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THE WOLF W. BAUDISSIN ORIENTAL LIBRARY

DUKE UNIVERSITY LIBRARY DURHAM. N. C.

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lle Theoſophiſche Schriffien.

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JACOB BOHMENS

Teutonici Philofophi Alle

Theoſophiſche Wercken.

Darinnen alle tieffe Geheimnuͤſſe GOttes / der ewigen und zeitlichen Natur und Creatur ſamt dem wahren Grunde Chriſtlicher Re- ligion und der Gott ſeeligkeit / nach dem Apo-

ſtſttcoliſchen Gezeugnuͤß offenbahret werden. Theils aus des Authoris eigenen Originalen theils aus den erſten und nachgeſehenen beſten Copyen auffs fleiſſigſte corrigiret. Und | In Beyfuͤgung etlicher Clavium fo vorhin noch nie gedruckt / nebenſt einem zweyfachen Regiſter.

Den Liebhabern Soͤttlicher und Natuͤrlicher Weißheit zum beſten an Tag gegeben.

Zu Amſterdam / Gedruckt im Jahr Chriſti / 1682.

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Vorbericht wegen der Figur.

Je die gange H. Schrift die aus GOttes Munde durch ſeine heilige Lehrer / Propheten und Apoſteln gefloſſen / neben dem eintzigen Lehr⸗zweck der Buſſe und Gottſeelig⸗ keit / faſt durchaus in Figuren / verborgenen Prophetiſchen Re⸗ den / Naͤthſeln und Geſchichten beſtehet / in welchen eigente lich erſcheinen die Wunder Goͤttlicher Weißhett / daß fie das Vergangene erzehlen / das Gegenwaͤrtige vorbilden / und das Zukuͤnfftige andeuten / jedoch alſo / daß weder die grobe fleiſch⸗ liche / noch die eigen witzige ſelbſt⸗ kluge Vernunfft gleich im erſten Antritt ſolche verſtehen oder errathen kan: Denn ſolcher Geſtalt bleibt die Verborgenheit Goͤttlicher Weißheit in ihrer Wurde / und wird nur dem weiſen und verſtaͤndigen Hertzen Urſa n gege⸗ ben nach zu graben und zu ſuchen die Welßheit. Wie ſonſt aͤuſſer⸗ lich das ſchoͤne und glaͤntzende Gold / als der edelſte Leib oder We⸗ ſenheit der gantzen Natur / aus der finftern und groben Erde nach Salomons Sleihnüß Prov. 3. v. 14. außgegraben wird:

Alſo findet man in dieſen Schrifften Goͤktlicher Offenbahrung eine ſolche Tieffe und Reichthumb der Weißheit / dafuͤr alle Ver⸗ nunfft erſinckt; Man betrachte nur die Philoſophiſche Kugel oder das Wunder⸗Auge der Ewigkeit in den 40. Fragen. Pag 27. Item das Radt der Natur im Dreyfachen Leben. Pag. 173. und dann die geheime Deutung der Zeit-Ende im Mytterio Magno, Pag. 241. Ohne was in den Schrifften hin und wieder noch ein⸗ gewickelt bleibt.

Aus welchen wir durch Göttliche Genade erblicket die Idealiſche Geſtalt dieſes Geiſtes / als der Gabe der Offenbahrung dieſer Zeit / und den Ltebhabern der Weißheit zu weiterm Nachdencken in der erſten Figur des Tituls aller ſeiner Wercke vorgeſtellet. Die Deutung derſelben iſt fo unmuͤglich in dieſer Kuͤrtze als uns nöthig zu ſetzen / weil fie in den Schriſſten allenthalben uͤberfluͤſſig erklaͤtet wird / dahin wir den Leſer weiſen / und die Bahn gemacht haben mit den auffgeſuchten Oertern durch alle Tractaten, Capittel und Verfen. - r Jedoch etwas davon nur zu beruͤhren / wollen wir den Leſer er⸗ innern was der Author von den beyden ewigen Principien der Finſtern⸗ und Liecht⸗welt überall handelt / daß fie zwar eine Kugel

in der Sternitaͤt machen / und doch in der Eigenſchafft als ge⸗ ſchieden und ruͤckling gegeneinander ſtehen.

Der ſchwartze halbe Circkel zur Lincken iſt das Principium der nftern Welt / der ſubtile zur rechten / der Liecht-⸗Welt; Der nittelſte als ein Uhr⸗radt / iſt das aͤuſſere Mi ſter inm der Ctea⸗

tion dieſer Welt oder das zte Principium. Die 7 Circkel umb denſelben / da der 7de zu oͤberſt als eine glaͤntzende Sonne erſchei⸗ 2

net / 214378

Vorbericht der Figur.

net / haben unterſchiedliche Deutungen. Als die? Geiſſer GOt⸗ tes / oder 7. Eigenfchanten der Natur. Die 7. Tage der Welt Scheͤpffung mit dem Sabbath. Die 7. Siegel; Die 7. Zeiten / und die 7. Bitten im Vatter Unſer / ic. >.

12. Alſo auch die 12. Zahlen der Stunden werden in den Schriffe ten angezeigt werinn dieſes zu mercken. Die Zahl I. ſo zu oͤberſt auſſerm Circkel in Vertice oder Scheitelzpunct des Uhr circkels ſtehet / deutet Erſtlich an die Goͤttliche Einheit / als den Anfang aller Weſen / oder die Mayeſtaͤt mit der Krehne und Scepter / ohne Wandel eder Berresligkeit / und der Creatur un⸗ begrelfflich / weil es ein Geiſt iſt. Unter dem Necht⸗herunter⸗ wärts durchs E die / Zahl / bezeichnet die Weſenheit oder das heilige Element der Goͤttlichen Leibligkeit / daraus alle Dinge ſind erſchaffen. Zum Andern deutets den Erſten Einigen Menſchen Adam an / den Gott im verklaͤrten Leibe des Liechts oder Paradiſiſcher Eigenſchafſt erſchaffen / und zum Könige oder Herꝛſcher aller Creaturen geſetzt / wie der 8. Pſalm faget : Alles haſtu unter feine Fuͤſſe gethan. Weil er aber die Einheit Gottes verlaſſen / als die wahre Weißheit / und geluͤſtet nach Klugheit der Erkaͤntnuͤß / da Boͤſes und Gutes vermenget iſt / fo hat ihn auch der Geiſt der ſichtbaren Natur ergrieffen und in das wandelbare Nadt der Zeit und Eitelkeit gefuͤhret / daß er iſt von feiner Höhe und Wuͤrde gefallen: wie ſolches der Spiritus Mundi noch dieſe Stunde und biß ans Ende der Zeit / an allen

Uhr ⸗circkeln in der Welt mit , Dane öffentlich « zwar abbildet / aber von Niemand bedacht oder verſtanden wird. Zum Dritten bedeuts den Namen JESUS, als die hoͤchſte Liebe der Einheit G Ottes / der ſich in des gefallenen Men⸗ ſchen Tod gegeben / und ihn wieder zum geben erbohren / der hat das verlohrne Reich des Menſchen wieder erobert / iſt Auff⸗ gefahren gen Himmel / und hat den Koͤniglichen Locum des Para⸗ deiſes wieder eingenommen / herꝛſchet jego im Geiſte der Glaͤubi⸗ gen / und wird uach Vollendung der Zeit mit ihnen als ihr Koͤ⸗ Ai und Goͤttlicher Monarch des Friedens herꝛſchen in alle Ewige’

Selk.

Zum Dierdten find mehr andere Deutungen der Vorbilder Chriſti in den Ertz⸗vaͤttern Iſaac / Jacob / Iuda / Iofeph ac. die gulhren benennten Oertern zu finden.

Oer folgende Circkel zue lincken Fand abwaͤrts / da die Zahl

j 2 und 3.

4

Vorbericht der Figur.

2. und 3 eingeſchloſſen / iſt abgeſchieden von dem oͤberſten hell⸗ leuchtenden Circkel / daß er ihn nicht ruͤhret / deutet ſchon neben ren folgenden an die gezweyete oder zertrennte Eigenſchafften der gefallenen Menſchlichen Natur] als die Wuͤrckligkeit der Boß⸗ heit / wie zu ſehen an Cain dem zten Menſchen / welcher ſich über den dritten ſeinen Bruder Abel, aus Hoffart / Ehrgeitz und Neid geſetzet / und ihn ermordet / alſo hat dieſes Geſchlecht die Welt durch Rach⸗Schwerdt eingenommen / und iſt durch alle Zeiten je länger je ſrucht barer worden im Fluch auff Erden.

Daß aber die Strahlen des ober ſten Circkels dieſen noch durch⸗ dringen / deutet an das eingeleibte Senaden-Wort im Bunde der Verheiſſung des Schlangen-tretters / als das heilige und from⸗ me Gemüth Abels / und aller nachfelgenden heiligen Erg⸗vaͤlter / Lehrer und Propheten. 8

Das Augeim Mittel-punct des Uhrwercks und Zeisers im fen: rigen Triangel mit dreyfaͤchigem waͤſſerigen Triangel eingefaft / und mit einem Liecht⸗Schein umbfangen / deutet an das Ange Gottes / und auch das Auge des Menſchen im Ternario Sa: &o, dadurch G Ott ſtehet / und der Menſch die Geheimnuͤſſe SOttes und ſeines Willens nach Geſtalt dieſer Zeit offenbahret / wie nahe die Zeit zum Ende gelaufen / und Hicmtt die ſtebende Poſaune ge⸗ blaſen wird / daß das Geheimnuͤß des Reichs GOttes fell vollen⸗ det und offenbahr werden / wenn Babel duſchs Feuer⸗Schwerdt der 3 verſchlungen / und aller Fluch der Eitelkeit verzehret

wird.

Das Alphabeth inwendig herumb / bezeichnet die eröffnete Natur Sprache / davon im My ſterio Magno und andern ange⸗ zeigten Orten nach aller Genuͤge die Wunder GOttes eroͤrtelt / all hier nicht noͤthig. N 5

Und wie dieſe Erſte nur auffs kuͤrtzeſte hiemit beruͤhret / alfo wollen wir in den folgenden ſpecial Figuren jedes Buchs nach dem Titul gleicherſtalt deren eigentliche Deutungen in den Büchern ſelbſt anweiſen / da die Krafft des Worts dem Gott⸗ liebenden Leſer mehr wird eröffnen und ins Hertz dringen / als dieſe geringe Zeug nt oder Zierde / die wir doch auch aus Gottes Liebe uns geſchenckt empfangen / und aus diefem Quell geſchoͤpfft haben / dem Schr aber nur zum nachdencklichen Anblick umb weiterer Forſchung halben beygefuͤgt.

We bey noch dieſes wenige zu erinnern: Daß ob zwar die Ge⸗ ſtalt der Ewigen Goͤttlichen Gebaͤhrung und Offenbahrung durch die zwey Principia der Finſternüß und des Lichts / ſamt allem mes Geiſtlich und verborgen iſt / nicht kan abgebildet werden; Denn / was in einander iſt und bleiben muß und doch eins dem

- 3 an⸗

214378

Vorbericht der Figur.

andern unbegreifflich / unfaßlich / und un vermengt / oder durch eine Kluft einer gang andern Gebuhrt entſchieden / hat keine Gemein ſchafft mit einiger Bildung. Jedoch aber nach dem Grad der Præeminentz oder Fuͤrtreffligkeit des Guten / wird alle Bil⸗ dung durch das T gemacht / welches der Haubt⸗ grund iſt aller Signatur oder Bezeichnung der Ewigen / Goͤttlichen / und Zeit⸗ lichen Bebuhrt aller Weſen / in Auff und Ab / in Oben und Unten / in Liecht und Finſternuͤß / in Geiſt und Leib / in Leben und Tod / in Feuer und Waſſer / in Lufft und Erden ꝛc.

Endlich iſt dieſes noch zu mercken bey des Authoris eigener Ftaur der Philofophif hen Kugel in den 48. Fragen / daß allda die Pr inc ipia verkehet loeirt oder geſetzt ſ ynd / da das Erſte Prin- eipium der Finſternuͤß nach Geſtalt der Ordnung des Juͤngſten Gerichts zur linden Handt ſtehen ſollte / hier zur Rechten / und das Liecht zur Lincken ſtehet / iſt nicht auſſem Faͤhler geſetzt / ſon⸗ dern wegen der Ordnung des Leſens umb der eingeſetzten Namen

eder Wörter willen / die nach Schreib⸗art der Teutſchen Spra⸗

che von ſich oder außwaͤrts / und nicht (wie bey den Juden) ein⸗ waͤrts geleſen werden. Der aber den Sinn im Verſtande faſſet / kan ſolches leicht zugeben / ſonſt hat ſie der Author in der Tabell an Hin. Gottfried Freudenhammer bey ſeinem 47. Send⸗ brieff recht geſetzt.

Die

sl Ze >

1

3.

Vorbericht der Figur.

Die Theile der Erſten Titul Figur

zu betrachten ſind dieſe: Von der gantzen Figur des Titels.

Aurora. Cap. 18 v. 92. 5 Drey Principia. Cap. 9. v. 8/9. Cap. 23. v. 34. Cap. 18.

v. 2/63. Dreyfachen Leben. Cap 6. v. 8/91 1% 1.

Der groſſe Uhr⸗eirckel ohne Umbſtaͤnde zu betrachten.

Drey Principia Cap 27. v. 6.

Dreyfachen Leven. Cap. 4. v 25 / 31. Cap. 5. v. 1217.

Viertzig Fragen von der Steele. Eeſte rage. v. 41 218. zoſte Fr. v 19/20.

Genaden⸗Wahl. Cap 2. v. 27. Cap 4. v 10/8/18. Cap. / v. 15. Cap. 6. v. 29. Cap. 7. v. 5. Cup. 8. v. rz

N 26/4.

Signatura Rerum. Cap. s v. 1. Cap. 13. v z. Cap. 4 v 21. Cap 15. v. 49. Cap. 16 9 ıı

My ſterium Magnum. Cap. 6. v. 10. Cap 8 v. 31. Cap. 10, v. 50. Cap. 12. v. 33. Cap, 14 v. 12. Cap. 37. v. 11/14.

Zweyte Apologia contra Balthaſ. Tilk. v. 9/93.

Die zwey groſſe halbe Circkel der zwey | Principien. Aurora Vorrede v. 9/15/2328 /687/6 %% 53/78/79 Cap.: v. 2. Cap 2. v. 7/4/76 /. Cap 9. v. 46. Cp 13 v. 72. Cap. 19. v. 93.

Mit den zwoͤlff Zahlen.

Dreyfachen Leben. Cap. 9 v. 64/6/67 70, M. ſter. Magnum. Càp. 77. v 60. biß 71. *

4 5. Die

5.

Vorbericht der Figur. Die fieben Circkel.

Aurora. Cap. 21. v. Co-

Dreyfach Leben. Cap. 3. v. 38/39/40/41/42/43/44/41146/ 47l49/50. Cap 5. v. 4 145/40/47l48/61. Cap. 9. v. 70. Cap. 16. v 49/2

Viertzig Fragen von der Seele. Erſte Fr. v. 76. biß 83.

Genaden⸗Wahl. Cap. 4. v. o. N

My ſter. Magn. Cap. 1. Cap. 13. Cap. 14. Cap 15. Cap.

16. v. 6. biß 8. Cap 17. v. 8/9. Cap 29, v. 52. biß 9.

Cap. 30. v. 1. biß 21/26 / 32/ 33/ 34. biß 47/50/54. Cap. 31. v. 38. biſ 45. Cap. 3 2 v. 15/16/21, Cap. 35. b. 20 21. Cap. 41. T1. 337/38. Cap. 51.

V. Cap. 38. v. 3 . Cap. 73. v. 16. Gettl. Offenhahrung. Fr. 2. v. 9/10/11.

Der ſtebende oͤberſte Eirckel wie ein Son⸗ nen⸗ſchein.

Aurora. Cap. 14. v. 36. Cap. 10. v. 74/5. Cap. 26. v. 120.

Cap. 11. v. 8.

Dreyfachen Leben. Cap. 3. v. 78/90/81. Cap. 5 v. 11/120

4% 8. Cap. 6. v. 17, Cap. 15. v. 13 Myſter. Magnum. Cap. 16. v. 2. / 6/7/18. Cap 17. v. 8½. Cap. 32 v. 12 Cap. 37. v. 24. Cap. 41. v. 36/37 / „„ // 71. Cæp. 40. v. 52. Goͤttl. Offenbahrung. Fr. 2. v. 10.

Das J. im oͤberſten Circkel.

Aurora. Cap. 4. v 38. Cay. 18. v. C0 / 51 / Cg. Cap. 19. v. 37/37/37. Cap. 20. v. 74/75. Cap. 2x. v. 25. Cap. 2 2, D 63.

Drey Pri cipia. Cap 14. v. 39. Cap. 18. v. 37. Cap. 22. v 83/84/8087. Dreyfachen Leben. Cap 5. v. 121 / 122. Cap. 13. v. 31/38.

Cap. 18. v. 21. Viertzig Fragen von der Seele. Fr. 1. v. 183. Genaden⸗Wahl. Cap. 16. v. 49.

Signatura Rerum. Cap. 10. v. 11.

My ſte.

Vorbericht der Figur.

Myſterium Magnum. Cap. 17 v. 33. Cap. 30. v. 19/50. Cap. 32. v 12. Cap. 35. v. 19. Cap. 3%. v. 57. Cap. 37. v. 33/0 Cap r. v. / 4/5. Cap 5.

v. 4/443. Cap. 5 3. v. 24/26/26. Cap. ci v 7/8,

Cap. c8. v. 41/4. Cap. 76. v. 49/56/51. Cap. 77.

2 v. 72. Goͤttl. Offenbahrung. Fr. 1. v. // 3. Fr. 2. v. 1. biß 7/10. Fr. 12. v. 18. a

8. Der gruͤne Ohl⸗zweig daran. Aurora, Vorrede. v. 34/53 59/ .

Dreyfachen Leben. Cap. 16. v. 43. Signatura Rerum. Cap. 10. v. IL,

9. Das Auge im 7denCirckel unter der Crone.

Goͤttl. Offenbahrung. Fr. 2. v. S/ 11/12/13. Genaden⸗Wahl. Cap. 10. v. 9.

10. Die Crone.

Aurora. Cap. 11. v. 43. Cap. 8. v. 75. Dreyfachen Leben. Cap. 18. v 20.

11. Der Scepter.

Myſter. Magnum. Cap. S5 v. 17/18. Cap vc. v. 4950.

a2. Das Auge im Mittel-punct des Uhr⸗ Circkels.

Aurora. Cap. 7. v. 11. Cap. 9. v. 48. Cap. 11. v. 6 / 70ſ/ 71/72176/77/78.79. Cap. 12. v. 118. Cap. 19. v.13 / 98. Cap. 22. v. 51. Cap. 25. v. 48/49/50. Cap 27. V. 132/135.

40. Fragen. Erſte Fr. v. 18/41/48. 17. Fr. v. 22.

Menſchw. Ehriſti / wweyter Th. Cap. 7. v. 1//ö3/ 40/7/80.

Signatura Rerum. Cap. 3. v. 9/ 10.

Myfter. Magnum. Cap. 41. v. 68. Cap. 42. v 19.

Erſte Apolog. contra Balthaſ. Tilk, v. 254/720 / 633.

Vorbericht der Figur.

1 z. Daſſelbe Auge im Feuer⸗ und Waſſer⸗ Triangel, im Centro des Creutzes.

Aurora. Cap. 11. v. 68 / 76/ 78/ 79/ Lo. Cap. 12. v. 118. Cap. 25. v. 50. Cap. 25. v. 133 / 135. Dreyfachen Leben. Cap. 2 v. 91. Cap. 4. V. 2. Cap. 5. v.34 / 55/4 ½¾ö8/ 142. Cap. 8. v. 28. Cap. 15. v. 3. Vierzig Fragen. Erſte Fr. v. 85 / 222. 24ſte Fr. v. 19.

zo te Fr. v. 9. Menſchw Ehriftiy erſter Theil. Cap. 6. v. 9. Genaden⸗Wahl. Cap. 4. v. 2. Cap. 12. v. 65. 5 Myſterium Magnum. Cap. 3 1. v. 27. Cap. 67. v 9 / 10/11. Cap 68 v. 32. Denen ier Eſa. Stieffel. v. 129% 131/133. 8 Erſte Apol. contr. Balthaſ. Tilken. v. 191/ 509% 64%

14. Der innere Circkel⸗ſchein im Uhrwerck umb den Triangel.

Aurora. Cap. 2. v. 118 Cap 16. v. 24. Dreyſachen Leben. Cap. 3. v 7. Cap. 5. v. 49. Vlertzig Fragen. Erſte Fr. v. 48.

Bedenken uͤber Efa. Stiefel, v. 133.

15. Das Alphabeth.

Aurora Cap 19 v. 75/6. Cap 20. v. oo / 91.

Drey Principia. Cap 18. v. 63. } h

Drey fachen Leben. Cap. 2. v. 2. Cap. 5. v. 85. biß 90. Cap 9. v. 67/9 Cap. 18. v. 44/5.

Myſter- Magnum. Cap. 0 v. 52. Cap. 35. v. 1/13/48 / 49. biß 77. Cap. 36. v. 5/6/7110/16/19/28/33/38. biß 50 / 76. biß 79. Cap. 39. v. 4/ 6/8/ 14/15/33. Cap. 48. v. 25. Cap. 52. v. 43. Cap. 60. v. 49.

Irꝛdi ſch und Him̃liſch Myſter. 7de Text. v. 43. biß 47.

Soͤttl. Offeubahrung. ste Fr. v. 18/20/22/23/24·

Wieder⸗gebuhrt. Cap. 7. v7,

Zweyte Apolog. contra Balthaſ. Tk. v. 297/295 / 299 300, 10/505,

16. Der

Vorbericht der Figur.

16. Der Zeiger / deſſen Ober theil eine Lilie / ift | der untere eine Poſaune. Erſte Apologia contra Balthaf, Tilk. v. 644.

17. Vom obern Theil oder Lilie / welche nahe an die Zahl I reichet.

Aurora. Cap. 12. v. 119. Cap. 26. v. r2o.

Drey Principia. Cap 8. v. 14. Cap 10. v. 33. Cap. 11. v. 28. Cap 13. v 61. Cap. 14. v. 39/8. Cap. 17. v. 38. Cap. 19- v. 66. Cap. 27. v. 5 / 104

Myfter. Magnum. Cap. 1. v. 44. Cap. 22 v. 10.

Erſte Apologiaſ contra Balthaſ. Tilken, v. 305 / 664.

Send⸗ briefe. Pag. 285 / 286 / 362.

18. Vom untern Theil der Poſaune welche faſt an die de Zahl reicht.

Dreyfachen Leben. Cap. 4. v. 2. Cap F. v. 12/148. Cap. 6 v. 17. Cap. 9. v. 100. Cap. 13. v. 40. Cap. 18.

v. 14.

Zweyter Theil der Menſchw. Chriſti. Cap. 1. v. 2.

Signat. Rerum. Cap. 12. v. 14.

Myſterium Magnum. Cap. 40. v. 87. Cap 41. v. 58 / 65 / = ee v.52/ 69/71. Cap. 44 v.12/13. Cap. 45. v. 13. Cap. 46. v. 32.

Gekaſſenheit. Cap. 1 v. 54.

Wieder⸗gebuhrt. Cap. 2. v. 24.

Bedenken über Efa. Stieffel. v. 132.

Send⸗briefe. Pag. 156 / 200.

19. Der Zedel umb die Poſaune an die Ju— den / Chriſten / Tuͤrcken / Heyden.

Aurora. Cap. 23. v. 67. Drey Principia. Cap. 25. v. 72. | Myfter, Magnum. Cap. 41. v. 53 / 66. Cap. 45. v. 14.

251 20. Das

| Vorbericht der Figur. 25. Das Feuer⸗Schwerdt aus dem Erſten

Principio.

Aurora. Cap. 12. v. 50/69. Cap. IF. v. 24/ 27.

Drey Principia. Cap. 40 v. 103. Cap. 20. v. 135. Cap. 22. v. 90. Cap. 23. v. / 60. Cap. 27. v. 90 / 104. Cap. 26. v. 34. a

Dreyfachen Leben. Cap. 15. v. 13.

Myfterium Magnum Cap. 27. v. 26. Cap. 29. v. 69. Cap. 31. v. 27/28. Cap. 37. v. 14. Cap. 43. v. 70 71. Cap. 70. v. 30. Cap. 28. v. 1/18.

Irddiſch und Himliſch diy ſterium Text. 9. v. 4/6.

Wieder⸗gebuhrt. Cap. 2 v. 24.

Bedencken über ER, Stieffel. v. 13 f.

Auff⸗

Aufftrag An den

e

reundlicher / guthertziger unparthey⸗ 8 ſcher Leſer.

S iſt billig daß ein e koſtlicher und theu⸗ Nr rer Schatz in treuen y Schutz gebracht wer⸗ de / da er nach ſeiner I Würde mag auff⸗ge⸗ nommen und wohl be⸗ ä O wahret ſeyn. | Nun findet man Gold / Silber / Evel-geftei- ne in der Koͤnige und Fuͤrſten Haͤuſer / und die dem Reichthumb nachjagen eroͤbern auch ih⸗ ren Theil / und ſperren es in ihre Kaͤſten / daß ſie zur Zeit der Noth deſſen genieſſen / und im Frieden auch herꝛlich damit erſcheinen. | Das Reich Gottes aber findet man weder bey Herode, Pilato noch Caipha, ſondern bey den unmündigen Kindlein und einfältigen Hertzen / weiche ob fie fi chon weder mit W 7 oe

Aufftrag

Gewalt und Staͤrcke gewaffnet I noch mit Klugheit und groſſer Vernunfft begabet / noch mit Ehr / Winde und Anſehen bekleidet / noch mit Reichthumb verſehen / dennoch von GOtt erwaͤhlet / daß Er feine Hütte in ihnen auffrich⸗ tet / und feine Krafft / feinen Heiligen Geiſt / feine Göttliche Weſenheit) fern Liecht / feine Weißheit / ja gar ſeine Geheimnuͤß ihnen ver⸗ trauet / und ſein Hertz in ihre Hertzen leget / daß fie es bewahren / und dadurch auch bewahret und bewehret werden.

Solches iſt nicht noͤthig weitläufftig zu be⸗ weiſen / ſintemahl die gange Heil. Schrifft mit ihren Geſchichten / Thaten / und Worten genugſam bezeuget / wo und in welcherley Ge⸗ faͤße GOTT feine Schaͤtze pfleget zu legen: Nehmlich das Wort ins Fleiſch) Chriſtum in Viehſtall“ das Perlein in Acker das Reich Gottes in die Kindlein / und die Geheimnuͤſ⸗ fe in die einfaͤltige Apoſteln; die entweder gar nicht / oder kaum Leſen und Schreiben koͤn⸗ nen / wie Chriſtus ſelbſt hierüber feinem Him̃⸗ liſchen Vatter dancket / und ſein außerwaͤhlter Nuͤſtzeug Paulus aus eigener Erfahrung nach⸗ ſtimmet / da er ſaget: Nicht viel Weiſe nach dem Fleiſch / nicht viel Gewaltige I nicht viel Edle ſind beruffen / ſondern was thoͤricht und

ver⸗

an den Leſer.

veracht iſt / das hat er erwaͤhlet / auff daß er die Weiſen zu Schanden mache / und was ſchwach iſt für der Welt / das hat GOtt erwaͤhlet / daß er zu ſchanden mache was ſtarck iſt / und das Unedle vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwaͤhlet / und das da Nichts iſt / daß er zu Nicht mache / was Etwas iſt / auff daß ſich vor ihm kein Fleiſch ruͤhme.

Dieſe angezogene Pauli Worte neben vielen andern der Heil. Schrifft Einſtimmigen / ſind nun durch die lange Zeit veraltet / haben das Anſehen und den Glauben erlaͤnget / daß es Gott geredet habe / und werden auch gruͤnd⸗ eigentlich und billig GOttes Worte geheiſſen /

weil fie aus dem Geiſte Chriſti gefloſſen der in ihm war / nach ſeiner eigenen Erklaͤrung. Wir haben nicht empfangen den Geiſt der Welt / ſondern den Geiſt aus Gott / daß wir wiſſen koͤnnen / was uns von Gott gegeben iſt / wel⸗ ches wir auch reden nicht mit Worten / welche Menſchliche Weiß heit lehren kan / ſondern mit Worten die der Heil. Geiſt lehret / und richten geiſtliche Sachen geiſtlich 1 Cor. 2. v. 12. 13. und weiter daſelbſt Cap. 7. v. 40. Ich habe auch den Geiſt GOttes ꝛc. Daß alſo Niemand in der heutigen Chriſtenheit ſeyn wuͤrde ( ohne die freye und freche Athei) der ſie mit aa > ollte

Aufftrag

ſollte anfechten / oder in geringerm Werth hal⸗ ten / weil ſie von Hohen und Niedrigen / von Koͤnigen und Unterthanen angenommen / in Tempeln und Kloͤſtern geprediget / und allent⸗ halben bekannt und in Ehren ſind.

Wann aber unſere Zeit ſo weit zuruͤck in der ſeinen ſtuͤnde / da das Wort noch neu war / und der Geiſt ein Erſtling: So wuͤrden wir ein ſeltzames ſehen / wie es damahls von der Welt angenommen / ſonderlich von denen die GOt⸗ tes Wort lehreten / und dem Volck predigten / welch ein Danck und Lohn er davon gebracht / wie 2 Cor. 11. v. 23. 2c. und ſonſt anders zu ſehen.

Es iſt aber mit ihm als allen andern Apo⸗ ſteln und Geſandten Gottes zu ihrer Zeit auch kein neues geweſen; Denn denſelben Proceſs haben vor ihnen alle Propheten und Maͤnner Gottes von der Welt her erfahren / die die Perle feil boten; Ja die Perle ſelbſt / GOTT im Fleiſch / JEſus Chriſtus der Eingebohrne Sohn des Vatters hat es nur ſo haben ſollen / und fuͤr alle groͤſſeſte Thaten und Wunder ſei⸗ ner Liebe und Barmhertzigkeit mit Berfol⸗ gung / Schmach / und bittern Tod bezahlet werden muͤſſen.

Die tieffe Grund urſachen ſolcher uuſinni⸗

gen

an den Leſer.

gen Undanckbarkeit zu geſchweigen / weil ſie in folgenden Schrifften genugſam erklaͤret wer⸗ den / iſt / daß man die Perle nicht kennet / und von ihr auch nicht erkannt wird / denn wehm ſie ſich offenbahret / der kennet ſie erſt; und faͤngt ſie an zu ſuchen / wenn er ſie hat: und hat ſie nicht ehe biß er alles ſeinige daran ſetzt / und den Acker zum Eigenthumb an ſich kaufft; wie dann die Perle ſolchen ihren Werth ſelbſt ge⸗ ſetzt da ſie ſpricht: Wer nicht verlaͤſſet Vat⸗ ter / Mutter / Schweſter / Bruder / Acker / Haus / und alles was er hat / der iſt meiner nicht werth.

Darumb faͤhlets uns nur am einfaͤltigein Auge und ſcharffen Verſtande / daß wir die Perle kennen / ſuchen / und lieben: ohne das verbirget ſie ſich / und laͤſſet uns blind und thumb bleiben / daß wir meynen die Perle ſey eine veraͤchtliche Erbſe / der Demant ein gemeiner Kieſel / und der Rubin ein ſtuͤck vom liederlichen Ziegelſtein / verachtens / trettens mit Fuͤſſen / hoͤhnen / verfolgen / und toͤdten die fie uns feil bieten als Betrieger und Ver⸗ führer. |

Das machet alles unſere große Blindheit / daß ihre Krafft und Herzligkeit / ihr zahrter Glantz und Schoͤnheit / uns unbekannt 165

er

Aufftrag

der Ort / da ſie liegt / verborgen iſt. Wir ſuchen fie in der Hoͤhe: So iſt Sie in der Tieffe. Oben anff den hohen Stein⸗felſen: So iſt Sie im niedrigen Thale. In groſſen Kir⸗ chen / Tempeln / Synagogen und Academien: So liegt Sie im gemeinen Acker. Bey den Weiſen und Klugen / Schrifftgelehrten / Rabbinen / Doctoren, Theologis: So iſt Sie bey den unmuͤndigen Kindlein und ein⸗ faͤltigen Bauren / Fiſchern und Handt⸗ werckern. In viel Sprachen / Büchern und Buchſtaben: So iſt ſie nur in der einigen Zunge im Geiſte und verborgenem Wor⸗ te des Lebens. In Heydniſchen Kuͤnſten der Logica, Rhetorica, Dialectica, Metaphy- ſica: So ſchlieſt ſie ſich auf im ſtillſchwei⸗

en der Sinnen / im Gebeth / Suchen und Anklopfen. Durch Dilputiren / Zane⸗ ken / Streiten und Wuͤrgen: So liegt ſie im Schoß des Friedens / im Heil. Geiſt / in der Liebe / Demuth / und Gelaſſen⸗ heit. In fleiſchlichen Lüften und Begierden: So findet man ſie in Abſtinentz / Faſten und Bethen. Mit groſſen Studir⸗koſten: So gibt ſie ſich aber aus Genaden umb⸗

onſt. Hieraus erſcheinet nun die aa er⸗

an den Leſer.

Verfolgung und des Todes aller Propheten und Apoſteln / die GOtt jemahls geſandt und mit dem Geiſt ſeines Perleins begabet von Anfang der Welt her biß auff dieſe Zeit / in welcher wir eben daſſelbe ſehen und empfinden / was die Alten erfahren / und Chriſti Worte be⸗ zeugen / da er uͤber die Lehrer Iſrael feines eige⸗ nen Volcks als die Schrifftgelehrten und Pha⸗ riſeer Wehe ſchreyet / indehm ſie ſich rechtfer⸗ gen und unſchuldig ſeyn wolten am Blut der alten Propheten / da fie ſagen Matth. 23. Waͤren wir zu unſer Vaͤtter Zeiten geweſen / wir haͤtten mit ihnen keine Gemeinſchafft ge⸗ habt am Blut der Propheten. Waren den⸗ noch Kinder der Propheten Moͤrder / und zier⸗ ten die Graͤber der Propheten mit falſchem

obe. Solches wie geſaget / ſtehet man heute zu dieſer unſerer Zeit / da Chriſti und ſeiner Apo⸗ ſtel Lehre mit dem Buchſtaben in groſſem Kirchen ⸗pracht zierlich und kuͤnſtlich gepredi⸗ get / durch viele Ceremonien und aͤuſſerliche . in Tauffen / Beichten / Abendmahl / ingen / Klingen / Glocken / Orgeln und Pfeif⸗ fen geehret wird. Im Geiſte aber unerkannt; in der Krafft verlaͤugnet / im Fleiſch verſchmaͤ⸗ het / verſpottet / und verfolget wird: N $ 165

Aufftrag

Dieſes laͤſſet uns GO T D durch ein offen⸗ bahres Exempel ſehen an dieſem niedrigen und geringen einfaͤltigen und unmuͤndigen / doch hochbegnadeten und außerwaͤhlten Ruͤſt⸗ zeug dem Jacos BöHMmEn. Der das Ge⸗ heimnuͤß der Zeit mit dem Auge der Ewigkeit auffſchlieſt / und hiemit auch beſchlieſt / der muß jetzt durch den Rath Gottes die Perle noch eins und zu letzte / der Welt zu ihrem Heyl und Seeligkeit anbieten / und in ihrem Glantz eroͤffnen die Tieffen GOttes und ſeiner Weißheit. Den Urſprung alles Lebens im Abgrund der Finſternuͤß und des Liechts. Die Schoͤpffung der Engel. Den erſten Fall Lu⸗ cifers als Uhrhebers alles Boͤſen. Die Schoͤpffung dieſer Welt. Den andern Fall des erſt⸗geſchaffenen Menſchen Adams mit allen Geheimnüſſen. Die Urſache des Streits und Widerwaͤrtigkeit / des Todes und Verder⸗ bens in allen Creaturen / ſonderlich aber der Suͤnde / Boßheit / Blindheit und Feindſchafft des Menſchlichen Geſchlechts wider Gott / und was je unter den Siegeln Gottes von der Grundlegung der Welt her iſt verborgen ge⸗

weſen / offenbahren. Das ſollten billig unſere Lehrer zuerſt er⸗ kennen / daß der Herꝛ einen Bothen des Frie⸗ | dens

an den Leſer.

dens ſendet / der das Ende aller Mühe und Streits / und das ewige Heyl der Ruhe ver⸗ kuͤndiget; Aber fie find Kinder ihrer Vaͤtter / und Erben ihres Geiſtes / zu widerſtreben Gott und ſeinem Geſalbten in ſeinen Glie— dern. Nun muß man wieder das alte er⸗ neuern / die Graͤber des Apoſtoliſchen Geiſtes fein ſchmincken / zieren / ruͤhmen / predigen. Nicht viel Weiſe nach dem Fleiſch / nicht viel Gewaltige / nicht viel Edle ſind beruffen / ſon⸗ dern was thoͤricht und veracht iſt ꝛc. wie die Worte da weiter ſind. Aber dagegen mit dem Hertzen und Gemuͤth: Wer iſt dieſer 2 Sit er nicht eines Zimmermanns Sohn? Iſt er nicht eines Bauren Sohn / ein veraͤchtlicher Schuſter / der nicht ſtudiret hat noch zum Ma- giſter oder Doctor promoviret iſt? Es iſt nur ein Fantaſt / Enthuſiaſt, ein Betrieger und Auffruͤhrer (der einen neuen Streit des Gei⸗ ſtes wieder das Fleiſch lehret) darzu ein Ver⸗ aͤchter des Sabbaths (unſer fleiſchlichen Ru⸗ he und Sicherheit.) Laſt uns ihm den Lohn geben / wie unſere Groß Vaͤtter den Prophe⸗ ten / und unſere Vaͤtter den Apoftelu / daß fein Name unter dem Volck ein Greuel / und ſei⸗ ne Gedaͤchtnuͤß bey unſern Kindern (die aus unſern Buchſtaben / Predigen / Gloſſen, Com-

men-

Aufftrag

zn gezielet werden) in der Schmach eibe.

Alſo muß die Perle wieder zu Acker / und Chriſtus zu Schmach / E Tod und Grabe gehen / und daſelbſt verborgen bleiben / biß die Geheimnuͤß der Todes⸗zeit der zwey Taͤge und Naͤchte erfuͤllet / da ihn der Heilige Geiſt in ihm ſelbſt in feinem dritten Tage und Se- culo zum Leben auffweckt / und auff den Thron ſetzt / daß Er richte die Lebendigen und die Toden / wie ihm dann der Vatter alle Macht und Gewalt gegeben hat uͤber Himmel und Erden.

Da wird der Acker zuletzt auffgegraben / und die Perle offenbahr werden: Die ſchwar⸗ tze todte Erde wird ihren Mund auff⸗thun / und helffen richten das verkehrte Menſchliche Hertz / denn ſie hat ihren Gaumen auffgeſper⸗ ret / und der Sternen Krafft an ſich gezogen / daß fie möchte vom Himmel ſchwanger wer: den / und fchöne Früchte gebaͤhren / zu Lobe des Schoͤpffers. Die ſtumme Baͤume / und das lebloſe Graß mit allen Blumen und Gewaͤch⸗ ſen werden zeugen / denn ſie haben ihren

tund auffgethan nach dem Thau / Regen und Sonnen⸗liecht / und haben ihr Danck⸗ opffer wieder⸗gebracht dem Hoͤchſten zu Eh⸗

ren

an den Leſer.

ren und Wohlgefallen des Menſchen I mit lieblichen Fruͤchten / ſchoͤnen Farben / koͤſtli⸗ cher Krafft / und holdſeeligen Geruch: A⸗ ber der Menſch hat dieſes alles in Undanck⸗ barkeit verſchlungen / und die Perle verachtet die ſolche Kraͤffte dem Acker gegeben / und ihre holdſeelige Liebe dadurch bezeuget hat; alda muß die Feindſchafft abgetrennet / und ein jedes in ſeinen Behalter eingenommen werden. 5

Wer nun einfaͤltiges Hertzens iſt / der wird dieſe Perle erkennen / lieben / ſuchen / und nach ihr trachten daß er ſie erhalte / und im reinen wieder⸗gebohrnen Hertzen bewah— re / wie der Rath und Wohlgefallen GO T⸗ TES iſt / auff daß / wann der Acker eins durchs Feuer gereiniget / die Diſteln und Dornen verbrannt werden / Er von ſeiner Perle bewahret / und im Schutz GOTTES und ſeines ewigen Liechts zum Leben erhal⸗ ten werde.

Wir koͤnnen ſie nicht weiter ruͤhmen / ſon⸗ dern befehlens der Genade des Heiligen Gei— ſtes; wehm er ihre Erkäntnüß wird auff⸗ ſchlieſſen / der wird ihren Ruhm wohl finden und ſich ewig erfreuen.

Was

Aufftrag an den Leſer.

Was aber der ſeel. Author fuͤr einen Lohn dafuͤr von der Welt gehabt / wird der guͤnſti⸗ ge Leſer aus der nachfolgenden Erzehlung ſei⸗ nes Lebens⸗Lauff / die der feel. Her: Abra- 2 von Franckenberg befchrieben I erſehen

nnen.

FG

Gruͤnd⸗

Gruͤndlich und wahrhaffter

Bericht von dem Leben und Ab⸗ ſcheid des in GOtt ſeelig⸗ ruhenden

a cOB BÖHMENS, dieſer Theoſo- phiſchen Schrifften eigentlichen Authoris und Urhebers.

7.

U beſchreiben den Gottſeeligen Lebens⸗ lauff dieſes von GOtt hochbegnadeten Zeugens und Deutſchen Wunder⸗ Mannes Jacos BGHMENS,. möchte wohl ein klugſtuntg und an: ſehnlicher Zter⸗redner von nöchen ſeyn: Well ſichs aber biß auff jetzt noch kei⸗ ner / auch von feinen eigenen Landes⸗ leuthen unterfangen; wil ich nur als ein Benachbahr⸗

ter vor meine wenige Perſon / fo viel mir aus muͤnd⸗

licher Zuſammen⸗ſprache des ſeelig⸗verſtorbenen von

1623, und 1624. bi annoch im Gedaͤchtnuͤß verblie⸗

ben! luͤetzlich und einfaͤltig / jedoch gründlich und wahr⸗

hafftig anmelden.

Nehmlich:

2. Es iſt der ſeellge Mann Jacob Böhme, im 1575. Jahre nach Chriſtt unſers HErren Gebuhrt / zu Alt Seidenburg / einem geweſenen Marckflecken ohngefaͤhr anderthalb Meilen von Goͤrlttz in Obers Haußnitz gelegen / von ſeinem Vatter Jacob und feiner Mutter Urfula > beyden armen und geringen Bauers⸗ | Me: Leut hen /

Jacob Boͤhmens

Leuthen / guter Deutſcher Art / aus Chriſtlich und un⸗ beflecktem Ehe⸗beth gezeuget / auff dieſe Welt geboh⸗ ren / ACO g; (als ein kuͤnfftiger Untertretter der Eſauitiſchen Gebuhtt) genennet worden. 3. Nachdehm er nun etwas erwachſen / hat er ne⸗ ben andern Dorff⸗knaben des Viehes auff dem Felde hüten / und alſo feinen Eltern mit billichem Gehorſam zur Hand gehen muͤſſen.

4. Bey welchem ſeinem Hirten Stande ihme diß begegnet / daß Er eins mahls umb die Mittags⸗ſtunde ſich von den andern Knaben abgeſondert / und auff dehn davon nicht weit abgelegenen Berg die Landes Cro⸗ ne genannt / allein für ſich ſelbſt geſtiegen / aldar zu oberſt (welchen Ort Er mir ſelber gezeiget und diß er⸗ zehlet) wo es mit großen rohten Stelnen faſt einem Thuͤr⸗geruͤchte gleich verwachſen und beſchloſſen / einen offenen Eingang gefunden: in welchen er aus Einfalt gegangen / und darinnen eine groſſe Buͤtte mit Gelde angetroffen / woruͤber ihm ein Grauſen angekommen / darumb Er auch nichts davon genommen / ſondern al⸗ ſo ledig und eylfertig wieder heraus gegangen. Ob Er nun wohl nachmahls mit andern Huͤte-Jungen zum oͤfftern wieder hinauff geſtlegen / hat Er doch ſolchen Eingang nle mehr offen geſehen: (welches eine Vor⸗ bedeutung auff feinen geiſtlichen Eingang in die verbor⸗ gene Schatzkammer der Göttlichen und Natuͤrlichen Weißheit und Geheimnuͤſſen wohl ſeyn koͤnnen) Es iſt aber ſelbiger Schatz nach etlichen Jahren / wie er berichtet / von einem frembden Kuͤnſtler gehoben / und hinweg gefuͤhret worden / worüber ſolcher Schaß-gräs ker (weil der Fluch dabey geweſen) eines ſchaͤndlichen Te des verdorben. N

5. Un) iſt ſich auch über ſolchem des J. B. Eins

gange

Lebens⸗Lauff.

gange in den hohlen Berg / nicht groß zu verwundern: ſintemahl (wie in des Heinrich Kornmans Buͤchleln / der Venus- Berg genannt / item in des viel und weit⸗ gereiſeten und erfahrnen Leonhardi Thurnheiſſers Schrifften / fo wohl beym Hammelmanno in der Holſteiniſchen Chronica, Theophrafto Paracelſo, Agricola, Matheſio, Aldrovando, Theobaldo, Kirchero, Zeillero, und andern: item in der Wah⸗ len-Schatz und Berg⸗Buͤchlein enthalten) deroglei⸗ chen Wunder- oͤrter hin und wieder angetroffen wor⸗ den. Maſſen denn auff dem Rieſen-Gebuͤrge / nahe bey den Hirſchbergiſchen Warmen Bronnen in Schle⸗ ſten / ſonderlich auff der AVENT ROT Burg / unter dem Stein mit fieben Ecken / und andern vielen Or⸗ ten zu finden. Ja es iſt der fromme und gelaͤhrte wie⸗ wohl wenigen bekandte Mann Johan Beer von dee Schweidnitz im Jahre 1570. durch Eoͤttliche Vergaͤn⸗ ſtigung fo weit gekommen / daß er zu etlichen Zeiten in den Zotten und andere daſelbſt herumb⸗gelegene Berge (jedoch nach gewiſſer Maſſe / und nicht ohne Goͤttliche Furcht) gehen / und die Wunder und Schaͤtze der Er⸗ den dartnnen ſehen / und nach Nothdurfft gebrauchen mögen. Wie in dehme vor wenig Jahren zu Amfter- dam gedruckten Buͤchlein vom Gewinn und Verluſt Geiſtlicher und Letblicher Guͤter: fo wohl in der merck⸗ würdigen Relation von denen drey verbanneten Gets

ſtern im Zotten-berge (mit welchen Ehren⸗gemeldter

Johan Beer perſoͤhnlich Sprache gehalten) umb⸗ ſtaͤndlich zu vernehmen.]

6. Nun wenden wir uns wiederumb zu unſerm Tas cob: Deſſen Eltern dieweil fe vermercket / daß ſich bey dieſem ihrem Sohne / gar eine feine gute und getſt⸗

ſame Natur angelaſſen / haben ſte ihn zur Schulen ge⸗

a * * 2 halten /

Jacob Boͤhmens

halten / da er nebenſt taͤglichem Gebeth / auch gewoͤhn⸗ licher Tiſch und Hauszucht nach Nothdurfft Leſen und etwas Schreiben gelernet / biß er von ihnen auff das Schuhmacher Handwerck gethan; Darinnen Er auch redlich und ehrlich aus gelernet / darauff gewandert / und endlich im Jahr 1594. zugleich Meiſter und Braͤutt⸗ gamb geworden / mit der tugendſamen Jungfrauen Catharina / des ehrbahren Hanſen KRunſchmans Bürgers und Fleiſch. hauers in Goͤrlitz Ehe-lelblichen Tochter. Mit welcher Er 30. Jahr biß an fein ſeeli⸗ ges Ende / in ſtiller und friedlicher Ehe gelebet / und durch Gottes Seegen 4 Soͤhne gezeuget / davon einer ein Gold- ſchmidt / der ander ein Schuh- macher / die an⸗ deren / andere Handwercker worden.

7. Demnach nun wohlgedachter unſer J. B. von Jugend auff der Gottes-furcht in aller Demuth und Einfalt ergeben geweſen / und ſonderlich den Predigten ſehr gerne beygewohnet: tft er endlich durch den troͤſt⸗ lichen Verheiſſungs Spruch unſers Heylandes Luc. _ 11. v. 13. Der Vatter im Gimmel wil oder wird den Z. Geiſt geben / dehnen die ihn darumb bit⸗ ten / in ſich ſelber erwecket / wie auch zugleich durch den Streit / und das manchfaltige Schul-gezaͤncke von der Religion (darein er ſich nicht ſchicken und richten koͤnnen) erreget und beweget worden / daß er umb die Wahrheit zu erkennen / jedoch in Einfalt des Geiſtes / inbruͤnſtig und unauffhoͤrlich gebethet / geſuchet und an⸗ geklopffet / biß er (damahls bey feinem Melſter auff der Wanderſchafft) durch den Zug des Vatters in dem Sohne / dem Geiſte nach in den H. Sabbath und herzlichen Ruhe- tag der Seelen verſetzet / und alfofeia ' ner Bitte gezweiget worden; alwo er (ſeiner eigenen Bekaͤntnuͤß nach) mit Goͤttlichem Aceh 7

ur

Sebens-Sauff.

durch Sieben Tage lang in hoͤchſter Göttlicher Bes ſchauligkeit und Freudenreich geſtanden.

8. In welcher recht Apocalyptiſchen / aber aus groſſer Blind⸗ und Boßheit jetzt verworffenen Schu⸗ len des Geiſtes Gottes / die Heilfgen Patrtarchen / Koͤ⸗ nige / Propheten / Apoſtel und Maͤnner Gottes jeder⸗ zeit geſtudtiret / und dannenhero das Geheimnuͤß des Reichs und Gerichtes GOttes und Chriſit / nach⸗ mahlen / (wie auch Chriſtus die ewige Weißheit des Vatters ſelber) durch allerhand Gleichnuͤſſe und Fi⸗ guren / hohe und tieffe Sprüche und Reden / wie auch mit Wunder und Thaten der Welt / eroͤffnet / und mit Darſtreck⸗ und Auffopfferung ihres eigenen Leibes und ran gantz ernſtlich und beſt aͤndiglich angekündiger

aben.

9. Und kan wohl ſeyn / daß auch von auſſen durch Magiſch-Aſtraliſche Wuͤrckung der geſtirnten Geis ſter / zu dieſem heiligen Kebe⸗Feuer / gleichſam ein ver⸗ borgener Gluͤmmer und Zünder / mit ans und eingele⸗ get worden : Denn wie mir der ſeelige Mann felder erzehlet / hat ſichs einsmahls bey ſeinen Lehrjahren zu⸗ getragen / daß ein frembder zwar ſchlecht bekleideter / doch feiner und ehrbahrer Mann / fuͤr den Laden kom⸗ men / welcher ein paar Schuh für ſich zu kauff begeh⸗ ret; Weil aber weder Meiſter noch Meiſterin zu Hau⸗ ſe / hat er J. B. als ein Lehr-Junge / ſelbige zu ver⸗ kauffen / ſich nicht erkuͤhnen wollen / biß der Mann mit Ernſt darauff gedrungen: Und als er ihm die Schuh (der Meynung Kaͤuffern abzuſchrecken) zimlich hoch und uͤber rechte Billigkeit gebotten / hat ihm der Mann daffelbe Geld alſobald / und ohne einige Wider- rede darfuͤr gegeben / die Schuh genommen / fortganaen / und als er ein wenig von dem Laden abgekommen / ſtllle

3 geſtan⸗

Jacob Boͤhmens | geſtanden / und mit lauter und ernſter Stimme ges ruffen: Jacob / komme heraus! Woruͤber er in ſich ſelbſt erſchrocken / daß ihn dieſer unbekannte Mann mit eigenem Tauff namen genennet / und ſich doch ers holet / auff geſtanden / zu ihme auff die Gaſſe gegangen. Da ihn der Mann eines Ernft-freundiichen Anſeyens / mit Liecht-funckelten Augen / bey der rechten Handt gefaſſet / ihme ſtrack und ſtarck in die Augen geſehen und geſprochen: Jacob / du biſt klein / aber du wirſt groß und ein gar anderer Menſch und Mann werden / daß ſich die Welt uͤber dir verwundern wird! darumb ſo ſey from̃ fürch- te Gott / und ehre fein Wort; inſonderheit ließ gerne in H. Schrifft / darinnen du Troſt und Unterweiſung haſt / denn du wirſt viel Noth und Armuth / mit Verfolgung leyden müſſen / aber ſey getroſt und bleib beſtaͤndig / denn du biſt GOtt lieb / und Er iſt dir genaͤdig! Worauff der Mann ihme dle Handt getruͤcket / wieder⸗ umb ſtarck in die Augen geſehen / und alſo feinen Weeg für ſich gangen. Er der Jacob aber nicht wenig dar⸗ über beſtuͤrtzt worden / und ſolche Weiſſagung und Er⸗ mahnung mit der Geſtalt des Mannes / immer im Ge⸗ muͤthe behalten / und nicht vergeſſen koͤnnen / auch fort⸗ hin in allem feinem Thun ernſthaffter und auffmerckt⸗ ger worden / alſo daß auch obgedachter Getſtlicher Aufruf und Sabbaths-Tag / nach weniger Zeit dar⸗ auff erfolget.

10. Aus welchem als er wieder zu ſich ſelber kom⸗ men / folgends dle Luͤſte der thoͤrichten Jugend je mehr und mehr abgeleget / fleiſſig zur Kirchen N

| ung

Lebens⸗Lauff.

Leſung der H. Bibel / ſich des gepeedigten Worts und der hochwuͤrdigen Sacramenten ordentlich gebraucht / wird er durch Goͤttlichen Eyfer getrieben / daß er ſchandbahre Worte und Narren-teydigung / inſonder⸗ bett Gottes- laͤſterliche Reden und Fluͤche nicht hören noch leyden koͤnnen / ſondern auch an ſeinem eigenen Meiſter bey dehme er gearbeitet / verwelſen und ſtraffen muͤſſen. Sich alſo aus Liebe zu wahrer Gottſeeligkeit und Tugend / eines ehrbahren eingezogenen Lebens be⸗ flieſſen / und aller Uppigkeit und boͤſen Geſellſchafft entſchlagen / woruͤber er dan / weil es dem Welt- brauch / gantz zuwider / mit ſpoͤttlichem Hohn-lachen und Schmach worten verfolget / und endlich von feinem et⸗ genen Meiſter (als welcher ſolchen Haus- propheten nicht leyden koͤnnen) welter zu wandern ver abſcheldet worden.

11. Unterdeſſen / und nachdehm er ſich als ein ge⸗ treuer Arbetter feiner eigenen Hand / im Schweiß ſet⸗ nes Angeſichts genaͤhret / wird er mit des 16. Seculi Anfang / nehmlich 1600. als im 25. Jahre ſeines Al⸗ ters / zum andern mahl vom Goͤttlichen Liechte erarif- fen / und mit feinem geſtirnten Seelen-Geilſte / durch eis nen gaͤhligen Anblick eines Zienenen Gefaͤßes (als des lieblich Jovialiſchen Scheins) zu dem innerſten Grun⸗ de oder Centro der gehelmen Natur eingefuͤhret! Da er als in etwas zweiffelhafft umb ſolche vermeynte Phantaſey aus dem Gemuͤthe zu ſchlagen / zu Goͤrlitz vor dem Neyßthore (alwo er an der Bruͤcken feine Wohnung gehabt) ins gruͤne gegangen / und doch nichts

deſtoweniger ſolchen empfangenen Blick je laͤnger je mehr und klaͤrer empfunden / alſo daß er vermittelſt der angebildeten Signaturen oder Figuren / Lineamenten und Farben / allen Geſchsuffen gleichſam in das Her 4 un

Jacob Boͤhmens

und die innerſte Natur hineln ſehen können / (wie auch in ſeinem Buͤchlein de Signatura Rerum, dieſer ihm eingedruckte Grund genugſam verklaͤret und enthal⸗ ien /) wodurch er mit großen Freuden uͤberſchuͤttet / ſtille geſchwiegen / Gott gelobet / feiner Hauß-geſchaͤff⸗ te und Kinder- zucht wahrgenommen / und mit jederman frled⸗ und freundlich umpgegangen / und von ſolchem ſeinem empfangenen Liechte / und innern Wandel mit G Ott und der Natur / wenig oder nichts gegen jeman⸗ den gedacht. 5

12. Aber nachdehm im verborgenen wuͤrckenden hel⸗ ligen Rath und Willen Gottes / wird er nach 10. Jah⸗ ren / nehmlich 1610. durch uͤberſchattung des Heil. Geiſtes / zum dritten mahl von G Ott beruͤhret / und mit neuem Liecht und Recht begnadet und bekraͤfftiget. Damit er nun ſolche groſſe Genade ſo ihm beſchehen / nicht aus der Gedaͤchtnuͤß ließe / noch auch feinem fo heiligen und troſtreichen Lehr-Melſter widerſtrebte: ſchrieb er (doch nur fuͤr ſich ſelbſt) bey geringen Mit⸗ teln / und mit gar keinen Buͤchern als nur der Heiligen Bibel verſehen.

13. Im Jahre 1612. ſein erſtes Buch Morgen⸗ rothe im Auffgange / (nachmahls von Dr. Balchafar Waltern AURORA genannt) welches ob er es wohl Niemanden / als endlich auff groſſe Bitte / einem wohlbekannten vom Adel / der es ohngefaͤhr bey ihme funden / nur zum uͤberleſen anvertrauet / auch nicht ge⸗ wolt / daß es an das offene Tage- liecht kommen / viel weniger gedruckt werden ſolle. Hat doch der von Adel aus groſſer Beglerde zu ſolchem verborgenen Grunde / daſſelbe alſobald zertheilet / und nebenſt eigener Hand durch unterſchiedene Eoptften bey Tag und Nacht gantz cy fertig abgeſchrleben: Worauff es einem und hi

andern

Lebens⸗Lauff.

andern bekandt / bi es endlich auch dem Ober- pfarrer zu Goͤrlitz Gregorio Richtern kund worden / der es dem gemeinen oder verkehrten Schuhl- brauche nach / ohne genugſame Pruͤfung und Erkaͤntnuͤß / alſobald mit öffentlicher Laſterung von dem Predig- ſtuhle zum höchſten verdammet / und ſolches auch mit perfögnlichen Schmaͤh⸗ und Banniſtrungen des unſchuldtgen Au- thoris ſo offte und lange wiederholet und getrieben / biff letzlich der Rath zu Goͤrlitz ſelber nachgefraget / Jacob Böhmen als Ihren Bürger für ſich gefordert / das Buch auff dem Rath-Hauſe verwahret / und den Auto- rem ſich an feinem Leiſte benuͤgen / das Buͤcher⸗ſchrei⸗ ben aber unterwegen zu laſſen verwarnet. Wie ſolcher Proceſs anderwaͤrts ausfuͤhrlich:inſonderheit aber auch der unfoͤrmliche Eyfer dieſes unzeitigen Richters / und die große Sanfftmuth und Demuth des ſeeligen J. B. neben andern hoch⸗bedencklichen Zeugnuͤſſen der Chur⸗

Saͤchſiſchen Herten Theologen; in einem hiebey mit angehaͤngten Send -Schreiben Hern Dr. Cornelii Weifsners berühmten Medici und Chymici umb⸗ ſtaͤndlich zu befinden. Das Autographum oder die efs gene J. B. Handſchrifft ſolches Buchs / tſt / nachdehme es in die 27. Jahre in des Raths Verwahrung gewe⸗ ſen / den 26. November Anno 1641. durch Dr. Paul Scipio Bürgermeiftern daſelbſt / dem Churf. Saͤch⸗ ſiſchen Hauß⸗Marſchalken zu Dreßden Hꝛn. Georg Pflugen (als wohl⸗ beliebendem Patron unfere J. B.) da er nach Goͤrlitz kommen / gepræſentiret / und aus defs fen Hand ferner durch H. P. H. an Abraham Wil⸗ lems von Beyerland / Bürger und Kauffmann zu: Amſterdam verſchickt worden. I.. Woraus zu ſehen / wie der Fuͤrſt der Finſter⸗ nuͤß / als ein abgeſagter Erb. feind des wahren Goͤtt⸗ | * F lichen

Jacob Boͤhmens

lichen Liechts / durch das nunmehr je laͤnger je klaͤrer ſich offenbahrende Geheimnuͤß der Boßhelt / in ſeinen Siiedern und Werckzeugen / ſich wider alles was Gott / Gut / oder Gottes heiſſet / ja wider und uͤber Chriſtum / das weſentliche lebendigmachende Wort / als den HEr⸗ ren feinen G Ott ſelber / gantz freventlich / vergeſſen und boßhafftig doch blinder weiſe / feet / und nicht ruhet biß er fein Muͤthleln gekuͤhlet / und den Unſchuldigen gefaͤl⸗ let. Deſſen er denn mit ewigem Grimmen und Grieß⸗ grammen / in den hoͤlliſchen Jorn⸗ und Feuer⸗flammen wird buͤßen / und das ſeelige Sieht / und holdſeelige Ans geſicht Gottes in Ewigkeit nicht ſehen muͤſſen! Wehe ihme und feinen Höllen Kindern / den Verlaͤumbderi⸗ ſchen und unverſoͤhnlichen Natter-zungen und Tieger⸗ hertzen.] l

15. Hierauff hat der heilige geduldige Mann einen völtgen Sabbath gantzer 7. Jahr lang aus Gehorſam zu ſeiner Obrigkeit gehalten / und innerhalb ſolcher Zeit nichts geſchrieben. Als er aber durch weitere / nehm⸗ lich der vierdten Bewegung des in ihme Goͤttlich geleg⸗ ten Grundes / mit uͤberſchwenglichen Genaden geſtaͤrc⸗ ket und erwecket: wie auch durch etlicher Goltsfuͤrch⸗ tigen und Natur, verſtaͤndiger Leute / ſuchen und an⸗ halten / ſolch hochtheures Pfund oder Pfand / nicht zu vergraben: ſondern Gotte und feiner Gemeine zu Eh⸗ ren und Nutzen wohl anzulegen / inſtaͤndtg ermahnet worden / greiſſt er im Namen Gottes wieder zu der Fe⸗ der / faͤhret fort mit ſchreiben / und fertiget bey guter Muß welle und Ruhe / (weil er fein Handwerck zu trelden keinen Verlag gehabt) folgende herrliche / und pi an das Ende der Welt daurende / hochruͤhmliche Schrifften.

16. A N-

Lebens⸗Lauff.

16. ANNO 1619. Ne. 2. Von den Drey Prin⸗ cipien, dabey ein Anhang vom Dreyfachen Leben des Menſchen.

ANNO 1620. No. 3. Vom Dreyfachen Leben des Menſchen.

4. Antwort auff die 40. Fragen von der Seelen.

5. Von der Menſchwerdung Chriſti / von feinem Leyden / Sterben und Aufferſtehung; Item vom Baum des Glaubens.

6. Ein Buch von 6. Puncten.

7. Vom Himlifchen und Irꝛdiſchen Myſterio.

8. Von den letzten Zeiten an P. K. |

ANNO 1621. No. 9. De Signatura Rerum. 10. Von den 4. Complexionen. 11. Apologia an Balchaſar Tilken. 12. Bedencken über Elaias Stieffeln.

ANNO 1622. Ne. 13. Von der wahren Buſſe. 14. Von wahrer Gelaſſenheit. 15. Von der Wiedergebuhrt. 16. De Pœnitentia. ANNO 1623. No. 17. Von der Verſehung und Genaden-Wahl. 18. Myſterium Magnum über Genefin. ANNO 1624. No, 19. Eine Tafel der Princi- piorum an Johan Sigmund von Schwei nich und Abraham von Franckenberg. 20, Vom uͤberſtunlichen geben, 21. Von Goͤttlicher Beſchauligkeit. 22. Von den 2. Teſtamenten Chelſtt. 23. 9 einer erleuchteten und unerleuchteten kele, b

3 24. Apo-

*

Jacob Boͤhmens

24. Apologia wider den Primarium zu Goͤrlitz Gregorium Richter.

25. Von 177. Theoſophiſchen Fragen.

26. Außzug des Myſterii Magni.

27. Ein Gebeth-Buͤchlein.

28. Tafel Goͤttlicher Offenbahrung der drey Wels

ten / gehoͤret zur 47ten Epiſtel.

29, Vom Irꝛthumb Ezechiel Meths.

30. Vom Juͤngſten Gertchte.

31. Briefe an unter ſchiedliche Perſonen.

17. Wobey zu erinnern / daß die 40. Fragen von der Seelen durch dehn in Europa, Africa und Aſia ſehr wohl gereiſeten und erfahrnen Medicum Chymicum Doct. Balthafar Waltern von Groß Glogaw aus Schleſten (als er ſtch drey Monath lang bey Jacob Böhmen in feinem Haͤußlein vor der Neyßbtuͤcken zu Soͤrlitz auff gehalten / und viel geheime und vertraus te Geſpraͤche mit ihme gepflogen) mit ſonderbahrem hohen Bedacht geſtellet: von dem Edlen und Hoch⸗ gelehrten Herꝛn Johanne Angelio Werdenhagen / Mechtsgelaͤhrten und Fuͤrſtl. süneburgiichen Rathe / in die Lateiniſche Sprache uͤberſetzt / und Anno 1632. zu Amſterdam unter dem Titul Pfychologia Vera. Zehen fuͤrnehmen Politicis zugefchrieben in 18° fol⸗ gends Anno 1650 eben daſelbſt in 12m° Deut ſch ges druckt worden.

18. Wohl Ehren⸗gedachter Dr. Balthaſar Walter (welcher nachmahls zu Paris geſtorben / und des Teu- tonici Schrifften bey vornehmen Leuten daſelbſt und anderſtwo bekannt gemacht / und hinterlaſſen) hat un⸗ kerſchtedlich und zum oͤfftern betheuret / daß er auff ſei⸗

nen vielen und welten reiſen / inſonderhelt als nn

A

Lebens » Lauff.

6. Jahr lang in Arabia, Sirien und Ægypten gewe⸗ ſen / und nach der wahren verborgenen Weißheit (wel⸗ che man ſonſt Kabbalam, Magiam, Chymiam, oder auch in ihrem rechten Verſtande Theoiophiam nennet) mit groſſem embſtgem Fleiſſe geforſchet / ſel⸗ bige auch hin und wieder zwar Stuͤckweiſe / und ver⸗ miſcht / nirgends aber ſo vollkommen hoch und tleff rein gegruͤndet / als bey dieſem einfaͤltigen Manne und ver⸗ worffenen Eck- ſtein (nicht ohne groſſen Anſtoß / und

rgernüß der Dialectiſchen Schuhl⸗ gelehrten / und Metaphyſiſchen Kirchen-liechter) gefunden. Und hat ſich D. B. W. bey unſerm Theodidacto, dehn er (vielleicht nach dem alten Canonico Joh. Teutonico, oder zum Unterſcheid der Nationen und wegen der fuͤrtrefflichen Gabe ſolcher Hochdeutſch geſtellten Schrifften ) Teutonicum Philoſophum genennet: ſonſten in feiner Diæt und allem Thun ſehr ſtrenge / und wie J. B. meldete / gar Moſaiſch und Hartmaͤn⸗ niſch gehalten / auch nicht wohl vermercket / daß Jacob Böhm hingegen mehr frey⸗ und ſanfft muͤthig / oder indifferent, und ohne eigenwaͤhltgen Auffſatz geweſen.

19. Wie denn das bloſſe Kunſt- und Natur: ohne das heilige Gunſt- und Genaden⸗Liecht / immer mehr aͤuſſerlich / ſcharff / partheylſch / geſetzlich / als innerlich / ſuͤſſe / Linde / Catholiſch und Evangeliſch iſt / und dan⸗ nenhero die Gaben des Getſtes / nach Unterſcheid ihres urſpruͤnglichen Grundes und er ſten Herkommens / wie auch aus ihren Fruͤchten und Außgebuhrten billig und wohlbedaͤchtlich zu unterfcheiden / und einem jeglichen das ſeine (nachdehme es ein Glied am Leibe / oder Ge⸗ faͤß und Werckzeug im Haufe iſt) gereimlich zuzueig⸗ nen und mit zutheilen / nicht aber (wie in Babel ges Gicht / alles uͤber einen Kamm zu ſcheren / oder uͤber r 1 einen

Jacob Boͤhmens

einen Lelſten zu ſchlagen / und was nicht in allem Schnur gleiche oder einſettig mit einſtimmet / alfobald zu verketzern und zu verdammen / wie in dieſen unſers Teutonici Schriſſten ſehr gruͤndlich und verſtaͤndlich außgefuͤhrt zu befinden.] | 20, Ferner fo iſt auch abſonderlich zu mercken / daß unſer ſeeltger Teutonicus diejenigen Lateiniſchen Ter- mi nos und Kunſt⸗ woͤrter / ſo er (ſonderlich in feinen letzten Schrifften) gebraucht / nicht von ſich ſelber / oder einigem leſen frembder Buͤcher: ſondern aus ge⸗ pflogener ſo Schrift = als muͤndlichen Kundſchafft mit gelehrten Leuten / ſonderlich Medicis. Chy micis, und Philoſophis exlernet / und wie ich von ihme zum oͤſſtern gehöret / gar ſaͤhnlich gewuͤnſcht / daß er doch zum wer nigſten die Latelniſche Sprache (woruͤber ſich Maxi- milianus I. auch beklagte) gelernet hätte, Sinte⸗ mahl er die viele derer ihme fuͤr den Augen ſchwebenden Wunder ſachen in feiner Deutſchen Mutter ſprache vollkom̃lich auß zu ſprechen nicht fuͤgliche Worte genug finden koͤnte / muſte alſo der Natur⸗ſprache nach / was erlvon andern hörele / wegen mehrerer Er klaͤrung mit zu huͤlffe nehmen. Wle ihme denn das Griechiſche Woͤrt⸗ lein IDEA von mir ſonderlich angenehme / und wie ers nennte / gleichſam eine beſondere ſchoͤne him̃liſche reine Jungfrau / und geiſtlich leiblich erhoͤhete Goͤttin

war.

21. Bey welchem ich ihme auch diß Zeugnuͤß geben muß / daß er / ob zwar langſamer jedoch deutlich und leßlicher Hand / im ſchrelben nicht leicht ein Woͤrtlein geändert oder außgeſtrichen: ſondern wie es ihme von dem Geiſte Gottes in den Sinn gegeben / alſo reinlich und unabcoplert auffgeſchrieben. Welches noch wohl manchem Hochgelaͤhrten mangeln dörffte ! [So 15

Lebens⸗Lauff.

ſt an dem rechten Doctore und Dictatore, nehmlich dem Geiſte und Troſt Goͤttlicher Weißheit und Wahr⸗ heit gelegen / davon aber heuttge ſelbſt⸗gewachſene Klüglinge wenig oder auch wohl gar nich's hören / glauben oder wiſſen wollen / und derowegen auch mit recht gruͤndlichem Erkaͤntnuͤß / der geheimen Weißheit Wahrheit / nicht unbilig verſchonet eiben.

22. Dieſes iſt auch merckwuͤrdig zu erinnern / wel⸗ ches er mündlich erzehlet / daß auff eine Zeit ein Frembd⸗ ling von kleiner Statur / doch ſpitztges Anſehens / und witzigen Verftandes / zu ihme fuͤr die Thuͤce kommen / mit freundlichem Gruß / hoͤfflichen Gluͤck wuͤnſchen und bittlichem Er ſuchen / weil er vernommen daß er J. B. mit einem befondern Getſte begabet / derogleichen ins gemein nicht zu finden / und aber ein jeglicher das jenige Gute ſo er empfangen / billig ſeinem Naͤchſten auch goͤnnen und mitstheilen ſollte: Er J B. fe wohl thun / und ihm ſolchen beſondern Geiſt auch geben / oder (wie dem Simoni Mago umb Geld) hinlaſſen wolte. Wor⸗ auff ihm J. B. mit gebuͤhrendem Gegendanck eingehal⸗ ten / daß er ſich hoher und groſſer Gaben und Kuͤnſte gantz unwuͤrdig ſchaͤtzte / auch dergleichen / als ihm der Frembde etwa einbildete / bey ſich gar nicht befindete / ſondern nur ſchlecht und recht in dem allgemels nen Glauben und Vertrauen zu GOTT / und der Bruͤderlichen Liebe zu ſeinem Naͤchſten / lebte und wandelte; Im uͤbrigen aber von keinem fingular oder wie es der Frembde meynte familiar Gelſte / nicht wuͤſte noch etwas hielte; wolte er ja aber einen Geiſt haben / ſo ſollte er (wie er J. B. gethan) ernſte

Buſſe thun / und den Vatter im Himmel umb ſeinen Heiligen Geiſt der Genaden inbruͤnſtiglich auruffen / | | ſo

Jacob Boͤhmens

fo würde er ihn ihme geben / und ihn dadurch in alle Wahrheit leiten. Welches aber dieſer bethoͤrte Menſch nicht annehmen / ſondern kurtzumb / ja faſt mit falſch Magiſcher Beſchwerung des J. B. vermeynten Fa- miliar-Geiſt aus ihm erzwingen wollen / biß J. B. im Seift ergrimmet / ihn bey der rechten Handt gefaſſet / ſtarck angeſehen und gehalten / in willens ihm den Fluch in ſeine verkehrte Seele zu wuͤnſchen: Woruͤber dieſer Banner mit Zittern erſchrocken / umb Verzeihung ge⸗ bethen / daß alſo J. B. von ſeinem Eyfer nachgelaſſen / ihn von ſolcher Simoney und Teuffeley gar ernſtlich ab⸗ gemahnet / und ohne weiters halten / alſo ab und hin⸗ ziehen laſſen.

23. Seiner groſſen Sanfſtmuth / Gedult und Des much / wie nicht wentger der durchdringenden Gabe des Menſchen Geiſt zu erforſchen und ſeine Verborgenheit zu offenbahren / erhellet nebſt jetzt erwehnetem aus fol⸗ gender Geſchicht. Es iſt der ſeelige Mann nebenſt dem Herꝛn David von Schweinig und anderen bey ei⸗ nem Edelman geweſen. Als nun der Herz David von Schweinitz von dar abgereiſt / hat er den Edel⸗ man gebethen / wann er den Jacob Boͤhmen von ſich laſſen wuͤrde / ſolte er ihn zu ihm auff ſein Gut Seifers⸗ dorff ſchicken / welches dieſer auch gethan. Es hat aber ein Medicus der dem feel. Böhmen ſehr Feind gewe⸗ ſen / dem Jungen der ihn fuͤhren ſollen einen Ortsthaler mit dem Beding gegeben / daß er denſelben in eine Pfuͤtze werffen ſollte; welches ſelber auch redlich gethan. Denn / als er nahe bey Seifersdorff bey einer groſſen Pfuͤtze kommen / hat er den guten Mann hinein ge⸗ worffen / welcher ſich demnach nicht allein übel beſu⸗ delt / ſondern well er mit dem Kopffe auff einen ſpltzt⸗ gen Stein getroffen / ihm ein Loch geſchlagen / 5 5

f | ſehr

N Lebens⸗Lauff.

ſehr geblutet. Als dieſes der Junge geſehen / iſt er ſehr erſchrocken / hat angefangen zu weinen / iſt auff den Edel⸗Hoff gelauffen / und berichtet was vorgegangen. Als nun Herꝛ David von Schweinitz dieſes erfah⸗ ren / hat er den feel. Böhmen in die Schaͤferey fuͤhren / auch alda verbinden und reinigen laſſen / ihm auch ein ander Kleid zum Anziehen geſchickt. Nachdehm er nun außgehen koͤnnen / und in die Hoff ſtube kommen / hat er allen Anweſenden die Hand geboten; und weil des Hrn David von Schweinitz Kinder daſelbſt in der Ordnung geſtanden / und er zu einer unter den Toͤch⸗ tern kommen / hat er / nach dem er ihr die Hand gebo⸗ ten / geſagt; Diefeift das froͤm̃ſte Menſch unter allen / fo hier in dieſer Stube verſamlet ſind; Hat auch feine Hand auff ihr Haubt gelegt / und einen beſondern See⸗ gen geſprochen. Es ſolle dieſe Tochter mehrbeſagten Herm David von Schweinitz eigener Bekaͤnenuͤß nach / auch das froͤmſte unter feinen Kindern geweſen ſeyn. Weiln nun gleich damahls der Her Da vid von Schweinitz einen Schwager ſamt ſeiner Frau und Kindern bey ſich gehabt / welcher dem nunmehr ſeel. Boͤhmen ſehr Feind geweſen / ihn agirt / einen Pro⸗ pheten geſcholten / und von ihm begehret / daß er ihm et⸗ was propheceyen ſollte / hat er ſich ſehr entſchuldiget / daß er kein Prophet / ſondern ein einfaͤltiger Mann waͤre : auch ntemahls für einen Propheten ausgege⸗ ben / und gar ſehr gebethen / daß er feiner verfchonen wolte; Der Edelman aber mit agiren immer fortge⸗ fahren / und unterſchiedlich angehalten / daß er ihm et⸗ was propheceyen ſollte. Und ob gleich der Her; Da vid von Schweinitz ſeinem Schwager eingeredet und ge⸗ bethen / daß er doch dieſen Mann wolle zu frieden laſſen / hat es doch nichts helffen wollen. Als nun Bohm g oͤhm

Jacob Boͤhmens

Boͤhm ſoofſt von ihm geceitzet worden / hat er angefan⸗ gen: Well thrs ja fo haben wolt / und ich für euch keine Ruhe haben kan / ſo werde ich euch ſagen muͤſſen was

ihr nicht gern hoͤren wollet. Der Edelman erblaſſend verſetzte: Er ſollte nur ſagen was er wolte. Darauff er angefangen und erzehlet / was fuͤr ein Gottloß aͤrger⸗ lich und leicht fertiges Leben hin und wieder biß dahin er gefuͤhret / wie es ihm darbey ergangen und wie es ihm ferner ergehen werde / welches denn auch alles wahrhaff⸗ tig erfolget iſt. Deſſen hat ſich nun der Edelman hefftig geſchaͤmet / ſich uͤber dle maſſen erbittert und erzuͤrnet / und auff den lieben Boͤhm loß ſchlagen wollen / wel⸗ ches aber Her: David von Schweinltz unternom⸗ men / und damit er demſelben Ruhe verſchaffte / hat er ihn nebenſt 6 Speiſen zum Pfarrer P. T. geſchickt / und bitten laſſen / daß er ihn bet ſich behalten wolte / fo dann auch geſchehen / und er uͤber Nacht alldorten ge⸗ blieben / und des folgenden Morgends wieder nach Goͤr⸗ litz gebracht worden.

Vor etlichen Jahren hat einer von Goͤrlitz buͤrtig etwas ausführlicher gemeldet von demſelben Edelman / als ſollte derſelbe damahls in ſolchem ihme ſelbſt erweck⸗ ten Grumm und Zorn nicht lange bey Hꝛn. David ven Schweinitz verblieben / ſondern gantz entruͤſtet auffgeſtanden ſeyn / ſich zu Pferde geſetzt haben / und nach Hauſe reuthen wollen / ſey aber vom Pferde ge⸗ ſtuͤrtzt / den Hals gebrochen und todt gefunden / wie ihme dann von Boͤhmen (daß nemlich ſein Ende nahe verhanden wäre) ſolches auff fein eigen Be⸗ gehren angekündigt.)

24. Wobey noch etliche zufällige Anmerckungen: Sein des feel, J. B. Siegel oder Pitfchafft war elne aus dem Himmel gereckte Hand mit einem 30 e

n

Lebens⸗Lauff.

von drey auff aebluͤheten Lilien als das Raptum Ma-

gicum: gg Virga : Die blühende Ruthe Aaro-

nis! ] Das Reich der Lilien im Paradeiß GOttes;

welches zur letzten Zeit / da das Ende wieder umb in ſei⸗ nen Anfang gefuͤhret / und der Eircul beſchloſſen wird / ſoll offenbahr werden. Die Taube Noah mit ihrem Fried⸗ bringenden O hl⸗blatt nach uͤberſtandener Geiſt⸗ licher Suͤndfluth. Der güldene Zweig Ener, und Herculis guͤldene Ahffel⸗zweig / aus dem Garten der Heſperidum, als er den Drachen uͤberwunden / zum Zeugnuͤß des in dieſem wunderbaren Seelenſtreit erhal⸗ tenen Sieges und Siegels / mit dem Abbruch des Ade⸗ lichen Relſes! davon die geheime Philofophia mit ih⸗ rem Perlenen RittersKranglein ein mehrers lehret / und Author in feinem Buß⸗buͤchlein oder Weege zu Chriſto / ſo wohl in den andern Schrifften (Geheim⸗ nuͤß weiſe) andeutet; den jenigen bekannt / welche in dieſer Geiſtlichen Fecht⸗ oder Jacobæiſchen Ringes

Schule das Kraͤntzlein und den Seegen erlanget.

25. SeinSymbolum oder gewoͤhnliche Ob⸗ſchrifft /

ſonderlich in den Briefen / waren dieſe 8. Worte:

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ten / darinnen der rechte uralte Adel und hoͤchſte Troſt

Unſer Heyl Im Leben JEſu Chrifti In Uns. Die hohe Vereinigung des Menſchen mit GOT / durch den Glauben in der Liebe JEſu Chriſti anzudeu⸗

der Glaͤubigen Seelen / ſtammendlich gewurtzelt nach

dem aller⸗vollkommenſten Grad Goͤttlicher Genaden /

es unaußdencklichen Freuden und ewigen Frieden zu nden. 26, In die Stamm⸗ buͤcher guter Freunde / ſchrieb

er gemeiniglich folgende Reimen:

Wehme

> WATT Ben *

Jacob Böhmens

Wehme Zeit iſt wie Ewigkeit I And Ewigkeit wie die Zeit / Der iſt befreyt Von allem Streit.

Welche mit des hoch⸗ erleuchten Deutſchen Lehrers Thauleri gleich⸗geñnnetem Reim: fprüchlein

Wehme Leyd iſt wie Freud / And Freud wie Leyd ; Der danke GOtt für ſolche Gleichheit.

ſehr lieblich / und zu wahrer Chriſt⸗glaubiger Gelaſ⸗ ſenheit gar erbaulich mit einſtimmen / auch zu verſtehen geben / daß in der rechten Eintgen Wahrheit und ewts gen Welßheit / in / bey / und vor GOtt deme uͤberall gegenwaͤrtig Einweſentlichem Gut / kein GSezweytes oder Wider waͤrtiges / ſondern Ein mit Ein / ja alles ein Ewiges Inntges und Einiges Ein / als der uͤberſinn⸗ liche und uͤberweſentliche Friede GOttes ſelber ſey! [ von welchem algemeinen Grunde der Ewigen Einig⸗ keit und Einigen Ewigkeit Nicolaus deCuſa, Udalri- cus Pindarus, Joh. Picus Mirandula, Paulus Sca- lichius, Jordanus Brunus, Francifcus Gegen Venetus, Author Phyſicæ Reſtitutæ, Joh. Kap- nion Menaſſeh Ben Iſrael, Francifeus Patritius, Archangelus de Burgenovo, Dioniſius Areopagi- ta, Maximilianus Sandeus Alvares, Taulerus, Ruysbroch, Henricus Harphius, Oculus Syde- reus, und andere genugſames Zeugnuͤß geben.] Ob man derogleichen Authores auch zuweilen / und nicht nur immer dehn in Soͤttlichen und . m⸗

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Lebens - Lauff.

heimnuͤſſen / blinden und elenden Heydniſchen Schul⸗ göͤtzen Ariſtotelem mit feiner Sophiſtiſchen Claman- terey und Difputanterey hören und ehren wolte.

27. Seine J. B. aͤuſſere Leibes⸗Geſtalt / war vers fallen / und von ſchlechtem Anſehen / kleiner Statur / niedriger Stirne / erhobener Schlaͤffe / etwas gekruͤm⸗ ter Naſen / grau und faſt Himmel⸗blaulich glintzender Augen / ſonſten wie die Fenſter am Tempel Salomo⸗ nis / kurtz duͤnnen Bartes / klein lautender Stimme / doch holdſeeliger Rede / zächtig in Gebaͤhrden / beſchei⸗ dentlich in Worten / demuͤhtig im Wandel / gedultig im Leyden / ſanfftmuͤtig von Hertzen. Seinen uͤber alle Natur von Gott hoch erleuchten Geiſt / und gantz reine wohl⸗verſtaͤndliche Hochdeutſche Redens⸗art hat man aus dieſen feinen unverfaͤlſchten Schrifſten in Goͤttlichem Liechte zu prüfen und zu erkennen.

28. Folget nun ſein ſeeliger Abſcheid aus dieſer Welt / welcher ſonſten anderwaͤrts mit allen Umbſtaͤn⸗ den weitlaͤuffttger beſchrieben / achten aber dieſes Orts genug zu ſeyn / nur das noͤtigſte daraus zu erzehlen.

29. Als er im Jahre 1624. etliche Wochen uͤber / bey uns in Schleſten war / und neben andern erbaulichen Geſpraͤchen von dem hochſeellgen Erkaͤntnuͤß EOttes und ſeines Sohnes / ſonderlich aus dem Liechte der ge⸗ heimen und offenbahren Natur / zugleich die drey Ta⸗ feln von Goͤttlicher Offenbahrung (an Joh. Sig⸗ mund von Schweinich / und mich A. V. F. gerich⸗ tet) verfaͤrtigte / iſt er nach meinem Abreiſen / mit eis nem hitztgen Fteber uͤberfallen / wegen zurielen Waſſer⸗ trinckens zerſchwollen / und endlich ſeinem Begehren nach alfo kranck nach Goͤrlitz in fein Haus aefuͤhret worden. Allwo er nach zuvor gethaner rein Evange⸗ lliſcher Slaubens⸗Bekaͤntnuͤß und wuͤrdigem

Jacob Boͤhmens

des Genaden⸗pfandes / folgenden 3. Novemb. Son: tags verſchieden / da er zuvor ſeinen Sohn Tobiam ruffte und fragte: Ob er auch die ſchoͤne Mufie hoͤrte? Als er ſagte Nein / ſprach er / man ſollte die Thuͤre oͤff⸗ nen / daß man den Geſang beffer hoͤren koͤnne. Darnach fragte er wie hoch es an der Uhr? Als man antwortet / es habe 2 geſchlagen / ſprach er: Das tft noch nicht meine Zeit / nach dreyen Stunden iſt meine Zeit / un⸗ terdeſſen redete er dieſe Worte einmahl: O du ſtarcker G O T T Zebaoth / rette mich nach deinem Willen! O du gecreutzigter HErꝛ JEſu Chriſte / erbarm dich mein / und nim mich in dein Reich! Als es aber kaum umb 6 Uhr des Morgends / nahm er Abſcheid von ſei⸗ nem Weibe und Sohne / ſeegnete ſie / und ſprach dar⸗ auff: Nun fahre ich hin ins Paradeiß! Heiſſet ſich feinen Sohn umbwenden / erſeufftzet tieff / und ent⸗ ſchlteff / fuhr alſo mit Fried gar ſanffte und ſtille von dieſer Welt.

[30. Bey welcher Geſchicht nicht unfuͤglich mit an⸗ zufuͤhren was Joh. Rud. Camerarius Med. D. Cen- tur. 2. Memorabil. Medicinal. Artic. 94. pag. 134, aus des hoch⸗gelaͤhrten Dan. Heinſii Ehren⸗gedaͤcht⸗ nuͤß über des hoch⸗beruͤhmten Jani Douſæ Abſchted er zehlet / nemlich ehe jetztgemelter J. Douſa, Erbherꝛ zu Nordwyck und Kattendyck / aus dem Leben hintratt / iſt er bey noch geſundem Leibe (zu dem geheimen Eins, gange der Seelen gelaſſen) gleichſam verzuckt / all wo er die Kraͤffte der zukuͤnfſtigen Welt / nemlich die Freu⸗ de der Unſterbligkeit geſchmaͤcket / und alſo das jentge was ſonſt die Alberett⸗geſtorbene erſt erlangen / bey andaͤchtiger Vorbereitung zu feinem Sterb⸗ſtuͤndlein voran erblicket und empfunden / denn als dieſe ſeellge Seele ohn alles Wehe / ſich je mehr und mehr zu 1

Lebens⸗Kauff.

Abſcheid nahete: ſiehe / fo ruffet ohn alles Ver ſehen der Umbſtehenden / dieſer heilige Mann uͤberlaut: Ey was höre ich? oder höre ichs nur allein? Was iſt das vor eine Stim̃e? Was iſt das vor ein lieblicher Geſang? Als ſie ſich nun daruͤber lange verwunderten / und doch nichts vernahmen / werden ſie gewahr / daß dieſer Gott geliebte / und zu den Göttlichen Wundern und Geheim⸗ nüffen zugelaſſene Mann nicht mehr auff Menſchliche oder Irꝛdiſche / ſondern Hlm̃liſche Art und Weiſe leb⸗ te / und nunmehr daſelbſt ſeine Wohnung und ewige Ruh⸗ und Bleib⸗ſtatt wieder antrette / welche er vorl⸗ ger Zeit in Adam rerlaſſen und verlohren.)

31. Derogleichen Euthanafiä cum Athanaſiã oder ſeeligen Anblick und Vorſchmack / bey den alten from⸗ men und einfaͤltigen Chriſten / wohl viel gemeiner und bekannter als bey unſern heutigen nur auffs aͤuſſere ge⸗ ſperre und geplerre verletteten Welt⸗Phantaſten ge⸗ weſen / wie die Exempel der Heiligen und ſeeligen in G Ott ihrem heiligen Sabbath und Zebaoth entſchlaf⸗ fenen anderwaͤrts zu ſatter Genuͤge beweiſen.

32. Hierauff hat man den verblichenen Leichnamb unſers ſeeligen J. B gebuͤhrlichen gereiniget und ver⸗ huͤllet / folgends eingeſarcht / und mit einem ehrlichen und Chriſtlichen Conduct oder Leich⸗Begaͤngnuͤß (nach vom Rath wider den (auch Todten) laͤſternden Ober⸗Prediger oder Hohen⸗Prieſter / erhaltener und gehaltener Leich⸗Sermon und Ehten⸗Begraͤbnuͤß) daſelbſt zu Goͤrlitz auff den Gottes⸗Acker mit gewöhn⸗ lichem Klang und Geſang begraben. Auff welches Grab nachmahlen folgendes Monument oder Leich⸗ und Ehren⸗Gedaͤchtnuͤß (aus Schleſten geſchickt / aber nicht lange hernach aus Verhetzung der vom Teufel be⸗ ſeſſenen Laͤſter- zungen mit Koth befleckt / und zerſtuͤckt) geſetzt und auff gerichtet worden. 33. War

2

. Jacob Boͤhmens

33. War ein ſchwartz huͤltzern Creutz mit dem He⸗ bratſchen Namen 1H SVH und 12. Guͤldenen Sons nen- ſtrahlen / darunter ein Kindlein auff dem Todten Kepff mit auffgeſtuͤtzten Arm und Haupt ruhend / mit dieſen 8. Buchſtaben V. H. I. L. I. C. I. V. (ſo oben ausgelegt) unterſchrieben. Bi

34. In einem breiten Oval-Circul oder Felde / ſtunden nachfolgende Worte: Aus GOtt geboh⸗ ren / in IHS V geſtorben / mit dem Heiligen Geiſte verſiegelt / ruhet allhie Jacob Bohm von Alt Seidenburg / den 2. Novembr. umb 6. Uhr vor Mittag im 50. Jahr ſeines Alters ſeeliglich verſchieden. f

35. Zur Rechten / vom Mittag her / war gemahlet an dem Creutz ein ſchwartzer Adler auff einem hohen Berge / der tratt mit ſeinem lincken Schenckel einer groſſen gewundenen Schlangen auff den Kopff / in dem rechten hielt er einen Palmen⸗zweig / und mit dem Schnabel empfing er einen aus der Sonnen darge⸗ 7151 KAlten⸗Zwelg / dabey nicht übel geſtanden

2386. Zur Lincken des Creutzes von Mitternacht⸗ waͤrts / ſtund ein mit einer guͤldenen Krone und Creutz gekroͤnter Lowe / mit dem rechten Hinter⸗fuße auff ei⸗ nem gevierdten Eck⸗ſteine oder Cubo, mitſdem lincken aber auff dem umbgekehrten Reichs⸗apffel oder Globo, hielt in der rechten foͤrder Potten ein Feuer⸗flammen⸗ des Schwerdt / in der lincken ein brennendes Hertz / wo⸗ bey ſich fein geſchickt das VI CI. 37. Mitten aber unter dem breiten Oval Reyme der Grab: ſchrifft / an dem Stamme des Ereuges ſtund ein Lamb mit einem Biſchoffs⸗hute und Inful, wie ſon⸗ ſten dergleichen in der 29ſten derer 32, magiſchen Fi⸗ | | | guren

> ZA = Ins GoTT gebohrer= > E Itlasya Seforben: ir dem Heiligen Geist ves ſiegelt Rüfet alhier Lcoꝝ Bon | von Alt Seiden burg. Ar o 1822 den 17 Hbrig ums 5;

6

Alter. Seeliglich ver⸗ HE —_ ehie den

2

Nyx fahr ich hin ins PaxaDETS. &

#

72

ij > 3

—— 2 ——

3

Lebens⸗Lauff.

guren Theoph. Paracelſi zu finden unter einem Palm⸗

Baum bey einer ſpeingenden Brunn: quellen / auff etz

ner grünen Awen unter den Blumen ſich weydende / als wo fu V ENI und ſolche drey Worte von dem 71 Worte CHriſto auff folgende Weiſe zu vers ſtehen.

In Mundum VENI! Sathanam deſcendere VI DI: Infernum VICII VIVITE Magnanimi.

38. Letzlich ſtunden von unten bey der Erden an des Creutzes Stamme hinauf / feine letzte Worte:

Nun fahr ich hin ins Paradeiß / Daſelbſt gibt er GSOtt Lob und Preiß:

Wir ſehen nach / und warten auff /

Biß wir auch enden unſern auff;

HEeꝛ J ES kom̃ / fuͤhr uns zu Hauff.

39. Und fo viel von dem einfaͤltigen Lebens⸗Lauff des von Gott gelaͤhrten / und in Gott ſeellg ruhenden Deutſchen Wunder Mafines Jacob Boͤhmens / fo viel mir nemlich aus deſſen eigenem Munde / und den etwas wentges aus beyweſender Freunde Bericht hier⸗

-

zu nöchtg bewuſt / ohne was ſonſten von andern mag

auff gemerckt / oder auch von mir ſelber vergeffen und

ausgelaſſen ſeyn.

40. Ob nun aber jemand waͤre / der ſtch entweder an der einfaͤltigen Perſon / oder an der hochwuͤrdigen Gabe des Authoris aͤrgern / und argwohnen möchte /

als wenn trgend eln anderer mit unter der Decke laͤge,

der ſich unter ſolchem Namen verborgen / und der fuͤr⸗

witzlgen Welt etwas neues und unbekanntes fuͤrſchwaͤ⸗

zen: oder auch etwa eine alte verdam̃te Ketzerey und 8 ertraum⸗

*

E

7 Jacob Boͤhmens

erkraumte Teuffeley aus dem Abgrunde herfuͤr bringen wolte: (derogleichen bey jetzigen ohne diß traumſuͤchtt⸗ gen Welt-Phantaſten / ſonderlich denen Heydniſch Ariſtoteliſchen Schul⸗-zaͤnckern / und jungen alamodi- schen Tempel-herren nicht ungemein.) 41. Der fol hierinnen von Gottes und ſeiner ewig⸗ bleibenden Wahrheit wegen treulich ver warnet / wie auch nothduͤrfſtig berichtet ſeyn: daß er ſich ſolche gantz unbegruͤndete Gedancken und verlaͤumbderiſche Laͤſte⸗ rungen nicht einnehmen / noch abwendig machen laſſe. Sintemahl es GO TT nach ſeinem weiſen Rath und guaͤdtgen Willen alſo gefallen / nicht was hoch / was maͤchtig / was edel / was welſe / was reich / was etwas ꝛc. fondern was niedrig / was ſchwach / was un- edel / was thoͤricht / was arm und nichts für der Welt iſt zu er⸗

waͤhlen / auff daß er zu Schanden mache was hoch und

gewaltig iſt. Denn den Hoffaͤrtigen widerſtrebet Gott /

und ſtoͤſt die Gewaltigen von dem Stuhl: Aber den

Armen erhoͤhet er aus dem Koth / und den Demuͤthigen glbt er ſolche und andere Genade; und das Gehelmnuͤß

des HErren iſt unter denen die ihn fuͤrchten / und feinen

Bund laͤſt er ſte wiſſen.

42. Wie hievon die Maͤnge der Geiſtlichen und Weltlichen Exempel und Hiſtorien zu voller Genuͤge bezeuget / nemlich das G Ott dle Perſon nicht anſiehet / ſondern aus allerley Volcke / Geſchlecht / Sprachen / Stuͤnden / wer ihn fürchtet und recht thut / der iſt ihme angenehme; alſo daß es ihme leicht iſt aus einem Hir⸗ ten wie Amos / einen Propheten / oder wie David el⸗ nen Koͤntg: Item, aus einem Zoͤllner wie Mattheus einen Evangeltiien : aus einem ungelehrten Idioten und Fiſchern / wie Petrus und Andreas, Jacobus und

Johannes waren / erleuchtete Apoſtel / oder aus einem

Ver⸗

Lebens⸗Lauff.

Verfolger und Handwercker / wie Sauſus einen Pau- lum, und außerwehlten Ruͤſt- zeug: Dergleichen aus einem armen lahmen Schuſter / wie unter Juliano A- poſtata einen Vorbaͤther und Wunderthaͤter (welcher durch fein Geberh den Berg ins Meer verſetzen muͤſ⸗ ſen) oder wie vor wenig Jahren zu Wittmund in Oſt⸗ Frießland / einen Schrifft-weiſen Mann (davon Joh. Ang. Werdenhagen in Pſychologia pag. 365. zu erwecken; und in Summa aus dem Nichts in Etwas / ja alles zu machen was er ſelber wil.

43. Oder hat der Allmaͤchtige denn nicht Macht mit dem ſeinen zu thun was er wil? Sieheſtu ſtoltzer Phariſeer / neidiſcher Hoher-prieſter / und naſeweiſer Schrift- gelaͤhrter darumb ſauer und ſchaͤhl / daß der HERR unfer barmhergiger GOTT und Vatter / gegen ſeine Kinder ſo from̃ und guͤtig iſt? ſo gehe hin

und bei dir ſelber für Zorn und Hoff art aus Hertzeleyd /

mit knuͤrſchenden Zähnen die Zunge ab; und reiß / und friß dein eigen neidifch und gottloſes Hertz / mit grim⸗ men und hoͤlliſchem Grißgrammen / aus deinem Leibe heraus / fo kan man erkennen daß deine Gebuhrt aus der alten Schlangen und rachgterigen Höllen : und alle deine Kunſt aus dem ſtoltzen Luckfer / und zorntgen Drachen - Teufel ; mit nichten aber aus Gotte in Chriſto / und feinem Heiligen Geiſte und Worte der Genaden und Wahrheit iſt.

44. Oder ſollte es wohl bey jetzigen hoch gefaͤhrli⸗ chen Zeiten / oder verheereten und zerſtoͤreten Chriſten⸗ heit nicht noͤthig ſeyn / daß G Ott einm ahl drein ſehe / und zu dieſen verfuͤhrten Voͤlckern und ihren blinden Leltern / mit andern Lippen rede? weil doch alles Fleiſch ſeinen Weeg vor dem HErren verderbet / und ſonder⸗ lich der Arge in ſeinen Geiſtlich und Chriſtlich genann⸗

2 ten;

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Jacob Boͤhmens

ken: aber flelſchlich und unchriſtlich erkannten Schein⸗ heiligen und falſchen Liechtern der bethoͤrten und vers kehrten Welt⸗gelaͤhrten / alles auffs zierlich ſte und kuͤnſtuchſte verdecket: und doch unter ſolcher Larven / noch darzu das feurige Blut und hoͤlliſche Rache⸗ Schwerdt / eines Brudern wider den andern (zumahl unter den Chriſten und die ſich Evangeliſch nennen) erwecket / und ausge ſtrecket hat.

45. Darüber ich weiter ncht eyffern / ſondern die allgemeine Offenbahrung / und ſehr ſchmertzliche Er⸗ fahrung bey denen Gott⸗liebenden Gemuͤhtern und Kindern des ſeeligen Friedens / daron reden und urthei⸗ len laſſen wil / wie fo ſchrifſt⸗ als muͤnd⸗ und perſoͤhnlich lebendige Zeugnuͤſſe und Exempel genug verhanden; Wer ein Ohre hat zu hoͤren / oder ein Auge zu ſehen / der hoͤre und ſehe was das Wort und Llecht der Wahr⸗ hett / in feinen hierzu-beruffenen und auserwehleten Zeugen ſaget und zeiget / ſo wird er befinden / daß beydes Himmel und Erden wider jetziges Geſchlechte der Men⸗ ſchen / kriegen / und daß eine noch andere Zeit und Ge⸗ buhrt verhanden / die ſich endlich wie der Blitz vom Auff gange biß zum Nieder gange / in einem Nun uͤber alle Welt eröffnen / und den flebenden Feyer⸗ und Feuer⸗ Abend und letzten Gerichts- oder Sabbath Tag mit⸗ bringen wird / welchen die heiligen Propheten / A poſtel / und andere erleuchte Gottes Männer im Gelſte jeder⸗ zeit geſehen / und der letzten Welt von Anfang her ver⸗ kuͤndiget haben. Darumb / ſeellg iſt der Knecht der da wachet wenn fein Her: komt!

46, Summe, Niemand ſtoße ſich an dieſen Eck⸗ ſtein der Einfalt / daß er nicht zerſchellet werde / ſondern richte ſich vielmehr daran auff / und bedencke daß der Hummel daſelbſt am hoͤchſten / wo die Erde am N

en

Lebens⸗Lauff.

ſten iſt / und daß nach dem Worte des HErren / alle Huͤgel 5 und hohe Berge erniedriget und die Thale erhoͤhet wer⸗

den muͤſſen / auff daß es uͤberall gleich und eben ſey / und man forthin ohn Anſtoß wandeln moͤge im Lande des Lebendigen. 5

47. Gelobet ſey der HE RR / der allerhoͤch ſte der dieſen erniedriget / und jenen erhoͤhet / und gibt feinen: Geiſt / wann und wehm er wil / auff daß ſich für ihm kein Fleiſch ruͤhme.

48. Anretchende aber inſonderheit das vertraute Pfund / als die Genaden-Gabe / welche G Ott der hoͤch⸗ ſte und einige Gaͤber alles Guten von oben herab in die⸗

ſes JIrꝛdene und für der klugen und ſtoltzen Welt vers

aͤchtliche Gefaͤße / als einen großen Schatz und koͤſtit⸗ ches fein Perlein geleget: iſt dieſelbe von ſolcher Wuͤr⸗ de und Guͤte / daß meines Erachtens (ob man anders offene Fenſter gen Jeruſalem hat) ſeit der Apoſtel Zelt / kaum ein ſolcher hoher und tieffer Grund von dem we⸗ ſentlichen Erkaͤntnuͤß der allerheiligſten Goͤttlichen Drey Einigkeit / und dem Liechte der gehelmen und of⸗ fenbahren Natur / Genade und Herꝛligkelt / den Men⸗ ſchen dieſes Erdbodens iſt eröffnet und fuͤrgezelgee worden.

49. Da denn ſonderlich zu bedencken / warumb Gett doch ſolche hohe Genaden Gabe / eben unſerm zerſtor⸗ ten / und fo Geiſt⸗ als Leiblich verwuͤſtetem Batter⸗ lande Hochdeutſcher Nation: zumahl durch eine 19 ſchlechte und unanſehnliche Perſon / und bey ſolcher vers worrener Zeit eroͤff net und gegönnet; da alles in tieffem Schlummer / Schlam̃ / und Kummer der Zettlichen Sorgen / Wolluſt und Nahrung (als wie im Tode) er⸗ ſuncken und erſtorben / alſo daß man auch des ewigen un⸗ ſichtbahren Genaden und Himmelreichs Gottes und

A Chriſti

3 *

Jacob Boͤhmens

Chrlſtt darüber vergeſſen / und nur umb die aͤuſſern Huͤlſen und Schalen des toden Buchſtabens und dieſes vergaͤnglichen Irꝛdiſchen Leibes und Lebens (von den Fuͤhrern verführt) zancket / krieget / ſtreitet / raubet / mordet / brennet / verfolget / verjaget / verdammet / und umb eiteler ſchaͤndlicher etgener Ehre / Luſt / und Nu⸗ tzens willen / einander mit Ach und Wehe ins aͤuſſeeſte Verderben fkuͤrtzet / und dergeſtalt gebaͤhret / als wenn weder Recht noch Gericht / weder Seeltgkeit noch Ver⸗ damnuͤß / weder Glaube noch Erkaͤntnuͤß / weder Him⸗ mel noch Holle / weder Engel noch Teufel / weder Leben noch Tod / ja gar kein Gott. jemahls geweſen / oder nim⸗ mermehr zu hoffen.

50. Wargegen nun in obbemeldten hochtheuren Schrifſten unſers ſeeligen Hochdeut ſchen Prophetens / und Axoſtoliſchen Zeit⸗Erinners / ein ausführlicher Grund und beſtaͤndiger Bericht / mit ſolcher Erklaͤrung cröffnet und darget han wird / daß man ſich der bethoͤrten Blindheit und verkehrten Boßhelt billig zu ſchaͤmen: und dargegen die große Guͤte / Weißheit und Allmacht Gottes uͤber die Menſchen / hoöͤchlich zu ruͤhmen; alſo ernſte und wahre Buſſe (worauff der Geiſt GOttes in dieſem feinem getreuen Zeugen / als dem Buß⸗predi⸗ ger Noah / fuͤrnehmlich in diefen letzten Tagen / ſtehet und anweiſet) zu wuͤrcken genugſam verurſacht; wie der fleißige und unpartheylſche Leſer dieſer Schriſſten (ob er ſte anders wuͤrdiget) zur Genuͤge / und nicht ohne beſon⸗ dere Fruchtbringende Erbawung / im wahren unge⸗ fuͤrniſten Chriſtenthumb / je mehr und mehr erfahren wird. 1

51. Daß aber auch etliche Dinge (ſonderlich von bißher unbekannten Geheimnuͤſſen und Verborgenhei⸗ ten / der Goͤttlichen und Menſchlichen / n |

. un

iz

Lebens⸗Lanff.

und Irꝛdiſchen / Engeliſchen und Teufeliſchen Ge⸗ buhet / Natur und Eigenſchafft) darinnen e Halten; Welche von einem jeglichen nicht alſobalde moͤgen ver⸗

ſtanden und ergriffen werden; muß man es dem Gelſte GOttes in feiner Schulen und für dieſe Zeit alſo heim⸗ geſt ellet ſeyn laſſen / biß eines und anders bey kuͤnſſtiger Aus wicklung beſſer erkannt / und dem Wuͤrdigen eroͤff⸗ net werden moͤchte. Denn Gott nach feiner ewigen

Weißheit / nicht alles fo bald zugleich und auff einmahl

offenbahret / ſondern von Zeit zu Zeit fein heiliges echt. und Erkaͤntnuͤß gibet und verklaͤret.

52. Wobey denn wohl zu heobachten / daß ſichs in dergleichen von GOtt eingegebenen Schrifſten / mit gemeinem Heydniſchen Schul⸗ mei ſterlichen Exami- niren und Judiciren (wie man ſenſten auch wohl des Heiligen Geiſtes Mund und Hand ſelber in Heiliger Goͤttlicher Schriſſt / nach des gott⸗ und geiſtloſen Ari⸗

ſtotelis ſpitzigen Dialectiea, geſchwaͤtziger Rethori-

ca, und aberwitztgen Metaphyſica gantz uͤberkuͤnſtlich und uͤberkluͤglich / ja Gotteslaͤſterlich zu muſtern und zu meiftern ſich unter ſtehet) nicht wil thun laſſen / auch

nicht ſeyn ſoll noch kan; denn was wil doch der blinde

Scytha vom Goͤttlichen Liecht? oder faule Jude von dem lebendigen Worte? oder der thoͤrichte Grieche von

dem Geiſte der ewigen Weißheit (die er weder geſehen

noch gehoͤret oder verſtanden) für ein Gott: Natur⸗

Schrifft⸗ und Glaubens⸗gemaͤßes Urtheil faͤlen? gar nicht: ſondern es gehoͤret eine gar viel andere Schule /

Gebuhrt und Proba / nehmlich der Goͤttlichen Offene

bahrung und Erneuerung in dem Geiſte des Gemuͤths /

(a's das Liecht der verborgenen Genade und Wahrheit J. C. mit Eröffnung des Reichs GOttes / ſamt dem

Anblick und Vorſchmack 2 Kräfſten der zukuͤnfſtigen

Welt /

Jacob Boͤhmens

Welt / und des guͤtigen Wortes Gottes in uns) dar⸗ zu; wie der Author dieſer Herzlichen Schrifften hin und wieder ſehr klaͤrlich und außfuͤhrlich davon zeuget / und anzeiget. 5 ar

53. Ja auch die von GOtt in dem Univerfal oder allgemeinen Haubtgrunde des ewig⸗webenden und les benden Wertes / erleuchtete Maͤnner unter den Hey⸗ den / Juden und Chriſten / haben gar auff eine viel an⸗ dere weiſe ihre Oracula, Spiracula, und Miracula oder Wunder / Worte / Wercke und Thaten / geſtudiret und gepracticiret / weder jetzige Synagogen / und Hoͤhen in Babel und Iſrael (ſonderlich die vorhin bey ſich ſelbſt fromme / kluge / ſehende / und reiche Frau Philautia zu Laodicea ) hören / ſehen / wiſſen / oder glauben und an⸗ nehmen wil / ob es ihnen auch ſchon GOtt ſel ber grob und ſtarck genug für die Ohren und Augen ſchallen und mahlen laͤſſet / daß fie es mit Händen greiff en möchten,

54. Davon wir mit der Huͤlffe Gottes / eine wohl⸗ beglaͤubte An: und Außfuͤhrung thun koͤnten / wenn es dieſes Orts Schickligkeit und von noͤthen. Iſt aber in Oculo Sydereo , Triade Myſtica, via veterum Sa- pientum , Evangelio Exulantum, Copia vom Greuel der Verwuͤſtung / Judicio Theomantico, Se- phiriele, Raphaele, und ſonſten genugſamer Anlaß zu weiterer Srforſchung des wahren Theofophifchen Grundes gegeben; wie auch andere Authores Neue und Alte / nebenſt H. Schrifft (beſonders in Oculo Sydereo) angezogen / bey welchen ein gruͤndliches und umbſtoͤndliches zu finden.

55. Moͤchte man auch des ſub No. 17. wohl⸗Ehren⸗ geachten frommen und Chriſtlichen J uriſten und Politi- ci J. Ang. Werdenhagens eee

Lebens⸗Lauff.

J. B. T. mit beſonderm Fleiße leſen / würde man dieſes Thema und Haubt: ſtuͤck von den Theodidadtis oder Gotts⸗gelehrten / wider die Coſmodidactos pder Welt⸗ gelehrten / mit Unterſchetd des Geiſtes aus GOtt / von dem Geiſte dieſer Welt / und wie die Freundſchafft und Weißheit dieſer Welt für GOte nur Feindſchafft und Thorheit ſey; ja endlich aus Be⸗ trug und Lift der alten Schlangen den Tod / das Ge⸗ richte / und ewige Verdamnuͤß mit ſich bringe / aus heiliger Schriſſt / Dr. Luthero und andern hoch⸗ge⸗ lehrtern Männern zur Genuͤge eroͤrtert und auggeführe befinden. Sonderlich da er in der Dedication an zehn fuͤrnehme Politicos (gleichſam mehr billige Richter / als theils genannte Theologi nicht ſeynd) Lit. a. C. c. 5. d. 3. Item pag. 63. 75. 365. 548. 604. unſers Teutonici mit beſondern Ehren gedencket.

56. So ſind auch ſonſten noch andere gute Schriff⸗ ten für die Liebhaber Goͤttlicher Weißheit oder wahrer Gottes Gelehrtheit verhanden / als da iſt Harmonia oder Concordangs derer fo die Welt nunmehr Catho⸗ liſch / Luthertſch / und Cal vlniſch oder Reformirt nen⸗ net / 1613. zu Augspurg gedruckt / welche ſo man fie hoͤrte / würde man Zeugnuͤſſe genug von ſolcher Funda mental Schulen in ihren eigenen Schrifften antref⸗ fen / davon doch ihre heutige lawe und faule Nachfol⸗

ger und Schuͤler / ſelber nichts mehr wiſſen / und den⸗ noch ſolchen Namen fuͤhren und behaubten wollen. Wie die Juden / welche ſich zwar Abrahams Saamen und Namen ruͤhmen: Aber Abrahams Glauben und Leben oder Wercke nicht haben; und Hilft nicht daß man der Verſtorbenen Heiligen und Propheten Graͤ⸗ ber von auſſen ſo ſchoͤne ſchmuͤcket und ſchmuͤncket / fo es doch von innen nur nach dem Tode und der Hollen . * * * 5 kim

u En

| Jacob Boͤhmens ſchmeckt und ſtinckt / wie Chriſtus die ewige Wahrheit und Weißhett ſelber zeuget / und beym Evangeltſten Match Cap gz. wohl acht mahl Weh uͤber ſolche Schrifft⸗gelehrten und Phartſeer ſchreyet! daran ſich

e

unfere Neullnge und Weichlinge wohl ſplegeln / und

ihre Geſtalt für GOtt in feinem Lechte und Gerichte / recht ernſtlich beſchawen möchten / würden ſie den al⸗ ten Natter⸗balg und Natur- ſchalck / oder den alles

verderbenden Anttchriſt nicht nur zu Rom und Con⸗

ftanttuopel 2 ſondern auch in ihrem eigenen Buſen /

Hlene / Hauſe und Hertzen / lnwohnende und wuͤrckende /

ja zuwellen gar ſtarck wuͤtende befinden. a a 57. Item / iſt auch ein geiſtliches Buͤchlein Daniel

Friedrichs , daß alle Chriſten vom gro | na

| 2 32. Fragen von ſolchem Grunde beantwortet werden. icht minder iſt in Clavi und Theologia Myſtica Maximil. Sandæi 1640, aus mehr dann 120. Au- thoren von der wahren geiſt lichen Gebuhrt / helligem Leben / und him̃liſchen Wandel mit Chriſto in GOtt: wie auch daſelbſt und ſonſten abſonderlich Joh. Tau- lero, Joh. Ruysbroch, Henr. Harphio, Henr. Süſ- fen al. Sufone, Thoma de Kempis (oder Joh. Ger- ſon) Deutſchen Theologia, Luthero, Joh. Arn- den, und andern zumahl alt Deutſchen erleuchten Maͤnnnern / eine ſolche Praxis oder Ubung der wahren weſentlichen Theologia oder Vottſeeligkeit enthalten / davon man kn den offentlichen Predigten der Kethoriſi- renden Kunſt⸗rednern jetziger Zeiten faſt wenig oder ſelten / ja wohl nichts / und nim mer hoͤret; und muͤſſen dennoch ihre Worte lauter heilig und Goͤttlich Ding / ja vom dritten Himmel herab geredet ſeyn / welches w

ahr

Lebens ⸗Lauff. wahrlich ein groſſer Ruhm / wenn man es in der Wahr⸗ heit alſo empfinden / oder auch aus ihrem Leben und Wandel vermercken und erlernen koͤnte; aber hleron mag die Erfahrung / und eines jeglichen Gewiſſen ſel⸗ ber reden und zeugen.

58. Wir ſchawen auff das Ewige / und bawen auff das Einige / und beſchlieſſen dieſe unſere Erinzes rung mit dem Gebeth unſers allein wahrhafftigſten Lehrers und Melſters J. C. da er im Geiſte ſich freue: te / und Matth. 11. und Luc. 10. alſo ſprach:

F509. Ich preiſe dich Vatter / Herz Himmels und der Er⸗ den / daß du ſolches ( Behetmnüß der Gottſeellgkeit) dehnen Weiſen und Klugen (dieſer Welt) verborgen haſt / und haſt es dehnen (Glaͤubigen und) Unmuͤn⸗ digen (deines Reichs) geoffenbahtet: Ja Vatter!“ En es iſt alſo (recht und) moylgrfällig geweſen für

m.

Geſchrieben den . Herbſt M. 1 5 in 1651. Jahre. Durch den A. V. F. gerichteten im Glauben.

* Wahr⸗

Jacob Boͤhmens

Wahrhafftige Relation Hꝛn. Cornelii Weiß⸗ ners Med. Doct. von des feel. Jacob Böhmen Sanfftmuth / Demuth und Freundlig⸗ keit. Item von dem Examine zu Dreß⸗ den / in Gegenwart Churfuͤrſtl. Durchl. und acht der fuͤrnehm⸗

ſten Profeſſoren / ꝛc.

Gottes Genade / ſamt Bruͤderliche Liebe und reue bevor! |

AR Egen feel. Jacob Boͤhmens Teutonici Nachricht und Ziugnüß zu geben / bin ich N ER zwar / Gott weiß es / willig und geneigt zu thun / weiß aber aus elgener Erfahrung we⸗ nig davon; doch fo viel mir bewuſt tſt / ſchreibe ich E. L. hertzlich gerne / und erkenne mich ein viel mehrers als ein ſolches ſchuldig. ö Meine Kundſchafft demnach mit gedachtem ſeeligen J. B. anlangende / iſt gemacht worden ohngefaͤhr im Julio 1618. zu Lauben in meinem Vatterlande / durch einen Handelsmann und Schneider (nunmehr in Gott⸗ ruhende ſeel. Libortum Schneller) der mit ſeiner Frauen Bruder / einem jungen Prediger / Namens Salomon Schroͤter / welche beyde des ſeeltgen ]. B. und auch meine gute Freunde waren / feine liebreiche ges treue Diſcipulos, dle ſich feiner Schriſſten ſehr befleiſ⸗ ſigen thaͤten / und auch ruͤhmliches gutes Erkaͤntnuͤß darinnen von GOTT erbehten und erlanget hatten. Ich aber war des Edelmans bey der Schweidnitz / Na⸗ mens Balthaſar Tilkens, Winder Præceptor = gen

Lebens ⸗Lauff.

ſen / und daſelbſt von ihme contrariam mentem (well er des ſeeligen J. B. Widerſacher war) contra illum (G Ott vergete mirs) fo gefaſſet hatte / daß ich ihme auch zuwider war / und vermeynte / daß er im Wahne der Reformirten ſteckete / wegen der Genaden wahl GOttes in feinem Sohne ic. daher die obgemeldete zween Freunde / als eines mahls der ſeelfge liebe Mann zu Lauben bey fie gekommen / mich zu ſich gebethen / und zu Cheiſtlicher Conferenß Anlaß und Gelegenheit ges geben / welches (dem lieben GOtt ſey Lob und Danck dafür geſaget) fo ſeellg abgelauffen / daß wir Freunde und mit billiger Hindanſetzung alles Argwohns und Irzthumbs / in Chrtſt bruͤderllcher Liebe Eines wor⸗ den; da der feclige Mann / meine (damahls gehabte Academiſche Ungeſtuͤmigkeit) mit hoch verwunder⸗ licher großer Freundligkeit vertragen / und in ſolcher Liebe diſcuriret / daß ich umb gehabter Gottes⸗furcht willen / ihme länger nicht reſittiren / ſondern der Wahr⸗ heit und der Freundligkeit des Geiſtes IE SU Chri⸗ ſti in ihme / mich ergeben muͤſſen; ſelt der Zelt habe ich ihn ſelber nicht geſprochen noch mehr geſehen.

Was aber den Actum Görlicenfem belanget / wel⸗ chen ich E. L. neulich zu N. erzehlet habe / denſelben alſo gewiß vernommen habe von vorgemeldeten ge⸗ treuen Freunden / nehmlich: Daß Antagonifta Gör- licenfis ille qui ibidem damahls Paſtor geweſen / des feel, J. B. feinem Schwager (einem jungen Baͤcker / der des ſeel. J. B. Bluts⸗ Freundin neulich gehelrahtet hatte) ein Thaler Geld zu feiner Nothdurſſt / umb Weihnachten Weitzen zum Strietzel backen einzu⸗ kauffen gellehen / dafuͤr er ihm zur Danckbarkeit einen · zimlichen großen Strietzel verehret / und ihme folgends bald nach den Feyer⸗Tagen Thaler Geld wieders

2

X: gr

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Jacob Boͤhmens

gebracht und abgezahlet habe / in Hoffnung der HerꝛPre⸗ diger würde ihm vor dieſe Zinfe des Thalers halben / wel⸗ chen er nur zwey Wochen gebraucht hatte / daran genuͤ⸗ gen laſſen. Der Prediger aber unwillig / ihme mit Got tes Zorn und greulichem Fluch gedreuet / und den einfaͤltt⸗ gen jungen Bäder fo gewaltig damtt erſchreckt habe / daß derſelbe in ſehr tieffe Schwermuth / Melancholey / und Zweiffel ſeiner Seeligkeit gerahten / weil er den Prieſter erzuͤrnet / und ſolchen Fluch von ihm vernom⸗ men hatte / alſo daß er etliche Tage lang Nlemanden kel⸗ ne Antwort hat gegeben / noch ron ſich ſagen wollen / was ihme ſchade / ſondern nur ſeuff tzend / und mit großer Betruͤbnuͤß mit ſich ſelber redend umbhergegangen; biß endlich auff feiner Ehefrauen hertzliches Bitten und Begehren ihr ſeellge Vaͤtter J. B. der Sachen ſich angenommen dem betruͤbten jungen Manne fo freund⸗ lich zugeredet / biß er von ihme erfahren was feln Aulle⸗ gen ſey; und nach dem ers vernommen / ihn getroͤſtet und Friede zugeſprochen / ſich auch auff gemacht / und ungeſcheuet zum erzürneten Prediger gegangen / ihn auffs freundlichſte gebethen nicht mehr mit dem jun⸗ gen Manne zu zuͤrnen / ſondern daß er ihn Genade fin⸗ den laſſen wolle / er wolte felber von des jungen Man: nes wegen ihn (den erzuͤrneten Prediger) was er fer⸗ ner vor die Zinſe des geliehenen Thalers halben von ihm begehre / contentiten / und es ihme gerne bringen / wann er nur wuͤſte wie viel der Herꝛ begehrte; Jedoch meynete er daß der arme junge Mann ſelner Moͤgligkelt nach genug dafuͤr gethan haͤtte / gleichwohl / ſo noch der Herꝛ vermeyne daß was mangele / wolte er ihm den Mangel erſetzen.

Darauff der Prediger mit Ungeſtuͤme heraus gefah⸗ ren: Was der Zerꝛfleck (J. B.) bey ihme zu rea

n

Lebens⸗Lauff.

ihn zu verunruhlgen / zu moleſtiren / und zu perturbi⸗ ren haͤtte? Was es ihn angienge / er ſollte ſelnes Thuns warten und ſich packen. Dieſer aber inſtaͤndig ange⸗ halten / und umb Genade gebethen / mit Erbietung Richtigkeit zu machen / und den Herꝛn zu contentiren, Der Herz aber ſich feiner Ungerechtigkeit und Unrechts geſchaͤmet / ſte nicht bekennen noch ſagen wollen was er begehre / ſondern nochmahls den Supplicanten oder Interponenten ſich zu packen geboten / ihme die Stu⸗ ben⸗thuͤre gewleſen / zu welcher er ſich heraus packen ſollte. Er aber der gebietende Herꝛ / auff feinem Stuh⸗ le geſeßen / Pantoffeln angehabt; und als der fromme zu GOtt ſeufftzende / demuͤtige / ſanfftmuͤtige / und ſehr llebreiche Interponent unverrichteter Sachen ſich weg⸗ gewendet / und im ausgehen der Thuͤre / dem zornigen Hern einen Chriſtlichen Valet-Seegen (G Ott be⸗ huͤt euer Ehrw.) geſprochen; derſelbe ſich erzuͤrnet / und wegen des Seegens noch viel uͤbler als zuvor geſtel⸗ let / den Pantoffel von ſeinem Fuß genommen / und ihn nach dem ſeel. Manne zur Thuͤre hinaus geworffen / ſagende: Was ſollſtu mir gottloſer Bube / noch viel gute Nacht ſagen / oder mir wuͤnſchen / was frage ich nach deinem Seegen ꝛc. Der liebe Mann aber uner⸗ zuͤrnet / habe den Pantoffel auff gehoben / ihm denſelben wieder zu feinen Fuͤßen geſtellet / und geſaget: Herꝛ / zuͤrnet nicht / ich thue euch kein Leid / ſeyd G Ott befoh⸗ len! damit zu dieſem mahl von ihm geſchieden. Biß Sonntags hernach der Prediger ſich auff die Kantzel ge⸗ macht / heſſtig invebiret / den ſeellgen lieben Mann Gottes namkuͤndig gema ht / greulich und erſchrecklich fulminirt / der gantzen Stadt den Untergang gedreuet / ihn aber einen Auffruͤhrer / unrahigen leichtfertigen Mann und Ketzer geſcholten / und dem Magtſtrat in præſentz

Jacob Boͤhmens

præſentz der Gemeine zum Rach⸗ſchwerdt wider ſol⸗ che Tumultuanten und Reſiſtenten des Hell. Predig⸗ Ambts / der die Prediger verunruhige / fie in ihren Haͤuſern uͤberliffe / und Keger: bücher ſchriebe / auff daß Gott nicht Urſache habe Über fie zu zuͤrnen / und im Zorne die Stadt ver ſincken zu laſſen / gleich wie den Auffruͤh⸗ rern Core, Dathan, und Abiram , die dem Moſe wis derſtunden / geſchehen / und alles umb ſie mit ihnen von der Erden verſchlungen / und in Abgrund der Hoͤllen muͤſſen ꝛc. vermahnet. Worauff der unſchuldige und falſch⸗beſchuldigte Mann / welcher eben am Pfeiler gegen über dem Predig⸗ſtuhl ſitzend / da er feinen Stuhl gehabt / und es alles ſelber gedultig mit angehoͤret / ſtille geſchwiegen / biß daß alles Volck aus der Kirchen ge⸗ weſen / er fo lange in feinem Stuhle gewartet habe / biß der Prediger mit ſeinem Capelan / oder Ambts⸗ Collegen aus der Droſt⸗Kammer durch die Kirche

nach Hauſe gegangen / ſey er ihnen gefolget / und ha⸗

be herauſſen auff dem Kirch⸗hofe den Herzn Prediger angeredet / freundlich gefraget: Was er ihm doch zu leyde getahn habe? Er wuͤſte bey fich ſelber nicht ſich zu erinnern / daß er thme ein übel Wort gegeben haͤtte / er wolle thm doch (in beyſeyn des Ehrw. Herꝛn Cape⸗ lang / der daſelbſt bey ihnen geſtanden und mit ihm ges. gangen) feiner Miffethat erinnern / und ſie namhafſt zu machen / auff daß er depreciren / und Buſſe thun koͤnne / die er gerne thun wolte / wann er nur wuͤſte was er wider ihn geſuͤndiget Hätte? Auff welches der Predi⸗ ger ihm nichts antworten wollen / ſondern ihn ange⸗ blicket als ob er ihn durchs Geſichte ermorden wollen / angefangen im Eyfer heraus zu geiffern / greulich zu in juriren und zu fluchen / ſagende: Hebe dich weg von mir Satan / trolle dich in Abgrund der Hollen mit det⸗ ö NER

Lebens⸗Lauff.

ner Unruhe / kanſtu mich nicht zu frieden laſſen / mu⸗ ſtu mich hier beſchimpffen und moleſtiren / ſieheſt du nicht daß ich ein Gelſtlicher bin (weiſende auff fein Summarien / oder ſchwartzen Prieſter⸗Rock) und in meinem Ambte gehe? ꝛc. Der betruͤbte und hochbelet⸗ digte Mann / zur Gegen⸗Antwort gegeben: Ja Ehrw. Herꝛ / ich ſehe wohl daß ihr ein Geiſtlicher ſeyd / habe es auch in der Kirchen gehoͤret wie es darumb befchaf: fen ſey / und habe auch geſehen daß er daſelbſt in ſeinem Ambte geſtanden / halte ihn auch billig und ohne alle weitere Wider⸗ rede für einen Gelſtlichen / kemme auch derowegen / und bitte ihn als einen Getſtlichen / er wolle mir doch ſagen was ich ihm zu leide gethan habe 2 Wandte ſich zu dem andern Getſtlichen Herꝛn Cape⸗ lan / und ihn bittende: Ehrw. lieber Herꝛ / helfft ihr mir doch den Herzn Prediger umb mein Anliegen ers bit ten / mir zu ſagen in eurem beyſeyn / was ich wider ihn geredet oder gethan habe / darüber er fo eyferig auff der Cantzel geweſen / und dem Magiſtrat die Rache bes

fohlen hat? Uber welches der Prediger ſich noch grim⸗ miger geſtellet / durch ſeinen Diener hinter ſich nach den Stadt⸗knechten oder Gerichts- dienern ſchicken wollen / ihn wegzunehmen / und in Thurn zu werffen / welches der Herꝛ Capelan widerſprochen und verhin⸗ dert / daß es nicht geſchehen / den lieben Mann entſchul⸗ diget / und nach Hauſe gehen heiſſen.

Folgenden Montag Morgends / als der Magiſtrat auff ihrem Rath⸗Hauſe beyſammen geweſen / und den uͤbel⸗Beſchuldigten für ſich gefordert / Ihn examiniret / und nichts Übels von ihm vernehmen / keinen Zorn noch Mißgunſt ſpuͤren / weder in Worten / Wercken noch Gebaͤheden / an ihme etwas mercken koͤnnen das

zu ſtraffen waͤre / ihn fragend was er doch dem Prediger zu

Jacob Boͤhmens

zu leide gethan habe? Er geantwortet / er wuͤſte es nicht / koͤnte es auch ſvon ihme nicht erfahren / bit⸗ te derohalben zum aller⸗ unterthaͤntgſten und aller⸗fleiſ⸗ ſigſten / die wohl⸗welſen Herren wolten doch den Deren Klaͤger oder Prediger kommen und ſagen laſſen was er ihm gethan habe? Auff welches der gantze Rath ge⸗ ſchloſſen / es ſey billig / daß man den Herin Prediger freundlich zu ſich bitten laſſe / und ihn noͤthige die Gra- vamina namfündfa zu machen: Haben darauff zwey Männer des Raths honorificè zu dem Hꝛn. Prediger geſchicket / und ihn bitten laſſen / zu ihnen auff das Kath: aus zu kommen / oder den Abgeſandten Herren die Gravamina ſpecificè zu entdecken! Woruͤber er chferig worden / ihnen ſagen laſſen / was er auff ihrem Gerichts oder Rath⸗Hauſe zu thun habe; was er zu: ſagen habe / das ſage er an Gottes ſtatt von der Cantzel / da ſey fen Rath⸗ſtuhl und Profeſſions- banck / was er da geſaget habe / deme ſollten fie nachkommen / und den leichtfertigen loſen verwegenen Ketzer der Stadt verweiſen / auff daß er nicht mehr dem Heil. Predige A mbte widerſtehe / und die Straffe Core / Dathan und Abiram über die ganze Stadt bringe ꝛc. Solchem nach haben die Herren conſulirt / und nicht finden koͤnnen / wie fie billig der Sachen abhelffen ſollten / ſich befuͤrchtende ihres Predigers Vehementz auff ſelner Cantzel / und geſchloſſen den unſchuldigen J. B. der Stadt zu verweiſen / in welchem Schluß etliche Maͤn⸗ ner des Raths nicht einwilligen wollen / ſondern auff⸗ geſtanden und davon gegangen / die übrigen aber exe⸗ quiret / und durch die Gerichts- oder Stadt⸗diener den unuͤberwieſenen getreuen Buͤrger / der Stadt ſtracks zum Thore hinauß verweiſen laſſen. Deſſen der gedul⸗ tigeſeelige Mann ſich nicht geweigert / ſondern aefı m n

Lebens⸗Lauff.

in Gottes Namen ihr Herren / ich wil thun was ihr be⸗ fehlet / und mich der Stadt enthalten / darff ich nicht vor in mein Haus gehen / und die meinigen mit mir neh⸗ men / oder zum wenigſten eine Nothdurfft mit ihnen reden? Ste aber ſolches ihme abgeſchlagen und ver⸗ weigert / ſagende / ſie koͤnten nun das Urtheil nicht aͤn⸗ dern / welches der gantze Rath geſchloſſen haͤtte / darinn habe er gehoͤret daß er ſtracks vom Rath⸗Hauſe mit Schimpf und Spott zur Stadt hinaus geleitet werden ſollte. Darauff er geſaget: Ja liebe Herren / es ges ſchehe / weil es nicht anderſt ſeyn kan / ich bin zu frie⸗ in Sey alfo hinaus verwiefen / über Nacht weg ge⸗ weſen.

Folgenden Morgen aber als der Rath wieder zu⸗ ſammen kommen / und ihre Uneinigkeit geſchlichtet hat⸗ ten / ſey ein anderer Schluß gemachet / dem verjagten unſchuldigen Mann nachgejaget / und auffs Land umb⸗ her geſchicket / geſuchet / und endlich gefunden / und ſo- lenniter wieder mit Ehren in die Stadt gefuͤhret wor⸗ den; welches ein Wunder von GOtt geweſen mitten unter den Teufels Acten und Decreten.

So vtel iſt des jenigen / deſſen ich fuͤr gewiß berichtet / daß es alles alſo geſchehen ſey.

Wegen des Accus zur Dreßden / weiß ich auch wohl fuͤr gewiß zu affirmiren / aber nur authoritate alio- rum fide dignorum & exceptione majorum , daß der ſeelige / wohl wie eine gejagete Hindin / aus und ein⸗ gejagete Mann Gottes / ſey zu Dreßden citiret geweſen / und von verſamleten vornehmen Doctoribus (Namens Herren D. Hoc, D. Meiſnero, D Balduino, D. Ger- hard, D. Leiſern, noch ein Doctor dehn ich jetzo nicht nennen kan / und zwey Profeſſoribus Mathematicis) in Churf. Durchl. Præſenß examinirxet / und feiner

Schriff⸗

Jacob Boͤhmens

Schriften halben zu rede geſetzet / auch in viel Weege mit aller ley Theologiſchen und Philoſophiſchen / auch Ma- thematiſchen Fragen angefochten / aber von keiner ders ſelben überwunden / noch durch} einige deroſelben eon- fundiret worden / ſondern fo glimpflich / und fo beſchei⸗ den den Herꝛn Examinatoribus geantwortet / daß fie ihm kein boͤſes Wort geſaget; Churf. Durchl. aber ſich hoͤchlich daruͤber verwundert / und einen Schluß ihrer Cenſur zu wiſſen begehret; Sie aber die Herren Doctores und Examinatores ſich entſchuldiget / und gebethen / daß Churfuͤrſtl. Durchl. Gedult haben wol⸗ te / biß der Geiſt des Mannes ſich deutlicher erklaͤren werde / fie koͤnten ihn nicht verſtehen / hoffeten aber er wuͤrde ſich hinfuͤro klaͤrer vernehmen laſſen / alsdann wolten und koͤnten fie urtheilen / jetzo aber noch nicht. Da dann auch der wohl⸗gegruͤndete Gottſeelige Mann / fie eine und andere Gegen⸗ frage ſoll gefraget / und ſie ihme auch Antwort ſollen gegeben haben mit zimlicher Beſcheidenheit / nicht ſehr unwillig noch ſehr eyferig / ſondern gleich wie beſtuͤrtzt geweſen / in⸗ dehme ſie von einem ſolchen einfaͤltigen Laien / derglei⸗ chen große Dinge unvermuhtlich zu hoͤren / und nicht moglich zu ver ſtehen gehabt; aber nicht gelaͤſtert haͤt⸗ ten / ſondern ungeachtet daß den Herren Theologis der einfaͤltige Mann zimlich wohl die Wahrheit fuͤrgehal⸗ ten / und von den Fabeln unterſchieden / mit groſſer Beſcheidenheit ſie geehret / und freundlich mit ihnen ge⸗ redet / allerley Irꝛthumb beruͤhret / gleich ſam wie mit einem Finger thren Urſprung gezeiget. Den Herren A- ſtrologis aber ausdruͤcklich geſaget: Ihr lieben Herren / ſehet / ſo weit iſt die Wiſſenſchafft euerer Matheſis richtig / recht / und gegründet im Geheimnuͤß der Nas tur / was aber daruͤber iſt / nehmlich diß / und * 0 | eyd⸗

\

Lebens⸗Lauff. Heydniſcher Zuſatz / Thumheit und Blindheit der Heyden / welchen wir Chriſten nicht zu folgen haͤt⸗

ten,

Alſo haben ſte ihn alfo zu frieden gelaſſen / und iſt in Pace dimittiret worden / auch ihre Churfuͤrſtliche Durchl. groß Genuͤgen an ſeiger Antwort gehabt: Ihn abſonderlich zu ſich gefodert / allerley Heimligkeit mit ihme geredet / und in allen Genaden ihn abgefertiget und nach Haufe gen Görltg geſchickt haben.

Mehrers kan ich mich nicht beßinnen / daß ich für ge⸗ wiß davon gehoͤret haͤtte; Aber nachderhand habe ich hoͤren die zween Herren Doctores Meiſnerum und Gerhardum feel, Wittenbergæ, von dem feel, J. B. reden / da fie ſich verwundert haben über der Continua- tion und Harmoney der Schrifften dieſes Mannes; Herꝛ D. Gerhard ſagte: Ja ich wolte die gantze Welt nicht nehmen / und den Mann verdammen helffen; der ander D. Meiſner ihm geantwortet: Mein Herz Bruder ich auch nicht / wer weiß was dahinter ſteckt; wie koͤnnen wir urtheilen was wir nicht begriffen haben / noch begreiffen koͤnnen / ob es recht / ſchwartz oder weiß ſey / GOtt bekehre den Mann ſo er irret / und erhalte uns bey ſeiner Goͤttlichen Wahrheit / gebe uns dieſelbe je länger je beſſer zu erkennen / auch Sinn und Muht fie aus zu ſprechen / und Vermoͤgen ſie fort zu pflangen ! Nane ward was anders geredet / und ich ſchied von

aͤnnen.

Ein andermahl habe ich gehoͤret / daß ſeel. D. Meif- ner zu Wittenberg geſaget / daß als des J. B gedacht / und gefraget worden was ihre Wohl Ehrw. vor ein Urtheil von ihme gebe? Hat er geantwortet: Er be⸗ gehre nicht darzu zu rathen noch zu helffen / daß der Mann condemniret oder ſupprimiret oder relegi et

werde /

Jacob Boͤhmens werde / er ſey ein Mann von wunderlichen hohen Gei⸗ ſtes Gaben / die man jetzo noch weder verdammen / noch approbiren könne. GO TT erhalte uns alle in Genaden bey ſeiner ſeeli⸗ gen Erkaͤntnuͤß JEſu Chriſti in uns!

Den 22. Febr. An. 1651. C. W. M. D.

Nachdem im Curriculo vitæ oder Lebens⸗ Beſchreibung $ 29. von Herın Abraham von Franckenberg kuͤrtzlich berühret des feel. J. B. Abſcheid aus dieſer Welt; haben wir den Context der folgenden Anmerckungen / und hochwichtigen Erinnerungen biß zum Ende zu nicht interrumpiren wollen / die umbſtaͤndliche Erzehlung ſeines Sterbens / und ſonderlich ſeiner Begraͤbnuͤß einzufuͤgen / ſondern hieher nacheinander geſetzt / und fuͤrs Erſte den aus⸗ Borken Bericht aus Herin D. Tobiæ Ko-

ers eigener Handt / an die Herren Schwei⸗ nichen geſchrieben / welcher folgender Geſtalt anfänger.

E MANUEL.

Dle / Seſtrenge / Wolbenahmte Herren N. N. N. . Schwelnichen aufm Schweinhaus / Hohn⸗ orff.

Den⸗

Lebens - Lauf.

Denſelben neben Erbietung meiner willigen Diens ſte / wuͤnſche Ich von GO TT alle ſeelige und zeitliche Wolfarth / und kan es nicht aus Chriſtlicher Condo- lentz umbgehen ſie zu berichten / wie es ſich mit unſerm Cheiſtlichen Mittbruder und GOttes Manne Jacob

Böhmen alhier zu Goͤrlitz zugetragen und verlauf⸗

fen hat. Denn als Er heute Donnerſtag 14. Tage den 7. November ſehr kranck und ſchwach mit groſſer Geſchwulſt und Mattigkelt anhero vom Schweinhaus gelanget / habe ich bald geſehen aus allen Circumftan- tiis, daß Er nicht lange Leben würde / darauff Ich auch bald Hꝛn. Melchior Bernt von der Zittaw herunter vermoͤget / welcher mit mir eines Sinnes concludiret, daß es zu weit entweder caufa ægri immorigeri oder naturæ motu ad mortem prædeſtinatam tendente mlt ihm kommen waͤre / und nicht mehr (weiln alvi fluxus, Rugitus ventris; dolores lancinantes late- ris ſiniſtri, excreſcentia ventris & pedum , Angu- ſtia pectoris, hians os, ſiccitas, conſumptio ſumma thoracis & faciei, Urina ruffa circulo nigro (quæ ſemper talis erat) von Anfang bald biß zu Ende vers handen waren /) als confortantia verhanden ſeyn muͤ⸗ ſten: Daran wir es nicht mangeln lleſſen. Nahm uns auch Wunder / daß gegenwertiger Chymicus, weiln

Er patient die gantze Zeit / als Er auff dem Schwein⸗

haus geweſen / kein ſonderlich Fleiſch genoſſen / Ihm nicht aus denſelben Eräfftige Deſtillata und Extracta endlich auff dem Weeg mitgegeben haͤtte. Haben alſo uns des lieben feeligen Jacobi angenommen / als moͤg⸗

lich geweſen. 5 Und als wir keine Rettung ſpuͤhren konten / und er von Tage zu Tage ſchwaͤcher worden / habe Ich und Chrt⸗ ſtoff Kuͤtter von der Sprottaw geſchloſſen / damit 7 Ihn

Jatob Boͤhmens

Ihn ohn Anſtoͤſſe (welche wunderlich hergegangen) alhier in ſeinem Vatterlande braͤuchlicher Welſe begra⸗ ben möge laſſen bey Ihm zu erwehnen / Coenam Do- mini zu nehmen / welches als wir Ihm angekuͤndiget / Es moͤchte die Laͤnge nicht mit Ihm waͤhren / und Ihn Gott von uns nehmen / Er ſolte ſich mit jederman verſoͤhnen / und ſich Communiciren laſſen / Er daſſel⸗ be verheiſſen und kuͤnfſtig ins Werck mit Gott zu ſetzen / willens ſeyn wolte / und ſolches von Mag. Elia. Theo- doro begehren / welches Ich Ihme zu Abends aviſirete und etliche Quæſtiones licet difficiles bey Ihm zu moviren Ihn erinnerte / darauff Er mich mit der fol⸗ genden Schedula (Lit. A.) beantwortet. Als Er auff den Morgen / nemlich den 15. Nov. gefordert worden / iſt Er bey Ihm erſchienen und nobis abſentibus aller⸗ ley mit Ihme geredet / und ſchlechte Quæſtiones (Lit. B.) moviret, und als Er mit Ihm zu frieden / Ihm Cænam Domini adminiftrirer hat. Darauff Ihm zugeſaget / Er wolle Ihn in ſein Gebeth nehmen und wetter beſuchen. Als nun ſolches im Namen G Ottes verrichtet / iſt er je länger / je ſchwaͤcher wor⸗ den / bey feinen Gedancken blieben / und ſich umb ter- reſtria weiter nicht viel bekuͤmmert. Folgenden Sonn⸗ abend / in meiner / Her n Hanf Rohten / Hern Mi- chael Kurtzen, und der Seinigen Gegenwart deute Ich ihm die Gefaͤhrligkeit des Lebens und Naͤhe des Todes an / darauf Er antwortete / in dreyen Tagen wer⸗ det Ihr ſehen / wie es GOTT mit mir geendet hat. Und als wir Ihn gefraget / ob er auch gerne ſter ben wolte ? Hat Er geantwortet. Ja / nach GOttes Willen. Darauff wir ihn GOtt befohlen / und ges wuͤnſchet / daß wie Ihn Morgen wils G Ott beſſer als jetzund findeten. Darauf Er geantwortet / daß ‚eu un

4

gebens⸗ Lauff.

uns GOtt Amen. Hterauff wir Ihn weiter in dieſer Welt nicht geſehen. f 5

Als es nun nach Mitternacht Sontags fruͤh komt / ruffet er ſeinen Sohn Tobiam, wie Lit. C. am Ende zu leſen / unter andern benennet Er von ſeinen Buͤchern ſo zum Theil ihm wiſſende ſeynd / dieſelbe abzufodern und einzumahnen / nach langem hernach geſaget / einer unter

euch ſoll zu Herꝛn Schweintchen; und alſo nichts weiter

aus Schwachheit geredet. Was nun damit gemeynet /

werden die Herꝛn Herꝛn als feine groſſe Patronen leichtlichen verſtehen / und ſich der betruͤbten hinterlaſſe⸗

nen Wittiben mit einem gratial vielleicht begegnen und biß weilen mit etwas zu Huͤlffe kommen / oder Ihr helf⸗ fen einrahten / weiln Sie alle Zuverficht auff ſie hat / wie ſte ihr Leben zubringen möchte. Wie dann auch der ſel. Jacob wieder fie geſaget / ſie wuͤrde nach ihm nicht

lange ſeyn. Iſt alſo wie der Bericht innehaͤlt / mit froͤ⸗

lichen Gebaͤrden fanfft und ſellg von feinen Stacheln in die ewige Ruhe vom Vatter des Liechtes abgefordert und verſchieden. |

Als Er nun eine halbe Stunde dafür ehe man die Stad ⸗Thor auffgeſchloſſen / ohne unſer Beyſeyn / als nur in der ſeinigen Gegenwart geſtorben / bin ich bald erfordert zu ihnen gegangen und mit ihnen GOtt ge⸗

dancket / daß ihn G—Ott zu ſich genommen / und ihm uns

allen zu Troſt ein ſanſſtes und ſtilles Ende verliehen hat / und weilen ſie alhie Niemanden gehabt / der ſich

ſeines Coͤrpers groß annehmen wuͤrde / und ihn beym

Leben fuͤr ſeinem Ende gefraget / wann Er nun ſtuͤrbe / was fie mit ihme machen ſolten / darauf geantwortet; Darumb befraget euch bey Doctr. Kobern / Hlerauff

ich mich deſſen angenommen und vermehnet / weilen Er communiciret hätte) es würde fchleunig fortgehen / Ber * wel⸗

Jacob Boͤhmens

welches gantz wiederſinnig ergangen; Dann weiln noch von Truͤbſal und Spott uͤbrig ware / und ihm les bendtg nicht erzeiget worden / vollend moͤchte auch fein Coͤr per mit Hohn in die Erde kommen.

Wle nun die Leich⸗ predigt neben einem auffgeſchric benen Dicto Apocalypf. 3. v. 5. und folgenden braͤuck lichen Bericht von feinem Leben / auch eines Ducate Verehrung beym Primario allhier ( Nicolao Tho- ma) iſt beſtellet worden folgenden Montags fruͤhe hat ers nach dem er ſeinen Namen hoͤren nennen / als⸗ bald von ſich geſchoben mit ſolchen Worten: Hinweg mit die ſem / Er thaͤte ihm keine Leich⸗ predigt / es moͤch⸗ te es thun wer da wolte / hätte auch verredet mit ihme zu Grabe zu gehen / denn jederman wuͤſte / mit welcher Schwermerey er dieſe Stadt und andere Land und Leute befleckt hätte, Darüber wir zwar beſtuͤrtzt / und uns ge⸗ tröſtet / G Ott würde uns wohl helffen die Leiche verſor⸗ gen / daß fie in die Erden kaͤme.

Ordnen darauff bald an eineSupplication durch Hꝛn. Michael Kurtzen zu machen / (wie Lit. D. ausweiſet) dem Buͤrgermeiſter / weiln kein Sttz⸗tag war / zu uͤbergeben / welches durch die Wittibe geſchehen ſollte. Als nun der Buͤrgermetſter ſolche empfangen / hat er nach Mit⸗ tage einen gungen Rath als in einer großen Sache zu judiciren / beruffen / und nach vielen wider ſinnigen Ju- diciis aus Approbirung der j uriſten, Humanum & pium effe, hæreticos honeſta ſepultura affici: und nach Ausſage M. Eliæ Theodori der genugſamen und vernuͤnfftigen Confeſſton halber / endlichen ge⸗ ſchloßen ihm eine Leich⸗ predigt mit gebraͤuchlichen Cereme nien zuzulaſſen / welche Predigt er ihm auch / wetln es der Primarius verredet / ob ers ihm gleich hat verwieſen / dennoch nicht hat thun wollen / thun mr |

mit

*

Lebens⸗Lauff. mit dieſem Beſcheid / daß er ſich moderirete / und des

vermeynten Irꝛzthumbs nicht gedencken ſollte.

Darauff wir wieder froh worden / und weiln die Stadt verſchloſſen / habe ich proponiret / wieder den Primarium nicht uͤber zu gehen / und ihm das Dictum ſo begehret wuͤrde auszulegen / neben dem Ducaten zu uͤberſenden: welches er wieder renuiret und ſpoͤttiſch von dem Dicto geredet / welches wir ihm nicht wuͤn⸗

ſchen wollen / er möchte ſonſt wie ein Kohl⸗ brandt aus⸗ ſehen. Darauff hat man es M. Theodoro offeriret

und ihn des Erb⸗Raths Abſchieds erinnert / welcher

gleichfals ſolches abgeſchlagen und dem Primario nicht

eingreiffen wolte. Saterüber wir das Lohn und das Dictum wieder bekommen / und nach beygelegter Bea ſtuͤrtzung noch eine Supplication durch Hꝛn. Hans

Rothen machen laſſen / Morgendes Tages als Diens⸗

tags einem ſitzenden Rath zu uͤbergeben / welches auch

geſchehen / wie (Lit. E) ausweiſet.

und unſerm feiner treuen Freunde Comitatu, wie

Unterdeſſen gebiete ich beym Todten⸗Graͤber das Grab zu beſtellen / und das Volck / welches auffgeſchrie⸗ ben zur Leich⸗Begaͤngnuͤß / zu erbitten. Als nun E. Erb⸗Rath weiter Flehen vermercket / gibt man Ant⸗

wort / Es ſoll M. Theodorus die Predigt thun / und ſoll in allem wie geſchloſſen / die Leich⸗Begaͤngnuͤß ges halten werden / und weiln die Predicanten ihrem

Sinn nachgelebet / ſeynd fie gezwungen worden mit

zu Grabe zu gehen (da der Moͤnch auch auffs Dorff

gewuͤſcht und durchs Raths Roß herein geholet worden) ausgenommen der Primarius, welcher ſich kranck ge⸗

macht und Artzeney (nehmlich ein Pfaff en⸗futter) eins

genommen hat. Darauff hat man mit groſſem Auffſehen der Leute

denn

Jacob Boͤhmens

denn auch andern Schuſtern / Gaͤrbern / und die Mit⸗ leyden mtr ihme gehabet / allen Spott nichts achtende / durch die juͤngſten Schuh⸗macher die Chriſtliche Leiche dahin getragen / und ehrlichen zur Erden beſtattet / und ſolches mit zwey Pulſen und der gantzen Schulen / GOtt ſey Lob / verrichtet. Ob nun ſolches wohl der Wittiben und den Kindern der Unkoſten halben ſchweht fuͤrgefallen / haben wir es dennoch wegen der Herren und welt und breit in der Welt anweſenden ſeinen guten Freunden alſo anſtellen laſſen. Haͤtten auch anderer Mittel zur Hand in der Naͤhe bey dem Hꝛn. Endern zu Leut holtzhayn gehabt / wie denn albereit ſolches ſchon beſchloſſen worden / wo wir keine Gunſt noch Urlaub allhier gehabt haͤtten / aber wir dancken dem lieben Gott / der es ſo weit gemittelt hat / daß ſich die Hinterlaſſe⸗ nen zu frieden geben können / und ſich wegen ihres lieben perſt orbenen Vatters keiner Unehre vor der Welt bes fahren duͤrffen. Soll auch aus meinem Angeben von E. Erb⸗Rath umb die Gebuhrts⸗brleffe der Söhne angehalten werden; welche ihnen in dieſem Truͤppel sicht werden verſaget werden. | Die Leich⸗predigt belangende ; ward mit einem wunderlichen und ſonſt unbraͤuchlichen Eingange an⸗ gefangen / dergeſtalt / daß (gar nicht unſerm Chriſtlichen Mit brudern wie ſonſt braͤuchlichen) er jetzo die Leich⸗ predigt thun ſollte / wolte aber lieber einem andern 20. Mellen zu Gefallen gegangen ſeyn / als ſolches ver⸗ richten / welln aber ihme ſolches von E. Erb⸗Rath aufferleget worden waͤre / muͤſte ers auff ſich nehmen und verrichten. Werden alſo die Herin Summarlen weiſe die Predigt welter vernehmen / durch Herꝛn Mi⸗ chael Kurtzen abcoplert (Lit. F.)

Als

Lebens Lauff.

Als er nun zu Ende den Bericht / wie und mit was Worten er ſein Ende beſchloſſen / leſen ſollen / laͤſſet er alles auſſen / welches einem jeden / er ſey wer er wolle und was er im Beſchluß geredet / nach der Leich⸗-predige wiederfähret / und beſchleuſt mit den Qu æſtionibus/ welche er gegen ihm fub Confeſſione moviret / des ren etliche in Conceptu Concionis annectiret wor- den ſeynd. I ſt alſo nun im Namen Gottes die Leich⸗Begaͤng⸗ nuͤß verrichtet / und der Coͤrper zur Erden beſtattet wor⸗ den. G Ott der Allmaͤchttge wolle unterdeſſen demſel⸗ ben in der Erden ſeine Ruhe / und am Juͤngſten Tage eine froͤliche Aufferſtehung von den Toden zum ewigen even amt uns allen allergnaͤdigſt geben und verleyhen / men.

Haben alſo ihm den letzten Dienſt erzeiget / und ihm und den ſeinigen ihre Ehre in der Welt retten und foͤr⸗ dern helffen: und es an uns mit Rath und That nicht mangeln laſſen. Sonderlichen als die erſten ſechs Ta⸗ ge nach feiner allhier Ankunfft feine Frau nicht dahei⸗ men geweſen / ſondern ihrer Nahrung halben nach Dreß den / und Bautzen verreiſet iſt / haben wir keinen Menſchen gehabt der ſeiner wartete / deßwegen den Hin. Michael Kurtzen angeſprochen / welcher ſich gantz willig erboten / und ihm Tag und Nacht mit Ein⸗ und Aushebung ſeines Leibes / mit heben und wenden treu⸗ lichen beygewohnet / daß er feel. Jacob wider mich ge⸗ ſaget: Herr Michael thut mir viel Gutes / huͤlſſt mir GOtt ein wenig auff / ich wil ihn nicht laſſen / ſondern foͤrdern wo ich weiß und kan / wie er es denn wohl wuͤrdig iſt. Denn keiner allhier meines wiſſens / ihm ſo treulich in allen Vermahnungen und Unterricht gefolget / und ſolche profectus ſacros in kurtzem durch

3 Goͤlt⸗

Jacob Boͤhmens

Goͤttliche Verleyhung erlanget / und frey ohne Scheu / ohne Heucheley und Menſchen Gunſt feineConciones, und noch ſeine taͤgliche Reden / umb der Wahrheit und Liebe Chriſti willen dahin richtet / daß er ehe glaube ich durch ein Feuer lleffe / ehe er würde die erkannte Wahr⸗ heit mit Heucheley ſpicken / daß mir alſo ſeines gleichen in der Beſtaͤndigkelt und Treuhertzigkeit kaum fuͤrkom⸗ men iſt / welches ich ihm mit Wahrheit nach ſagen darff: G Ott wird ihn Hoffe ich ein ſonderlich Werck⸗ zeug werden laſſen / waͤre derhalben billig / daß er mit Gelegenheit von den Edlen Herꝛn promoviret wer⸗ den möchte: Darumb ich freundlichen bitte fuͤrs Eine, Fuͤrs andere hat man über Einen Erb-Rath ſich gantz nicht zu beſchweren / ob gleich etliche ſeynd wider ihn ge⸗ weſen / iſt doch der meiſte Hauffen auff feiner Seiten ges ſtanden / und ihm nichts Boͤſes hat zuzumeſſen wiſſen / ſonderlich weiln er von dem Predig⸗Ambt noch nie⸗ mahls vocirt / vielwentger uͤberwteſen worden.

Iſt alſo fuͤrs dritte auff die Clerifey zu ſchieben / welche als ein Gifft fuͤrm Thiriac geflohen / und das Sepeliri lieber auff der Schedelſtaͤtte / halte ich dafuͤr / als auffm Kirch⸗hofe haben wollen / wenn wir nicht ans dere Weege gewuſt haͤtten.

Hat derwegen der Chrtſtliche Mit⸗ bruder nicht al⸗ lein in ſeinem Leben viel Widerwaͤrtigkeit / Hohn und Spott / wegen ſeiner hohen Gaben umb Chriſti willen leyden und ausſtehen muͤſſen / ſondern auch noch ſein Coͤrper (unangeſehen daß alle Predicanten auff der Cantzel ſchreyen / De mortuis nil niſi bonum dici) ſolcher Unehre von ihnen geachtet worden. GOtt helf⸗ fe nur daß ihnen und den ihrigen nicht groͤſſerer Spott zum Tranck⸗gelde wiederfahren moͤge; und damtt auff der Cantzel auch Mag. E. Theodorus libere 1 55

oͤn⸗

Sehens -Lauff.

koͤnnen / hat er von der Leich⸗predigt kein Lohn nehmen

wollen / ſondern wieder uͤber⸗ antworten laſſen / welches

nur aus Furcht und umb der andern Prieſter willen von denen er viel hören muͤſte / er hätte gethan was

braͤuchlich wäre geweſen / und ſich deffen nicht thellhaff⸗ tig gemacht / ſondern daß er waͤre vom Rath dazu ge⸗ zwungen worden / geſchehen iſt.

Haben alſo einen theuren / erleuchteten / hoch von Gott gelehrten lieben Mann und Vatter verlohren und voran geſchickt / welchen wir vielmehr / als ge⸗ ſchehen iſt / haͤtten ehren und in acht nehmen ſollen. Ich meyne uns Goͤrlitzer / deſſen wir nicht werth gewe⸗ ſen ſeynd; welchen wir haben geſpottet / ſeinen Namen nicht gerne genennet / ſondern einen Schwaͤrmer / En⸗ thuſtaſten / und Fantaſten offentlich geheiſſen. Nun wie dem allen / er iſt dahin. GOTT helffe daß wirs erkennen / und ſeine Reden an uns nicht erfuͤllet wuͤr⸗ den / welche er vielmahls zu ſeinen Freunden und treuen Brüdern geſagt : Dencket an mich / wenn ich werde hinweg kommen / wie GOtt mit der Stadt umbgehen wird / es wird ihr viel Ungluͤck begegnen.

Nun iſt nichts uͤbriges mehr allhier / als daß man fein Grab mit einem oder anderm Dicto ziere. Seclig iſt der Mann der die Anfechtung erduldet / Jacob. 1. Seelig ſeyd ihr / wenn euch die Leute umb meinent wil⸗ len ſchmaͤhen / Matth. 5. Wollen hier nun die Edlen

Herren etwas thun / und ihm ein zierliches Creutze mit breiten Tafeln / und oben einer Meſſinger oder ver⸗ guͤlden O machen laſſen / ſtehet ihnen frey / da⸗ durch man ſein Grab / welches bald mitten auff dem Kirch⸗Hoff oder Gottes⸗Acker iſt / fuͤr andern bald er⸗ kennen möge. Allhier wird nun ein ſchwartzer Kaſten

* * . 4 2 ans

Jacob Boͤhmens

angeordnet / und wird hiemit den Han, Hın, S. G. nichts. fürgefchrieben / ſondern appendicis loco nur erwaͤhnet: welches wir fonften dergeſtalt faſt geſchloſ⸗ ſen haben.

Wollen hlemtt endlichen die Edlen / Geſtrengen Herren / neben unſerer aller freundlichen Gruß / dem barmhertztgen GOTT empfehlen / ihnen die hinter⸗ laſſene betruͤbte Wittlbe und Waiſen Chriſtlichen und Vaͤtterlichen commenditen / und darbey bitten / auch wie fie thun und ſeynd die Linferigen Guͤnſtig⸗ lichen zu verbleiben. Datirt Goͤrlitz den 21. Novembr. Anno 1624.

Ihro Geſtr. Dien ſtwilliger Tobias Kober. Auff⸗Schrifft.

Denen Edlen / Geſtrengen und Wohlbenam⸗ ten Seren / Gꝛn. N. N. N. von Schweinichen / auff dem Schwoeinhaus Hohndorff / Meinen groſſen Patronen.

Lit. A.

Lebens ⸗Lauff.

Lit. A. Cl. Dn. D.

Ofhcio meo craftina Luce, vol. Deo non deero præſciente tamen Dn. Primario ob cauſas, quas mihi domi ſervo. Interim vale & ſalve à Tuo | M. E. Th.

K

Die Quæſtiones, die beym Hꝛn. Jacobo ſeeltgen von Mag. Elia Theodoro, als er ihn communiciren ſollen / geruͤget worden / find nicht mehr als dieſe gewe⸗ ſen. 1. Ob er ſich fuͤr einen Suͤnder erkennete? dar⸗ auff er Ja geantwortet. 2. Es ginge ein Büchlein oder Lehre herumb / ob er ſich darzu bekennete? Dar⸗ auff hat er auch Ja geſprochen / Er bekenne ſich dazu / und wiſſe gaͤntzlich daß es wider den wahren Grund der Chriſtlichen Lehre des gantzen Neuen Teſtaments nicht ſeyn werde. 3. Wann ihme GOtt wieder auff⸗ huͤlffe / ob er ſich auch zur Chriſtlichen Gemeine und Verſamlung finden wolle? Hierauff hat er gleichfals wie vorhin annuiret. 4. Ob er ihme gedaͤchte auff das theure Verdienſt des Sohns GOttes / unſers HErzn und Heylandes I Eſu Chriſti zu leben und zu ſterben? Als er die ſes auch verjahet / hat der Predicant ihm das Abendmahl gereichet / und darauff geſprochen; Weil er jetzt feinen Zuſtand und Mattigkeit ſehe / daß er nicht viel Worte zu reden vermoͤchte / wolte er jetzund wieder ſeinen Abſchied genommen haben; doch ſo die Kranckheit laͤnger waͤhren mochte / ihn wiederumb befus

chen; ſonderlich da er etwan alleine zu ihme kommen moͤchte. 9 Lit. C.

7

Jacob Boͤhmens Lit.

Vita & verba Cygnea noſtri defuncti, wie wir das auffs kuͤrtzſte und ſchlechteſte auffge⸗ zeichnet / dem Herren Predicanten (zum Ableſen nach der Leich predigt) uͤberreichet

haben.

Jacob Boͤhme geweſener Schuſter allhier / iſt von Chriſtlichen Eltern zu dieſer Welt gebohren wor⸗ den / als man geſchrieben 1575, zu Alt Seidenburg: Sein Vatter iſt geweſen Jacob Böhme feine Mutter

Urſula / Bauers⸗- leute daſelbſt. Von dieſen feinen

Eltern iſt er Chriſtlichen erzogen und zur Schulen ge⸗ halten worden: biß er endlich das Schuhmacher Hand⸗ werck gelernet hat / darauff gewandert und endlich Metſter worden / da man geſchrieben hat 1594. in welchem Jahr er ſich auch in Eheſtand begeben mit der damahls tugendſamen Jungfrauen Catharina Kunſch⸗

manntn / Hans Kunſchmans geweſenen Fleiſch⸗hauers Tochter : mit welcher er vier Söhne gezeuget / von welchen ein bey GOrt / drey aber noch im Leben / denen G Ott feinen Seegen geben wolle. In waͤhrender Ehe

aber hat er ſich mit ſeinem Weib gar friedlich began⸗ gen / wie auch mit allen Nachbaren / wie ſie ihme deſſen gute Zeugnuͤß zu geben wiſſen. Er hat ſich auch fleiſſtg zu GOttes Wort gehalten und zu den H. Sacramen⸗

ten. Seine Kranckheit belangende / hat gewaͤhret

14. Wochen / da er doch in ſolcher Zeit nicht immer

darnteder gelegen. Als aber die Kranckheit Uberhande genommen / und er vermercket daß ſeines Lebens nicht mehr ſeyn wuͤrde / hat er ſich mit maͤnniglich verſ 1 |

| auch

Lebens⸗Lauff.

auch das Abendmahl des Freytags fruͤh / war der 15. Tag Novembris, empfangen. Auff den Sonntag fruͤh aber hernach berufft er feinen Sohn Tobiam, und fragte ob er auch hoͤrete die ſchoͤne Mufic ? Als der ſaget Nein / ſpricht er / man ſolle die Thür oͤffnen / daß man den Geſang beſſer hoͤren koͤnne. Darnach fraget er wie viel es geſchlagen? Als man ihme aber benennet es habe zwey geſchlagen / ſagt er das ſey noch nicht ſei⸗ ne Zeit / nach drey Stunden ſey feine Zelt. Unter: deſſen redete er dieſe Worte einmahl / O du ſtarcker GOTT Zebaoth / rette mich nach deinem Wil⸗ len : Darnach / O du gecreutzigter E RR JESU CHRISTE / erbarme dich meiner und nimm mich in dein Reich. Als aber komt umb ſechs Uhr / nimt er Abſchetd von feinem Wetb und Söhnen / geſeegnet fie / und ſpricht darauff / Nun fahre ich hin ins Paradeiß; heiſt ſich ſeinen Sohn herumb wenden / und erſeufftzete tieff / und verſchied alſo gar fanfft und ſtille von dieſer Welt. Sein gantzes Als ter erſtreckt ſich in die 49. Jahr / inſtehende im 5 oſten.

GOtt verleyhe dem Eörper in der Erden eine ſeelige Ruhe ꝛc.

Textus Concionis. Apoc. 3. v. 5.

Wer uͤber windet / der ſoll mit weiſſen Klei⸗ dern angethan werden; und ich werde ſeinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens / ꝛc.

Dieſen Spruch zu erklaͤren hat man begehret: aber es dauchte die Herren Geiſtlichen ein lächerliches Ding ſeyn / und wolten nicht / ſpotteten nur und ſpitzten damit. 1. 6 Lit. D.

Jacob Boͤhmens Lit. D. } Supplication dem Han. Bürgermeiffer wegen der Leichen übergeben.

Ehrenveſter / Achtbar und wohlwelſer Herr Buͤr⸗ germeiſter; Well der Herꝛ ſeiner Ehrenveſten / ſo wohl aller in gemein als vornehmlich betruͤbter Wittwen und Walſen von Gott zum Patron, Schutz und Bey⸗ ſtand geſetzt: Als ſoll ich jetzo betruͤbte Wittwe / ne⸗ benſt meinen verwaiſenen Kindern / auch billig Zuflucht nehmen zu demſelben. Bitte demnach gantz unterthaͤ⸗ nig; Es wolle doch der Her: ſeiner Ehrenveſten meine demuͤtige Supplication und Flehen annehmen. Es iſt aber an dem / daß mein vielgeliebter Mann und Haus⸗ wirth / nach GOttes Willen geſtriges Tages mit Tode verblichen; Nun habe ich denſelben wie mir gebuͤhret Chriſtlichem Brauch nach / morgendes Tages zur Er⸗ den beſtatten wollen / und demnach bey Zeit zum Herꝛn Primario geſchickt / das Begraͤbnuͤß zu beſtellen; Es hat aber der Her: Primarius (wider alles das / daß er wider das Miniſterium wie allezeit / alſo auch an ſei⸗ nem letzten Ende nicht gehandelt / indehm er ſich naͤhe⸗ ſtes Freytags Herꝛn Mag. Eliam Theodorum com- municiren laſſen) ſich gewegert nicht allein die Leich⸗ predigt zu thun / ſondern auch mit zu Grabe zu gehen. Was nun in dehm fein Bedencken ſeyn moͤge / verſto⸗ hen wir nicht. Allein als eine betruͤbte Wittibe nes benſt meinen verwatſeten Kindern / nehme ich Zuflucht zu dem Herꝛn feiner Ehrenveſten / und bitte demuͤtig / Er wolle doch in den Sachen nach ſeiner Weißheit mitteln helffen; damit wir die Leiche eheſtes mögen zur Erden bringen / ſintemahl er ſehr zerſchwollen geweſen / und nicht taugt laͤnger zu liegen / und mir als wo.

e⸗

Sebeng - Lauf. betruͤbten Wittibe in dieſer Truͤbnuͤß mit Rath und

That beywohnen. Solches umb den Herꝛn Bürgers

meiſter in aller Unterthaͤntgkeit und Danckbarkeit in allen muͤglichen Dingen wieder zu verdienen / ſind wir jederzeit willig.

Actum Goͤrlitz / 17. Noy.

Anno 1624. Catharina / die Jacob

Boͤhmin und Erben, Lit. E. Supplication an E. Erb. Rath.

Edle / Ehrenveſte / Achtbare / Hoch⸗ und Wohl⸗ weiſe / Hoch⸗ und Wohlbenamte / Groß guͤnſtige gebie⸗ tende Herren : E. E. Hoch⸗Weißhelten ſollen wir aus bekuͤmmertem betruͤbten Gemuͤhte unberichtet nicht laſſen / welcher geſtalt wir / wegen Beſtellung unſers lieben in Gott⸗ ruhenden Mannes und Vatters Leich⸗Begaͤngnuͤſſes / noch geſtrigen Abend / abermahl und zuvor an den Herꝛn Primarium feiner Ehrw. und dann als derſelbe auff feiner vorigen / und daß er ſolches verredet / gefaſſeten Meynung beruhet / alſofort den Herꝛn M. Elias Dittrichen / S. Ehrw. E. E. Hoch⸗ Weißheiten uns gegebenen Beſcheids erinnert / und gantz fleiſſig umb die Begleitung unſerer Chriſtlichen Leiche und derſelben Leich⸗predigt erfuchen laffen 3 wel⸗ cher dann mit dem Herꝛn Primar io gantz einſtimmig geweſen: und haben alſo beyderſeits deſſen / warumb

wir fie E. Edl. Hoch⸗Weißheiten gemaͤßem Befehl und Decret nach / angelanget / ſich geweigert / und dar⸗ wider allerhand Difficultäten angeführet / und alſo b 7

auff

. 2 2 *

Jacob Boͤhmens auff dato noch ſo viel an ihnen / an Fortſtellung un: ſers nothwendigen Chriſtlichen Wercks / uns verhindert und zuruͤck gehalten.

Alldieweiln es aber mit der Leiche alſo beſchaffen / daß fie von der Geſchwulſt trefflichen auffgelauffen / und ſtuͤndlichen zu beſorgen / daß fie aufſpringen / und dadurch hernach mit ihr einen ſolchen Weeg gewinnen moͤchte / daß fie von Niemanden behandelt werden koͤnte. Und dahero es hiemit / keines fernern Verzugs und derglet⸗ chen Wettlaͤufftigkeit gar nicht leyden wil. Als leben zu E. Ed, Hoch-Weißheiten wir der gantz tröfflichen gehorſamen Zuverſicht / ſte dieſem Unweſen zeitlichen vorzukommen / uns großguͤnſtig vergönnen und zulaſſen werden / daß wir annoch heute unſere Chriſtliche Leiche (die Leich⸗predigt / weiln allermeiſt darumb difhcul- tirt wird / und dem ſeelig Verſtorbenen auch aus Neyd und Haß felbige mehr zu Spotte als zu feinen Ehren verrichtet werden duͤrffte / gern hindangeſetzt) nichts deſtoweniger mit einer gantzen Schulen Begleitnüß und andern Chriſtlichen hier gewoͤhnlichen Ceremo- nien / Grab⸗Lledern / und Geſaͤngen zu gewöhnlicher Zeit und Stunde / austragen / zur Erden und ſeinem Ruhe⸗bettlein bringen / beſtatten und beyſetzen laſſen moͤgen: Warumb E. Edle Hoch⸗Welßheiten umb der allgemeinen Chriſtlichen Lebe und die Barmher⸗ tziakeit IEſu Chriſti willen / wir gehorſamlichen an⸗ geflehet haben wollen / deroſelben foͤrderlichen gewtertgen Beſcheides erwartend. Und ſolches umb E. E. Hoch⸗ Weißheiten mit unſerm getreuen Gebeth zu GOtt wieder och Weiß NR |

E, €, Hoch⸗Weißheiten gehorſame E. H N. N. Jacob Böhmens hinter⸗ bliebene Witt we und Erben. Lit. F.

gebens » Lauf.

Lit. F.

Nach dem die dreyppredicanten excepto Dno. Prima- rio valetudinario, volentes nolentes haben muͤſſen mit zu Grabe gehen / find ſte al ſobalbe / nachdem fie für die Forder⸗thuͤr des Coenobii kommen / ausgewlchen / und nicht wie ſonſt braͤuchlich mit der Schulen biß in die Kirche nachgefolget / da denn jederman des gemeinen Poͤbels die guten Herren beklagt / daß ſie haben mitte zu Grabe gehen / und ſich ſo erzuͤrnen und erboͤſen muͤſ⸗ fen / daß ſich die guten Herren hätten mögen zer ſtoſſen: Aber es iſt M. Elias Theodorus allein in die Kirche gegangen / und nach gehaltenem Geſang iſt er auffge⸗ tretten / und hat ſich mit einem ſolchen Præambulo maͤnniglich purgiret / daß man ihn nicht etwan auch fuͤr einen ſolchen halten wolle als der Verſtorbene gewe⸗ fen / weil er ihme die Leich⸗predigt thun muͤſte.

Sequuntur formalia ferme ipſius.

Geliebte ꝛc. Es möchte ſich vielleicht jemand wun⸗ dern / wie daß ich ungewoͤhnlicher Weiſe aufftrette zu predigen / ſintemahl ſolches nicht mir / ſondern dem Hꝛn. Primario ſelbſt zuſtaͤndig: doch weil mir ſolches von E. Erb⸗Rath demandirt und aufferlegt; habe ich ſolches auff mich nehmen muͤſſen / und wolte lieber en Meilen davon ſeyn / wenn ich es möchte umb⸗ gehen.

Darumb wil ich E. Ehrw. L. umb Gottes willen gebethen haben / fie wollen nicht meynen / als ob ich et⸗ wan auch ſolchem Irꝛthumb zugethan wäre, Denn ich bezeuge offentlich als fuͤr der Heil. Dreyfaltigkeit. 1. Daß ich nicht anders halte oder lehre / als was ich

dem

Jacob Boͤhmens

dem Prophetiſchen und Apoſtoliſchen Schrifften ges maͤß befinde / und was einſtimmig mit den Ortho- doxis Symbolis und Confeſſione Auguſtana. Pro 2. Daß ich auch von dieſer Predigt kein Heller noch Pfenning genommen oder begehret; ſondern thue ſie umbſonſt / daß nicht jemand ſagen duͤrffe / als geſche⸗ he ſolches von mir umb ſchaͤndliches Gewinnes und Gelds willen.

(Diß ſagte Er publicè, aber ſonſten privatim ſpricht er / fo wohl zu der Wittib als zu dem Läuffer / der das Begraͤbnuͤß beſtellet / Ich wil alſo ſagen / und nichts von = 5 / darnach werdet ihrs wohl mit mir machen.

3. Auch fo weiß die Thriſtliche Gemeine wohl / daß man nicht umb der Todten / ſondern umb der Lebendi⸗ gen willen die Leich⸗predigten zu halten pfleget; So wollen wir zu dem mahl etwas nuͤtzliches aus GOttes Wort zu handeln für uns nehmen / daß es gereiche zu GOttes Lob und Ehre / zur Erbauung ꝛc. und ſolches zu erlangen / wollen wir mit einander bethen ꝛc.

Textus Concionis-

Allen Menſchen iſt geſetzt einmahl zu ſterben / darnach das Gerichte.

Geliebte ꝛc. Als der Mann Gottes Moſes Deut. 32. weiſſaget von den Kindern Syfrael ihrem Ungehor⸗ ſam und Halsſt arrigkeit; da ſpricht er / O daß fie welſe waͤren und vernaͤhmen ſolches / daß ſie ver ſtuͤnden was ihnen hernach begegnen wird. In dieſen Worten haben wir elne Klage über die verſtockten Juden / welche 1

ungehor⸗

Lebens⸗Lauff.

ungehorſam geweſen dem HErren in der Wuͤſten und allezeit. Was aber Moſes damahls geklagt hat / eben das muͤſſen wir Lehrer und Prediger noch heute klagen und ſprechen auch von unfern Zuhoͤrern / O daß fie weis ſe waͤren und vernaͤhmen ꝛc. Denn es werden heute zu Tage viel gefunden die auch ihren Hort und Felß ver⸗ werffen / und leben in eitel Geitz und Wolluſt / lieben Zeitliches und Vergaͤngliches mehr denn GOtt und fein Heil. Wort / hangen an der Augen⸗Luſt / Flei⸗ ſches⸗Luſt / und boffärtigem Leben in Betrug und Liſt ꝛc. Darumb muͤſſen wir auch heute nicht ſtille ſeyn und ſchweigen; ſondern immer klagen; Ach daß fie welſe waͤren ꝛc. Denn gleich wie wir leſen Exod. 28. Das AaronGlböcklein an feinem Rocke waren gemacht / daß er alſo nicht konte ſtille gehen ꝛc. Alſo wil uns auch gebuͤhren / daß wir keinmahl ſollen ſtille ſeyn / ie. Wir muͤſſen aber vor allen Dingen wohl das Ende und den Ausgang betrachten / wollen wir die rechte Klugheit und Weißheit finden / dannher ſagt Sirach 7. Alles was du thueſt fo bedencke das Ende / fo wirſtu nimmer⸗ mehr ſuͤndigen / wolte G Ott fie waͤren weiſe und bes daͤchten das: Denn es iſt allen Menſchen nur einmahl geſetzt zu ſterben / und hernach das Gerichte ꝛc. Dans nenher bethet auch David Pfalm 39. HERR lehre doch mich / daß es ein Ende mit mir haben muß / und mein Leben ein Ziel hat / und ich davon muß. Und Pfalm go. Moſes / ach Herꝛ lehre mich ꝛc. Denn es ſagt ein alter Lehrer Auguſtinus: Nihil fic revocat à peccato quam frequens mortis Meditatio. Das mit wir uns aber im Exordio nicht länger auff halten; ſondern aus dem verleſenen Spruch etwas zu unſerer Beſſerung anhoͤren und lernen / ſo wollen wir daraus dleſen einigen Lehr⸗punct zu handeln für uns * - &

Jacob Boͤhmens Als

I. Was ein jedweder frommer Chriſt fein gantzes Leben lang gedencken und für Augen haben ſoll.

Darʒu wolle uns GOtt ꝛc.

I. Communis mortalitas, davon ſagt der Text: Den Menſchen lſt geſetzt einmahl zu ſterben; Dieſes iſt zu verſtehen / univerſaliter von allen in gemein / denn es iſt Niemand except und ausgeſchloſſen / er ſey wes Standes / Ehren / Geſchickligkeit ꝛc. er immer wolle / ſo mag er noch dennoch dem Tode nicht entwer⸗ den / hiervon zeuget nebenſt der taͤglichen Erfahrung und dem Augenſchein die Schrifft: Als wenn Sirach klagt Sap. 40. Es tft ein elend jaͤmmerlich Ding ꝛc.

Ela. 40. Alles Fleiſch iſt Heu ꝛc. Denn wir find allzu⸗

mahl Suͤnder / und mangeln alle des Ruhms / dehn wir an G—Ott haben ſollen: Umb der Sünden willen aber iſt der Tod in die Welt kommen ꝛc. Rom. 5:6. Pſalm 89. Wo iſt ein Menſch der da lebet und den Tod nicht ſehe? dannenher wird der zeitliche Tod hin und wieder in der Schrift ; als Joh. 23. 1 Reg. 2. Der Weeg aller Welt genennet. So kan nun den Tod Niemand vermeiden / er ſey gleich jung / reich c. 1. Wenn ein Juͤngling ſtirbet / wird man betruͤbt / weil man vermey⸗ net / Er haͤtte noch eine gute Weile den ſeinigen zu Troſt leben und Nuͤtz ſeyn koͤnnen: Aber der Tod ſcho⸗ net nicht / man traͤgt ſo bald junge als alte Leute ꝛc. 2. Einen alten ehret jederman ꝛc. und fürchtet ihn: Aber der Tod ehret Niemand ꝛc. Die Menſchen in der erſten Welt / ob ſte ſchon ſehr alt geworden / haben dennoch endlich ſterben muͤſſen / Adam / Seth / Me⸗

thuſalah /

Lebens⸗Lanff.

thuſalah / Noah ꝛc. 3. Ein Reicher ob er ſchon viel Geld und Gut im Vermoͤgen hat / kan ſich doch damit wider den Tod nicht falviren ꝛc. Alles was in dleſer Welke iſt / es ſey gleich Silber / Gold oder Geld / es waͤ⸗ ret nur eine kleine Zeit ꝛc.

4. Ob gleich auch mancher in groſſen Ehren und Anſehen wegen ſeines hohen Standes / Weißheit / Kunſt ꝛc. Dannher ſpricht Sirach 16. Heute Koͤnig / morgen todt. Dieſes haben auch die weiſen Heyden er⸗ kannt ; wenn ſte ſagen: Mors ſceptra ligonibus zquat; item, Mors æquo pede pulſat pauperum tabernas Regumque Turres, dannher iſt billig und wird genannt der Tod Judex ſeveriſſimus qui non timet nec veretur quemquam. Simſon war ein vor⸗ trefflicher ſtarcker Held ꝛe. ſed non prævaluit mor- ti. Abſolon pulcherrimus, leſabel war ſchöͤne und eines Koͤnigs Tochter / Salomon Sapiens: Ha- ſael celerrimus: at mortui ſunt. Und hat der Tod nicht nur über die Gottloſen über Han nam und Cai- pham jederzeit geherꝛſchet: ſondern auch die Heiligen Gbttes: denn fie haben alle das ſuͤndliche Fleiſch an ſich gehabt / Über welches der Tod feine Herꝛſchung und Regiment / 1 Cor. 15. Fleiſch und Blut koͤnnen das Reich G—Ottes nicht erben.

Ex ͤ hoc concludimus communem eſſe omnium mortalitatem; O! daß wir nun weiſe waͤren ꝛc. 22. Horæ mortis inæqualitas. Denn Niemand weiß / wenn ihm ſein Ende beſchehret / und wo der Tod über ihn kommen möchte : Diß lehret Paulus im ver⸗ leſenen Spruch; auch Luc. 7. lefen wir von der Witt⸗ wen Sohn zu Nain, welcher in feiner Jugend vor ſet⸗ ner Mutter geſtorben: & alia exempla Mortis diſſimilia nihil enim tam parvum & exiguum nd 4 o-

Jatob Boͤhmens

hominem vita ſpoliare non poſſit. Exempla Mor- tis. 1. Diogenes Polypum comedit & moritur. 2. Sophocles ward von einem Gewoͤlb erſchlagen. 3. Accor. 20. fällt der Knabe vom Soller.

Wie nun einer ſtirbet und auß gehet aus dleſem Leben / alſo wird er gerichtet / und alſo wird er am juͤngſten Tage erſcheinen. Es ſind ihr aber viel auß gegangen durch mancherley Weege des Todes; Wenn nun einer wuͤſte / wenn er ſterben ſolte / ſo wuͤrde er ſich ja gefaſt machen: Aber die Zeit und Stunde iſt uns verborgen / und gar ungleiche unter den Menſchen Kindern.

O! daß wir weiſe waͤren und nicht ſicher / ꝛc.

3. Termini fatalis propinquitas: Dieſer Spruch iſt gezogen aus dem 14. Syrach. da geſagt wird / dem Menſchen ſey ein Ziel Geſteckt / das koͤnne er nicht übers ſchreiten: Darumb iſt dieſes Ziel wohl zu bedencken / einem ieden frommen Chriſten / den Niemand kan halten Wenn er dazu komt / ſo iſt fein Lauff aus / und fein Leben nimt ein Ende. Wie ein Pfeil / wenn er geſchoſſen wird nach dem Ziel / wenn er daſſelbe erreicht fo Fälle er ein: Alſo auch des Menſchen Leben. ꝛe. Gleichwie in einem Schiffe das auf dem wilden Meer faͤhret / die Leute fie ſchlaff en oder wachen / ſie gehen oder ſtehen / ſt zen oder llegen / fo werden fie doch dem Anfurt immer näher zu gefuͤhret: Alſo auch die Menſchen. ꝛc. Danen⸗ her ſagt Seneca: dum Creſcimus, vita noſtra decre- ſcit. O! daß wir weiſe waͤren.

4. Moriendi Difficultas, Das iſt in dieſen Worten zu ſterben. Es iſt geſchwinde hingeredet / dem Menſchen ſey geſetzt einmahl zu ſterben: Aber es gehet ſchwer zu mit manchem / wie wir ſehen. Den in dem Tode wird Leib und Seel von einander getrennet und geſchleden; Die Sinnẽ / als das Hören / Sehen / ꝛc. hoͤrẽ auf; die Seele faͤhret anih⸗

ren

Lebens⸗Lauff.

ren Ohrt / der Leib muß verweſen und verfaulen. Da kan Niemand helffen / wan ſolches mit dem Menſchen angehet. Es ſchrelibet ein alter Lehrer; die Seele ſehe alsdenn alle ihre Wercke / die ſie die gantze Zeit ihres Lebens gewuͤrcket / wenn ſte vom Leibe abfcheiden muß. Wan ſich nun gleich etliche tröſten / und dieſe Zeit er⸗ goͤtzen mit zeitlicher Luft und Frewden / fo iſt es doch alles vergaͤnglich und muß endlich alles verlaffen ſeyn: Danher ſagt Zephan 1. Es witd ſie ihr Silber und Gold nicht erretten / ie. Aurum deſerit poſſeſſorem ſuum. Der Menſch iſt nackt auf dieſe Welt kommen / nackt muß er auch wieder von dannen. ꝛc.

O! daß wir nun weiſe waͤren. ꝛc.

5. Corruptionis fœditas. Wenn ein Menſch ſtirbt fo iſt er Niemanden mehr lieb / man trägt ihn hin» auß von ſich / wie Luc 7. der Wittwen Sohn fuͤr das Stadt⸗Thor getragen ward. Denn der Todt macht uns dermaſſen heßlich / greulich und abſcheulich / daß uns Niemand mehr bey ſich und umb ſich dulden und haben wil. Woher iſt aber ſolches Elend kommen / daß wir mit unſern Leibern ſo elendiglich verweſen muͤſ⸗ fen? Die Suͤnde und derSathan iſt ſolches Urſache Sap. 2. Wan der Menſch ſtirbt / ſo muß das ſchoͤne Haus feines Leibes zerbrochẽ werden / welches ja zu beklagen / ſo grau⸗ ſamlich pfleget der Todt mit uns umbzugehen. Ol daß wir nun weiſe waͤren / und uns bedaͤchten in der Zeit.

6. Mortis unitas. Daß allen Menſchen nur ein⸗ mahl geſetzt iſt zu ſterben / nicht zwey oder dreymahl / daß einer wenn er ja das einemahl und das zweyte mahl uͤbel / doch das dritte mahl beſſer und ſeliger ſterben konte / dieſes bedencket wol / es gehet nicht ſo zu mit dem Men⸗ ſchen / als wie mit den Baͤumen / welche ob ſte gleich offt ander Wurtzel abgehauwen werden / doch wieder

Rt w

F

Jacob Boͤhmens

new auffſchieſſen und wachſen / ꝛc. Einmahl übel ſterben / bringet das ewige Verderben / ꝛc.

O! Daß wir nun weiſe weren. ꝛc.

7. Habitaculi Novitas. Dahin die Seele komt muß ſie ewig bleiben / entweder in Himmel oder in der Hoͤllen. 1. Von der gerechten Seelen / redet die Schrifft / daß fie find in Gottes Hand. Sap. 3. Apoc. 14. Sie werden weggerafft / &c. Eſ. 29. & 56. &c. Luc. 16. Anima Lazari portatur in ſinum Abrahæ. 2. Econtra Animæ impiorum werden getragen und

kommen in die ewige Unruhe wie am reichen Manne

Luc. 16. zu ſehen. Eſ. 66. ꝛc. Ihr Wurm ſtirbet nicht ihr Feuer verliſcht nicht. ꝛc.

8. Judicii extremi Severitas. Die Seele wird wieder mit dem Leibe vereiniget werden; und alsdenn für den Richter-Stuhl Chriſti geſtellet werden / da alles wird fuͤr Gericht gebracht werden / es ſey gleich Gut oder Boͤſe: Wir werden muͤſſen Rechenfchafft geben von allen unfern Worten und Wercken / ꝛc. Da wirds dan mit manchem ſchwer zugehen / der ſich nicht in dieſer Zeit wird beſſer in acht genommen haben, Wir müffen Rechenſchafſt geben.

I. de Donis amiſſis. 2. de Bonis omiſſis. 3. de Malis commiſſis.

O! Daß wir weiſe waͤren / ꝛc. a Diefes find alſo die Stuͤcke welche ein Chriſten Menſch ſtaͤts fol für Augen haben. Wan wir dan ſol⸗ ches betrachten / warumb fliehen wir nicht alle Untu⸗ gend? Warumb haſſen wir nicht alle Gottloſigkeit / Augenluſt / c. Daß wir es aber thun mögen / und ent⸗

fliehen dem kuͤnfftigen ſtrengen Gerichte: helffe uns al⸗ len GOtt aus Gnaden. Amen.

(Nach

Lebens ⸗Lauff.

(Nach geendigter Predigt / nahm er zur Hand den Abkuͤn⸗ digungs⸗Zedel / welchen wir ihm zugeſandt hatten / daraus laß er ab das Leben unſers ſeelig Berflorie= nen big an feine letzte Worte / die er nach ſeinem ei⸗ genen Gutdlüncken uͤbergangen / und darnach folgen⸗ des herfuͤr gebracht.) 8

Was nun die Perſon des Verſtorbenen anlangt / kan ich nicht ſagen / daß Ich ihn vorhin gekannt haͤtte: Als ich aver bin beruffen worden zu ihme zu kommen / und ihn zu communiciren / habe ich dem Herꝛn Pri- mario diß angeſagt; Ob ich nun wohl keine Refpon- ſionem Cathegoricam von ihme bekommen / habe ich doch nach vielem Bedacht ſolches gethan: dann ich jederman willig geweſen allezeit ſo lange ich hier im Ambte geweſen / wie ich denn an einem Morgen wohl 11. habe communiciret / und willig geweſen bey Tas ge und bey Nachte jederman wer mich begehret. Als ich aber bin zu ihm kommen / habe ich zuvor mich etliches durch Fragen bey ihme erkundiget; da er dann gar rich⸗ tig geantwortet und feine Bekaͤntnuͤß gethan / mit wel⸗ chem ſo das Hertz nur eingeſtimmet gut und richtig. (Quæſtiones motæ ſupra annotatæ ſunt ſub Lit. B. nunc addidit. Er habe gefragt ob er wolle von ſeinem Itrꝛthumb abſtehen / und ſich infünfftta zur Predigt und den Heil. Sacramenten halten? Das er veriahet / fo ihme GOtt würde auffhelffen. Darauff (ſagt der Predicant weiter) habe ich ihn communiciret; und darnach ermahnet daß er kuͤnfftig nicht wolle auff Rap- tus und Entzuͤckung warten; ſondern ſich ſchlechts halten zu dem Worte GOttes x. denn es möchten ſol⸗ che Einbildungen betrteglich ſeyn / und konte fich der Teufel leicht mit einflechten / und ſich in einen Engel des Lechts verſtellen dem Menſchen zu betriegen; auch

hat

Jacob Boͤhm ens

hat er geſagt / er habe ihn vermahnet daß er nicht allein das Neue Teſtament ſondern auch das Alte leſen wol⸗ le ꝛc. Gleich wie nun die Juriſten in dubiis ſemper benigniora fequuntur : Alſo muͤſſen wir auch in Zweiffelhaſſtigen das Beſte reden; und wird ſich viel» leicht an ſeinem Ende zur Buſſe gewendet und bekeh⸗ ret haben unſer Verſtorbener; Wiewohl wir keln Exempel mehr einer fpäten und doch ernſten Buße has ben als des Schaͤchers am T. So wil ich nun euch vermahnet haben meine Geliebten / ihr wollet mir ſol⸗ ches zum beſten wenden / und ſaͤmptlich treulich ermah⸗ net ſeyn / euch zum Gehör des Goͤttlichen Worts zu halten / die heilige Abſolution und Sacramenta nicht verachten / ſondern die gebrauchen.

Ihr wollet auch vermahnet ſeyn / daß ihr nicht rich⸗ ken wollet. ꝛc.

Dem Coͤrper wolle Gott in der Erden eine ſeel. Ruh verleyhen / und eine fröliche Auffer ſtehung. Amen.

Alſo hat dieſer Prieſter gerichtet; daß wir wohl wuͤnſchen möchten er hätte es beſſer gemacht oder gar bleiben laſſen; doch hat er auch bey denen auff feiner Seiten eitel Zorn verdienet / daß ſie nicht wenig auff ihn geſcholten daß ers nicht aͤrger gemacht. Man muß ſie fahren laſſen / well ſie blind und der blinden Leiter ſind. Der HEr wolle ihnen dle Augen auffthun / daß ſte doch ſehen das helle Aecht: Ste haben nicht gewolt / und ha⸗ ben doch gemuſt / haben auch alles renuirt und keinen Pfenning des Blut⸗geldes nehmen wollen / auch hat zum Überfluß der Primarius den Lauffer und Grabe bitter angeredet / wie daß er ſich mit den Leuten verwir⸗ re. Der HErꝛ wolle ihnen ſolches alles nicht zurechnen: Ich aber wuͤnſche mir daß mein Ende wie ſein Ende

ſeyn moͤge, Amen ' Michael Rurs, In

Lebens⸗ Lauff.

In Obitum Authoris.

N = Muſæ, fi queis non ferrea corda, Huc properate citæ, & mecum ingeminate querelam Triſtem, quæ feriat miferando ſidera planctu. Quis ſiſtet Lacrymas mœſtis, fontesque dolorum Obſtruet? in melius quis cœcis omnia vertet ? En ferus Autumnus, ſpoliat qui gramine Campos Et foliis arbuſta ſuis, ſylvasque decore, Mæſta nimis miſeris fert fata, cietque querelas Dum JACOB E, virum te talem ſurripit urna O Behmi, decus & melioribus agnite paucis. Ergo ſub triſti ponam mea membra Cupreſſo Decantans querula tibi carmina triſtia voce, O Pater, & vitæ noſtræ pars maxima Behmi. Non genus antiquum jactabo aut ſtemma parentum Nobilius, quod amat Mundus jactantque nepotes: Agricola nam patre ſatum ſub luminis auras Edidit ipfa etiam talis paupercula Mater. 8 Quid mitum? Nec enim genus eſt hoc nobile mundo Quod placet; eſt pietas genus omne & ſtemma bonorum: Hæc puerum & juvenem comitata eſt uſque ſenemque, Hac clarus memores inter poſt funera vives. Quis puerum docuit? doctus Ludinè Magiſter?

Schola, te talem fecit? num culta Lycæa? An Plato Philoſophus; fapienfve recentior ullus? Hærebas minimis operis, & pulvere in imo Spretus opus manuum tractabas: ſed tua quod nunc Scripta ſolo paſſim ſpacioſo ſancta leguntur. Effecit ſolus, cui ſpernitur omne ſuperbum, Quique humiles adamat, laudes puerilibus oris Et ſibi grata parans linguarum munera in imis. Terris tres ſuperant Nati tibi conjuge ab una, At dubito ulterius proles tibi Maſcula triplex,

e [er * * * * *

An

Jacob Boͤhmens An ſcriptis fuerit vitam extenſura vetuſtas. Quid DEUS & Natura polens: quid Terra, Polufque Angelus Sathanas , homo quid, quid clauſtra Baraibri Quaque via ad Chriſtum miſeris, quo tramite eundum, omnia divino monitu dudtuque deceb as. Oppoſuit Sathanas fruſtra: quia dextra potentis Te totã texit vitä ceu pupulam Ocelli. Curſibus expletis at nunc ſubis aſtra, relictis In tetris gravibus euris & triplice vinclo Triſte vale ingeminans: tepido nos lumine fletu Proſequimur funus mœſti, optamufque ſubindè Ur liceat nobis æque quoque ſpicula dira Quamprimum in Chriſto, qui vita eſt, frangere mortis. Ergò vale Æternum, terna fruitorque quiete: Non te vexabit, ſed nos fera turba malorum, Omnibus his victis te læta mente ſequemur. Tandem vere novo cum judicis ante tribunal Quicquid terra vorax, triſtisque recondidit orcus, Siſtetur, ſacris & nos ſociabimur una | Coœtibus; ut laudes O VE fine fine canamus.

Mich. Curt. Görl.

Ver⸗

Lebens Lauft. Verzeichnüß etlicher Fragen /

welche ‚Jacos Bönme ,'geweftnen Schuſter zu Goͤrlitz / in feiner Kranckheit far feiner Ab- ſolution, uud Empfahung des H. Abend⸗ mahls von Mag. Elia Theodoro ſeynd fuͤrgehalten worden / ſamt ſeiner bierauff gethanen Antwort.

1. O B er auch glaube / daß GOtt Einig in We⸗

ſen und dreyfaltig in Perſonen ſey / GOtt

Vatter / Sohn / und H. Geiſt : 4 4 Antwort!: Ja.

2. Daß Gott anfänglich den Menſchen in wahrer Helligkeit und Gerechtigkeit nach feinem Ebenbilde erſchaffen: der Menſch aber habe ſich ſelbſt aus el⸗

genem Willen / durch Betrug des Teufels / von Gott

abgewandt / und ſey daruͤber in die Sünde / zeitlichen

und ewigen Tod gerathen; haͤtte auch ſeinent halben

ewig dartnnen bleiben und verderben muͤſſen / wo ſich

SG dOtt nicht feiner anderweit erbarmet und ange⸗

nommen haͤtte. i 6 Antwort: Ja.

3. Daß in der Miktlern Perſon Chriſto zwo unter⸗ ſchiedene Naturen / Göttliche und Menſchliche / und daß er nach der Goͤttlichen von Ewigkeit her gewe⸗ fen / gleiches Weſens / Ehre und Herꝛligkeit mic dem Vatter und Heil. Geiſte. Menſchliche aber F * * * XX 2 habe

Jacob Boͤhmens

habe er in der Gülle der Zeit von Maria virgine O- peratione Spiritus ſancti angenommen / in Einig⸗ keit der Perſon unvermengt und unzertrennet / und habe ſein Fleiſch nicht vom Himmel gebracht / vlel⸗ wentger nach feiner Aufferſtehung und Himmelfahrt abgeleget: ſondern ſey und bleibe Gott und Menſch in Ewigkeit? Antwort: Ja. 11104

4. Daß kein anderer Mittler / auch kein anderer Weeg zur Seeligkett ſey als Chriſtus / welcher von uns durch einen wahren Glauben muͤſſe ergriffen / und uns ſamt feinem merito und allen Wolthaten ap- race werden / welcher Glaube eine Gabe GOt⸗ tes iſt?

Antwort: J.

5. Das Ein Chriſten Menſch ein helllges und unſtraͤf⸗ liches geben und Wandel führen ſolle nach GOttes Befehl: (So viel in hac corrupta natura mög- lich) Nichts aber damit bey GOtt verdienen koͤn⸗ ne / nach dem Spruch Chriſtt / wenn ihr alles ge⸗ than ꝛc. Sondern aus lauter unverdienter Genade / propter meritum Chrifti fide apprehenſum ges recht und ſeelig werde?

Antwort: Ja.

6. Daß das gepredigte Wort / und dle Heil. Sacra- menta wären media ſalutis, welche man ſolle gebrauchen und nicht verachten / wenn man ſie ha⸗ ben kan / jedoch ſey G Ott daran nicht gebunden / und konne im Nothfall auch ohne dieſelben Salutem ope- riten / welches ich ihme Gmili Exemplo illuſtritet.

Antwort: Ja. 7. Ob

Sebens- Sauff. _

7. Ob er die ehre fo in unſern Kirchen getrieben / wird

8.

für recht und Schrifftmaͤßig halten. Antwort: Ja.

Ob er ſich auch ferner / da ihme GOtt das Leben friſten und wiederumb zu feiner Geſundheit helffen mochte / zu unſerer Kirchen und Lehre halten / und was derſelben zuwider / laſſen wolle? Und da er ſich dar⸗ auff affirmati ve erklaͤret / habe ich ihn auff Scrip- turam gewieſen und ermahnet / Er wolle ſich an GbOttes Ruͤcken / das iſt an feinem geoffenbahrten Worte begnügen laſſen / Mit den heimlichen Reve- lat ionibus und Geſichten wäre es ein gar ungewiſſes Thun / dann es koͤnte ihm ein Menſch wohl etwas einbilden und traͤumen laſſen / das in rei veritate

nle geſchehen / fo koͤnte der Teufel auch wohl einem

8

einen Dunſt vor die Augen machen / Gottes Wort aber ſey gewiß / und wer dehme trawe und glaube / der koͤnte nicht betrogen werden.

lerauff gab er zur Antwort: Er Hätte das Neue Teſta⸗ ment / das leſe er gar fleifſig: Ich aber ermahnete ihn / er ſollte Altes und Neues conjungiren / denn das Alte hätte feinen Reſpect auff das Neue / das Neue auff das Alte / und waͤre das Neue eine Ee⸗ klaͤrung und Erfuͤllung des Alten. Item: Er wol⸗ te ſich des Buͤcher⸗ſchreibens enthalten mit einge⸗

fuͤhrten Motiven. Da hat er mir occaſionem ſcri-

bendi erzehlet / welches ich aber in ſeinem Wehrt

%

und Unwehrt beruhen laße / und hier zu erzehlen für unnoͤhtig achte.

er auch vor dieſem das Abendmahl empfan⸗ n? |

* *.% 3 Ant⸗

Jadob Boͤhmens |

| Antwort: en Sa oſſt und viel und alle Jahr: Auch noch ohngefaͤhr für drey vlertel Jahren / neben feinem Weibe und zweyen Soͤhnen / in öffentlicher Kirchen: Derfambz lung (Iſt nach Ausſage ſeines Weibes damahls / wie auch zuvor erftche mahl vom Herren Andrea, welcher mit ihm geſſen und getruncken / ohne alles Bedencken / aber hernach nicht zu Grabe hat gehen

wollen / abſolviret worden.) 10, Ob ihm auch ſeine Buße ein rechter Ernſt / und er

von Hertzen das Abendmahl begehre? Antwort: Oi

Ja er meynete es ernſtllch und begehrete es von Grund ſeines Hertzens. Darauff er von mir ermahnet wor⸗ den / er ſollte ſich wohl bedencken was er thaͤte: Mich koͤnte er zwar falliren (der ich thme ins Hertz nicht ſehen / und de occultis judiciren koͤnte) aber nicht GOtt im Himmel / der Hertzen und Nieren pruͤ⸗ fet. Würde ihm nun ſelne Buſſe ein rechter Ernſt ſeyn / ſo wuͤrde ihm GOtt alle ſetne Suͤnde gewiß verzeihen. und vergeben / und ich wolte ihm auff Ehrifti Befehl / vermoͤge meines Ambts / die gnaͤdi⸗ ge Vergebung der Suͤnden ankuͤndigen / und wuͤrde thme dergeſtalt meine Abſolution zu ſtatten kom⸗ men und ihren Effect haben: Im widrigen Fall haͤtte er ſich derſelbigen gar nicht zu troͤſten und zu erfreuen: Hierauff er ſeine vorige Antwort repe-

tiret. 755 Net te 2% His ptæmiſſis habe ich mich zu der fuͤrhabenden Ac- tion præpariret / und vor der Abſolution und Ad. miniſtration des Abendmahls ihn zu alem if,

3105 8 er u

Sebens - Sauff.

fluß und meiner beffern Verwahrung und Verank⸗ wortung contra calumniatorum morſus & Sa- thanæ mendacia noch einmahl gefraget.

1. Ob er ſich denn fuͤr einen Suͤnder erkenne? iy? Refp. Ja.

2, Ob er ihm feine begangene Sünden von Hertzen

leyd ſeyn ließe? Reſp. Ja: Manibus complicatis, oculis elevatis.

3. Ob er auch glaube daß Chriſtus umb ſeinent willen und ihme zu Gute in die Welt kommen / umb ſeinent wlllen und ihme zu Gute geſtorben / und am Stamm des Creutzes ſein Blut vergoſſen?

Antwort / Ja.

Denn er ſpricht ſelber / Kommet her zu mir alle die ihr

muͤhſehlig und beladen ſeyd. ꝛc.

4. Ob er glaͤube daß ihme S Ott umb Chriſti Wilen wolle genaͤdig und barmhertzig ſeyn / und alle feine Suͤnde verzethen und vergeben.

Reſp. Ja feſtiglich.

5, Ob er mit GOttes Huͤlffe fein Leben beſſern / und fo viel ihm muͤglich hinfort ſich fuͤr den Sünden huͤ⸗

ten wolle? Reſp. Ja.

6. Ob er auch jederman / von dehme er beleidiget wor⸗ den / von Grund ſeines Hertzens verzeihen und ver⸗ geben wolle?

Reſp.

Ja von Hertzen: Begehrete auch von andern hinwie⸗ N derumb

Jacob Boͤhmens

derumb dergleichen zu thun: Bathe auch fleiſſig /

daß ſolches publicè in ſeinem Namen geſchehen moͤchte. Iſt aber eher als es ſeyn koͤnnen vers ſchieden.

Hlerauff habe ich ihn laſſen confitiren / ihn abſolviret præmiſſis præmittendis communicitet / und was meines Ambts bey Krancken vollend ver⸗ richtet.

Well er aber ſchwach / habe ich mich der Gelegen⸗ heit accomodiret / und nach der Ermahnung Pauli und Exempel Chriſti ſanſſtmuͤtig und freundlich mit ihme gehandelt / wie dann auch fonften mein Gebrauch nicht iſt / die Leute hart und Übel anzufaſſen. Denn ich aus Erfahrung in meinem Miniſterio, beyneben auch in gemeinem Leben fo viel obſer viret / daß man mit Sanfftmuth / Glimpff und Freundligkelt mehr ſchaf⸗ fe und ausrichte / als mit Sturm und Unbeſchei⸗ denheit.

Hæc non fita ſed facta ſunt, ſenſu & rebusiis- dem, imo ferè verbis Anno 1624. die 15. No- vembris & hora 8. matutina poſt dominicam qua tractatum Evangelium : Da gingen die Phariſeer hin und hielten einen Rath wie fie JE⸗ ſum fingen in ſeiner Rede. R

Wehm Gott ſeine Genade nicht wil verſagen / Dehm ſoll ich meine Dienſte nicht abſchlagen.

Semper in dubiis benigniora præferenda ſunt, L. 56. ff. de R. I.

Nach⸗

Lebens⸗Lauff.

Nachdem M. El. Theod. das vorhergehende dem Rathe daſelbſten zu uͤberantworten concipiret / hat er ſolches zuvor Herꝛn Hans

Rohten / ſich darinnen zu erſehen / über ſchicket / welcher dieſes nachfolgende geant⸗ wortet.

Ehrwuͤrdiger ꝛc. beſonders geliebter Herꝛ und Freund.

Da er die Fragen / welche er dem ſeeligen lieben Jacob Boͤhmen für der Communion propo- niret / und folgends zu Papier gebracht / mir zu meiner Erſehung durch meine Wirthin aus geneigtem Wil⸗ len hat communiciren laſſen / das erkenne ich vom Horꝛn auch zur Freundſchafft: und nachdem ich ſolche überlefen / überſende ich dem Her ꝛn hlemit fein Manu⸗ ſcriptum wieder zuruͤcke danckbahrlichen.

Anlangende aber ſelbige Fragen: So ſeines Glau⸗ bens⸗Bekaͤntnuͤß / als auch feiner Beichte halben / haͤt⸗ te der Her: meines Erachtens gar nicht bedoͤrfſt / ſinte⸗ mahl Jacob Boͤhmens Glaubens⸗Bekaͤntnuͤß in feinen Schrifften / dergleichen find der Apoſtel zeit hero kaum geſchrteben worden / fo klar lauter und rein / ohn allen Miß berſtand und Irꝛthumb / offentlich bey vielen verhanden ſeynd / er auch ſelber vom rechten wah⸗ ren eſſentialiſchen Glauben / von der neuen Gebuhrt / von Chriſti Menſchwerdung / Leyden / Sterben / und Aufferſtehen / von feinen beyden Teſtamenten / und ans dern mehr / trefflich ſchoͤne Tractaͤtlein nicht für ſich ſelbſt: ſondern auff Begehren vieler (nach der Hlm̃⸗ liſchen Weißheit) beglerigen Hertzen geſchrieben / und

5 ri; daris

Jacob Boͤhmens darin fein ſchoͤnes und klares Erkaͤntnuͤß ihnen mikge⸗ theilet. Weiln aber der Herz auſſer dem gedruckten Buͤchletn ſelbige Tractatus vielleicht nicht geſehen noch geleſen / und alſo nicht gewuſt / auch noch nicht weiß / was das fuͤr ein ſchoͤnes Erkaͤntnuͤß ſey: ſondern nur in der Meynung geſtanden / daß er ein Ketzer / und En⸗ thuſtaſt ſey: wie andere ihn für einen Ketzer und En⸗ thuſtaſten ausgeſchrien / geſchaͤtzet / und daher verach⸗ tet: welln GOtt in ein ſolch (fuͤr der Welt) verach⸗ tetes / ſchlechtes Gefaͤß und Werckzeug / ſolche hohe Goͤttliche Gaben geleget / und nicht vielmehr auff die Weiſe und den Weeg GOttes geſehen / welcher ihme / was fuͤr der Welt veraͤchtlich iſt / erwaͤhlet / und das Hohe fuͤr Greuel haͤlt; dannenher ſonder Zweiffel der Her ſich an dieſes gemeine Laͤſtern / auch ſtoſſen und irren laſſen / und umb ſolches Verdachts willen dieſe Fragen thme fuͤrgeleget. Als tft der Der: dißfals zim⸗ lich zu entſchuldigen / und darneben zu loben daß er ei⸗ ne Begierde gehabt die Wahrheit zu erforſchen / und ſte deswegen auff einen ſolchen Weeg geſuchet und auch gefunden. Und waͤre der Herz ehe zu ihm kommen ſon⸗ derlich fuͤr ſeiner Niederlage / da er mit dem Herm aus freyem Gemuͤthe hätte reden koͤnnen: Maßen der Her: hierzu gute Gelegenheit gehabt / ihme auch (for viel mir wiſſend ) ſelbſten angeboten worden / ſo haͤtte der Herr mit Verwunderung feine Antwort anhoͤren / und feine hohe und tieffe Gott liche Gaben und Eckaͤnt⸗ nuͤß vernehmen und erkennen ſollen: Und ſonderlich⸗ würde der Herꝛ auch erfahren / ob er auch das alte Te⸗ ſtament geleſen und ver ſtauden hätte / oder nicht / wel⸗ ches dann jero fein Buch über Geneſin, daß er für zwey Jahren geſchrieben / fuͤr aller Welt ein offent⸗ uches Zeugnuͤß ſehn mag: Sintemahl es der rl

el⸗

Lebens ⸗Lauff. Heiltger Schrifft / und auch aller feiner Zoöttlicher und Getſtreicher Schriſſten iſt.

Was die heimliche Revelationes anlanget / geſchicht dem guten Manne / wie in allem / alſo auch hierin zu⸗ viel und Gewalt / daß er Jemanden auff eine ſolche Weiſe / wie es der Herꝛ meynet und verſtehet / darauff gewiefen habe. i

Was aber die Goͤttlichen Revelationes ſeynd (da G Ottes Geiſt in unſere Seele kraͤfſtiglichen einſpricht und die Krafft Gottes iſt) davon ſeynd feine Bücher voll /

und iſt kein Fabel⸗ werck: Sondern wiſſen die davon zu ſagen / welche die Suͤßtgkett G Ottes geſchmaͤcket ha⸗ ben. Und ſoll der Herꝛ gar nicht meynen / als ſey der ſeeltge Jacob Böhme ein Träumer geweſen / der ſich den Teuffel mit ſeinem Affen und Gauckel⸗ſpiel in Träumen und durch dieſelbe Hätte leiten und führen laſ⸗ ſen / Nein: fondern alle feine gute Werde (die nicht Er ſondern GOtt in ihme / als in feinem Werckzeug gewuͤrcket / und darumb nicht feine / ſondern GOttes (in ihme) geweſen) ſeynd in GOtt gethan / daron 5 u zu ſchreiben / ſintemahl es nicht meines Pro- poſiti iſt.

Daß aber auch das Buͤcher⸗ſchreiben der Herz ihme damahls eingehalten / und davon abgemahnet / komt mir etwas befrembdet fuͤr / ſintemahl Chriſtus ſpricht: Laſſet euer diecht leuchten ꝛe. Item / Niemand ſetzet ein Liecht unter die Banck ꝛc. Item / Verbeut fein pfundt/ daß einem jeden GOtt giebt / zu vergraben / und ges beut hingegen darmit zu wuchern / und dreuet große Straffe und Schaden / deſſen der Menſch der nicht mit wuchert / haben fol,

So nun GOtt ihme Soͤttliche Gaben gegeben hat /

wer war der Herr / daß er koͤnte GOtt wehren ? wie N * N 6 Pe-

*

Jatob Böhmens

Petrus auch bekannte / denn iſt es aus GOtt? ſo koͤn⸗ nen es die Menſchen nicht daͤmpffen / auff daß fie nicht erfunden werden / als die wider GOtt ſtreiten wollen. Uber das fit auch oben gemeldet / daß er nichts ohne Antrieb und hertzliches Begehren / etlicher Liebhaber der Wahrheit angeleitet und getrieben / geſchrieben / u alſo feinem Goͤttlichen Beruff in ihme genug ges than.

Die folgenden Fragen / damit der Herꝛ des lleben Jacob Boͤhmens bußfertiges und inbruͤnſtiges Her⸗ ße und Gemuͤthe hat ergründen wollen / wären auch nö⸗ thiger und gar hochnoͤhtig / daß fie einem jeden Laien in gemein oder inſonderheit wohl eingebildet wuͤrden mit rechtem unnachlaͤßigem Unterricht / was die wahre Buſſe ſey? Auff Art und Weiſe / wie in des ſeeligen Jacob Boͤhmens gedruckten Büchlein geſchehen / Und da ſolches alſo ernſtlich und offentlich auff der Cantzel getrieben / gelehret / und gewteſen würde / wie Taulerus zu ſeiner Zeit / und jetzo Johan Arndt ge⸗ than / nicht zu zweiffeln waͤre / daß es groſſen Nutz ſchaffen würde / darvon mir aber allhier nicht gebuͤh⸗ ren wil Anordnung zu thun: Sondern ich nur hier⸗ mit meine gute Meynung dem Herrn zu erkennen ge⸗ geben haben wil / und laſſe das uͤbrige dem Herren und threm tragenden Miniſterio wie billig anheimges ſtellet.

Wann nun der Her: bekennen muß / daß er auff alle ſolche ſeine Fragen eine richtige beſcheidene Antwort bekommen / und dahero mit Jacob Boͤhmen und ſei⸗ nem Bekaͤntnuͤß überall zu Frieden ſeyn können / und muͤſſen / fo möchte ich nun gerne zie Urſachen alle auff einmahl wiffen, |

1. Aus

Lebens⸗Lauff.

1. Aus was Urſachen der Herꝛ auff Befehl des Raths ſich gleichwohl Anfangs gegen den Erben ge⸗ wegert / folgendes Tages die Predigt zu thun / und nicht allein des Abends das Dict um zur Lelch⸗pre⸗ digt mit dem Honorario wieder geſchicket; ſondern pt des andern Tages eine Aflecuration des Raths

eholet. 9 2. Daß er auff der Cantzel das Exordium von lau⸗ ter Proteſtationibus und ſonderlich dieſer Protefta- tion gehabt / daß er für der Hell. Trinität bezeugete / daß er des feel. Jacob Böhmen Irꝛthuͤmern nicht theilhafftig / da doch der Herꝛ bekennen muß / daß er kei⸗ nen Irꝛthumb an ihme verſpaͤret; ſondern ihme übers all eingeſtimmet: Hat er ſich nun zum Herren beken⸗ net / warumb befennete ſich der Herz nicht auch dazu⸗ mahl offentlich zu ihme / und machte ſich an ihme thell⸗ 110 als ein Glied am andern des Haubts und Leibes ulſtl:

3. Daß der Herꝛ das Præſcriptum nicht nach dem Concept ablaß / als erſtlich die ſchoͤne Mufic fo er ges wiß nicht mit aͤuſſerlichen / ſondern innerlichen Ohren ſeines Gemuͤhts und Geiſtes in ſeiner Seelen vler Stunden vor feinem ſeeligen Abſchied gehoͤret: J⸗ tem / die andaͤchtigen hertzlichen Sufpiria und Gede⸗ the / erſtlich zu GOttes Barmhertzlgkeit / darnach zu Chriſto / wie der Schaͤcher am Creutze / ſagende: Du guͤtiger HErꝛ JEſu / nĩ mich in dein Reich. Item / Da er jetzt ſterben ſollte / zuvor das Him̃liſche Para⸗ deiß / wie 8. Stephan offen geſehen; Item / Da ihm die Seele (fo zu ſagen) ausfuhr / mit freudtgem Munde / und gar lieblichen und laͤchlichten Gebaͤhrden viert / Ey fo fahre ich hin ins Paradeiß ! Und ob zwar meine Wirthin des Herren Meynung mie

** K* 7

hler⸗

Jacob Boͤhmens hlervon etwas zu ver ſtehen geben ſollen / So habe Ich doch fo viel Bericht nicht eingenommen / daran mir ein Genuͤgen geſchehen waͤre. |

Warlich wann der Herꝛ dieſe Cygnea verba & ſuſpiria fuͤr der Gemeine hätte abgeleſen / und ſte dar⸗ innen feinen ſeltgen Abſcheid (den Er mit ſolchen ſehn⸗ lichen Seufftzen und Anruffung GOttes / und ſeines Hehlandes von dieſer Welt / und uns genommen) hätten vernehmen und anhören folen, fo würden vieler Frommer Hertzen bewegt worden ſeyn / de mortuo nil niſi bonum zu ſentiren, Was aber Boßhafftige Dis ſtel⸗Kinder find / Hätten moͤgen davon halten / was ſie wollen. Nach dem Vers / ſi bonus interpres. So wäre es auch kein Inſolens noch Neues geweſen: Ge⸗ ſchichts doch in allen Leichpredigten: und fonderlich weiß Ich mich z erinnern / daß in Herren Bartbolo- mei Stibners Toͤchterleins Leich predigt aller derſel⸗ hen Geſichte und dergleichen ſchoͤne Reden (wie nicht unhilltg) hochgeruͤhmet worden. Iſt derowegen dieſes / daß der Herz hierin ſolches Audio uͤbergangen / als ein Infolens quiddam billig auch ungleich zu vermercken und ſehr nachdencklichen.

4. Mie auch und zum 4. Daß der Herꝛ inſolent ia hæc verba & hactenus inauditum modum brau- chete / Nemlich / wird Er nun Ihme ſeine Suͤnde haben laſſen von Hertzenleyd ſeyn / ſo wollen wir hoffen / Er ein Kind der ewigen Seeligkett worden ſen: Wo nicht fo befehlen wir Ihn in das Gerichte GOttes: und damit beſchloß der HErꝛ ohne den Wunſch / wel⸗ chen man den Verſtorbenen in ihr Grab zu wuͤnſchen pfleget. In ſumma der gantze Actus Sepulturæ iſt voller inſolentium novitatum geweſen / und ſonder⸗ lich iſt nicht erhoͤret worden / daß man einen nicht hat begraben wollen. Hat

Sebens - Lauff.

Hat Jacob Böhme ſeeliger begehret / daß / wie Er allen / alſo auch ale Ihme hertzlich vergeben ſolten / und wolten. So ſehen nun die zu wie fte recht beten wollen / und ihnen taͤglich mit ihrem Gebaͤhte / die Straffe auffn Hals ziehen werden: welche ihme un⸗ verſoͤhnlich ihres Theils blieben / Ihme nicht vergeben: Und darauff die ſepultur Erſtlich nicht verſtatten / darnach auch nicht mit zu Grabe gehen wollen.

L. q. C. de Hæret. & Manich. ſaget. Imperator Marcianus: Humanum atque pium eſſe hæ- reticos ſepeliri legitimis ſepulchris.

Item L. io. C. eodem bald darauff Hæretici Le- gitimo modo ut costeri fepeliuntur und in Jure Canonico vielmehr.

Iſt nun das Jus Sepulturæ denen / ſo eines offent⸗ lichen Irꝛthumbs uͤberwieſen / zugelaſſen: Wie vielmehr denen / ſo nur aus Haß und Neid für Ketzer ausgeſchrien worden / und deſſen nicht uͤberwieſen: Ja auch nemahls Cittret / gehörer noch Condemniret, auch in Ewigkeit deſſen nicht uͤberwieſen werden koͤnnen / und hat der Herꝛ (wiewohl bey time wie bey uns allen / ſehr viel Schwachhelten mit untergekauffen) gar recht gethan / daß er dem ſeligen Jacob Böhmen Ratione Officii viel williger fo bey der Communion als ſepultur bey⸗ gewohnet / als die andern / wird auch deſſen fuͤr aller Welt / ja vor Gott und allen frommen Hertzen / Ruhm Ehre / und Danck haben: und ſich umb ſo viel deſto eher und mehr koͤnnen zu frieden geben / und ſich wider die Calumaias malorum mit feinem guten Gewiſſen kraͤſſtig troͤſten. In deß aber und zufoͤrderſt diß mein Gutachten ea qua profectum eſt mente annehmen, un

Jacob Boͤhmens

und ſo Ich etwan darmit geirret auch meiner Schwach⸗ heit etwas zu Gute halten / und in keinem Unguten gegen mir vermercken / hiermit ich dem Herren Einen ſeligen Abend gewuͤnſchet: und wann er dieſes geleſen / Mir wieder (wie Ich thme thun muͤſſen) ſchicken wolle / freundlich gebeten haben wil. de quo ſolen niſſime proteſtor. Vale.

Auff dieſes Schreiben fo im Original zuruͤcke geſendet iſt folgends darauff von M. El. Theod. verzeichnet worden.

Da Ihme nun ſolche feine Buſſe ein Ernſt geweſen / wie wir aus Chriſtlicher Liebe hoffen und wuͤnſchen wollen / wollen wir nicht zwelffeln / Er werde ſeelig und wohl geſtorben ſeyn / und wuͤnſchen ſeinem Coͤrper in der Erden eine ſanffte Ruhe und am Juͤngſten Tage elne froͤliche Aufferſtehung. Im wledrigen fall wollen wir Ihn in GOttes Gerichte laſſen befohlen ſeyn. Weiln aber wie die L. ſagen in dubiis ſemper beni- ue. præferenda wollen wir auch diesfalls das beſte hoffen.

Nachfolgendes hat Herꝛ Hans Roht an Mag. El. Theod. geſchrieben.

E vrwuͤrdiger / beſonders goͤnſtiger geliebter Herz,

b zwar Ich wol vermeynet / dem Herren in met⸗ nem Schreiben ferners nicht moleſt zu ſeyn / zumahlen weiln ich verſtehen kan / daß es der Herꝛ dahin inter⸗ pretirt, ſambt ſolches nicht in Liebe / und meine gute Meynung gegen dein Herren darin zu eröffnen auch ſel⸗ ne erhebliche Urſachen deſſelben rerum geſtarum zu ecforſchen: ſondern nur aus Fuͤrwitz und * | Ihme

Sebens- Lauff.

Ihme Spoͤttiſche Brieffe zu fehreiben geſchehen ſey / daran mir zu viel geſchicht. Weiln Ich aber von Brieffzelgern Muͤndlich berichtet worden / daß der Herꝛ in willens geweſen / ehe er ſein Manuſcriptum E. Erb. Raht præſentirte noch in etwas zu Corrigi- ren, und Ich unter andern befunden / wie nemlichen/ die Worte in der jenigen Frage (da der Herꝛ den Seligen Jacob Böhmen / daß er kuͤnſſtig; wann Ihm Gott ſein Leben laͤnger friſten möchte / ſich zu ihnen und ihrer Kirchen bekennen und ihme an GOttes Ruͤcken / das iſt / an GOttes Woit wolle begnügen laſſen. Und wie die Worte daſelbſt lauten / erinnert haͤtte / und Er ſich affirmativè erklaͤhret) auff eine ſolche deutung moͤch⸗ ten und kuͤndten gezogen werden: Sambt Er revocirt, maſſen bey vielen es albereit alſo angeſehen wird: Als wolte den Herren Ich umb Verhuͤtung alles gro⸗ ben Mißverſtandes und boͤſer inconvenientien wil⸗ len / gebeten haben / daß er es entweder bey der vorher⸗ gehenden Frage / als er ſich zu Ihrer Lehre (wie vor⸗ hin und ieder zeit alſo auch damahls bekennet / verblet⸗ ben: Oder aber dieſe alſo erklaͤren wolle / damit der Herꝛ der Sachen nicht zu viel thue / und des verſtor⸗ benen Seele mit einem boͤſen Nachklang / ſamt er in Goͤttlichem Erkaͤntnuͤß und Llechte ein Irꝛſal gehabt / welches eine Contrarietaͤt / nicht beſchweret werde / welches denn wieder des Herren Meynung ſo wol auch dem Verſtorbenen zum Nachceheil feiner fo ſchoͤnen klaren Erkaͤntnuͤß und der offentlichen Wahrheit zu eis nem Augenſcheinlichen Abbruch dem offentlichen wie⸗ derſprochen werden kan / gereichen würde, Denn ſolte er mit denen Worten / daß er kuͤnfftig ſich zu ihnen bekennen wolte / revocirt haben: Wie ſie denn von vielen alſo ausgeleget werden / fo muß folgen / 1 er einen

Jacob Boͤhmens einen Irꝛthumb gehabt habe / da doch der HErꝛ das Wie derſpiel in den vorgehenden / weil Er fie damahls /

und je und allewege Nein und Lauter ſelber erklaͤret

und erkennet hat / verſpuͤret. Ja es muͤſte folgen / daß / was er biß daher geſchrieben / erkennet und beken⸗ net / falſch und Unrecht / verworffen / verſpottet und ver⸗

laͤttert würde / darüber Er doch fo viel Anfechtung /

Truͤbſal / und Verfolgung außgeſtanden: Es auch ſeine Meynung nicht geweſen noch ihme in Sinn kom⸗ men / daß Er nun auff feinem Todtbette der Goͤttli⸗ chen Wiihrheit wiederſprechen ſolte / auch nicht thun koͤnnen bey Vermeidung der Ewigen Hoͤlltſchen Pein und Straffe / maffen auch feine Erben / fo darbey ge⸗

ſtanden / hlerumb gantz nicht wiſſen und mit der Wahr⸗ heit widerſprechen. Wie ſte denn auch berichten / daß

Er auff des HErren Ermahnung wegen des Buͤcher⸗ ſchreibens / und daß Er ferner nicht ſchreiben wolle /

gegen Himmel ſein Augen erhaben / mit der Hand | ai ſein Beth geſchlagen und geantwortet: Wie

Ott wil

Und mag wohl ſeyn / hat auth gar leicht geſchehen

koͤnnen; welln des HEnn intent auf fein propofi=

tum geweſen / daß er dieſes verhorchet / und nicht eigene⸗ lichen ſolches erhoͤret: Sonderlich weit Er ſehr matt

und ſchwach / und aus Schwachheit Etwas lelſe / und unvernehmltch geredet / wie wir dan ſelber feine Worten nicht allemaht / da wir doch ſeiner Sprache gar wol gewohnet / vernehmen konnen. a

Wan dan nun derſelbigen Frage mit dem Einigen worte (Ferner) meines Behalts zu helffen wäre / daß nehmlich der Herꝛ ihn gefraget (con ſequentia ad præ· cedentia referendo) Ob er ferner ſich zu ihrer Lehre

bekennen. Und Ich ohne das wohl erachten mag / 1 | e

|

Lebens⸗Lauff.

des Herren Meynung in dieſer Frage nicht geweſen ſey / ihn damit zu einem Wider⸗ruff zu bringen: ſon⸗ dern daß er bekennen ſollte: ob er ſich kuͤnfftig / wann er des Lagers auffkaͤme / ſich ferner zu ihnen / und ihrer Lehre bekennen wolte. | Alſo wird der Herr hiemit freundlichen erſucht / der Herꝛ der Wahrheit zu ſteuer / und allen Mißverſtand und böfe Conſequentien abzuſtricken / wie auch feinen Widerſachern und Calumnianten: Und ſonderlich zu Rettung GOttes Ehre und Erhaltung / wie auch Danckbarkeit fuͤr ſolche hohe und große Gaben / die er in das für der Welt verachte Weeckzeug geleget / ge⸗ habt / und durch ihn offenbahret worden / von seinen Wider ſachern nicht verſpottet / den Teufeln und ſeinen Werckzeugen nicht verfinſtert noch verdunckelt wuͤr de. Maſſen ich nicht zweiffele / der Herꝛ meinem freundli⸗ chen billigen Suchen ſtatt geben / und weiln fein Scrip- tum ad perpetuam rei geſtæ memoriam & veritatis Teſtimonium aufm Rath ⸗Hauſe bleiben ſolle / mit dieſem Errore ein ſolch præjudicium wider des Herren ſelbſt eigenen Willen und Meynung nicht ein⸗ ſchleichen / und Temporis diuturnitate induriren laſſen werde. Im uͤbrigen was das votum manibus debitum belanget / wil ich dem Herren ohne Contra- diction wohl glaͤuben / daß in feinem Concept es ge⸗ weſen ſey / habe aber ſolches nicht hoͤren ableſen / auch viel andere neben mir / derowegen ich auch ſtracks in der Kirchen mit Hm. Doct. Kobern daraus geredet: Kan wohl ſeyn / daß der Her: entweder wegen Eyfers / deſſen er gantz voll zu ſeyn ſcheinete / oder deßwegen daß es was finſter geweſen / uͤberſehen: Es fen ihme aber wie ihm wolle / da es der Herꝛ nicht ſtudio ausgelaſſen oder aber geſchehen / und von mir und andern nicht verſtanden 8 wor⸗

Jacob Boͤhmens

worden; ſo wird der Herꝛ mirs / wie auch thme ich /

gerne zu gute halten.

Errare enim humanum & ego humanitatis aleam non refor mido.

Herzn Abraham von Franckenbergs Epiſtel, vom 21. Octob. An. 1641. |

Die Edle SopIAH von oben erfreue das Hertze derer die fie lieben / und wuͤrcke in ihnen einen heiligen und GOtt wohlgefaͤlligen Willen.

Eliebter in dem Geltebten: Ich habe mit beſon⸗ derer Anmuth vernommen / daß dannoch nicht überall eitel Feinde und Veraͤchter der him̃liſchen Hoch⸗ zeit vorhanden / wie leider in unſerm ohne diß betruͤbten Vatterlande mehr als zu viel / ſondern annoch in etli⸗

chen Orten liebhabende Freunde / obwohl in der wenl⸗

gern Anzahl ſich finden / welche der heimlichen Weiße hett gar fleiſſig nachforſchen / und wofern ſie nicht ab⸗ laſſen / endlich ihrer Goͤttlich / holdſeeligen / keuſchen Hebe mit uͤberſchwencklichen Freuden und Genuͤgen Ihrer ergebenen Seelen / im Geiſt und in der Wahrheit glor wuͤrdiglich genieſſen.

2. Zu ſolchem verborgenen Mannah und recht Goͤttlichen und Natuͤrlichen Nectar und Ambrofia nun / hat uns bey jetzt angehenden unſerm Seculo AUR (eæ H) OR ZH benedictæ mit erklingen⸗ dem Poſaunen Schall geruffen und geladen die Sieg behaltende Stimme des großen JEHOVZEH in dem von Menſchen zwar verworffenen / aber von 2 |

on⸗

| | |

debens⸗Lauff.

ſonderlich hierzu erwaͤhleten Werckzeug und Zeugen

JESU CHRISTI Jacob Böhmen von Alt Sei⸗ denburg / weiland angeſeſſenen Mitwohnern zu Goͤr⸗ litz. Welcher in feinen über alle Natur ſehr hoch und tieff gegruͤndeten Schrifften genugſam zu erkennen ge⸗ geben / in was fuͤr eine Zeit wir jetzo gerahten / und was noch ferner in den groſſen Wundern und Thaten GOttes bey den Nachkommen zu gewarten: Alſo daß wir wohl Zeit haben auffzuſtehen von dem truncke⸗ nen Taumel⸗kelche der großen Babel / und auszuge⸗ hen dem ruffenden und anklopffenden Braͤutigam ent⸗

gegen. 3. Gewißlich iſt dieſer in Gott ſeellge Mann / ein brennendes siecht / und vielleicht der jenige Neue Wun⸗

der⸗Stern am Himmel Geheimnuͤß⸗welſe geweſen /

mentaliſches Principium eingegangen.

welcher Anno 1572. (zwey Jahr vor des ſeeltgen Ge⸗ buhrt) in der fo genannten Caſſiopæa und via lactea oder weiſen S. Jacobs Straſſen / den Europæiſchen Voͤlckern zu einem beſondern Zeichen einer gantz neuen Gebuhrt aus den obern feurigen Llecht⸗Waſſern / mit Auffmunterung vieler hoch⸗gelaͤhrten Männer und nachforſchenden Gemuͤhter bedencklichen erſchtenen: Maſſen er dann auch ſein letztes / und wie er oft muͤnd⸗

llch gegen mir gedacht / leſewuͤrdigſtes Geheime⸗Buch /

Myſterium Magnum uͤber Geneſin, bey Anno

1604. und 1607. abermahls erſchienenen neuen Ster⸗

nen / mit der 7. oder 7. Trigonaliſchen groͤſten Con- junction Ausgang / und der Ste unter den 7. Cen- traliſchen Anfang / nehmlich Anno 1623. gluͤcklich beſchloſſen. Worauff er nachmahls Anno 1624. im Jubel⸗ oder zoften Jahr feines Alters dem My- ſterio nach wieder in ſein Grab / oder magiſch und

4. Ob

Jacob Boͤhmens | 4. Obs wohl nicht ohne / daß erſtlich die Morgen⸗ roͤhte im Auffgang / das iſt die Wurtzel oder Mutter der Philoſophia, Aſtrologia, und Theologia &c. Wie auch das Buͤchlein vom Weege zu Chriſto / welches nach Ordnung des neuen Teſtaments / von der Buße und dem Glauben zum Heil. Eingang des Reichs Got⸗ tes anfaͤnget / nachmahls feine eigene Perſon / endlich aber auch ſo gar ſein verblichener Coͤrper und zuletzt das elende Grab und hoͤltzerne Creutz auff dem Kirch⸗Hoſe ſelber mitlſehr unverftändigem Eyfer zu hoͤchſter Uns gebuͤhr verleumbdet und angefochten worden. Da doch dieſe Sachen niemahls zu einiger rechten Verhoͤre kom⸗ men / noch der ſeel. Jacob Boͤhme einiges un⸗Evan⸗ geltſchen Irꝛthumbs uͤberwieſen / ſondern vielmehr (wie aus den vorhandenen Actis agonalibus & exe- quialibus, ſo wohl aus feinen temperirten Schriften von der Genaden⸗Wahl / beyden Teſtamenten / und dem Senden / Sterben und Aufferſtehung JEſu Chri⸗ ſti klar zu befinden) in dem puren und lautern Luther⸗ thumb biß zu der letzten Hinfahrt beſtaͤndig und un⸗ abwendig befunden worden. Ohne was er auch ander⸗ waͤrts auff das Ubel und nur von Hoͤren⸗ſagen gegruͤn⸗ dete Judicium des Primarii Gregor. Richters Anno 1624. in einer beſondern Apologia zur Genüge von Augen geſtellet. 5 5. Und iſt ſolcher Streit umb das nachgeformte Grab Chriſti und ſeines treuen Zeugen Jacob Boͤh⸗ men eben zu Soͤrlitz einer gleichmaͤſſigen Importang, als umb das jenige B. Lutheri > fo zu Wittenberg von den Mitternaͤchtiſchen und Mittaͤgiſchen / daß ich der Orientaliſchen und Occidentaliſchen Döldfer ges ſchwelge / bis anhero umbringet und bedraͤnget worden / und dannoch (ob zwar ſehr theuer erkauffet) fi 175 U Ile

9

Lebeus⸗Lauff.

Churfuͤrſtl. Durchl. Schutz und Schatz nicht unbillig verblieben / auff das beydes des ver gangenen und inne⸗ ſtehenden Seculi treue und theure Zeugen des wahren und klaren unverfaͤlſchten Evangeliſchen Liechtes und Rechts / wie Moſes in ihren Gräbern unverunruhiget von den Babylonleen verblieben / und die Evangelifche Chriſtenhett ein ſonderbahres gemerck Wahr und Wunder⸗zeichen haͤtte / woran fie die gnaͤdige Heim⸗ fuchung GOtt es und ſeines Geiſtes in Chriſto JEſu threm Einigen und Ewigen Haubt und Heyland moͤch⸗ te erkennen.

6. Derohalben bey dieſen / unſerm Seculo von Gott immediatè geoffenbahrten und vertrauten Wunder⸗ Schrtſſten dieſes wohl zu bedencken / daß ſie nicht wie

anderer Menſchen Bücher / in dem Geiſt der Geſtlene⸗ ten Lufft oder Irꝛdiſchen zuſammen⸗geſtückelten Ver: nunfft mit Setzen und Verſetzen / jetzt ſchreiben / dan wieder ausleſchen / ſondern durch die uͤberſchatt⸗ und einwohnende Mitwuͤrckung des großen und geheimen Geiſtes GOttes / von oben und innen mit continuir- lichem Ductu & Tractu der gegebenen und nicht ſelbſt genommenen Schreib⸗Feder / und alſo ipfa prima ma- nu; deſſen ich mit andern oculati teſtes ſeyn koͤnnen / von dem Authore ſelbſt geſchrieben / wie auch mit gar andern als gemeinen Vernunfft⸗Augen muͤſſen ange⸗ ſehen und geurthellet werden. N 7. Zu geſchweigen / daß auch noch die Fülle der Zelt nicht eingetretten / in deren man dieſe und andere biß anhero verborgene Wunder zu ſatter Gemige moͤchte erkennen und annehmen. Laͤſſet ſich auch mit ungewa⸗ ſchenen Händen ſolch Werck nicht meiſtern / fondern muß im Schweiſſe des Angeſichts mit hetligem / Gotte alleine zu eigen auffgeopffertem Gemuͤhtes⸗ 8 en

Jacob Boͤhmens

Willen angefangen / vermittelt / und ohne Zuruͤckſehen / jedoch als in GOtt und durch GOtt mit Chriſto und feinem Heil. Genaden⸗Geiſte continuiret und vollen det werden. Damit alſo das verſchloſſene Reich GSOt⸗ tes und darinnen verſiegelte Bilde J. C. wiederumb eröffnet / und in den begierig en Suchern und Liebhabern der Glorten unſers HErren und Heylandes ZESU Chriſti mit innig und ewig freuden reichem Hertzens⸗ Schein und Jubal⸗Schalle / gantz heylſamlich auffges, richtet werde zur Ehre des Allerhoͤchſten / und zum Heyl unſerer vom Goͤttlichen Liecht und recht abgekehr⸗ ten Sinnen und Seelen. Welche zu verlieren vergeblich iſt / auch die gantze weite und breite Welt zu gewinnen / und welche zu erhalten wir uns und alles / was in und an uns iſt / in G Ott dem hoͤch ſten Gut muͤſſen verlies ren / fo werden wir wahre beftändtge Ruhe und Frieden allein in dem durchbrochenen lebendigen Felſen und Hertzen JEſu Chriſti ewig finden / Amen. |

8. Zu welchem hohen und heylſamen Ziel wir uns dan aller Seiten / vermittelſt Goͤttlicher Genaden / ſo viel in dieſer Sterbligkeit moͤglich / ohne verſaͤumliches Stillſtehen / ſollen erſtrecken und arbeiten zum Eingang des Liechtes / darinnen zu wandeln ſo lang und alldieweil wir daſſelbe haben / deſſelben zu genieſſen allhier in der Zeit / und dort hernach in Ewigkeit.

Darzu helffe und gebe uns JEſus Chriſtus das efs nige und wahrhafftige Stecht und Heyl unſerer Seelen / welches in die Welt kommen / uns von der Macht und Nacht der Finſternuͤß und ewigen Sa zu befreyen /

Ip A mR. AMEN, ME

Folget

Lebens ⸗Lauff.

Folget ein Schreiben von einem vornehmen. Patritio und Raths⸗ verwandten zu Goͤrlitz! wegen ſeel. Jacob Boͤhmens Per⸗ ſon und Schrifften.

GOtt mit uns im Genaden!

Ein inſonders guͤnſtiger Herz und Freund. Sein Geliebtes vom verſtrichenen Jahre iſt mir wohl worden: Haͤtte eher antworten ſollen / wann ich niche daran waͤre verhindert worden: bitte deßwegen mich fuͤr entſchuldiget zu halten. Welche laͤugnen / daß ein Schuſter bewuſter Bücher Author ſey / geben damit zu verſtehen / daß ſte niche glauben / daß GOtt in Schrifſt⸗ und Sprach⸗loſen Taten / das iſt / in Buchſtab⸗ungelehrten Leuten / wuͤrcken könne; ſondern allein durch die Lateiner / und andere Sprachen: fündige/ und beſonders ſolche Maͤn⸗ ner / die von den Hoͤhen in Iſrael ihre Witz und Spitz⸗ kunſt geholet / ſein Wort ausſprechen und feinen Seife offenbahren wolle: Sie werden aber GOTT feine Macht nicht nehmen / ſind viel zu wenig dazu. Wann fie nicht von ſich ſelber klug ſeyn wolten / das iſt / den Verſtand und das Judicium nicht aus der Schulen / oder einer gewiſſen mit logicaliſchen Articuln bezirck⸗ ten und offt beeydigten Lehre / Norm und Form, in die Schelfft / ſondern aus der Schrift / als dem Zeugnuͤß von G Ott in ihre Schule / nicht weniger aber in ande⸗ rer Leute Buͤcher / Wercke und Wunder braͤchten: So würden fie vielleicht ein anders erfahren / und gewiſt glauben / was fie jetzo wegen ihres fo tieff⸗eingewurtzel⸗ ten Schuhl⸗wahns nicht glauben konnen / in dehme ſie * * K * * * ſol⸗

Jacob Boͤhmens

ſolchen Wahn der Gabe des H. Geiſtes welt vorſetzen / |

za dieſe des Heil. Geiſtes Gabe bey jetzigen letzten Zelten wohl gar zu verlaͤugnen ſich unterſtehen / und nichts deſto weniger Geiſtliche wollen genennet ſeyn. Iſt ſo lange nicht / daß Jacob Boͤhm noch gelebet / und ſelne Perſon allhie genugſam bekannt geweſen. Ich zwar habe ihn nicht gekennet / weil ich zur ſelben

Zelt / da er mit feinem Buͤcher⸗ſchreiben zuerſt rucht⸗ Hahr worden / noch etwas jung / und da er folgends nach etlichen Jahren das Schretben / welches er auff Ver⸗ Hott unterlaſſen hatte / wieder zur Hand genommen / und damit von dem Primario Paſtore auff der Can⸗ Bel verketzert worden / meiſt abweſend geweſen. Bin aber Anno 1624, bald nach feinem Tode mit etlichen ſeinen fuͤrnehmſten Freunden und Liebhabern / welche viel und lange Zelt mit thme umbgegangen waren / in Kundſchafſt gerahten: Da nehmlich Her: Jonas Lie-

Hing, damahliger Richter zu Weiſſende / vler Meilen von Nurnberg gelegen / (als bey welchem kurtz zuvor⸗ Her ich mich auff gehalten hatte) mir hierzu Anlaß ge⸗ geben hatte / in dem er zweymahl an mich geſchrieben /

und begehret / daß ich ibme und Dan. Chriftiano Bec- mann, Rectori zu Amberg bey dem Gymnafio zu gefallen / einen und andern gewiſſen Bericht des Ja⸗

cob Böhme wegen ertheilen wolte: weil fie auch nicht

bald glauben konten / daß ein Idiot eine von G Ott und

ber Natur fo tleffe und ungemeine Erkaͤntnuͤß haben ſollte. Beckmanni Worte in ſeinem Briefe find un⸗ ker andern dieſe an Libingum gerichtet: Superiori hyeme ſcripſerat ad me amicus: Görlitii eſſe vi- zum plebejum & alias &u% , Jacob Böhme no- mine, qui ſingulari ſpirits gratià delibutus & va-

8 *

. . ˙———.

Aas linguas proloquatur, & inſuper libros ar k

gen d. e / und deſſen Signatur; als Form / gen das Gewaͤchſe / u een 5 le Forn

Lebens⸗Lauff.

ſapientiæ plenos conficiat. Ex illo tempore non deſtiti ſolicitè inquirere an ita fit &c. Tandem ante pauculos dies Egram veni, & inter alia inibi apud amicum vidi libros tres manuſcriptos & ſa- tis quidem grandes Bohemii illius. Quid dicam ? ut legi, ut obſtupui ? Itane virum è multis, in Schola non eruditum, tam profunda Myſteria eg- gredi, & tam politè fcribere! Enimverò ipſa me- thodus & rerum abditarum expoſitio facit, ut du- bitem de Authore. Dicitur eſſe Idiota Böhmius, Nondum credere poſſum: niſi certior adhuc fiam talem eſſe Görlitii, talia eum ſcripſiſſe: idque u- nius & alterius viri fincerioristeltinonio &c. line ter erwehnten des Jacob Böhmens geweſenen Freun⸗ den / war fonderlich einer / deſſen Beywohnung lch oft und viel genoſſen / welcher zu erzehlen wuſte / wie ein Med. Doct allhie Tobias Rober genannt / dehn ich noch wohl gekennet / den Jacob Böhm mit feiner Natur⸗ſprache zu mehrmahlen auff die Probe geſetzet / in dem fie als geheime Freunde im Spatzier⸗gehen ei⸗ ner dem andern die Blumen / Kraͤuter / und andere Erd⸗ gewaͤchſe gezeiget / und Jacob Boͤhm aus deren aͤuſ⸗ ſerlichen Signatur und Bildung / die innerliche Krafft / Wuͤrckung und Eigenſchafſt / mit denen Buchſtaben/ Syllaben und Worten des ihnen eiageſprochenen und zugegebenen Namens alſobald Bedeutet. Hat aber die Namen fuͤr andern in Hebratſcher Sprache / als wel⸗ che der Natur⸗ſprache am naͤheſten wäre / Düren wol⸗ len: Und wann man dieſelbe Namen nicht gewuſt / hat er nach denen Griechiſchen gefraget. Und da je der Medicus mit Fleiß einen unrechten Namen anaeaes ben / hat der ander / wann er deſſelben Eigenſchafft ges

Salz

Jacob Boͤhmens

Farbe ꝛc. gehalten / den Betrug bald gemercket / und geſprochen / daß es nicht der rechte Name ſeyn koͤnne / und hievon genugſamen Bewelß darthun koͤnnen. Und Daͤnnenhero mag es kommen ſeyn / daß man von ihme ausgeſprenget / als koͤnte er frembde Sprache reden: welches doch nicht alſo geweſt / er auch deſſen ſich nie geruͤhmet. Zwahr hat er dieſelben bey andern verftehen konnen / wann er ſte gehoͤret / nach Zeugnuͤß Herꝛn David von Schweinich / des Fuͤrſil. Lignitziſchen Landes Haubtmans / welches dieſer unlaͤngſt und kurtz vor feinem Tode hören laſſen. Dann dieſer Gottes- fuͤrchtige und tapfere Edelman / ſo etwa vor zwey Jah⸗ ren verſtorben / und fonften wegen feiner in Druck ges brachten Gelſtlichen Lieder nicht unbekannt iſt / hat da⸗ mahlen in Gegenwart vornehmer gelaͤhrter Maͤnner / bey einem Convivio in $tanig / viel merckwuͤrdiger Dinge von dem Jacob Boͤhmen / dehn er einesmah⸗ les zu ſich auff ſein Gut oder Dorff erfordert gehabt / zu erzehlen wiſſen / die mir folgende durch eine glaub⸗ wuͤrdige Peeſon / die ſelbſt dabey geweſen und ſolches mit angehoͤret / beygebracht worden: da er unter ans | dern Geſchichten / auch von denen / ſo die Sprachen angehen / mit dieſen Worten Erwähnung gethan: So wuſte er (Jacob Boͤhm) auch alles / ob wir gleich Latelniſch oder Frantzoͤſiſch redeten / was wir geredet Hatten : Sagte auch / wir möchten reden in was für Sprachen wir wolten / Er wuͤrde es dennoch verſte⸗ hen / und dieſes vermittelſt der Natur⸗ſprache / welche er koͤnte / ꝛc. Wie ſonſt andere noch viel mehr Edel und andere vornehme Leute / und zwar oͤſſter und gar in ge⸗ helmer vertraulicher Freundſchafſt mit ihme umbge⸗ gangen: Alſo hat ihn fonderlich der Edle Her: von Franckenberg wohl gekennet / und fein Buͤchlein * I

ex

*

Lebens⸗Lauff⸗

der Buß / Gelaſſenheit / und uͤberſinnlichen eben Anno 1622. (unter dem Titul / der Weeg zu Chri⸗ ſto) allhie zu Goͤrlitz zum Druck befördert. Von dies ſem von Franckenberg: Als umb welchen ich lange Zeit an unterſchiedenen Orten geweſen; auch abwe⸗ ſende umb ſeiner erbaulichen Converſation mich nicht zu begeben / per literas vielfaͤltig mit ihme correſpon⸗ diret / koͤnte ich viel Zeugnüffe beybringen / daß es Jacob Böhme ſelbſt / und nicht ein anderer unter ſei⸗ nem Namen geweſen / bey welchem die Wunder GOt⸗ tes offenbahr worden; denn er ſie an feiner (des J. B.) Perſon genugſam wahrgenommen. Ich geſchwetge der jenigen ſo mir auch nicht unbekannt geweſen / welche durch dieſes Mannes Beywohnung / und durchoͤringen⸗ de Geiſtes⸗rede in merckwuͤrdige geſchwin de Veraͤnde⸗ rung ihres Gemuͤths und Erneuerung ihres Lobens ge⸗ rahten: alſo / da fie zuvorher der Eitelkeit diefer Welt / und den Luͤſten des Fleiſches gantz ergeben wa⸗

ren / und gegen ihre Unterthanen nicht anders als reiſ⸗

ſende Woͤlffe ſich erzelgeten / mit jedermans Verwun⸗ derung hernach / aller Uppigkeit Feind worden / und als

gedultige Schaafe mit denenſelben umbgegangen / und

ihr voriges aͤrgerliches Leben mit ſtaͤter Reue beweinet. Von keinem deren / ſo ihn erkennet / habe ich jemahlen vernommen / noch durch andere vernehmen koͤnnen / daß er nicht ſollte fuͤr den jenigen ſeyn angenommen wor⸗ den / der die Bücher geſchrieben / die folgends unter dem Namen Teutonici, in Hoch- und Niederteutſcher / auch Engliſch⸗und theils Lateiniſcher Sprache bißhero herfuͤr kommen. Dann wann deme nicht alſo waͤre / fo würde er nicht von fo vielen Frembden allhter ſeyn erſuchet / noch zu ihnen abgeholet worden ſeyn: Denn gewißlich unter dieſen ſolche Leute ſich befunden welche

Jacob Boͤhmens

den Geiſt der Pruͤfung gehabt / und denen er feiner ho⸗ hen Gaben wegen genugſame Rechenſchafft / Rede und Antwort / nicht weniger als feiner Bücher überfläffige Erklärung darthun / und von ſich geben koͤnnen: Als er dann auch gethan / und alſo von dehme / was er ge⸗ ſchrieben / mit groſſer Krafft und Wunder⸗wuͤrckung bey denen Zuhörern / muͤnd⸗ und perfönlich gezeuget. Als er zu Dreßden eine geraume Zeit bey dem vornehm⸗ ſten Churfuͤrſtl. geheimen Rathe ſich ev / auch alda geſchrieben / und durch ſolche Gelegenheit ein Examen ausſtehen muͤſſen; da hat wohl auch kein an⸗ derer / als er reden koͤnnen: Habe hievon ſichere Nach⸗ richt aus eben demſelben Orte vom zten December 1661. mit ſolchen Worten: Was ſonſt wegen Jacob Böhmen Examination in Dreßden zu halten ſey / habe mich erkuͤndiget / daß ſolches gewiß geſchehen ſey. Finde auch in des weitberuͤhmten Mathematici / und geheimen Theoſophi, Bartholomei Sculteti geweſe⸗ nen Buͤrgermeiſters in Goͤrlitz Diario (daraus er her⸗ nach unſere Annales formiret) daß An. 1613. Jul. 26. Jacob Boͤhme ein Schuſter zwiſchen denen Thoren Hinter dem Spital ſchmiede / wäre auffs Rath⸗ haus ges fordert / und umb feinen Ent huſtaſtiſchen Glauben ge⸗ fraget / darüber in Hafft geſetzet / und alſobald fein ge⸗ ſchlieben Buch in 4to fol. durch den Stadt⸗Diener aus feinem Hauſe abgeholet; darauff aus dem Gefaͤng⸗ nuͤß er wieder erlaſſen / und ermahnet worden von ſol⸗ chen Sachen abzuſtehen: Item / daß den 30. Jul. & Jacob Boͤhm der Schuſter von denen Prædicanten in des Primarii Wohnung fuͤrgefodert / und in ſeiner Con feſſion mit Ernſt examiniref worden. Item / daß zuvorher / als den 28. Jul. O (da das Evangelium von falſchen Propheten) der Primarius er * l-

En ˖§‚X 1 ccc

sebeng'- Lauf. 5 975 eine ſcharffe Predigt wider den Schuſter J. E. gethan.

Siehet alſo mein geliebter Freund / daß mam zur ſel⸗ ben Zeit keinen andern als den Schuſter fuͤr den ſo ge⸗ nannten Enthufiaften , und für den Verfaſſer des ges ſchriebenen Buchs (welches Aurora geweſen / und / wie ich noch in frembden Orten erfahren / von unſerm Rith⸗Hauſe an einen gewiſſen Ort in Dreßden ges bracht worden) allhier angenommen und gehalten hat. Welches gleicher geſtalt ein geweſener Buͤrgermeiſter allhie Joan Emerich (von deſſen Geſchlechts Vor⸗ fahren das Heilige Grab erbauet worden) in ſeinem Diario zeuget: allwo er im Jahr 1624, dieſe Worte ſetzet: Den Z. Novembr. ſtarb der Schuſter / dehn Gregor. Richter oſſt und viel geſchmaͤhet / welches aber der Schuſter genugſam verantwortet hat / 20. waͤre beſſer geweſen / der Priwarius haͤtte den Schuſter zu frieden gelaffen / hat wenig Ehre erlanget. ꝛc. Wäre freyllch viel beſſer geweſen / denn der gute Mann der Schuſter / von welchem ich niemahls etwas ungebuͤhr⸗ liches vernommen / wuͤrde nicht beduͤrfft haben umb ſei⸗ nen ehrlichen Namen zu retten / eine Apologiam wia

der deſſelben Schmaͤh⸗karten zu ſchreiben / und deſſen et>

gene Schande zu offenbahren. Aber der Primarius hat ihn durch das Mittel der Laͤſter⸗zungen der Welt bekannt machen / und deſſen Ehre bey unparteyiſchen Gemuͤhtern mit ſeinem Nachtheil / befoͤrdern ſollen. In Summa / bey Lebzeiten des Jacob Böhmen tie Niemand / achte ich / allhier geweſen / der ihn nicht für den rechten und einigen Author, oder fuͤr das wahre Werckzeug der bewuſten Schriften ſollte gehalten ha⸗

ben: Nur nach ſelnem Tode hat die nachkommene neue

Welt / und die ihn nicht gekennet / ſonderlich in der * K A * * 4 Fremb⸗

4 Fans

Jacob Boͤhmens Frembde / feine als eines Laten und geringen Mannes

ſo hohe Eekaͤntnuͤß in Zweiffel ziehen wollen.

Einen kurtzen Lebens⸗Lauff nebenft dem Regiſter der Buͤcher des Jacob Boͤhmens / hat wohlgedach⸗ ter Edelman Abr. von Franckenberg Anno 1637. in Latein auffgeſetzt und einem guten Freunde erthellet / welcher ihn folgendes 1638. Jahres nach Amſterdam gebracht / und einem Liebhaber zu Gefallen ins Hoch⸗ teutſch uͤbergeſetzet: Da er dann nach der Zeit alſo verteutſchet denen ausgegangenen Buͤchern beygeſetzet worden : Zwar ohne Vorbewuſt des Authoris, der auff ſolchen veemuhteten Fall die Sache / nach Eigen⸗ ſchafft der Teutſchen Rede nicht allein viel klaͤrer / ſon⸗ dern auch weitlaͤuff tiger und mit mehrern Umbſtaͤnden

würde an Tag gegeben / oder aber die jenigen Göttlichen Geheimnuͤße / welche ſich bey der Perſon befunden / und ihme vor andern kund gemacht worden / vor der hös nifchen Welt wohl gantz und gar verſchwiegen haben: Die Wercke / welche von dem geheimen Manne und Sreunde Gottes zeugen / als nehmlich ſeine nunmehr hin und wie der bekannte Buͤcher / werden ohne das von

ihre n Veraͤchtern genugfam verlaͤſtert. Anno 1639. hat Abraham Wilhelmſoon van

Beyerland, Bürger und Kauffman zu Amſterdam

dieſe Bücher zuerſt in feine Mutter- oder Niederteut⸗ ſche Sprache mit beſonderer Muͤhe und großem Fleiß uͤbergeſetzet / und auff ſeine eigene / nicht geringe Unko⸗ ſten drucken laſſen / welche Schriſſten ich dann meiſten⸗ theils berelts Anno 1624. und 1625. und die folgende Jahre allhier in Goͤrlitz geſehen und in Händen gehabt / ehe ſie noch in Holland kommen. Die eigene Handt des Authoris aber von denen meiſten oder doch vornem⸗ ſten deroſelben Schriſſten / hat ſich ohngefaͤhr vor

| 12, Jah⸗

l I |

Sebeng- Sauff.

1. Jahren / da ich gleich von meiner 25. jährigen Ab⸗

weſenheit wieder anheim kommen / bey der Verlaſſen⸗

ſchafft eines von meinen alten guten Freunden nach ſei⸗

nem Tode gefunden: Dieſe aber hat fein Vaͤtter / ein: junger Menſch / einem andern allhier / und dieſer umd ohngefaͤhr 3. oder 4. Thaler / die er doch nicht erlanget / einem Handelsmanne in Lauben / gegeben; der ſie nun hin und wieder ſoll fell bieten / und umb 100. Ducaten: verkauffen wollen / und deß wegen zu Leipzig liegen ha⸗ ben. Ich habe zwar Anſtellung gemacht / umb zu ver⸗ ſuchen / ob fie aus unwuͤrdiger Hand mögen errettet und fuͤrm Untergang bewahret werden: iſt aber nicht leicht von einem Geltzigen umbſonſt etwas zu erhalten. Wann ich ſolchen Schatz bey angeregter Perſon / die ich bey dero Niederlage wohl beſuchet / gewuſt Hätte / zweiffele ich nicht / ich ſolte deſſelben theilhafſtig ſeyn worden: der gute Mann mag ſich damit / weil er in publicoOfficio begriffen war / vielleicht gefuͤrchtet / oder je des ſo nahen Todes nicht verſehen haben. Sonſt iſt zur Lignitz von eigener Handt zu finden / wie ich daraus berichtet bin / das Buch von den ao. Fragen von der See⸗

len: und hin und wieder noch etliche Send⸗Schretben.

Mehr iſt daſelbſt eine Abſchrifft des Myfterii Magni, welche faſt den Aten Theil von des Authoris efgener: Handt corrigiret worden. Würde auch noch wohl et⸗ was von ſelbiger Handt bey denen Erben des angedeu⸗ teten Beyerlands zu finden ſeyn: welcher ſonſten un⸗ terſchiedliche Abſchrifſten von deſſelben Buͤchern umb großes Geld an ſich gelöfet/ umb folche wan es von noͤh⸗ ten geweſt / gegen einander zu halten und zu collatio-- niren / und alſo die befundene Maͤngel zu erſetzen. Die: eigene Handtſchrifſt des Authoris, wann hievon 1. 2>-

der 3, Boͤgen / oder etwa ein Tag⸗werck vorhanden

*

Igcob Boͤhmens

geweſt/ abe altabard zwey Landbeſitzere in der Naͤhe /

Gebrſdece / abholen laſſen / abgeſchrieben / und dann weite: an andere / dle dergleichen gethan / fortgeſchicket: alſo daß die erſten Abſchrifften wohl die beſten ſeynd / und bey Beyerlands Verlaſſenſchafft zu finden.

Von des Jacob Böhmen Söhnen aber iſt keiner mehr im Leben. Das Buch vom Juͤngſten Gerichte ſoll nicht mehr verhanden / ſondern im Feuer zu Groß⸗ Glogaw verloſchen ſeyn. Das von denen letzten Zeiten / ſo ich nicht habe / gedencke ich in Schle⸗ fien zu erforſchen: wiewohl man hoffet / nach einge⸗ zogenem Bericht / daß alle die Wercke des Jacob Boͤhmens in Hochteutſcher Sprache in kurtzem mit⸗ einander und beyſammen hervor kommen ſollen. Wo⸗ en zu GOttes genaͤdiger Bewahrung ems ꝓfehle. f

Meines inſonders guͤnſtigen Her zn

und wehrten Freundes Soͤrlitz den | 21. Febr. Dlenſtwilltger Freund 4669 | E H

Be⸗

Beſchluß. A us dteſem vorgehenden allem hat der guͤnſtige Leſer umbſtaͤndlich / und zur Genuͤge (fo viel uns biß

daher durch Schrifften bekannt worden) verſtanden / wer dieſer Author der Gottſeelige Jacob Böhme ge⸗

weſen ſey / fein Lebens⸗Lauff / ſeine ſchwere Verfolgung

umb der überaus hohen Goͤttlichen Erkaͤntnuͤß und Of⸗ fenbahrung willen / nicht allein bey ſeinem Leben / ſon⸗ dern auch biß in die Grube / daß er alſo fuͤr ſein Theil und Perſon das hinter ſtellige Leyden JEſu Chriſtt

als ein auserwaͤhlter Ruͤſtzeug und getreues Gliedmaß

reichlich erfuͤllet / und uns in feinen heiltgen Schrifſten eine fo durchdringende Lieb- und Ernſt⸗Stimme zu ſtaͤter Auff munterung und Nachfolgung hinterlaſſen; Daß umb dieſe Perle und wehrtes Kleinod (ſo es an⸗ derſt im Hertzen und Gemuͤth zur Fruchtbarkeit gefaſ⸗ ſet) dem Allerhoͤchſten nimmer genug kan gedanckt werden / wie die jenige bezeugen die ein Fuͤncklein ſeiner

Erkaͤntnuͤß erlanget / noch darumb je laͤnger je mehr

ringen / und weiter bey den Nachkommen bezeugen wer⸗ den. Jedoch ſtehet dieſes wohlmeynentlich zu erinnern umb Verhuͤtung großer Seelen⸗Gefahr und anderer verderblichen Zerrüttung und Aegernuͤß willen / daß gleich wie zu allen Zeiten nach dem gemeinen Sprich⸗ wort / wo GOtt ſeine Kirche gebawet / der Teufel ſeine Capelle darneben geſetzet / alſo inſonderheit zu dteſer Zeit wohl zuzuſehen / und umb den Getſt der Pruͤfung nach dem Sinn Chriſtt und feiner Wahrheit zu bit⸗ ten / welcher die Seele in tieffer Demuth und Stebe zu Goͤttlicher Vereintgung