pfeiffer, Dr. Casselano. Lipsiae apud Brockhaus, Fase. I. 1847. 8. 160.
- Bon bem Vf. welcher ſich ſchon ſeit Jahren durch ſeine Studien uͤber die Conchylien ruͤhmlichſt ausgezeichnet hat, kann
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man nicht anders als Genaues und Vollftändiges erwarten, Es fcheint ung, daß im diefer Schrift das Möglichfte erreicht ift, befonders in der richtigen Beftimmung und in der unges mein reichen Literatur und Synonymie bey den Gattungen, In diefem Hefte fommen vor Anostoma mit 3 Gattungen, To- migerus mit zwey, Streptaxis mit 23, Odontostoma mit 6, endlich Helix mit 415, noch lange nicht fertig. Der legten Sippe geht eine Zabelle vorher, in welcher nicht weniger als 1132 Gattungen angezeigt find. Daraus fann man ſchon den ungemeinen Fleiß, welhen der Bf. auf das Sammeln ver: wendet hat, ermeffen, wie nicht minder die Kenntniß und den Scharfſinn, welcher e8 ihm möglich machte, eine ſolche Tabelle zu entwerfen. Nur eines wäre dabey zu wünfchen, daß. die Charactere der Gattungen möchten Eürzer gefaßt werden. Eine kurze Befchreibung koͤnnte nachhelfen.
Histoire naturelle des Inseectes.
Apteres par €. Baron Walckenaer et Paul Gervais, Prof. a Montpellier. Paris chez Roret, IV. 1847. 8. 623. Pl.34— 52. (Nouvelles Suites à Bu/fon.)
Diefes Merk ift num nach zehnjähriger Arbeit gefchloffen. Band I. HM. ift angezeigt in der Iſis 1844. 472., Band II. 1846. ©. 559.
MWaldenaer hat fih fein ganzes Leben lang mit dem Studium der Spinnen befchäftiget, und man verdankt ihm eigent= lih das Spftem derfelben, welches gegenwärtig ziemlich allge— mein befolgt wird; auch hat er die meiften nun angenomme— nen Sippen aufgeftellt: denn die nicht angenommenen rühren größtentheild von andern her. Er hat in demfelben Bande viele derfelben eingezogen.
Hier rührt die Einleitung und die Befchreibung der Gattun= gen der Myriapoden von ihm her, die Nedaction dagegen von Gervaisz die reichhaltigen Zufäße dagegen und Supplemente wieder von Waldenaer. In der Einleitung fpricht er vor— züglich Übet die Freßwerkzeuge und fucht fie anders zu beftim- men und zu benennen als Savigny, beffen Anfichten er uͤber— haupt Eeinen Beyfall fhenft, was ung leid thut, weil dadurch den empirifchen Beftimmungen wieder Vorfhub geleiftet wird: denn was foll man bey Drganen denken, welche fo heißen und fo aufeinander folgen:
Levre superieure.
Macheires.
Palpes maxilliformes.
Palpes labiaux.
Levre inferieure.
Mandibules.
Urbrigend hat er die Unterfchiede zwifchen den Freßmerkzeu: gen der Scolopendren, Julen und Polpzoneen genauer ange— geben.
Das Werk felbft beginnt mit der Schilderung der äußeren und inneren Koibestheile und ‚der Entwidelung der Jungen, fpricht über, die geographifche WVerbreitung und die verfuchten Giaffificationen, welche ganz vollftändig mitgetheilt werden.
Die hier befolgte Glaffification fteht fo:
Classis I. Diplopoda. Fam. 1. Pollyxenidae: Pollyxenus. Fam. 2. Glomeridae: Glomeris, Zephronia, Glomeri- desmus.
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Fam. 8. Polydesmidae: Oniscodesmus, Cyrtodesmus, Polydesmus, Strongylosoma, Platydesmus.
Fam. 4. Julidae: Lysiopetalum, Julus, Stemmiulus, Blaniurus.
Fam. 5. Polyzonidae: phonophora.
Classis II. Chilopoda.
Ordo I. Schizotarsia.
Fam. 1. Scutigeridae: Scutigera.
Ordo I. Holotarsia.
Fam. 1. Lithobidae: Lithobins, Henicops.
Fam. 2. Seolopendridae: Heterostoma , Scolopendra, Cryptops, Theatops, Scolopendropsis, Scolopoeryptops, Newportia.
Fam. 3. Geophididae: Scolopendrella, Geophilus. Dann folgen ©. 58. die einzelnen Sippen und Gattungen
mit Characteren, Synonymen und. Befchreibungen, Vaterland,
Mohnort, Größe — namentlich von Leach, Brandt und
Newport.
S. 336. folgen Zufäße zu Band III. ©. 363. Supplemente zu allen Theilen, worinn befonders bie von Koch aufgejtellten Sippen und Gattungen der Spinnen nacdıgetragen werden; ©. 523. folgt eine neue Glaffification der Spinnen.
I. Theraphoses.
Latebricoles: Mygale, Oletera, Calommata, Acantho- don, Cyrtocephalus, Sphodras, Missulena, Fili- stata.
Polyzonium, Siphonotus, Si-
II. Araignees. A. Binoculedes. 1. Crypticoles: Nops. B. Senoculees. : Tubieoles: Dysdera, Segestria. . Capteuses: Scytodes, Oecobius, Rack, Sicarius. C. Oectoculees.